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Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen

Letzte Aktualisierung: 23.3.2021

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Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer reversiblen bronchialen Obstruktion und/oder mit einem hyperreagiblen Bronchialsystem einhergeht. Das klinische Bild ist variabel: Es reicht von leichten Verläufen mit nur rezidivierendem Husten oder Räusperzwang bis hin zu intermittierend (ggf. anfallsartig) auftretender Luftnot mit pfeifender Atmung und auskultatorischem Giemen und Brummen. Bei Kleinkindern zeigen sich oft infektassoziierte Episoden mit anfallsartigem Husten bis zum Erbrechen. Diagnostisch wegweisend sind v.a. die Anamnese sowie die Befunde von Lungenfunktionsmessung und Allergiediagnostik.

Bronchospasmolytische Medikamente kommen sowohl bei exazerbiertem Asthma bronchiale als auch bei einer obstruktiven Bronchitis zur Anwendung. Klinisch zeigt sich hier kein Unterschied; daher kann die Anamnese Aufschluss geben. Am wichtigsten ist es, eine bronchiale Obstruktion zu erkennen und zu behandeln, da der Schleim ansonsten nicht abgehustet werden kann und ein optimales Nährmedium für bakterielle Superinfektionen bietet. Reicht die Gabe von β2-Sympathomimetika in der Akutsituation nicht aus, kommen systemische Glucocorticoide zum Einsatz. Inhalative Glucocorticoide helfen nicht akut gegen Luftnot und sind in der Therapie eines Asthmaanfalls oder sonstiger akuter Dyspnoe nicht indiziert! Sie finden als Dauertherapie zur Vermeidung von akuten Exazerbationen Verwendung.

Dieses Kapitel widmet sich insb. den pädiatrischen Aspekten des Asthma bronchiale, eine Gesamtübersicht inkl. des Asthma bronchiale im höheren Alter siehe Asthma bronchiale

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Risikofaktoren für Entstehung und einen ungünstigen Verlauf des Asthma bronchiale [1]

  • Endogene Risikofaktoren
    • Genetische Prädisposition
    • Erhöhtes Körpergewicht
    • Psychosoziale Belastung
    • Sonderfall: Körperliche Anstrengung (sog. Anstrengungs- oder Belastungsasthma)
  • Exogene Risikofaktoren
    • Allergenexposition
    • Infektionen [2]
    • Umweltbedingungen
    • Chemisch-toxische Stoffe, bspw. Haarspray
    • Tabakrauchexposition
    • Kalte und/oder trockene Luft
    • Ernährung
    • Medikamente

Eine Tabakrauchexposition erhöht das Asthmarisiko im Kindesalter!

Für weitere Informationen siehe: Ätiologie des Asthma bronchiale

Bei der Unterteilung in verschiedener Asthmaformen ist zu beachten, dass die Entstehung multifaktoriell ist, sodass die Klassifizierung in verschiedene Subtypen als flexibel angesehen werden muss.[1]

Für weitere Informationen siehe: Unterformen des Asthma bronchiale

Grad der Asthmakontrolle im Kindes- und Jugendalter [1]

Unbehandelte Patienten werden entsprechend der Asthmakontrolle medikamentös eingestellt, bei bereits anbehandelten Patienten erfolgt eine Verlaufsbeurteilung mit entsprechender Therapieanpassung.

Grad der Asthmakontrolle Symptome tagsüber Einschränkung von Alltagsaktivitäten

Nächtliche Symptome oder nächtliches Erwachen

Notwendigkeit von Bedarfsmedikation oder Notfallbehandlung
Kontrolliertes Asthma Nein Nein Nein Nein

Teilweise kontrolliertes Asthma

1–2 Kriterien

>2× pro Woche

Ja

Ja

>2× pro Woche

Unkontrolliertes Asthma

≥3 Kriterien

Prognosebestimmung bzgl. zukünftiger Verschlechterung

  • Lungenfunktion: Atemwegsobstruktion
  • Exazerbationen : Keine / ≥1 pro Jahr / in der aktuellen Woche
  • Schweres Asthma bei Kindern und Jugendlichen [3]
    • Regelrecht durchgeführte Therapie (>6 Monate), die zum Erreichen einer guten Asthmakontrolle folgender Medikamente bedarf
      • Add-on-Therapie mit LAMA oder Anti-IgE und/oder
      • ICS-Hochdosis

Asthma-Schweregrad im Kindes- und Jugendalter

Der Asthma-Schweregrad wird im Verlauf bei bereits therapierten Patienten bestimmt, nicht bei Erstdiagnose. Er richtet sich danach, auf welcher Stufe der Patient behandelt wird (siehe Stufentherapie des Asthma bronchiale) und wie der Grad der Asthmakontrolle ist.

