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Morbus Alzheimer

Letzte Aktualisierung: 19.1.2021

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Beim Morbus Alzheimer handelt es sich um die häufigste Form der Demenz. Je nach Eintrittsalter unterscheidet man zwischen präseniler (vor 65 Jahren) und seniler (nach 65 Jahren) Demenz. Die Alzheimer-Demenz äußert sich durch Gedächtnisstörungen (wobei das Langzeitgedächtnis noch lange erhalten bleibt) sowie durch Werkzeug-, Orientierungs- und Wortfindungsstörungen. Die Betroffenen können die äußere Erscheinung meist lange aufrechterhalten. Histopathologisches Korrelat stellen die sog. „Amyloid-Plaques“ (aus Aβ-Protein) und Alzheimer-Fibrillen (aus Tau-Protein) dar. Es konnten mehrere verursachende Gendefekte sowie verschiedene Risikofaktoren ausfindig gemacht werden, die genaue Pathogenese ist jedoch unklar.

Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung können diagnostische Hinweise durch neuropsychologische Testung, Liquordiagnostik und Bildgebung gewonnen werden. Zur Diagnosestellung ist der Ausschluss anderer Ursachen wichtig. Da eine kurative Therapie bisher nicht existiert, kann lediglich eine symptomatische Therapie mit Acetylcholinesterasehemmern oder NMDA-Antagonisten (Memantine) versucht werden. Die mittlere Überlebensdauer beträgt 8 Jahre.

  • Häufigste Demenzform: 50–70% aller Demenzen
  • Geschlecht: >

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Bisher ungeklärt!
  • Risikofaktoren
    • Demenzerkrankungen und neurologische Erkrankungen bei Angehörigen ersten Grades
    • Genotyp-Varianten des Apolipoprotein E4 (ApoE4)
  • Protektive Faktoren
    • Höherer Bildungsgrad
    • Psychosoziale Aktivität
  • Gendefekte/Mutationen

Die folgenden Erscheinungen sind wesentliche Veränderungen im Gehirn von Patienten mit Alzheimer-Demenz. Ihre Ursachen oder Bedeutungen für den Verlauf der Krankheit sind noch unklar.

  • Hirnatrophie/Synapsenverlust
    • Insb. im parieto-temporalen und frontalen Kortex
    • Verminderung cholinerger Innervation im Nucleus basalis Meynert
  • Amyloidplaques
    • Extrazelluläre Aβ-Plaques
    • Bisher ist ungeklärt, ob die neurotoxischen Plaques selbst ursächlich sind oder „nur“ Resultat eines anderen Prozesses
  • Neurofibrilläre Degeneration
  • Immunologische Veränderungen

Histologie

  • Manifestationsalter: >65 Jahre
  • Verlauf: Häufig wellenartig
    • Anfangs schleichender, langsamer Progress → Geschwindigkeitszunahme in mittlerer Phase → in später Phase wieder langsamer Progress
  • Manifestationsalter und Verlauf der präsenilen Form siehe: Präsenile Alzheimer-Demenz
Kognitive Symptome Nicht-kognitive Symptome
Frühsymptome
Spätsymptome

Bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit bleiben das soziale Verhalten (z.B. Bekleidung, Pflege) und die Persönlichkeit lange erhalten (Fassade)!

  • Endstadium
    • Zunehmender Verlust der Selbstständigkeit und Entwicklung von Pflegebedürftigkeit
    • Abnahme von Aktivität mit völliger Pflegebedürftigkeit
    • Oft Mutismus
    • Nahrungsverweigerung mit ausgeprägter Kachexie
    • Tod meist durch Infektion z.B. Pneumonie

Präsenile Alzheimer-Demenz

  • Selten, ca. 7% aller Alzheimer-Demenzen [5]
  • Manifestationsalter: <65 Jahre
  • Oft raschere Progredienz der Symptomatik
  • Starke genetische Komponente

Gemischte Demenz

Diagnosestellung nach ICD-10

  • Die Kriterien eines Demenzsyndroms müssen vorliegen (siehe: Diagnostik des Demenzsyndroms)
  • Zusätzlich müssen zur Einordnung in die Alzheimer-Demenz als Unterform nach ICD-10 folgende Punkte erfüllt sein
    • Gedächtnisstörung
    • Mindestens eine weitere neurologische Teilleistungsschwäche
    • Beeinträchtigung der sozialen Aktivität
    • Schleichender Verlauf
    • Ausschluss anderer Demenzursachen

Alzheimer-spezifische Diagnostik und Befunde

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Allgemeine Therapieempfehlungen bei Demenz

