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Reiseimpfungen – Hinweise und Empfehlungen (Beta-Version)

Letzte Aktualisierung: 16.2.2021

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Du kannst Dir die aktuelle Aufklärung über in Deutschland nicht zugelassene Impfstoffe und das Merkblatt Poliomyelitis-Impfung (Stand Februar 2021) als PDF-Dokument unter „Tipps & Links“ (ganz unten) herunterladen!

Autorinnen und Autoren

  • Camilla Rothe
  • Deike Rosenbusch
  • Martin Alberer
  • Silja Bühler
  • Gerd Burchard
  • Kai Erkens
  • Torsten Feldt ,
  • Martin P. Grobusch
  • Carsten Köhler
  • Anette Kapaun
  • Micha Löbermann
  • Karin Meischner
  • Wolfram Metzger
  • Andreas Müller
  • Hans Dieter Nothdurft
  • Burkhard Rieke
  • Clara Schlaich
  • Christian Schönfeld
  • Marco H. Schulze
  • Jörg Siedenburg
  • Florian Steiner
  • Olivia Veit
  • Thomas Weitzel
  • Gerhard Boecken

Keywords

travel medicine - travel vaccines - immunocompromised travellers - paediatric travellers - pregnant travellers

Bibliografie

DOI 10.1055/a-1111-8105

Korrespondenzadresse

Dr. Camilla Rothe
LMU Klinikum München
Abt. für Infektions- und Tropenmedizin
Leopoldstr. 5
80802 München
E-Mail: rothe@lrz.uni-muenchen.de

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit (DTG) erarbeitet und aktualisiert jährlich Empfehlungen zu Reiseimpfungen und zur Malariaprophylaxe.

In diesem Jahr erfolgt die Erarbeitung der Empfehlungen zum dritten Mal durch den Ständigen Ausschuss Reisemedizin (StAR) der DTG. Dieser setzt sich aus Expertinnen und Experten der großen Tropeninstitute und tropenmedizinischen Abteilungen, der Arbeitsmedizin, des Auswärtigen Amtes, der Bundeswehr, der Flugmedizin und maritimen Medizin und des niedergelassenen Bereiches zusammen. Im StAR ist damit ein großer Teil der reisemedizinischen Expertise in Deutschland vertreten. Die im Folgenden gewählte männliche Form bezieht sich zugleich auf weibliche und männliche Personen. Auf eine Doppelbezeichnung wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet. Die Empfehlungen und Hinweise beruhen auf Experten­wissen und sind keine evidenzbasierten Leit­linien. Sie basieren jedoch auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Vorgehenswei­sen und Erfahrungen.

Eine systematische Evidenzrecherche zum Nutzen von Reiseimpfungen ist nicht trivial, da zu den meisten Fragestellungen keine oder nur wenige gute, kontrollierte Studien vorliegen[1]. Zudem werden viele Erkrankungen nur selten von Reisenden nach Deutschland importiert, sodass keine ausreichenden Fallzahlen für Wirksamkeitsberechnungen zustande kommen. Darüber hinaus mangelt es an Informationen zur Bezugsgröße, also zur Anzahl der tatsächlich exponierten Reisenden.

Angaben zur Prävalenz­ und Inzidenz beruhen daher häufig auf Erhebungen in der lokalen Bevölkerung und können nicht ohne Weiteres auf Reisende übertragen werden. Es ist somit verständlich, dass die internationalen Empfehlungen im Wesentlichen auf Expertenmeinungen beruhen. Aufgrund der großen Anzahl unterschiedlicher Reiseziele, epidemiologischer Risiken und individueller Faktoren ist eine „Standardempfehlung“ für ein „Standardrisiko“ für Reisende nur eingeschränkt möglich. Reiseimpfungen sind zum einen individuelle Vorsorge, zum anderen sind manche Impfungen aufgrund länderspezifischer Vorschriften im internationalen Reiseverkehr verpflichtend.

Es ist daher das Anliegen des StAR, mit den vorliegenden Empfehlungen dem reise-, tropen- und arbeitsmedizinisch tätigen Arzt bei seinen Präventionsentscheidungen für den Reisenden eine konkrete Hilfestellung für die Bewertung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses zu geben. Die Empfehlungen sollen für mehr Sicherheit in der Reisemedizin sorgen und auch finanzielle Aspekte berücksichtigen. Sie ergänzen die durch die Ständige Impfkommission (STIKO) für Deutschland erstellten Impfempfehlungen und berücksichtigen neben diesen u.a. auch Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) und die medizinischen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes (AA). Die vorliegenden Empfehlungen sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegrün­dende noch haftungsbefreiende Wirkung.

