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Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom

Letzte Aktualisierung: 24.8.2022

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Die hyperkinetischen Störungen, zu denen auch das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom gezählt wird, sind durch einen Mangel an Ausdauer bei kognitiven Beschäftigungen und eine sprunghafte Tendenz charakterisiert. Das Verhalten wirkt im Vergleich zur gesellschaftlichen Norm hyperaktiv und desorganisiert. Neben der Unaufmerksamkeit und der Hyperaktivität ist zudem eine ausgeprägte Impulsivität typisch. Die Symptome müssen zur Diagnosestellung erstmalig vor dem 7. Lebensjahr auftreten, über mindestens 6 Monate vorliegen und in mehreren Situationen (klassischerweise: Schule und häusliche Umgebung) zu beobachten sein. Die Therapie sollte stets multimodal unter Einbeziehung der Familien und der Kindergärten/Schulen erfolgen. Medikamentös ist der BtM-rezeptpflichtige Amphetamin-Abkömmling Methylphenidat (Ritalin®) das Mittel der Wahl, da hier eine Reduzierung des Aufmerksamkeitsdefizits und des Konfliktpotenzials gezeigt werden konnte. Als wichtige Nebenwirkungen sollten eine überschießende sympathomimetische Wirkung und eine Wachstumsretardierung beachtet werden.

  • Geschlecht: > (3–4:1) [1][2]
  • Alter: Beginn meistens vor dem 6. Lebensjahr
  • Stärkste Ausprägung der Symptome meist im frühen Schulalter

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Multifaktorielle Erkrankung

  • Genetische Disposition: Familiäre Häufung, Dopaminrezeptor-D4-Polymorphismus
  • Soziale Faktoren: Gestörte familiäre Strukturen, traumatische Erlebnisse

Assoziationen

Wie die meisten psychiatrischen Erkrankungen ist ADHS mit weiteren Erkrankungen assoziiert:

Kriterien zur Diagnosestellung nach ICD-10

  • Beginn der Störung: Vor dem 7. Lebensjahr
  • Symptomdauer: Die Symptome müssen über mindestens sechs Monate in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß vorliegen
  • Situation: Die Kriterien dürfen nicht isoliert, sondern müssen in mehr als einer Situation vorliegen: Z.B. Schule und häusliche Umgebung

Symptome

  • Aufmerksamkeitsdefizit
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität
    • Unfähigkeit, zurückhaltend zu agieren
    • Vorschnelles, unüberlegtes Handeln
    • Impulsivität im sozialen Kontakt mit unangemessenen Reaktionen (Schreien, Gewalt)
  • Weitere Auffälligkeiten
    • Aggressivität im Rahmen der Impulsivität
    • Distanzlosigkeit gegenüber Erwachsenen

Allgemein

Medikamentös

Methylphenidat (z.B. Ritalin®, Concerta®)

Amphetamine wie Methylphenidat sind BtM-pflichtig!

Atomoxetin

  • Wirkung: Selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Wirkprinzip ist eine sympathomimetische Wirkung über die Vermehrung der Noradrenalinkonzentration im synaptischen Spalt
  • Vorteil: Kein Abhängigkeitspotenzial → Kein BtM-Rezept notwendig
  • Einschränkung: In Meta-Analysen konnte gezeigt werden, dass Kinder und Jugendliche unter Atomoxetin-Behandlung vermehrt zu suizidalen Handlungen neigen. Eine besondere Beobachtung (vor allem zu Beginn der Therapie) ist deshalb indiziert.

ADHS im Erwachsenenalter

  • Fortbestehen der Störung ins Erwachsenenalter: In ca. ⅓–⅔ der Fälle [1]
  • Diagnosestellung orientierend an Wender-Utah-Kriterien
    • Aufmerksamkeitsstörung: Unaufmerksamkeit bei Gesprächen, erhöhte Ablenkbarkeit
    • Motorische Hyperaktivität: Bspw. Schwierigkeiten, während eines Films ruhig zu sitzen
    • Affektlabilität: Mit gehäuft deprimierter Stimmung, die als Unzufriedenheit oder Langeweile beschrieben wird
    • Desorganisiertes Verhalten: Bürokratische, berufliche und soziale Aufgaben werden begonnen, aber nicht vollendet
    • Sprunghaftes Verhalten mit emotionaler Überreagibilität, Frustrationsintoleranz und Impulsivität

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Ritalin

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  • F90.-: Hyperkinetische Störungen
    • Diese Gruppe von Störungen ist charakterisiert durch einen frühen Beginn, meist in den ersten fünf Lebensjahren, einen Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen, und eine Tendenz, von einer Tätigkeit zu einer anderen zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen; hinzu kommt eine desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität. Verschiedene andere Auffälligkeiten können zusätzlich vorliegen. Hyperkinetische Kinder sind oft achtlos und impulsiv, neigen zu Unfällen und werden oft bestraft, weil sie eher aus Unachtsamkeit als vorsätzlich Regeln verletzen. Ihre Beziehung zu Erwachsenen ist oft von einer Distanzstörung und einem Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung geprägt. Bei anderen Kindern sind sie unbeliebt und können isoliert sein. Beeinträchtigung kognitiver Funktionen ist häufig, spezifische Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung kommen überproportional oft vor. Sekundäre Komplikationen sind dissoziales Verhalten und niedriges Selbstwertgefühl.
    • Exklusive: Affektive Störungen (F30-F39), Angststörungen (F41.-, F93.0), Schizophrenie (F20.‑), Tief greifende Entwicklungsstörungen (F84.‑)
    • F90.0: Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
    • F90.1: Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
    • F90.8: Sonstige hyperkinetische Störungen
    • F90.9: Hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Schneider: Facharztwissen Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Springer 2017, ISBN: 978-3-662-50344-7 .
  2. Young et al.: Females with ADHD: An expert consensus statement taking a lifespan approach providing guidance for the identification and treatment of attention-deficit/ hyperactivity disorder in girls and women In: BMC Psychiatry. Band: 20, 2020, doi: 10.1186/s12888-020-02707-9 . | Open in Read by QxMD .
  3. Bandelow et al.: Kurzlehrbuch Psychiatrie. 2. Auflage Steinkopff 2008, ISBN: 978-3-798-51835-3 .
  4. Gleixner et al.: Neurologie und Psychiatrie für Studium und Praxis (2011/12). 8. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 978-3-929-85157-1 .