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Hepatitis B

Last updated: 23.11.2020

Abstract

Hepatitis B zählt zu den häufigsten Viruserkrankungen des Menschen und wird vor allem sexuell, aber auch parenteral oder perinatal weitergegeben. Nach meist mehreren Monaten Inkubationszeit kommt es in den meisten Fällen zu einer asymptomatischen oder milde verlaufenden, akuten Hepatitis. In etwa 5% der Fälle entsteht jedoch eine asymptomatische, persistierende Trägerschaft oder eine chronische Hepatitis mit hohem Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose sowie eines hepatischen Karzinoms. Diagnostisch ist die Serologie entscheidend: Als Screening-Test wird das HBs-Antigen bestimmt, das etwa 2–5 Monate nach Infektion nachweisbar ist. Bei Ausheilung kommt es im Verlauf zu einer Normalisierung des HBs-Antigens, wohingegen als Zeichen der Immunität (auch nach Impfung) Anti-HBs ansteigt (sog. Serokonversion). Die chronische Hepatitis ist u.a. durch ein Persistieren des HBs-Antigens sowie der HBV-DNA und evtl. hohe Transaminasen gekennzeichnet.

Therapeutisch kann eine antivirale Therapie mit Interferon alpha oder Nukleosid-/Nukleotidanaloga (meist Lamivudin) durchgeführt werden. Die Prophylaxe der Hepatitis B besteht in einer Schutzimpfung (Totimpfstoff), die bei jedem Menschen bereits im Rahmen der Grundimmunisierung empfohlen wird.

Epidemiologie

  • Eine der häufigsten Virusinfektionen des Menschen
  • Regional unterschiedliche Verteilung: Sehr häufig in Südostasien, China, Afrika und im Amazonasgebiet

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Erreger

Infektionsweg

  1. Sexuell: ⅔ aller Infektionen
  2. Parenteral
  3. Perinatal (dann zu 95% chronisch)

Pathophysiologie

Die Schädigung der Leberzellen bei akuter Hepatitis B entsteht durch eine zelluläre Immunantwort

Symptome/Klinik

Inkubationszeit

  • 1–6 Monate

Akuter Verlauf

  • Asymptomatischer Verlauf (ca. ⅔ der Fälle)
  • Akute, meist ikterische Hepatitis (ca. ⅓ der Fälle)
    • Wie bei allen Virushepatitiden geht der akute Verlauf mit eher unspezifischen Symptomen einher
      • Grippale Symptomatik, Oberbauchschmerzen, Müdigkeit, Druckgefühl unter dem rechten Rippenbogen, Appetitlosigkeit
      • Meist nach 3–6 Wochen rückläufig
      • Evtl. extrahepatische Manifestation (Hautausschlag, Arthralgie, Myalgie, neurologische/kardiale/hämatologische Beteiligung)
  • Insg. kommt es bei über 90% zur Ausheilung

Chronischer Verlauf

20% der Patienten mit chronischer Hepatitis entwickeln innerhalb von 10 Jahren eine Leberzirrhose!

Extrahepatische Manifestationen

Bei 10–20% der Patienten mit chronischer Hepatitis B finden sich ganz unterschiedliche extrahepatische Manifestationen, die u.a. auf zirkulierende Immunkomplexe aus Virusbestandteilen, Antikörpern und Komplementfaktoren zurückzuführen sind.

Diagnostik

Diagnostische Stadieneinteilung

  • Diagnostisch relevante Virusbestandteile und Antikörper
Hepatitis-B-Virus (HBV) - Bestandteile Übersetzung/Bedeutung Korrespondierender Antikörper
HBsAg surface-Antigen Protein der Virusoberfläche

Anti-HBs

HBcAg core-Antigen Protein des Viruskapsids Anti-HBc
HBeAg envelope-Antigen oder exkretorisches Antigen Protein, das nicht direkt in der Struktur des Virus enthalten ist, sondern sezerniert wird („exkretorisch“) Anti-HBe
HBV-DNA DNA des Hepatitis-B-Virus

HBV-Labordiagnostik

Parameter
HBsAg Anti-HBs Anti-HBc-IgM Anti-HBc-IgG HBeAg Anti-HBe HBV-DNA Transaminasen
Akute Hepatitis B ∅-↑ ↑↑
Ausgeheilte Hepatitis B
Z.n. HBV-Impfung
Viruspersistenz Chronische Hepatitis B ↑-↑↑ ↑-↑↑
Niedrigvirämischer HBsAg-Träger ∅-↑
Hochvirämischer HBsAg-Träger ↑↑ ↑↑↑

Der Übergang vom „Aktivitätsmarker“ HBsAg zu Anti-HBs wird als „Serokonversion“ bezeichnet und zeigt die Ausheilung der Hepatitis B an!