Welche Impfungen sind reisemedizinisch relevant?

Anlässlich einer reisemedizinischen Beratung sollten zunächst immer die Standardimpfungen und ggf. Indikationsimpfungen für die betreffende Altersgruppe überprüft und ggf. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischimpfung durchgeführt oder empfohlen werden. Dies wirkt sich nicht nur auf den Individualschutz, sondern auch auf die Populationsimmunität in Deutschland aus.

Hinweise zu Standard- und Indikationsimpfungen in Deutschland sind nicht Gegenstand dieser Empfehlungen. Hierzu verweisen wir auf die jährlich neu veröffentlichten Empfehlungen der STIKO[2].

Zu den „Reiseimpfungen“ im engeren Sinne werden Impfungen gezählt, die anlässlich einer Reise aufgrund einer individuellen Nutzen-Risiko-Bewertung empfohlen sind bzw. aufgrund einer Einreisevorschrift bestimmter Länder gegeben werden müssen.

Impfungen im Kontext von Einreisevorschriften

Entsprechend den aktuellen IGV sind derzeit Impfvorschriften zur Einreise in bzw. Ausreise aus bestimmten Ländern für die Gelbfieber- und die Poliomyelitisimpfung in Kraft. Darüber hinaus können einzelne Länder jederzeit zusätzliche Impfvorschriften für die Ein- und Ausreise erlassen.

Für die Gelbfieberimpfung gelten Einreisevorschriften entsprechend der jährlich aktualisierten Länderliste der WHO. Diese Länder fordern den Nachweis der Impfung beim Grenzübertritt bzw. bei der Visumsbeantragung entweder für Reisende aufgrund der Einreise aus einem Verbreitungsgebiet (Gefahr der Einschleppung) oder für alle Reisenden aufgrund des Infektionsrisikos im Land. Es ist jedoch zu beachten, dass Länder jederzeit kurzfristig neue Einreisebestimmungen für die Gelbfieber­impfung erlassen können. Die WHO-Liste ist daher unter Umständen nicht zu jedem Zeitpunkt vollständig.

Für die Poliomyelitisimpfung gelten Vorschriften gemäß den IGV bei Ausreise aus Ländern, in denen aktuell noch Polioviren (Wild- oder Impfpolioviren) zirkulieren. Neben dem persönlichen Schutz des Reisenden geht es hier v.a. darum, zu verhindern, dass Polioinfektionen exportiert und Erreger weiterverbreitet werden. Das Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht hierzu vierteljährlich Empfehlungen für die betroffenen Länder.

Für die Impfung gegen Meningokokkenerkrankungen hat Saudi-Arabien eigene Impfvorschriften, differenziert nach dem jeweiligen Reiseanlass, erlassen. So ist u.a. für Hadsch- und Umrah-Pilger eine tetravalente Meningokokkenimpfung vorgeschrieben. Detaillierte Informationen auch zu anderen Einreisevorschriften sind auf der Webseite des Gesundheitsministeriums von Saudi-Arabien zu finden[3]. Weitere Länder haben laut WHO-Liste Impfvorschriften für die Meningokokkenimpfung gemeldet[4].

Seit Ende 2019 fordern bestimmte Staaten und Inseln in der Südsee (Salomonen, Tokelau, Amerikanisch-Samoa, Marshall-Inseln) einen Impfnachweis für die Masernimpfung von allen Reisenden[5], also auch bei Einreise aus Deutschland.

Zwischenaufenthalte, auch im Transit, können eine Impfpflicht zur Folge haben. Daher muss bei der Aufstellung des Impfplans neben dem Reiseland immer auch die Reiseroute berücksichtigt werden. Aktuelle Informationen für die einzelnen Länder finden sich in den jeweiligen Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes (AA)[6] und der WHO-Länderliste[4].

Impfungen bei reisemedizinischem Risiko

Dies sind, in alphabetischer Reihenfolge:

Einige dieser Impfungen sind zugleich Standard- oder Indikationsimpfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. Influenza, FSME, Hepatitis A und B, Meningokokken ACWY und B).

Reiseimpfungen setzen eine mögliche Exposition voraus und erfordern eine sorgfältige, dem individuellen Risiko angepasste Beratung. Die infektionsepidemiologische Lage im Reiseland spielt eine Rolle, jedoch muss geprüft werden, ob sich Reisende tatsächlich gegenüber dem Krankheitserreger exponieren. So tritt etwa die Cholera, die primär als Indikatorkrankheit für extreme Armut und insuffiziente Infrastruktur gilt, so gut wie nie bei Reisenden auf[7], selbst wenn diese unter vermeintlich einfachen Bedingungen in einem choleraendemischen Land reisen. Zudem ist es wichtig, die Wirksamkeit der jeweiligen Impfung zu bedenken und den Reisenden darüber zu informieren – bei den in Deutschland verfügbaren Typhusimpfstoffen liegt diese bspw. nur bei 50–70%.