  • Leichtes Asthma: Kontrolliertes Asthma auf Therapiestufe 1 oder 2
  • Mittelgradiges Asthma: Kontrolliertes Asthma auf Therapiestufe 3 oder 4
  • Schweres Asthma [3]
    • Kriterien: Therapie mit ICS in Höchstdosis und mind. 1 zusätzlichen Langzeitmedikament (LABA oder LTRA) oder OCS >6 Monate/Jahr plus mind. 1 der folgenden Punkte
      • Teilweise kontrolliertes oder unkontrolliertes Asthma
      • Schwere Exazerbationen: ≥1 Exazerbation mit stationärer Behandlung oder Beatmung in den letzten 12 Monaten
      • Häufige Exazerbationen: ≥2 corticosteroidpflichtige Exazerbationen in den letzten 12 Monaten
      • Atemwegsobstruktion: FEV1 <80% des Sollwertes (FEV1/FVC < LLN)
    • Zusätzlich wird unterschieden:
      • Untreated Severe Asthma: Durch fehlende Therapie
      • Difficult-to-treat severe Asthma: Durch Incompliance, Komorbiditäten oder Triggerpersistenz
      • Treatment-resistant severe Asthma: Trotz korrekter Einnahme der empfohlenen Medikamente in höheren Dosen

Klassifikation der Asthmaschweregrade bei Erstdiagnose im Kindes- und Jugendalter

Diese Tabelle wird nicht mehr verwendet. Die Therapie richtet sich nach dem Grad der Asthmakontrolle und nicht nach dem Schweregrad.

Asthmaschweregrad Symptomatik bei Erstdiagnose Lungenfunktion
Am Tag In der Nacht Exazerbationen FEV1 oder PEF vom Soll PEF-Tagesvariabilität

I = Intermittierend

<1× pro Woche

≤2× pro Monat

Kurz (Stunden bis Tage anhaltend), kaum Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher Aktivität

≥80%

<20%

II = Geringgradig-persistierend

<1× pro Tag; >1× pro Woche

>2× pro Monat

Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher Aktivität

≥80%

20–30%

III = Mittelgradig-persistierend

Täglich

>1× pro Woche

Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher Aktivität

60–80%

>30%

IV = Schwergradig-persistierend

Täglich mit hoher Intensität

Häufig

Sehr häufig, ständige Beeinträchtigung des Alltags

<60%

>30%

Bei Vorhandensein eines der Kriterien wird der Patient in die entsprechende Kategorie eingeordnet.

Symptome einer bronchialen Obstruktion

Klinisch zeigt sich kein Unterschied zwischen einem exazerbierten Asthma bronchiale und einer obstruktiven Bronchitis – Anamnese und Verlauf können hier Aufschluss geben. Am wichtigsten ist es daher, eine bronchiale Obstruktion zu erkennen und sie zu behandeln.

  • Luftnot/Kurzatmigkeit
  • Exspiratorisches (Distanz‑)Giemen oder verlängertes Exspirium
  • Juguläre und/oder sub- bzw. interkostale Einziehungen
  • Husten bis zum Erbrechen
  • Räusperzwang und/oder rezidivierender Reizhusten
  • Auftreten insb. nachts und früh morgens
  • Häufig nur episodenhafte Beschwerden, bspw. bei:
    • Saisonal auftretenden Allergenen
    • Infekten (bevorzugt im Winter)
    • Körperlicher Anstrengung
  • Häufig atopische Komorbiditäten, bspw. atopisches Ekzem

Diagnose-Kriterien des Asthma bronchiale bei (Klein‑)Kindern [1][4]

  • Asthma-typische Anamnese und Klinik (insb. infektunabhängig)
  • plus reversible Bronchialobstruktion (im Bronchospasmolyse- oder Provokationstest)
  • oder bei normaler Einsekundenkapazität: Isolierte reversible Bronchialobstruktion nur anhand MEF 25–75 oder konkaver Form der Fluss-Volumen-Kurve

Hinweise auf ein frühkindliches Asthma

Obwohl die Mehrzahl der rezidivierenden obstruktiven Bronchitiden im Säuglings- und Kleinkindalter infektassoziiert sind und nach dem 4. Geburtstag verschwinden, ist auch immer an ein frühkindliches Asthma zu denken!

Basisdiagnostik bei obstruktiver Symptomatik

Anamnese

Klinische Untersuchung [3]

  • Im Akutfall
    • Exspiratorische Atemgeräusche: Insb. (Distanz‑)Giemen, Brummen, pfeifende Atmung
    • Verlängertes Exspirium
    • Trockener Husten, Räusperzwang
    • Zeichen schwerer Bronchialobstruktion
      • Thorakale Einziehungen (jugulär, interkostal, epigastrisch)
      • Sehr leises Atemgeräusch
      • SaO2 <92%
      • Atemfrequenz >40/min
      • Herzfrequenz
        • 180/min im Alter bis 3 Jahre
        • 150/min im Alter 4–5 Jahre
      • Zentrale Zyanose
      • Bewusstseinsveränderung: Agitation, Desorientiertheit, Schläfrigkeit
      • Sprechen ganzer Sätze nicht möglich
  • Auch im beschwerdefreien Intervall
    • Dystrophie und Wachstumsminderung infolge vermehrter Atemarbeit
    • Thoraxdeformitäten infolge persistierender schwerer Überblähung

Lungenfunktionstestung

Bei Kindern unter 3 Jahren ist die Durchführung einer Spirometrie i.d.R. nicht möglich! Hier erfolgt die Diagnosestellung anhand der Klinik.

Ist eine Lungenfunktionsprüfung nicht möglich und der auskultatorische Befund nach Gabe von Bronchodilatatoren reversibel, ist die Diagnose „Asthma“ wahrscheinlich!

Peak-Flow-Messung

  • Formel zur Einschätzung der PEF-Variabilität: (Höchster - niedrigster Wert pro Woche)/höchster Wert × 100 [%]
  • Alternativ: Messen des PEF jeweils vor und 10 Minuten nach Salbutamol-Inhalation
  • PEF-Variabilität ≥10% spricht für Asthma

Die Diagnosestellung sollte nicht ausschließlich infolge auffälliger PEF-Werte gestellt werden! Diese dienen eher der Verlaufsbeurteilung.