Weiteres

Pathologie

Milchglashepatozyten kommen nur bei der Hepatitis B vor, während Mottenfraßnekrosen, fibröse Septen und periportale Infiltrate auch bei anderen chronischen Virushepatitiden zu finden sind!

Zum Vergleich: Normalbefunde

Differentialdiagnosen

Hepatitis A

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Akute Hepatitis B

  • Aufgrund der hohen Spontanheilungsrate keine antivirale Therapie empfohlen
    • Ausnahme: Fulminanter Verlauf

Chronische Hepatitis B

Komplikationen

Koinfektion mit Hepatitis D

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prävention

Aktive Impfung gegen Hepatitis B [1]

Überprüfung des Impferfolgs (nach STIKO-Empfehlung)

  • Indikation
  • Zielwert des Anti-HBs-Titers: ≥100 IE/L
    • Nach Grundimmunisierung 10–99 IE/L: Low-ResponderGabe einer weiteren Impfstoffdosis und erneute Titerkontrolle nach 4–8 Wochen
      • Falls dadurch weiterhin kein ausreichender Schutz besteht: Bis zu zwei weitere Impfdosen mit anschließender Titerkontrolle
    • Nach Grundimmunisierung <10 IE/L: Non-Responder → Zunächst sollte eine chronische Hepatitis-B-Infektion ausgeschlossen werden (Bestimmung von HBsAg und Anti-HBc)
      • Ist eine chronische Hepatitis-B-Infektion nicht Ursache für den fehlenden Antikörperanstieg, sollte wie im Falle eines Low-Responders vorgegangen werden

Postexpositionsprophylaxe bei Hepatitis B [1]

Indikation

Vorgehen

Vorgehen je nach Impfstatus

Postexpositionsprophylaxe in Abhängigkeit vom aktuellen Anti-HBs-Wert

Hepatitis-B-Immunprophylaxe bei Neugeborenen von HBsAg-positiven Müttern bzw. Müttern mit unbekanntem HBsAg-Status

Besondere Patientengruppen

HBsAg-positive Schwangere

Für den Schwangerschaftsverlauf hat eine chronische Infektion mit Hepatitis B kaum Bedeutung. Präpartal findet nur selten eine intrauterine Transmission auf das Kind statt. Relevanz hat die Hepatitis B in Bezug auf eine Übertragung während des Geburtsvorgangs (intrauterine perinatale Transmission). Insbesondere bei hoher Viruslast der Mutter steigt das Übertragungsrisiko.

Meldepflicht

Hepatitis-B-Virus

Hepatitis-D-Virus

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Hepatitis B, Teil 1 (Erreger, Infektion, Klinik)

Hepatitis B, Teil 2 (Diagnostik)

Hepatitis B, Teil 3 (Therapie)

Hepatitiden (Histopathologie)

Inhaltliches Feedback ggf. bitte an kontakt@meditricks.de.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

B16.-: Akute Virushepatitis B

B18.-: Chronische Virushepatitis

  • B18.0: Chronische Virushepatitis B mit Delta-Virus
  • B18.1-: Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus
    • B18.11: Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus, Phase 1
      • Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus:
        • HBeAg positiv, ohne Entzündungsaktivität, hochreplikativ
        • Immuntolerante Phase
    • B18.12: Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus, Phase 2
    • B18.13: Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus, Phase 3
      • Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus, HBeAg negativ, ohne Entzündungsaktivität, niedrigreplikativ
      • Keimträger von Hepatitis-B-Oberflächen-Antigen [HBsAg]
    • B18.14: Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus, Phase 4
      • Chronische Virushepatitis B ohne Delta-Virus, HBeAg negativ, mit Entzündungsaktivität, hochreplikativ
      • Reaktivierte Hepatitis B
  • B18.2: Chronische Virushepatitis C
  • B18.8: Sonstige chronische Virushepatitis
  • B18.9: Chronische Virushepatitis, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Epidemiologisches Bulletin 34/2020. Stand: 20. August 2020. Abgerufen am: 14. September 2020.
  2. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  3. Dancygier: Klinische Hepatologie. Springer 2013, ISBN: 978-3-642-55902-0 .
  4. Hepatitis B und D, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 20. Mai 2016. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.
  5. Impfkalender (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Stand: 23. August 2018. Abgerufen am: 30. Oktober 2018.
  6. S3-Leitlinie Hepatitis-B-Virusinfektion - Prophylaxe, Diagnostik und Therapie. Stand: 31. Januar 2011. Abgerufen am: 7. November 2017.