Die konkrete Reiseroute, die Reisedauer, der Grund der Reise, der Reisestil, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und besondere berufliche Tätigkeiten oder Freizeitaktivitäten am Zielort sind wichtige Faktoren für eine Impfempfehlung. Da jede Impfung mit unerwünschten Wirkungen einhergehen kann, ist immer eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich. Auch der Kostenfaktor ist zu bedenken. Die Priorisierung der für die individuelle Reise zu empfehlenden Impfungen ist eine der Hauptziele einer adäquaten Reiseberatung.

Impfplan und Zeitabstände

Die Aufstellung des Impfplans erfolgt entsprechend dem dokumentierten Impfstatus, der Indikation und der zur Verfügung stehenden Zeit bis zur Abreise, ggf. unter Beachtung von Ausschlussfristen und Prioritäten.

Der Wirkbeginn einer Impfung tritt 10–14 Tage nach der Impfung ein, insofern es sich nicht um eine Auffrischimpfung (Booster) handelt. Sind mehrere Teilimpfungen zur Grundimmunisierung nötig, so ist der Wirkbeginn i.d.R. 10–14 Tage nach der zweiten Teilimpfung zu erwarten (Ausnahme: Hepatitis-A-Impfung, hier bereits nach einer Impfung). Das Impfprogramm sollte daher möglichst 10–14 Tage vor Reiseantritt abgeschlossen sein. Zudem sind eventuelle Impfreaktionen in aller Regel auf diesen Zeitraum begrenzt. Grundsätzlich gilt, dass nicht erneut geimpft wird, bevor nicht die Reaktion der vorangegangenen Impfung vollständig abgeklungen ist bzw. Komplikationen geklärt worden sind.

Last-Minute-Reisen sind jedoch kein Grund, auf notwendige oder empfohlene Impfungen zu verzichten; das gilt v.a. für die Hepatitis-A-Impfung, da eine Hepatitis-A-Infektion i.d.R. eine mehrwöchige Inkubationszeit hat. Zudem sind für manche Impfstoffe Schnellimpfschemata zugelassen (z.B. für FSME und Japanische Enzephalitis). Über das konkrete Vorgehen ist individuell zu entscheiden und entsprechend aufzuklären.

Sind zum Aufbau einer Grundimmunisierung mehrere Teilimpfungen erforderlich, dürfen die hierfür vorgesehenen Mindestabstände nicht unterschritten werden; dagegen gibt es keine unzulässigen Maximalabstände. Jede dokumentierte Impfung zählt.

Totimpfstoffe, also Impfstoffe mit inaktivierten Erregern, Antigenbestandteilen oder Toxoiden, erfordern untereinander oder zu Lebendimpfungen keine Zeitabstände. (Es gibt Ausnahmen; auf die Koadministrationshinweise in den jeweils aktuellsten Fachinformationen sollte geachtet werden.)

Parenterale Lebendimpfstoffe, welche attenuierte Impfviren enthalten (z.B. Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln oder Varizellen) können simultan verabreicht oder, bevorzugt, im Abstand von mind. 4 Wochen separat geimpft werden. Bei einem Impfabstand von <28 Tagen für Lebendimpfungen muss die zuletzt verabreichte Impfung nach frühestens 28 Tagen wiederholt werden, sofern das reisemedizinische Risiko fortbesteht (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 1).

Bei Kindern im Alter von <24 Monaten gibt es Hinweise, dass die Immunantwort gegen Gelbfieber, Mumps und Röteln bei simultaner MMR-Impfung schwächer ausfällt (s.u.).

Bei der oralen Lebendimpfung gegen Typhus sind keinerlei Zeitabstände zu anderen Impfungen erforderlich.Jedoch bei Gabe von Antibiotika und Malariamedikamenten, die frühestens 3 Tage nach der letzten Kapseleinnahme erfolgen sollte!

Nach Gabe von Bluttransfusionen und IV-Immunglobulinen ist zur Masern- und Varizellenimpfung ein Mindestabstand von 6 bzw. 8 Monaten einzuhalten (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 1). Bei Applikation in umgekehrter Reihenfolge ist nach der Impfung 2 Wochen zu warten, falls es sich nicht um einen Notfall handelt. Für die Gelbfieberimpfung werden keine Mindestabstände angegeben[8].