Labor

  • Gesamt-IgE und spezifische IgE-AK gegen häufige Inhalationsallergene zum Nachweis einer allergischen Komponente
  • Ggf. Gesamt-IgG, -IgA, -IgM sowie Tetanus-Antikörper-Titer (nach der 2. Impfung möglich) zum Ausschluss eines Immundefektes

Röntgen-Thorax (p.a.)

Zum Ausschluss einer zystischen Fibrose

FeNO-Messung [1]

  • Bei Diagnosestellung (vor Therapiebeginn)
    • Hohe FeNO-Werte >35 ppb: Erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein Asthma bronchiale, das auf Steroide anspricht
    • Niedrige FeNO-Werte <20 ppb: Erwägen von Differentialdiagnosen; reduzierte Wahrscheinlichkeit für Steroidsensibilität des Asthmas.
  • Unter laufender inhalativer Glucocorticoidtherapie
    • Hohe FeNO-Werte >35 ppb
      • Mit Symptompersistenz: Prüfen von Compliance, Inhalationstechnik und Allergenexposition; ggf. Dosiserhöhung
      • Mit Symptomfreiheit: Fortführung der Therapie (keine Dosisreduktion)
    • Niedrige FeNO-Werte <20 ppb
      • Mit Symptompersistenz: Erwägen von Differentialdiagnosen
      • Mit Symptomfreiheit: Ggf. Dosisreduktion

Der diagnostische Nutzen der FeNO-Messung ist unklar. Hohe Werte erhöhen zwar die Asthma-Wahrscheinlichkeit, niedrige schließen ein Asthma aber nicht aus!

Erweiterte Diagnostik bei obstruktiver Symptomatik

Für weitere Informationen siehe auch: Diagnostik bei akuter Asthma-Exazerbation

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Allgemeine Maßnahmen und Besonderheiten

Antiasthmatische Therapie

  • Ziel: Symptomfreiheit unter möglichst niedrigdosierter Therapie mit möglichst wenigen Medikamenten

Initialtherapie bei Erstdiagnose

  • Initialtherapie entsprechend der Asthmakontrolle (bei unbehandelten Patienten)
  • Bei Kindern meist Step-up-Therapie: Therapiebeginn auf der wahrscheinlich notwendigen Therapiestufe; Eskalation/Deeskalation nach Bedarf

Therapieanpassung im Verlauf

Bei der regelmäßigen ärztlichen Überprüfung der Asthmakontrolle sollte immer eine Therapieanpassung erwogen werden.

  • Nicht oder teilkontrolliertes Asthma: Ggf. Therapie-Eskalation (wie bei Erwachsenen)
    • Sind die Symptome nach Eskalation auf ICS/LABA nicht rückläufig, Absetzen von LABA und stattdessen doppelte ICS-Dosis oder ICS/LTRA
  • Gute Asthmakontrolle: Bei Kindern kann eine stufenweise Deeskalation schon bei guter Asthmakontrolle über mind. 1–2 Monate versucht werden; bei klinischer Verschlechterung ist eine sofortige Reeskalation indiziert

Bei der Deeskalation einer ICS/LABA-Therapie sollte immer zuerst die ICS-Dosis halbiert werden. Bei Erreichen einer niedrigen ICS-Dosis unter stabiler Klinik kann zusätzlich das LABA abgesetzt werden!

Bei einer reinen ICS-Therapie sollte eine Deeskalation auch bei Kindern erst bei guter Asthmakontrolle über mind. 3 Monate versucht werden!

Jeder Patient nach Exazerbation mit systemischem Glucocorticoid-Bedarf sollte eine antiinflammatorische Dauertherapie erhalten!

Stufentherapie bei Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter

Medikamentöse Langzeittherapie bei Kindern und Jugendlichen – Stufenschema (NVL 2020) [7]
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe 6

Dauertherapie

(1.Wahl)

Keine ICS: Niedrige Dosis

ICS: Mittlere Dosis

ICS: Mittlere Dosis

plus LABA1 oder/und LTRA4

ICS: Hohe Dosis

plus LABA1 oder/und LTRA4

oder

ICS: Hohe Dosis

plus LABA1 und LAMA3

oder

ICS: Hohe Dosis

plus LABA1 und LTRA4 und LAMA3

„Add-on“-Therapie:

Anti-IgE4

Anti-IL-4R6

Anti-IL-56

Alternativen

LTRA4

oder alleinige Bedarfstherapie mit ICS + Formoterol als Fixkombination2

Keine

Bei ungenügender Therapiekontrolle:

ICS: Mittlere Dosis

plus LABA1 und LTRA4 und LAMA3

In begründeten Ausnahmefällen:

Orale Corticoide (zusätzlich oder alternativ)

Akuttherapie bei Bedarf

SABA

In begründeten Fällen:

Ipratropiumbromid (zusätzlich oder alternativ)

ICS + Formoterol als Fixkombination2

1 Langwirksame β2-Sympathomimetika sind keine Monotherapeutika und werden nur in Kombination mit inhalativen Glucocorticoiden eingesetzt; wirken insb. gut zur Prophylaxe der nächtlichen Asthmasymptomatik.

2 Eine alternative Bedarfstherapie mit einem Kombinationspräparat aus inhalativen Glucocorticoiden und Formoterol wird erst ab dem Alter von 12 Jahren empfohlen, entweder als alleinige Bedarfsmedikation oder wenn ICS + LABA als Fixkombination auch die Langzeittherapie darstellt.

