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Äußere Hernien

Letzte Aktualisierung: 2.12.2019

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Als äußere Hernien werden Ausstülpungen des parietalen Peritoneums durch Schwachstellen in der Bauchwand bezeichnet, die in der klinischen Untersuchung insbesondere unter Erhöhung des intraabdominellen Drucks als Vorwölbungen tastbar und sichtbar sein können. Zu den häufigsten äußeren Hernien zählt die Leistenhernie, deren äußere Durchtrittsstelle der äußere Leistenring darstellt. Weitere wichtige Hernienformen sind die Schenkelhernie (mit Durchtrittspforte unter dem Leistenband) und die Nabelhernie, die sich durch eine Faszienlücke im Nabel nach außen vorwölbt. Je nach Lokalisation können weitere, seltenere Hernienformen unterschieden werden.

Allen Hernien ist gemeinsam, dass sie durch eine Kombination aus Erhöhung des intraabdominellen Drucks (Adipositas, Aszites, Schwangerschaft, Husten oder Pressen) und angeborenen oder erworbenen Muskellücken entstehen. Die kausale Therapie besteht in der Reposition des Bruchsackinhalts, der Abtragung des Bruchsacks und dem Verschluss der Bruchpforte. Häufig ist die Unterstützung der Bauchwand durch die Einlage eines Netzes indiziert.

Äußere Hernien entstehen aufgrund von Ausstülpung des parietalen Peritoneums durch angeborene oder erworbene Schwachstellen bzw. Lücken in der Bauchwand. Sie können als Vorwölbungen bei der körperlichen Untersuchung tastbar sein.

Je kleiner die Bruchpforte, umso höher das Risiko einer Inkarzeration!Die Inkarzeration stellt eine Notfallsituation dar, die ein schnellstmögliches chirurgisches Handeln erfordert!

  • Definition: Faszienlücke im Nabel führt zur Ausstülpung des parietalen Peritoneums und ggf. zur Vorwölbung von Baucheingeweiden (großes Netz, Dünndarm, Dickdarm) durch die Bauchwand
  • Ätiologie
  • Klinik: Vorwölbung, ggf. mit Schmerzen in der Nabelregion
  • Diagnostik: Klinische Diagnose (Anamnese, Inspektion, Palpation)
  • Differentialdiagnosen
  • Therapie
    • Bei Säuglingen/Kleinkindern: Hohe Rückbildungsrate, daher i.d.R. abwartendes Vorgehen indiziert
    • Bei Erwachsenen: Operative Versorgung (sofern das operative Risiko es zulässt)
      • Indikation
        • Inkarzeration (absolute Indikation)
        • Präventiv zur Vermeidung einer Inkarzeration
        • Symptomatische Hernien
      • Vorgehen
        • Bei kleinem Fasziendefekt: Direkte Fasziennaht über offenen Zugang mit semizirkulärer Schnittführung unterhalb des Nabels (nach Spitzy)
        • Bei größerem Fasziendefekt: Netzeinlage bei Nabelhernie
          • Kann offen oder geschlossen mittels Laparoskopie erfolgen, unterschiedliche Netzeinlagen möglich
            • Sublay-Mesh-Technik: Einlage des Netzes zwischen Rektusmuskulatur und hinterem Blatt der Rektusscheide
            • Underlay-Technik (präperitoneale umbilikale Mesh-Plastik, „PUMP“): Präperitoneale Netzeinlage zwischen hinterem Blatt der Rektusscheide und Peritoneum
            • Inlay-Technik: Einnähen des Netzes in den Fasziendefekt bei großer Ausdehnung und nicht-adaptierbaren Defekträndern
            • Intraperitoneales Onlay-Mesh (IPOM): Minimalinvasive, intraperitoneale Netzeinlage
            • Nicht mehr verwendet wird die Onlay-Technik (Epifasziale Netzeinlage auf das vordere Blatt der Rektusscheide), die aufgrund hoher Rezidivraten obsolet ist

Exkurs: Rektusdiastase

  • Definition: Auseinanderweichen der Mm. recti abdomini mit Vorwölbung der abdominellen Organe
  • Ursache: Erhöhter intraabdomineller Druck, insb. im Rahmen einer Schwangerschaft
  • Sonderform: Physiologische Rektusdiastase beim Säugling
  • Therapie
    • Konservative Maßnahmen: Gewichtsabnahme, Training der Bauchmuskulatur, ggf. Tragen eines Korsetts
    • Operative Maßnahmen: I.d.R. nicht indiziert, hohe Rezidivraten bei direkter Naht der Rektusscheide, ggf. Netzeinlage möglich

[1]

  • Definition: Hernie im Bereich einer alten Narbe (i.d.R. Laparotomienarbe), an der sich ein peritonealer Bruchsack durch die Bauchwand schiebt
  • Epidemiologie
    • Häufigste Form der ventralen Bauchwandhernien, selten Inkarzeration
    • Insb. bei medianer Laparotomie
  • Ätiologie: Funktionell schwaches Narbengewebe nach chirurgischen Eingriffen
  • Therapie
    • Versorgung frühestens 6 Monate nach Laparotomie
    • Aufgrund hoher Rezidivrate bei konventionellem direkten Verschluss wird i.d.R. ein spannungsfreier Verschluss mittels Netzeinlage durchgeführt

Epigastrische Hernie

  • Definition: Herniation mit Bruchpforte im Bereich der supraumbilikalen Linea alba (zwischen Nabel und Xiphoid)
  • Epidemiologie: Nicht selten multiple epigastrische Hernien
  • Klinik: Typischerweise Oberbauchbeschwerden, die sich insb. bei Anspannung der Bauchdecke oder Veränderung der Körperposition zeigen
  • Diagnostik: Klinische Diagnose
  • Therapie: Operative Versorgung analog zur Nabelhernie

Spieghel-Hernie

  • Definition: Laterale Bauchwandhernie durch einen Defekt der sog. Spieghel-Aponeurose , meist an der Kreuzungsstelle mit der Linea arcuata
  • Ätiologie/Epidemiologie: Seltene Hernienform, die immer erworben ist und v.a. bei Frauen auftritt
  • Klinik: Ggf. Vorwölbung im rechten oder linken Unterbauch beim Valsalva-Manöver
    • Häufig Inkarzeration als Erstmanifestation
  • Diagnostik: Meist zusätzlich zur klinischen Untersuchung Sonographie und/oder CT notwendig
    • Vorgeschaltete diagnostische Laparoskopie kann ebenfalls sinnvoll sein
  • Therapie: I.d.R. absolute OP-Indikation wegen hoher Einklemmungsgefahr

[2]

Richter-Hernie

  • Definition: Partielle (inkomplette) Darmwandhernie: Nur ein Teil der Darmwand fällt vor und bildet den Bruchinhalt (nicht die gesamte Zirkumferenz des Darmes)

Littré-Hernie

Hernia obturatoria

[2]

Hernia ischiadica

Hernia perinealis (Beckenbodenhernie)

Hernia lumbalis

[2][3][4]

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Schumpelick: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. 3. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-3-642-14223-9 .
  2. Schumpelick: Hernien. 5. Auflage Thieme 2015, ISBN: 978-3-131-17365-2 .
  3. Liehn et al.: OP-Handbuch: Grundlagen, Instrumentarien, OP-Ablauf. 6. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-49280-2 .
  4. Jauch et al.: Chirurgie Basisweiterbildung: In 99 Schritten durch den Common Trunk. 1. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-34004-1 .
  5. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  6. Siewert: Chirurgie. 8. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-30450-0 .