Bei jeder Impfung ist die Fachinformation zu beachten. Sie hat im Hinblick auf Anwendung, Gegenanzeigen, Wechsel- und Nebenwirkungen des betreffenden Impfstoffs einen hohen Stellenwert, nicht zuletzt bei juristischen Ausein­andersetzungen.

Dokumentation

Nach § 22 des Infektionsschutzgesetzes (Novelle gültig ab 01.03.2020) muss die Impfdokumentation zu jeder Schutzimpfung das Datum der Schutzimpfung, die Bezeichnung und Chargenbezeichnung des Impfstoffes, den Namen der Krankheit, gegen die geimpft wurde, den Namen und die Anschrift der für die Durchführung der Schutzimpfung verantwortlichen Person sowie die Bestätigung in Schriftform (Unterschrift) oder in elektronischer Form mit einer qualifizierten elektronischen Signatur oder einem qualifizierten elektronischen Siegel durch die für die Durchführung der Schutzimpfung verantwortliche Person enthalten.

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 1: Mindestabstände von viralen Lebendimpfstoffen zu Immunglobulinen und Bluttransfusionen[2][9]

Gelbfieber Masern (MMR) Varizellen IV-Immunglobulin Erythrozytenkonzentrate
Gelbfieber x 28 Tage 28 Tage
Masern (MMR) 28 Tage x 28 Tage 14 Tage 14 Tage
Varizellen 28 Tage 28 Tage x 14 Tage 14 Tage
Typhus (oral) x
IV-Immunglobulin 8 Monate 8 Monate x x
Erythrozytenkonzentrate 6 Monate 6 Monate x x

Alle Impfungen sind unverzüglich in einen Impfausweis einzutragen, der im internationalen Reiseverkehr anerkannt wird. Das trifft auf das in Deutschland üblicherweise verwendete gelbe Heft im A6-Format mit einer eigenen Seite „Internationale Bescheinigung über Impfungen oder Verabreichung einer anderen Prophylaxe“ („International certificate of vaccination or prophylaxis“) zu. Diese Seite ersetzt die bis 2007 verwendete Gelbfieberimpfbescheinigung und ist ausschließlich für Bescheinigungen im internationalen Reiseverkehr vorgesehen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass diese Seite korrekt und vollständig sowohl vom Arzt bzw. der für die Schutzimpfung verantwortlichen Person als auch vom Impfling ausgefüllt wird. Hier werden neben Gelbfieber auch weitere, entsprechend den internationalen Gesundheitsvorschriften im internationalen Reiseverkehr notwendige Impfungen und Prophylaxemaßnahmen eingetragen, z.B. aktuell die Poliomyelitisimpfung für bestimmte Länder (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 1).

Die Impfung gegen Gelbfieber darf zur Gültigkeit im internationalen Reiseverkehr nur von einer Impfstelle mit staatlicher Zulassung dokumentiert werden.

Der Impfausweis kann u.a. über das Deutsche Grüne Kreuz bezogen werden (www.dgkshop.de/de/Ausweise/impfausweiswww.dgkshop.de/de/Ausweise/impfausweis/) bzw. auch online über die Bezugsquelle von Kassen- und KV-Vordrucken in höherer Stückzahl.

Aufklärung über in Deutschland nicht zugelassene Impfstoffe

Ein Muster zur Dokumentation einer Aufklärung bei Anwendung eines in Deutschland nicht zugelassenen Impfstoffs (z.B. auch Re-Importe aus dem EU-Ausland) findet sich auf der DTG-Homepage (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 2)[10].

Aufklärung über ein in Deutschland nicht zugelassenes Impfschema

Ein Muster zur Dokumentation einer Aufklärung bei Anwendung eines von der WHO empfohlenen, in Deutschland nicht zugelassenen Impfschemas gegen Tollwut findet sich auf der DTG-Homepage[11].

Applikation, Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Wir verweisen hierzu auf die Hinweise der STIKO[2]. Im Falle von Besonderheiten werden diese bei den jeweiligen Impfungen erläutert.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 1: Muster einer Bescheinigung im internationalen Reiseverkehr für Gelbfieber und Poliomyelitis.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 2: Muster eines Aufklärungsformulars für in Deutschland nicht zugelassene Impfstoffe.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 3: Übersicht zu Reiseimpfungen in der Schwangerschaft.

Impfungen während der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollten nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung und bei eindeutiger Indikation durchgeführt werden; das gilt v.a. für Lebendimpfstoffe. Für Totimpfstoffe stellt eine Schwangerschaft keine absolute Kontraindikation dar. Das 2. und 3. Trimenon sind dabei zu bevorzugen, um zu vermeiden, dass Spontanaborte in der Frühschwangerschaft fälschlicherweise mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 3 ). Die Influenzaimpfung wird für Schwangere explizit von der STIKO empfohlen, dies ist bei der Beratung von schwangeren Reisenden zu berücksichtigen[2][12]; der Saisonalität der Influenza in unterschiedlichen Weltregionen ist hierbei Rechnung zu tragen.