3 Aus der Gruppe der LAMA ist Tiotropiumbromid bei Asthma bronchiale zugelassen (ab dem Alter von 6 Jahren).

4 Vor der Verschreibung von LTRA (Montekulast) sollte eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, da es unter der Therapie zu psychischen Nebenwirkungen kommen kann (bspw. Schlaf- und Verhaltensstörungen). Die FDA hat hierzu ein Boxed Warning herausgegeben [8].

5 Anti-IgE-Antikörper werden bei allergischem Asthma (ab dem Alter von 6 Jahren) in Stufe 6 empfohlen.

6 Bei schwerem Asthma werden in Stufe 6 Anti-IL-5-Antikörper (ab dem Alter von 6 Jahren) und Anti-IL-4R-Antikörper (ab dem Alter von 12 Jahren) empfohlen

  • Überweisungsindikationen
    • Stufe 4: Überweisung zum pädiatrischen Pneumologen
    • Stufe 5: Überweisung zum pädiatrischen Pneumologen im kinderpneumologischen Zentrum
    • Stufe 6: Überweisung zum pädiatrischen Pneumologen mit Erfahrung bei schwerem Asthma im kinderpneumologischen Zentrum
  • Nicht mehr empfohlen: Retardiertes Theophyllin

Die Anwendung von ICS sollte immer die Basis der Langzeittherapie darstellen!

Die vollständige Wirkung von inhalativen Glucocorticoiden (ICS) wird erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung erreicht!

Im GINA-Update 2019 wird für Patienten ab 12 Jahren erstmals bereits ab Stufe 1 ICS + Formoterol als Fixkombination bedarfsorientiert empfohlen!

Bei Kindern unter 12 Jahren soll SABA (nach GINA-Update 2019) nach Bedarf immer in Kombination mit ICS verwendet werden!

Vor der Verschreibung von LTRA (Montekulast) sollte eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, da es unter der Therapie zu psychischen Nebenwirkungen kommen kann, bspw. zu Schlaf- und Verhaltensstörungen bis hin zu suizidalen Gedanken! Die FDA hat hierzu ein Boxed Warning herausgegeben [8].

Besonderheiten bei Kindern ≤5 Jahre

  • Akuttherapie mit kurzwirksamen β2-Sympathomimetika: Gleichwertigkeit von Dosieraerosol mit Spacer und Feuchtvernebler [1]
  • Langzeittherapie mit antiinflammatorischen Medikamenten
    • Immer mittels Dosieraerosol mit Spacer und nicht über Feuchtvernebler!
    • Mögliche unerwünschte Nebenwirkung bei ICS-Therapie vor der Pubertät und insb. bei Kindern <2 Jahre, <15 kgKG und bei Mädchen: Ggf. Reduktion der Körpergröße um ca. 1 cm, die nicht mehr aufgeholt wird [2]
  • Ggf. Dosiseinsparung durch Kombinationstherapie von ICS mit inhalativen langwirksamen β2-Sympathomimetika (LABA)

Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale bei Kindern bis einschließlich 5 Jahren – Stufenschema (GINA-Leitlinie 2020) [7]
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4

Dauertherapie

(1. Wahl)

Keine

ICS: Niedrige Dosis

ICS: Doppelte Niedrig-Dosis

ICS: Doppelte Niedrig-Dosis

und Überweisung an Spezialisten zur Reevaluation

Alternativen

LTRA [8]

ICS: Niedrige Dosis

plus LTRA [8]

ICS: Doppelte Niedrig-Dosis

plus LTRA [8]

Akuttherapie bei Bedarf: SABA, insb. Salbutamol

Das untenstehende Vorgehen bezieht sich auf die Akuttherapie bei Asthma bronchiale bzw. Bronchitis. Zum Vorgehen bei schwerer Symptomatik siehe: Akuttherapie bei Asthmaanfall bzw. Exazerbation!

Obstruktive Bronchitiden sind i.d.R. viral bedingt

Salbutamol - Klinische Anwendung (z.B. Apsomol®, Pädiamol®, Salbubronch® Elixier, Sultanol®)

  • Salbutamol inhalativ
    • Darreichungsformen
      • Inhalative Applikation als Dosieraerosol , Pulver zum Inhalieren , Fertig-Inhalationslösung oder Inhalationslösung
    • Sultanol® Dosieraerosol ist ab dem Säuglingsalter zugelassen, für Pädiamol® Inhalationslösung ist keine Zulassungsbeschränkung angegeben, Pädiamol® Fertiginhalat ist zugelassen ab dem Schulkindalter
    • Dosierungsempfehlung
      • Dosieraerosol
      • Feuchtinhalation von Fertiginhalat
      • Feuchtinhalation von Inhalationslösung
  • Salbutamol oral
    • Darreichungsform: Orale Applikation als Tropfen
    • Zugelassen ab 2 Mon.
    • Dosierungsbeispiele (altersabhängig)
      • Kinder 2–23 Mon.
      • Kinder 2–6 J.
      • Kinder 7–13 J.
      • Personen >13 J.
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
    • Gleichzeitige Einnahme von Betablockern ist kontraproduktiv, da die Kombination eine Bronchienverengung auslösen kann
    • Im Notfall gibt es keine Kontraindikationen! Strenge Indikationsstellung bei Vorliegen von Herzerkrankungen
    • Häufige Nebenwirkungen sind Zittern und Agitation. Dann sollte die Dosierung pro Einzelgabe reduziert werden. Hierüber sind die Eltern aufzuklären.