Spezifische Therapieempfehlungen bei Morbus Alzheimer

Medikamentöse Therapie mit Antidementiva

  • Indikation
    • Leichtes und mittleres Stadium: Acetylcholinesterasehemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin)
    • Mittleres und schweres Stadium: NMDA-Antagonist (Memantine)Bei Demenzen konnten erhöhte Glutamatspiegel festgestellt werden. Durch Rezeptorblockade wird die glutamaterge Wirkung gesenkt.
    • Aber: Trotz Leitlinienempfehlung sollte hier eine kritische Bewertung von Vor- und Nachteilen stattfinden → „Shared Decision-Making“ mit Patient, Angehörigen und ggf. Betreuungsperson
  • Zu beachten
    • Bei guter Verträglichkeit sollte Aufdosierung bis zur Maximaldosis erfolgen
    • Langsames Aufdosieren reduziert das Auftreten von Nebenwirkungen
    • Keine Empfehlung bezüglich doppelter Therapie von Acetylcholinesterasehemmer plus Memantin
    • Beim Fortschreiten der Krankheit in das schwere Stadium sollten Acetylcholinesterasehemmer nur abgesetzt werden, wenn die Verträglichkeit schlecht ist. Sonst droht eine Verschlechterung der Symptome
  • Substanzen
    • Acetylcholinesterasehemmer
      • Rivastigmin
        • Rivastigmin oral
        • Rivastigmin-Pflaster
      • Galantamin oral
      • Donepezil oral
    • NMDA-Antagonist
      • Memantin
  • Häufige Nebenwirkungen

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Antidementiva

Inhaltliches Feedback ggf. bitte an kontakt@meditricks.de.

G30.-†: Alzheimer-Krankheit (F00.-*)

  • Inklusive: Senile und präsenile Formen
  • Exklusive: Senile Degeneration des Gehirns, anderenorts nicht klassifiziert (G31.1), Senile Demenz o.n.A. (F03), Senilität o.n.A. (R54)
  • G30.0: Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn (F00.0*)
  • G30.1: Alzheimer-Krankheit mit spätem Beginn (F00.1*)
  • G30.8: Sonstige Alzheimer-Krankheit (F00.2*)
  • G30.9: Alzheimer-Krankheit, nicht näher bezeichnet (F00.9*)

F00.-*: Demenz bei Alzheimer-Krankheit (G30.-†)

  • F00.0*: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit frühem Beginn (Typ 2) (G30.0†)
    • Alzheimer-Krankheit, Typ 2
    • Präsenile Demenz vom Alzheimer-Typ
    • Primär degenerative Demenz vom Alzheimer-Typ, präseniler Beginn
  • F00.1*: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit spätem Beginn (Typ 1) (G30.1†)
    • Alzheimer-Krankheit, Typ 1
    • Primär degenerative Demenz vom Alzheimer-Typ, seniler Beginn
    • Senile Demenz vom Alzheimer-Typ (SDAT)
  • F00.2*: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, atypische oder gemischte Form (G30.8†)
    • Atypische Demenz vom Alzheimer-Typ
  • F00.9*: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, nicht näher bezeichnet (G30.9†)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Siehe: Studientelegramme zu dementiellen Erkrankungen

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  1. Reitz, Mayeux: Alzheimer disease: Epidemiology, diagnostic criteria, risk factors and biomarkers In: Biochemical Pharmacology. Band: 88, Nummer: 4, 2014, doi: 10.1016/j.bcp.2013.12.024 . | Open in Read by QxMD p. 640-651.
  2. Hacke (Hrsg.): Neurologie. 14. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-46891-3 .
  3. Ryman et al.: Symptom onset in autosomal dominant Alzheimer disease: A systematic review and meta-analysis In: Neurology. Band: 83, Nummer: 3, 2014, doi: 10.1212/wnl.0000000000000596 . | Open in Read by QxMD p. 253-260.
  4. Alonso et al.: Genetics of Alzheimer's disease. In: Archives of medical research. Band: 43, Nummer: 8, 2012, doi: 10.1016/j.arcmed.2012.10.017 . | Open in Read by QxMD p. 622-31.
  5. Kim et al.: Dementia Medications and Risk of Falls, Syncope, and Related Adverse Events: Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials In: Journal of the American Geriatrics Society. Band: 59, Nummer: 6, 2011, doi: 10.1111/j.1532-5415.2011.03450.x . | Open in Read by QxMD p. 1019-1031.
  6. Berger: Psychische Erkrankungen. Urban & Fischer 2014, ISBN: 978-3-437-22484-3 .
  7. Mumenthaler, Mattle: Neurologie. 12. Auflage Thieme 2008, ISBN: 978-3-133-80012-9 .
  8. Bandelow et al.: Kurzlehrbuch Psychiatrie. 2. Auflage Steinkopff 2008, ISBN: 978-3-798-51835-3 .
  9. S3-Leitlinie Demenzen. Stand: 24. Januar 2016. Abgerufen am: 6. November 2017.
  10. Rossetti et al.: The CERAD Neuropsychologic Battery Total Score and the Progression of Alzheimer Disease In: Alzheimer Disease & Associated Disorders. Band: 24, Nummer: 2, 2010, doi: 10.1097/wad.0b013e3181b76415 . | Open in Read by QxMD p. 138-142.