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Erkrankungen durch chlorierte und polyzyklische aromatisierte Kohlenwasserstoffe

Letzte Aktualisierung: 8.12.2017

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Chlorierte und polyzyklische Kohlenwasserstoffe können bei industrieller Fertigung (Dioxine) sowie z.B. in Kühl- und Isoliermitteln (PCB) oder bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe (PAK) entstehen. Manche dieser Substanzen können nicht nur akut toxisch (z.B. Chlorakne), sondern auch kanzerogen wirken.

Allgemein

  • Substanzklassen
    • Chloralkane: z.B. Dichlormethan und Trichlormethan (Chloroform)
    • Chloralkene: z.B. Vinylchlorid
    • Aromatische Chlorverbindungen: Chlorbenzol oder Chlorphenol
    • Polychlorierte Substanzen
  • Folgen
    • Alle oben aufgeführten Stoffe können eine Chlorakne verursachen
      • Berühmtes Opfer eines Attentats mit der Folge einer Chlorakne ist Wiktor Juschtschenko
    • Hyperkeratosen, Komedonen, Abszesse → Narben

Polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane (Dioxine)

  • Entstehung, Vorkommen und Aufnahme
    • Nebenprodukt bei der Synthese chlorierter aromatischer Kohlenwasserstoffe
    • Intoxikation vor allem bei industriellen Unfällen (oder z.B. in Müllverbrennungsanlagen)
    • Sehr stabil, daher Anreicherung in der Umwelt und Nahrung
    • Lipophil → Anreicherung im Fettgewebe
    • 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (auch Seveso-Dioxin): Giftigstes Dioxin
  • Akute Toxizität
  • Folgen: Kanzerogenität und Teratogenität
  • Berufskrankheit (BK 1310) durch Dioxin-Vergiftung (TCDD-Vergiftung)

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

  • Entstehung, Vorkommen und Aufnahme
    • Kühl- und Isoliermittel; Hydraulikflüssigkeit; Weichmacher für Farben und Kunststoffe; Verwendung in Transformatoren und elektrischen Kondensatoren (in Gebäuden u.a. Verwendung in Dichtungsmassen)
    • Seit 1989 verboten
    • Orale Aufnahme oder Inhalation
  • Akute Toxizität: Hautveränderungen (Hyperpigmentierung), unspezifisch
  • Folgen
    • Leber- und Nierenschäden
    • Kanzerogenität (v.a. Leber)
    • Wachstumsverzögerungen bei Kindern
  • Vorkommen
    • Umweltschadstoff, der bei der unvollständigen Verbrennung fossiler Brennstoffe (z.B. Diesel, Ölöfen, aber auch Zigaretten, etc.) entsteht
  • Akute Toxizität: Gering, evtl. Hyperpigmentation der Haut
  • Folgen
  • Diagnostik: Nachweis über Bestimmung von 1-Hydroxypyren im Urin
  • T53.-: Toxische Wirkung von halogenierten aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffen
    • T53.0: Tetrachlorkohlenstoff
      • Tetrachlormethan
    • T53.1: Chloroform
      • Trichlormethan
    • T53.2: Trichloräthylen
      • Trichloräthen
    • T53.3: Tetrachloräthylen
      • Perchloräthylen
      • Tetrachloräthen
    • T53.4: Dichlormethan
      • Methylenchlorid
    • T53.5: Fluorchlorkohlenwasserstoffe [FCKW]
    • T53.6: Sonstige halogenierte aliphatische Kohlenwasserstoffe
    • T53.7: Sonstige halogenierte aromatische Kohlenwasserstoffe
    • T53.9: Halogenierte aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5 .
  2. Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage Thieme 2016, ISBN: 978-3-133-68518-4 .