Fenoterol inhalativ (z.B. Berotec® N 100 μg Dosieraerosol)

  • Darreichungsformen: Inhalative Applikation als Dosieraerosol
  • Zugelassen ab 6 J.
  • Dosierungsempfehlung
    • Standarddosierung (jedes Alter)
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile, hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie oder Tachyarrhythmie
    • Gleichzeitige Einnahme von Betablockern ist kontraproduktiv, da die Kombination eine Bronchienverengung auslösen kann
    • Im Notfall gibt es keine Kontraindikationen! Strenge Indikationsstellung bei Vorliegen von Herzerkrankungen!
    • Häufige Nebenwirkungen sind Zittern und Agitation. Dann sollte die Dosierung pro Einzelgabe reduziert werden. Hierüber sind die Eltern aufzuklären.

Bambuterol oral

  • Darreichungsform: Orale Applikation als Tablette
  • Zugelassen ab 2 J.
  • Dosierungsempfehlung
    • Standarddosierung (jedes Alter)

Ipratropiumbromid/Fenoterolhydrobromid inhalativ (z.B. Berodual® N Dosieraerosol)

  • Darreichungsformen: Inhalative Applikation als Dosieraerosol
  • Zugelassen ab 6 J.
  • Dosierungsempfehlung
    • Standarddosierung (jedes Alter)
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile, hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie oder Tachyarrhythmie
    • Gleichzeitige Einnahme von Betablockern ist kontraproduktiv, da die Kombination eine Bronchienverengung auslösen kann
    • Im Notfall gibt es keine Kontraindikationen! Strenge Indikationsstellung bei Vorliegen von Herzerkrankungen!
    • Häufige Nebenwirkungen sind Zittern und Agitation. Dann sollte die Dosierung pro Einzelgabe reduziert werden. Hierüber sind die Eltern aufzuklären.

Ipratropiumbromid inhalativ (z.B. Atrovent® N Dosieraerosol)

  • Darreichungsformen: Inhalative Applikation als Dosieraerosol
  • Zugelassen ab 6 J.
  • Dosierungsempfehlung
    • Standarddosierung (jedes Alter)
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
    • Im Notfall gibt es keine Kontraindikationen! Strenge Indikationsstellung bei Vorliegen von Herzerkrankungen!

Reproterol i.v. (z.B. Bronchospasmin®)

  • Darreichungsformen: Intravenös
  • Zugelassen ab 2 Monaten
  • Dosierung 2 Monate–17 Jahre
  • Zu beachten

Isotonische Kochsalzlösung: NaCl 0,9%

  • Indikation: Befeuchten der Atemwege und Verflüssigung von Schleim, insb. bei akuter Bronchitis oder Pneumonie
  • Darreichungsform: Feuchtinhalation mittels Vernebler
  • Zugelassen ab Geburt
  • Dosierungsempfehlung
    • Standarddosierung (jedes Alter)
  • Zu beachten: Aus hygienischen Gründen sollten vorzugsweise kleine Ampullen à 5–10 mL verschrieben werden

Hochprozentige Kochsalzlösung: NaCl 3% (z.B. MucoClear®)

  • Indikation: Steigerung der Sekretmobilisation bei zähem Schleim, insb. bei akuter Bronchiolitis und zystischer Fibrose
  • Darreichungsform: Feuchtinhalation mittels Vernebler
  • Zugelassen ab Geburt
  • Dosierungsempfehlung
    • Standarddosierung (jedes Alter)
  • Zu beachten
    • Insb. bei kleinen Säuglingen kann es zu einer übermäßigen Reaktion mit konsekutiver Verengung der Bronchien kommen, dann ist die Behandlung unverzüglich abzubrechen
    • Nach der Inhalation sollte, wenn möglich, eine aufrechte Haltung eingenommen werden, um das Abhusten des Schleims zu erleichtern
    • Aus hygienischen Gründen sollten vorzugsweise kleine Ampullen à 5–10 mL verschrieben werden

Die Langzeittherapie der rezidivierenden Bronchitis bzw. des Asthma bronchiale hat das Ziel des „kontrollierten Asthmas. Das Kind soll ein uneingeschränktes Leben führen und an allen Aktivitäten des Alltags teilnehmen können. Wann eine antiinflammatorische Dauertherapie bei der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis begonnen werden sollte, ist nicht eindeutig geklärt.

  • Beweggründe für eine Therapie
    • ≥3 Episoden mit pfeifenden Atemgeräuschen innerhalb von 6 Monaten
    • ≥1 Pneumonie und/oder Hospitalisation infolge obstruktiver Bronchitis
  • Inhalative Glucocorticoide (1. Wahl)
    • Topische Applikation → Antiinflammatorische und stabilisierende Wirkung → Prävention bronchialer Entzündung mit konsekutiver Obstruktion
    • Verbesserung von Lungenfunktionswerten, Verringerung der Häufigkeit und Schwere akuter Asthmaanfälle und bronchialer Hyperreaktivität
    • Frühzeitiger Therapiebeginn verhindert wahrscheinlich irreversible Umbauprozesse und Narben im Bronchialgewebe → Verbesserung der Prognose
    • Möglichst niedrige Dosis → Möglichst wenig systemische Nebenwirkungen
    • Regelmäßige Anwendung nötig, um entsprechende lokale Wirkspiegel zu erreichen und einen Effekt zu erzielen
    • Keine akut abschwellende Wirkung und somit nicht zur Behandlung akuter Dyspnoe geeignet!
  • Ggf. Dosiseinsparung durch Kombinationstherapie mit inhalativen langwirksamen β2-Sympathomimetika (LABA) → Symptombesserung
  • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (insb. Montelukast)
  • Anti-IgE-Antikörper s.c.: Nur in Einzelfällen bei sehr schwerem allergischem Asthma

