Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Degenerationen, Dystrophien und Tumoren der Konjunktiven

Last updated: 29.7.2019

Abstract

Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine durchsichtige Schleimhautschicht, die die Oberfläche des Auges und die Lidinnenseiten überzieht. Sie stellt sicher, dass das Auge reibungsfrei bewegt werden kann. Es gibt eine Reihe von degenerativen, dystrophen oder tumorösen Veränderungen, die im Bereich der Konjunktiven auftreten können. Im Folgenden ist eine Auswahl dieser Veränderungen beschrieben.

Anatomie des Auges

Pinguecula („Lidspaltenfleck“)

  • Definition: Harmlose Degeneration der Bindehaut
  • Ätiologie
    • Starke Sonnenexposition
    • Schweißen ist ein Risikofaktor
  • Klinik
    • Grau-gelblicher Fleck, meist von der nasalen Bindehaut ausgehend
    • Berührt i.d.R. nicht die Cornea
  • Therapie
    • Nicht notwendig
    • Aus kosmetischen Gründen kann der Fleck entfernt werden

Pterygium conjunctivae („Flügelfell“)

  • Definition: Gefäßhaltige Wucherung der Bindehaut mit potentieller Einschränkung der Sehkraft
  • Ätiologie: Starke Sonnenexposition
  • Klinik
    • Dreieckige, gefäßhaltige Wucherung, meist ausgehend von der nasalen Bindehaut
    • Augenrötung und Irritation
    • Oft Ausdehnung auf Cornea → Irregulärer Astigmatismus → Beeinträchtigung der Sehkraft
  • Therapie
  • Prognose: Hohe Rezidivrate, kann durch postoperative Radiatio reduziert werden

Hyposphagma

  • Definition: Meist harmlose, flächenhafte Einblutung unter der Bindehaut
  • Ätiologie
    • Traumata, Druckerhöhungen (Niesen, Pressen, schweres Tragen etc.)
    • Gerinnungsstörungen
    • Blutdruckentgleisungen
  • Diagnostik: Insb. bei rezidivierendem Auftreten weitere Abklärung wie z.B. Langzeitblutdruckmessung oder Gerinnungsdiagnostik

Limbusdermoid (Epibulbäres Dermoid)

Nur oberflächliche Exzision, da ansonsten Strukturen des Augeninneren beschädigt werden können!

Fremdkörper

Im Bereich der Bindehaut kann es zur Einlagerung von Fremdkörpern kommen. Insb. metallische Fremdkörper können zu Verfärbungen des umgebenden Gewebes führen.

Pigmentierte Bindehautläsionen

Bindehautnävus

  • Definition: Häufigster pigmentierter Tumor der Bindehaut
  • Epidemiologie: Altersgipfel bei ca. 30 Jahren
  • Klinik
    • Gut abgrenzbar und i.d.R. einseitig, häufig im lateralen Lidspaltenbereich
    • In 80% der Fälle teilweise bis vollständig pigmentiert
    • Kleine klare Einschlusszysten
    • Pigmentierung kann mit hormonellen Veränderungen (z.B. Schwangerschaft) zu- oder abnehmen
  • Prognose: Entartungsrisiko <0,1%
  • Therapie

Melanosis oculi (kongenitale Melanose)

  • Definition: Gutartige, angeborene Pigmentierung der Episklera
  • Epidemiologie: Häufiger bei schwarzen Menschen
  • Klinik
    • Schieferfarbene, irregulär und diffus angeordnete Pigmentierung
    • I.d.R. einseitig und mit Bezug zur Iris
    • Subepitheliale Lage ohne Befall der Bindehaut → Nicht mit der Bindehaut verschieblich
  • Prognose: Entartet nur extrem selten
  • Therapie: Augenärztliche Kontrollen

Primär erworbene Melanose (Melanosis conjunctivae)

  • Definition: Gutartige, erworbene Pigmentierung der Bindehaut
  • Epidemiologie
    • Betrifft meist weiße Menschen
    • Altersgipfel zwischen 50 und 60 Jahren
  • Klinik
    • Braune, irregulär angeordnete Pigmentierung
    • Mit der Konjunktiva verschieblich
    • Flache Pigmentierung ohne Zystenbildung
    • Keine nodulären Anteile und nicht vaskularisiert
    • I.d.R. einseitig
  • Prognose: Entartungsrisiko hängt von Anzahl und Ausmaß der Zellatypien ab
    • Keine Zellatypien → Entartungsrisiko <0,1%
    • Ausgeprägte und zahlreiche Zellatypien → Entartungsrisiko ca. 10–50%
  • Therapie
    • Kleine Läsionen → Regelmäßige augenärztliche Kontrollen
    • Mittlere bis größere Läsionen → Chirurgische Exzision und Kryotherapie der Schnittränder

Bindehautmelanom

Bindehautkarzinom

  • Definition: Meist verhornende Plattenepithelkarzinome
  • Ätiologie
  • Klinik: Weißliche, vorwölbende Verdickung des Epithels mit unregelmäßiger Oberfläche
  • Therapie: Chirurgische Exzision mit anschließender Radiatio

Bindehautlymphom

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Grehn: Augenheilkunde. 29. Auflage Springer 2005, ISBN: 3-540-25699-7 .
  2. Lang et al.: Augenheilkunde. 4. Auflage Thieme 2008, ISBN: 978-3-131-02834-1 .
  3. Sachsenweger et al.: Duale Reihe Augenheilkunde. Thieme 2002, ISBN: 978-3-131-28312-2 .
  4. Shields et al.: Primary acquired melanosis of the conjunctiva: experience with 311 eyes. In: Transactions of the American Ophthalmological Society. Band: 105, 2017, p. 61-71.
  5. Oellers, Karp: Management of Pigmented Conjunctival Lesions In: The Ocular Surface. Band: 10, Nummer: 4, 2012, doi: 10.1016/j.jtos.2012.08.002 . | Open in Read by QxMD p. 251-263.
  6. Shields, Shields: Ocular melanoma: relatively rare but requiring respect In: Clinics in Dermatology. Band: 27, Nummer: 1, 2009, doi: 10.1016/j.clindermatol.2008.09.010 . | Open in Read by QxMD p. 122-133.