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Blasenekstrophie, Fehlanlagen der männlichen Harnröhre und Palmure

Letzte Aktualisierung: 12.4.2021

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Die Blasenekstrophie ist ein seltenes Krankheitsbild in Folge einer embryonalen Fehlentwicklung. Dabei liegt durch einen fehlenden Verschluss der vorderen Bauchwand die Harnblase sichtbar frei. Therapeutisch besteht die Notwendigkeit eines operativen Vorgehens mit Bauchdeckenverschluss und Rückverlagerung der exponierten Harnblase innerhalb der ersten Lebenstage. Mit lebenslangen Einschränkungen ist trotz frühzeitiger, adäquater Behandlung zu rechnen. Andere Fehlbildungen des männlichen Geschlechtsorgans sind häufig, eine Therapiebedürftigkeit ergibt sich je nach Krankheitsbild. Bei Harnstauung, erschwerter Miktion, rezidivierenden Infektionen und psychischem Leidensdruck sollte eine (meist operative) Therapie eingeleitet werden.

  • Definition: Fehlbildung der vorderen Blasen- und Bauchwand, infolge der die ventral unverschlossene Blase freiliegt, häufig mit Epispadie, dorsaler Penisdeviation und erweiterter Symphyse („Blasenekstrophie-Epispadie-Komplex“, BEEK)
  • Epidemiologie: 3–10 pro 100.000 Neugeborene[1]
  • Ätiologie: Einschränkung des ventralen, mesodermalen Bauchwandverschlusses durch eine persistente Kloakenmembran
  • Symptome/Klinik
  • Diagnostik
    • Sonographiebefund während Schwangerschaft: Fehlender Nachweis der flüssigkeitsgefüllten Blase
    • Körperlicher Befund
  • Therapie
    • Operative Korrektur (meist mehrschrittig) mit Verschluss von Blase, Harnröhre und Bauchdecke, Symphysenadaption
    • Zeitpunkt: Erste Lebensmonate bis 1.–2. Lebensjahr, abhängig vom Operationsverfahren
  • Prognose: Häufig reduzierte Harnblasenkapazität und Kontinenz sowie orthopädische oder gynäkologische Probleme im Verlauf

  • Definition: Spaltung der Harnröhre in variabler Ausprägung (bis zur Harnblase möglich) auf dorsaler Penisseite („Oberseite“)
  • Häufigkeit: 2,4 pro 100.000 Neugeborene[1]
  • Ätiologie: Ausbleibender dorsaler Verschluss der Harnröhrenanlage
  • Symptome/Klinik
  • Diagnose
  • Therapie: Operative Korrektur, ggf. mit Rekonstruktion eines suffizienten Sphinkterapparates

  • Definition
  • Häufigkeit: 300 pro 100.000 männlichen Neugeborene[2]
  • Ätiologie: Ausbleibende Verschmelzung der Urethralfalten
  • Symptome/Klinik
  • Diagnose
  • Therapie
    • Operation innerhalb der ersten zwei Lebensjahre
      • Verschluss des fehlangelegten Meatus und Bildung eines Neomeatus an der Spitze der Glans penis
      • Korrektur der Penisdeviation und der dorsalen Vorhautschürze
    • Bei minimaler Verlagerung mit asymptomatischer Miktion: Keine OP-Indikation
  • Sonderform

  • Definition: Anlagestörung mit Ansatz der Skrotalhaut am ventralen Penisschaft (statt an der Peniswurzel)
  • Symptome/Klinik
    • Meist asymptomatische, gering ausgeprägte Befunde mit Ansatz am proximalen Penisschaft
    • Bei distalem Ansatz: Behinderung der Erektion sowie ventrale Deviation möglich durch ausgeprägte „Schwimmhaut“ zwischen Skrotum und Penisschaft bei der Erektion
  • Therapie: Operative Korrektur bei behindernder Symptomatik

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Michel et al.: Die Urologie. Springer 2016, ISBN: 978-3-642-39939-8 .
  2. Speer, Gahr: Pädiatrie. 4. Auflage Springer 2013, ISBN: 3-642-34268-x .
  3. Largiadèr et al.: Checkliste Chirurgie. Georg Thieme Verlag 2016, ISBN: 978-3-132-04611-5 .
  4. Schmelz et al.: Facharztwissen Urologie. Springer 2014, ISBN: 978-3-642-44942-0 .
  5. G. Hellstern et. al.: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Georg Thieme Verlag 2012, ISBN: 978-3-131-70311-8 .