Inhalative Glucocorticoide (ICS) - Allgemeine Informationen

  • Indikationen: Antiinflammatorische Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis (1. Wahl)
  • Wirkung
    • Topische Applikation → Antiinflammatorische und stabilisierende Wirkung → Prävention bronchialer Entzündung mit konsekutiver Obstruktion
    • Ziel: Möglichst stabile bronchiale Situation
  • Anwendung
    • Frühzeitiger Therapiebeginn verhindert wahrscheinlich irreversible Umbauprozesse und Narben im Bronchialgewebe → Verbesserung der Prognose
    • Möglichst niedrige Dosis → Möglichst wenig systemische Nebenwirkungen
    • Regelmäßige Anwendung nötig, um entsprechende lokale Wirkspiegel zu erreichen und einen Effekt zu erzielen
    • Ist eine stabile Situation erreicht, kann die Dosis schrittweise reduziert werden
    • Kann die bronchiale Situation trotz regelmäßiger Anwendung in adäquater Dosis nicht stabilisiert werden, ist eine Kombinationstherapie mit einem langwirksamen β2-Sympathomimetikum (LABA) indiziert
  • Zu beachten
Inhalative Glucocorticoide bei Kindern und Jugendlichen: Tagesdosen in μg [3]
Niedrige Dosis Mittlere Dosis Hohe Dosis
Kinder <12 Jahre Jugendliche 12–18 Jahre Kinder <12 Jahre Jugendliche 12–18 Jahre Kinder <12 Jahre Jugendliche 12–18 Jahre
Beclometason (extrafeine Partikel) ≤100 ≤100 >100–200 >100–200 - -
Budesonid ≤200 ≤200 >200–400 >200–400 - -
Fluticason propionat ≤100 ≤100 >100–200 >100–250 >200 >250

Bei Beclometason und Budesonid sollten hohe Dosierungen, insb. im Kindesalter vermieden werden, da es hier zu erhöhten Plasmaspiegeln kommen kann.

Budesonid inhalativ

Budesonid inhalativ über Feuchtvernebler (z.B. Pulmicort®, Budenobronch®)

  • Indikation: Schwere bronchiale Obstruktion oder Pseudokrupp, wenn keine Inhalation über Dosieraerosol möglich ist
  • Darreichungsform: Inhalation als Verneblerlösung
  • Zugelassen ab 6 Mon.
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 6 Mon.–12 J.
    • Personen >12 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Budesonid als Dosieraerosol (z.B. Budiair®)

  • Indikation: Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis
  • Darreichungsform: Dosieraerosol
  • Zugelassen ab 6 Jahren, Off-Label-Use auch bei Kleinkindern möglich
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 6 J.–12 J.
    • Personen >12 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Budesonid als Pulverinhalator (z.B. Novopulmon® Novolizer, Budesonid Easyhaler®, Miflonide® Breezhaler®)

  • Indikation: Langzeittherapie des Asthma bronchiale
  • Darreichungsform: Pulverinhalator
  • Zugelassen ab 6 Jahren
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 6–12 J.
    • Personen >12 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Praxistipps für Budesonid in der Pädiatrie

  • Sicherheit: Budesonid ist eines der ältesten inhalativen Glucocorticoide, sodass auch Langzeitwirkungen bekannt sind (hohe Wirksamkeit und gutes Sicherheitsprofil)
  • Compliance-Probleme: Budesonid hat einen etwas bitteren Geschmack und wird insb. von Kindern tlw. nicht gut angenommen. Eltern können entsprechend vorgewarnt werden.
  • Zuzahlungsbefreiung: Im Gegensatz zu einigen Fluticason-Präparaten muss bei Verschreibung von Budesonid bei Kindern keine Zuzahlung bei GKV-Patienten erfolgen

Mit Patienten bzw. Eltern muss besprochen werden, dass der volle Behandlungseffekt erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung erzielt wird, um einen frühzeitigen Therapieabbruch oder eine schlechte Compliance aufgrund enttäuschter Erwartungen zu vermeiden!

Kommt es trotz Dauertherapie zu einer Exazerbation bzw. zu einem akuten Asthmaanfall, muss dennoch die Therapie mit bronchienerweiternden Medikamenten (insb. Salbutamol) erfolgen!

Fluticason inhalativ

Fluticason als Dosieraerosol (z.B. Flutide®, Flutihexal®)

  • Indikation: Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis
  • Flutide®: Zugelassen ab 2 J., Off-Label-Use auch bei Kleinkindern möglich
    • Darreichungsform: Dosieraerosol
  • Flutihexal®: Zugelassen ab 16 J.
    • Darreichungsform: Dosieraerosol
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 2–4 J.
    • Kinder 4 J.–16 J.
    • Personen >16 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Fluticason als Pulverinhalator (z.B. Flutide® Diskus®)

  • Indikation: Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis
  • Darreichungsform: Pulverinhalator
  • Zugelassen ab 4 J.
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 4–16 J.
    • Personen >16 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Praxistipps für Fluticason in der Pädiatrie

Mit Patienten bzw. Eltern muss besprochen werden, dass der volle Behandlungseffekt erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung erreicht wird, um einen frühzeitigen Therapieabbruch oder eine schlechte Compliance aufgrund enttäuschter Erwartungen zu vermeiden!