Nach Impfung mit einer viralen Lebendvakzine sollte eine Schwangerschaft für die Dauer von einem Monat verhindert werden. Eine versehentlich in der Schwangerschaft durch­geführte Impfung, auch mit einer Lebendvakzine, ist nach nationalen und internationalen Empfehlungen jedoch keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.

Eine Impfung gegen Gelbfieber soll auch bei stillenden Frauen nicht erfolgen, da in vereinzelten Fällen gestillte Säuglinge nach Gelbfieberimpfung der Mutter an einer Meningoenzephalitis erkrankt sind. Dies gilt insb. für Säuglinge ≤6 Monate.

Prinzipiell soll ein Kind auf einer Reise keinen schlechteren Impfschutz haben als ein Erwachsener. Die Reiseimpfempfehlungen für Kinder orientieren sich daher an den gleichen Kriterien. Altersbedingte Zulassungsbeschränkungen, Nebenwirkungen, Immunantworten und Gefährdungen müssen dabei in einer altersspezifischen Risiko-Nutzen-Analyse berücksichtigt werden.

Generell sollte jedes Kind zunächst alle nach dem aktuellen Impfkalender der STIKO für sein Alter vorgesehenen Impfungen erhalten[2]. Eventuelle Impflücken sind im Rahmen der Reisevorbereitungen zu schließen. Auf anstehende Auffrischimpfungen, die in die Reisezeit fallen, ist besonders bei Langzeitaufenthalten hinzuweisen. Für die hier angesprochenen (Reise)-Impfungen ist ein Mindestalter zu beachten, das in DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 2 in vollendeten Wochen, Monaten bzw. Jahren angegeben wird.

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 2: Mindestalter für Reiseimpfungen im Kindesalter

Erkrankung Impfstoff(e) Mindestalter
Cholera Dukoral® 2 Jahre
FSME Encepur® 1 Jahr
Gelbfieber Stamaril® 9 Monate
Hepatitis A Havrix® 720
VAQTA® Kinder
1 Jahr
Influenza
  • 6 Monate (je nach Hersteller)
  • 24 Monate
Japanische Enzephalitis IXIARO® 2 Monate
Masern-Mumps-Röteln M-M-RvaxPro®, Priorix® 9 (6) Monate [2]
Meningokokken
  • 2 Jahre
  • 6 Wochen
  • 2 Monate
  • 10 Jahre
Tollwut Rabipur®, Tollwutimpfstoff (HDC) inaktiviert Keine Altersbeschränkung
Typhus
  • Oral: Typhoral® L Kapseln
  • Parenteral: Typhim Vi®
  • 5 Jahre
  • 2 Jahre

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 3: Impfungen bei HIV-Infektion (Erwachsene und Kinder ≥6 Jahre)[13]

Impfstoff HIV-Infektion asymptomatisch und ≥ 200 CD4-Zellen/μl HIV-Infektion symptomatisch und/oder <200 CD4-Zellen/μl
Totimpfstoffe Empfohlen Empfohlen
Masernimpfstoff Empfohlen Kontraindiziert
Gelbfieberimpfstoff Möglich Kontraindiziert
Typhus, oraler Impfstoff Kontraindiziert Kontraindiziert
Varizellen Möglich Kontraindiziert

Kürzlich veröffentlichte Publikationen geben Anwendungshinweise zu den STIKO-Empfehlungen im Kontext von Immundefizienz[13][14][15][16] .

Impfungen bei HIV-Infektion

Ein optimaler Impfschutz ist bei Reisenden mit HIV-Infektion besonders wichtig, da das Risiko von schweren Verläufen für viele Infektionen erhöht ist. Abhängig vom Immunstatus und von der Viruslast sind schlechtere und kürzer anhaltende Immunantworten zu beachten. Lebendimpfungen können kontraindiziert sein (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 3).

Impftiter sollten großzügig kontrolliert werden; bei unzureichenden Titern und relevantem Expositionsrisiko sollte die Indikation zur Impfung großzügig gestellt werden. Bei Patienten mit nicht supprimierter Viruslast sind die Ansprechraten auf eine Impfung i.d.R. geringer. Mit einer Impfung sollte daher – wenn möglich – abgewartet werden, bis eine antiretrovirale Therapie (ART) eingeleitet wurde und die Viruslast unter die Nachweisgrenze gesunken ist.