Kommt es trotz Dauertherapie zu einer Exazerbation bzw. zu einem akuten Asthmaanfall, muss dennoch die Therapie mit bronchienerweiternden Medikamenten (insb. Salbutamol) erfolgen!

Beclometason inhalativ als Dosieraerosol (z.B. Junik® Dosieraerosol, Junik® Autohaler, Ventolair® Dosieraerosol, Ventolair® Autohaler)

  • Indikation: Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis
  • Zugelassen ab 5 J.
    • Darreichungsform
      • Dosieraerosol
      • Autohaler
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 5–12 J.
    • Personen >12 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Allgemeine Informationen

Besteht unter Langzeittherapie mit inhalativen Glucocorticoiden (ICS) weiterhin regelmäßig Salbutamolbedarf, kommt eine Kombinationstherapie aus inhalativen Glucocorticoiden und langwirksamen β2-Sympathomimetika (LABA) zum Einsatz. Ggf. kann durch die Kombinationstherapie eine Dosiseinsparung des Glucocorticoids erreicht werden.

  • Indikation für eine Kombinationstherapie
    • Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis, wenn ICS nicht ausreichen
    • In Stufe 1 und 2 ab 12 Jahren auch als alleiniges Bedarfsmedikament (ICS+Formoterol) ohne Dauertherapeutikum empfohlen
  • Langwirksame β2-Sympathomimetika (LABA)
    • Topische Applikation
    • Anhaltende bronchodilatatorische Wirkung, leichte bronchienerweiternde Wirkung bereits nach etwa 10 min festzustellen
    • LABA müssen immer zusammen mit ICS verwendet werden
  • Inhalative Glucocorticoide

Fluticason + Salmeterol inhalativ

Fluticason + Salmeterol als Dosieraerosol (z.B. Viani® Dosieraerosol, Atmadisc® Dosieraerosol)

  • Darreichungsform: Dosieraerosol
  • Zugelassen ab 4 Jahren, Off-Label-Use auch bei Kleinkindern möglich
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder <4 J.
    • Kinder 4 J.–16 J.
    • Personen >16 J.
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
    • Als Einzeldosis sollten max. 2 Sprühstöße verwendet werden, da eine Salmeterol-Einzeldosis >50 μg zu Nebenwirkungen führen können!

Fluticason + Salmeterol als Pulverinhalator (z.B. Viani® Diskus, Atmadisc® Diskus)

  • Darreichungsform: Diskus
  • Zugelassen ab 4 Jahren
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder 4–12 J.
    • Personen >12 J.
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
    • Als Einzeldosis sollte max. 1 Sprühstoß verwendet werden, da eine Salmeterol-Einzeldosis >50 μg zu Nebenwirkungen führen kann!

Budesonid + Formoterol als Pulverinhalator (z.B. Symbicort® Turbohaler®)

  • Darreichungsform: Pulverinhalator
  • Zugelassen ab 6 J.
  • Dosierungsempfehlungen
    • Kinder 6–12 J.
    • Personen >12 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Fluticason + Formoterol als Dosieraerosol (z.B. Flutiform® Dosieraerosol)

  • Darreichungsform: Dosieraerosol
  • Zugelassen ab 12 Jahren, Off-Label-Use auch bei jüngeren Kindern möglich
  • Dosierungsempfehlung
    • Kinder <4 J.
    • Kinder 4 J.–16 J.
    • Personen ab 12 J.
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Mit Patienten bzw. Eltern muss besprochen werden, dass der volle Behandlungseffekt erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung erreicht wird, um einen frühzeitigen Therapieabbruch oder eine schlechte Compliance aufgrund enttäuschter Erwartungen zu vermeiden!

Kommt es trotz Dauertherapie zu einer Exazerbation bzw. zu einem akuten Asthmaanfall, muss dennoch die Therapie mit schnellwirksamen bronchienerweiternden Medikamenten (insb. Salbutamol) erfolgen!

Tiotropiumbromid inhalativ (z.B. Spiriva® Respimat)

  • Indikation: Additiv ab Stufe 4 bei unzureichender Therapiekontrolle
  • Darreichungsform: Respimat
  • Zugelassen ab 6 Jahren
  • Dosierung: Tiotropiumbromid

Montelukast (pädiatrisch) (z.B. Singulair®)

  • Indikationen: Langzeittherapie des Asthma bronchiale bzw. der rezidivierenden obstruktiven Bronchitis
  • Darreichungsform: Orale Applikation als Granulat , als Kautablette und als Filmtablette
  • Zugelassen ab 6 Mon.
  • Kinder 6 Mon.–2 J.
  • Kinder >2–5 J.
  • Kinder 6–14 J.
  • Personen ab 15 J.
  • Zu beachten
    • CAVE: Genaue Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen, da es unter Montekulast zu schweren psychischen Nebenwirkungen kommen kann, (bspw. Schlaf- und Verhaltensstörungen bis hin zu suizidalen Gedanken), siehe auch: Boxed Warning der FDA [8]
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
    • Eine ggf. vorhandene saisonale allergische Rhinoconjunctivitis wird durch die Therapie häufig ebenfalls gelindert
    • Tritt innerhalb von 2–4 Wochen keine Besserung ein, soll die Therapie beendet werden
    • Da bei einer systemischen Therapie naturgemäß mehr Nebenwirkungen entstehen können, ist eine inhalative Therapie mit Glucocorticoiden möglichst vorzuziehen (ggf. plus LABA)

Kommt es trotz Dauertherapie zu einer Exazerbation bzw. zu einem akuten Asthmaanfall, muss dennoch die akute Therapie mit schnellwirksamen bronchienerweiternden Medikamenten (insb. Salbutamol) erfolgen!

Der Einsatz von Montekulast sollte bei Asthma und allergischer Rhinitis nur unter strikter Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen!

Voraussetzung zur Anwendung von monoklonalen Antikörpern [3]

  • Keine ausreichende Asthmakontrollen trotz 3-monatiger Therapie mit ICS in Höchstdosis plus LABA und LAMA

Anti-IgE-Antikörper: Omalizumab

  • Indikation
    • Additiv in Stufe 6 bei schwerem allergischen Asthma
    • Kriterien: Allergie gegen perenniale Aeroallergene plus regelmäßige Symptome (tags und nachts) sowie Exazerbationen unter Stufe-4-Therapie
  • Darreichungsform: Injektionsspritzen zur s.c. Applikation
  • Zugelassen ab 6 Jahren
  • Dosierung: Omalizumab
  • Zu beachten
    • Nicht alle Patienten sprechen auf die Therapie an, daher monatliche Erfolgskontrolle über mind. 4 Monate, danach jährlich
    • Wirksamkeit auch bei Patienten ohne Allergienachweis möglich, hierfür ist Omalizumab aber nicht zugelassen
    • In begründeten Einzelfällen bei fehlenden Therapie-Alternativen: Therapieversuch off-label in speziellen Zentren möglich

Anti-IL5-Antikörper: Mepolizumab

  • Indikation: Additiv in Stufe 6 und schwerem eosinophilem Asthma
    • Kriterien
  • Darreichungsform: Injektionsspritzen zur s.c. Applikation
  • Zugelassen ab 6 Jahren
  • Dosierung: Mepolizumab
    • Kinder 6–11 Jahre
    • Personen >12 Jahre
  • Besonderheiten
    • Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
    • Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilen Asthma profitieren
    • Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
    • Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach Therapiebeginn!

Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Anti-IL4R-Antikörper: Dupilumab

  • Indikation: Additiv in Stufe 6 und schwerem eosinophilem Asthma
    • Kriterien
  • Darreichungsform: Injektionsspritzen zur s.c. Applikation
  • Zugelassen ab 12 Jahren
  • Dosierung: Dupilumab
  • Besonderheiten
    • Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
    • Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
    • Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
    • Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach Therapiebeginn!

Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Bei den hier genannten Indikationen handelt es sich jeweils nur um Indikationen im Rahmen des Asthma bronchiale. Viele Medikamente werden auch bei der Therapie anderer Krankheitsbilder eingesetzt.

Siehe: Prognose bei Asthma bronchiale

Siehe: Prävention des Asthma bronchiale und pneumologische Rehamaßnahmen im Kindes- und Jugendalter

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Kenn, Hess: Vocal Cord Dysfunction In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2008, doi: 10.3238/arztebl.2008.0699 . | Open in Read by QxMD .
  2. Gappa, Gerstlauer: Schweres Asthma – Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen In: Der Pneumologe. Band: 15, Nummer: 3, 2018, doi: 10.1007/s10405-018-0172-z . | Open in Read by QxMD p. 154-163.
  3. Nationale Versorgungsleitlinie Asthma. Stand: 1. September 2020. Abgerufen am: 4. Januar 2021.
  4. FDA requires Boxed Warning about serious mental health side effects for asthma and allergy drug montelukast (Singulair); advises restricting use for allergic rhinitis. Stand: 13. März 2020. Abgerufen am: 4. Januar 2021.
  5. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Stand: 12. September 2017. Abgerufen am: 21. November 2017.
  6. Hansen, Schwerk: Asthma bronchiale im Kindesalter In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 161, Nummer: 5, 2013, doi: 10.1007/s00112-012-2799-x . | Open in Read by QxMD p. 390-398.
  7. AWMF: Nationale Versorgungs-Leitlinie Asthma 2018 2018, doi: 10.6101/AZQ/000400 . | Open in Read by QxMD .
  8. Jaspersen et al.: Refluxassoziierte Atemwegserkrankungen: Asthma, chronischer Husten, Schlafapnoe In: Der Internist. Band: 44, Nummer: 1, 2003, doi: 10.1007/s00108-002-0763-x . | Open in Read by QxMD p. 58-62.
  9. Stokholm et al.: Azithromycin for episodes with asthma-like symptoms in young children aged 1–3 years: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial In: The Lancet. Band: 4, Nummer: 1, 2015, doi: 10.1016/S2213-2600(15)00500-7 . | Open in Read by QxMD p. 19-26.
  10. Dahlheim, Niggemann: Lungenfunktionsdiagnostik in der täglichen Praxis In: Consilium Themenheft. 2016, .
  11. Lex et al.: Bronchiale Provokation im Kindes- und Jugendalter In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 163, Nummer: 8, 2015, doi: 10.1007/s00112-015-3337-4 . | Open in Read by QxMD p. 826-832.
  12. Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP): Leitlinie zum Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 155, Nummer: 10, 2007, doi: 10.1007/s00112-007-1581-y . | Open in Read by QxMD p. 957-967.
  13. Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2019 update). Stand: 1. Januar 2019. Abgerufen am: 13. Mai 2019.