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 4: Kontraindikationen von Lebendimpfungen unter, und Mindestabstände zu vorangegangener immunmodulatorischer oder immunsuppressiver Therapie nach[16][17][18][19] und Fachinformationen. Die Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene.

Substanzklasse Wirkstoff Lebendimpfung kontraindiziert während Therapie Notwendige Therapiepause vor Lebendimpfung
Kortikosteroide Glucocorticoid Prednisonäquivalenzdosis <10 mg/d oder lokale Therapie (z.B. topisch oder intraartikulär) oder Kurzzeittherapie (<2 Wochen) Nein Keine
Glucocorticoid Prednisonäquivalenzdosis ≥10 mg/d für ≥2 Wochen Ja >2 Monate
B-Zell-depletierende Substanzen (anti-CD20) Rituximab Ja >12 Monate
Ocrelizumab Ja Impfungen frühestens nach B-Zell-Repletion ca. 18 Monate nach Therapieende
CD52- Rezeptor-Antagonist (T/B-Zelldepletion) Alemtuzumab Ja >12 Monate
Inhibitor des B-Zell-Aktivierungsfaktors (BAFF), auch bekannt als B-Lymphozyten-Stimulator (BLyS). Belimumab Ja >3 Monate
Substanzen, die gegen spezifische Zytokine wirken Anti-TNF Adalimumab Ja >2 Monate
Certolizumab Ja >2 Monate
Etanercept Ja >2 Monate
Golimumab Ja >3 Monate
Infliximab Ja >3 Monate
Anti-IL-1 Anakinra Ja >1 Monate
Canakinumab Ja >3 Monate
Anti-IL-2 Daclizumab Ja >4 Monate
Anti-IL-6R Sarilumab Ja >2 Monate
Tocilizumab Ja >2 Monate
Anti-IL-12 und 23 Ustekinumab Ja >15 Wochen
Anti-IL-17A Secukinumab Ja >2 Monate
Ixekizumab Ja >3 Monate
Peripher wirksame B- und T-Zell-depletierende Substanzen Dimethylfumarat x x
Fingolimod Ja >2 Monate
Leflunomid Ja >6 Monate
Teriflunomid Ja >6 Monate
Immunstimulanzien/-modulatoren Glatirameraceta x x
Interferon beta Nein Keine
Sulfasalazin /Mesalazin Nein Keine
Zytostatika Cyclophosphamid Ja >3 Monate
Mitoxantron Ja >3 Monate
Substanzen, die eine Organabstoßung verhindern (Calcineurininhi-bitoren, antiproliferativ wirksame Medikamente) Azathioprin Ja >3 Monate
Ciclosporin Ja >3 Monate
6-Mercaptopurin Ja >3 Monate
Tacrolimus Ja >3 Monate
Mycophenolat-Mofetil Ja >2 Monate
Methotrexat (Niedrigdosis <0,4 mg/kg/Wo oder <20 mg/Wo) Nein Keine
Methotrexat (Hochdosistherapie mit ≥0,4 mg/kg/Wo oder ≥20 mg/Wo) Ja >2 Monate
T-Lymphozyten-Kostimulatoren-Inhibitor Abatacept Ja >3 Monate
Interaktionsinhibitor von VCAM-1 und Integrin α4β1 Natalizumab Ja >3 Monate
Intestinaler Integrin-Antagonist Vedolizumab Nein Orale Impfstoffe
>3 Monate nach Therapie
Januskinase (JAK)-Inhibitoren Baracitinib Ja >1 Monat
Tofacitinib Ja >2 Monate
Anti-PDE4 Apremilast Ja >2 Wochen

Ergänzende Hinweise zu Impfungen bei HIV-Infektion

Bei HIV-Infizierten ist die Immunantwort abhängig von einer supprimierten Viruslast zum Zeitpunkt der Impfung und der Höhe der CD4-Zellzahl bzw. der CD4/CD8-Ratio. Lebendimpfungen sind kontraindiziert bei <200 CD4-Zellen/μl (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 3). Bei HIV-Infizierten soll die Gelbfieberimpfung bei anhaltendem Risiko alle 10 Jahre aufgefrischt werden, falls keine Kontraindikationen bestehen.

Masern können bei HIV-Infizierten einen besonders schweren Verlauf nehmen, daher sollte eine MMR-Impfung bei allen asymptomatischen Patienten ab 6 Jahre mit ≥200 CD4-Zellen/μl, die bisher nicht geimpft wurden oder eine Infektion hatten, erfolgen.

Für HIV-positive Kinder <6 Jahren gelten bzgl. der viralen Lebendimpfungen andere CD4-Grenzwerte: <1 Jahr: 750/μl, 1–55 Jahre: <500/μl.

Impfungen bei immunmodulatorischer oder immunsuppressiver Therapie

lmmer mehr Reisende sind therapeutisch immunsupprimiert. Totimpfstoffe können bei immunmodulatorischer oder immunsuppressiver Therapie grundsätzlich verabreicht werden. Bei den meisten Patienten unter Therapie mit Immunsuppressiva kann ein ausreichender Impfschutz aufgebaut werden (ggf. sollte eine serologische Kontrolle des Impferfolgs durchgeführt werden). Unter einer Therapie mit B- und/oder T-Zell-depletierenden Antikörpern können ebenfalls Totimpfstoffe gegeben werden, es ist jedoch von einer extrem abgeschwächten bis inexistenten Immunantwort auszugehen.

Lebendimpfstoffe dürfen während einer immunsuppressiven Therapie i.d.R. nicht verabreicht werden (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 4). Die Gelbfieberimpfung ist daher laut Fachinformation bei Immundefizienz absolut kontraindiziert. Eine reisemedizinische Beratung sollte immer auch zum Anlass genommen werden, um zu überprüfen, ob die von der STIKO bei Immungeschwächten empfohlenen Impfungen vorliegen. Immunsuppression kann zudem ein besonderer Grund für eine reisemedizinische Impfung darstellen (z.B. Japanische Enzephalitis) oder um das Impfschema zu verändern (z.B. zwei Hepatitis-A-Impfungen vor der Abreise). Das verkürzte präexpositionelle Impfschema gegen Tollwut der WHO wird für Immunsupprimierte explizit nicht empfohlen[20].

Auch nach Ende einer immunsuppressiven Therapie sind Mindestabstände zu einer Lebendimpfung zu beachten. Dabei ist zu bedenken, dass die biologische Wirkdauer bei manchen Arzneistoffen sehr viel länger sein kann als die pharmakokinetische Halbwertszeit (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 4).

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 4: Hepatitis-B-Prävalenz im weltweiten Vergleich[8]

Siehe Empfehlungen und Hilfen zur Indikationsstellung für Reiseimpfungen im Anhang.

Hepatitis B

Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit mit den schwerwiegenden Folgen einer möglicherweise chronischen Infektion sowie Leberzirrhose und Leberzellkarzinom. Das Virus ist hochansteckend und umweltstabil. Allen ungeimpften Personen sollte daher bei Reisen in Länder mit erhöhter Hepatitis-B-Prävalenz (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 4 ) eine Immunisierung gegen Hepatitis B angeboten werden.

Impfstoff

Totimpfstoff, rekombinantes HB-Virus-Oberflächenantigen (HBsAg)

Grundimmunisierung im reisemedizinischen Kontext

Bei nicht bereits gegen Hepatitis B grundimmunisierten Reisenden sollte die Indikation für eine Impfung großzügig gestellt werden. Dies gilt insb., wenn Risikofaktoren vorliegen, z.B. enger Kontakt zur lokalen Bevölkerung, mögliche Sexualkontakte, Auslandsreisen zum Zweck von medizinischen Eingriffen (z.B. Zahnbehandlung, kosmetische Operation), Dialysebehandlung auf Reisen, Langzeitaufenthalt in Ländern mit eingeschränkter medizinischer Versorgung, Tätowierungen, Piercings oder auch ein berufliches Risiko. Weitere Risikogruppen sind z.B. Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung, men who have sex with men (MSM), intravenös Drogenabhängige, Dialysepatienten sowie Personen, bei denen wegen einer vorbestehenden oder zu erwartenden Immundefizienz bzw. -suppression oder wegen einer vorbestehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten ist.

Auffrischung

Nach einer abgeschlossenen Grundimmunisierung gegen Hepatitis B in der Kindheit geht die WHO davon aus, dass bei 95% der Geimpften schützende Antikörpertiter für mind. 20 Jahre, wahrscheinlich sogar lebenslang, vorliegen[21].

Routinemäßige Auffrischimpfungen gegen Hepatitis B sind laut STIKO nicht vorgesehen. Eine Auffrischimpfung wird nur bei besonderem Risiko empfohlen; hier werden u.a. auch Auslandsreisen aufgeführt, auf eine „individuelle Gefährdungsbeurteilung“ wird hingewiesen[2]. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, im Rahmen einer Auslandsreise nach länger zurückliegender Hepatitis-B-Grundimmunisierung eine Durchbruchsinfektion mit Hepatitis B zu bekommen, ist aktuell aufgrund fehlender Daten unklar.

Einstweilen sollte bei Reisen in Länder mit erhöhter Hepatitis-B-Prävalenz (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 4 ) und/oder bei erhöhtem individuellem Expositionsrisiko die Indikation zur Auffrischimpfung nach Grundimmunisierung im Säuglingsalter großzügig gestellt werden, sofern keine Auffrischimpfung im Jugendalter dokumentiert wurde und der Anti-HBs-Status unbekannt ist. Ob weitere Wiederimpfungen aus reisemedizinischer Indikation im Erwachsenenalter indiziert sind, und wann diese zu erfolgen hätten, ist derzeit unklar[2]. Die CDC empfehlen für immunkompetente Erwachsene explizit keine serologische Testung und auch keine Auffrischung[8].

Zur Kontrolle des Impferfolgs empfiehlt die STIKO für Erwachsene eine Antikörperbestimmung 4–8 Wochen nach Grundimmunisierung. Bei einem Anti-HBs-Titer ≥100 I.E./L kann bei immunkompetenten Personen von einer lebenslangen Immunität ausgegangen werden; weitere Impfungen sind dann nicht erforderlich. Der Titer sollte im Impfdokument eingetragen werden, um unnötige Auffrischimpfungen zu vermeiden.

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Bei gleichzeitiger Indikation für eine Hepatitis-A- und -B-Impfung ist ein Kombinationsimpfstoff verfügbar (Twinrix®). Dieser Impfstoff enthält im Vergleich zum monovalenten Impfstoff nur die halbe Dosis Internationaler Einheiten an inaktiviertem Hepatitis-A-Virus. Zuvor noch nicht gegen Hepatitis A (und B) geimpfte Reisende sind nicht sicher geschützt, wenn sie nur eine Dosis des Kombinationsimpfstoffs erhalten.

Für Last-Minute-Reisende existiert ein Schnellimmunisierungsschema für Erwachsene: 0 - 7 - 21 - 365 Tage; dies ist sowohl für die Hepatitis-B-Impfung als auch für den Hepatitis-A-/B-Kombinationsimpfstoff in dieser Altersgruppe zugelassen. Für Säuglinge, Kinder und Jugendliche gibt es Darreichungsformen mit reduzierter Dosis.

Influenza

Influenza ist die häufigste impfpräventable Infektionskrankheit auf Fernreisen; die Inzidenzrate wird auf 1% pro Reisemonat geschätzt[22]. Ein Impfschutz ist daher nicht nur für Reisende, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf haben, sondern generell sinnvoll. Auch wenn die Influenza als Gesundheitsrisiko oft bagatellisiert wird, so gibt es doch einige reisespezifische Besonderheiten zu bedenken: Erkrankt man etwa auf einer Tropenreise mit Fieber (wie bei einer Influenzainfektion i.d.R. der Fall), so ist eine Abklärung geboten zum Ausschluss von Tropenkrankheiten wie Malaria oder Dengue. Dies kostet Reisezeit und Geld, belastet das lokale Gesundheitssystem und birgt in manchen Regionen der Welt die Gefahr, sich mit multiresistenten bakteriellen Erregern zu kolonisieren. Im Kontext eines Krankheitsausbruches besteht bei einer fieberhaften Symptomatik ggf. das Risiko, sich zwangsweise einer Diagnostik unterziehen zu müssen oder isoliert bzw. abgesondert zu werden.

In den gemäßigten Zonen der Welt tritt die saisonale Influenza v.a. in den Wintermonaten auf. Auf der Nordhalbkugel sind dies die Monate von Oktober bis April/Mai und auf der Südhalbkugel von April/Mai bis Oktober. In den Tropen kann es hingegen ganzjährig zu Influenzaausbrüchen kommen[22]. Die Impfung sollte möglichst vor Beginn der Grippesaison der jeweiligen Region und spätestens 1–2 Wochen vor der Abreise erfolgen. Nach den bisherigen Erfahrungen kann bei Reisen auf die Südhalbkugel der hiesige Impfstoff verwendet werden. Dieser ist allerdings ab dem Frühjahr nur eingeschränkt verfügbar, zudem ist das Verfallsdatum zu beachten. Daher sollten insb. Langzeitreisende auf die Möglichkeit hingewiesen werden, sich in der Zielregion impfen zu lassen, sofern der Impfstoff dort verfügbar ist und sichere Injektionen gewährleistet sind.

Werden Reisen in Gruppen unternommen, zu denen Personen aus Regionen gehören, in denen das Grippevirus zirkulieren könnte (z.B. Kreuzfahrten, längere Busreisen), ist die Impfung auch außerhalb der genannten Zeiträume ganzjährig sinnvoll. Dies gilt auch für Großveranstaltungen (z.B. Hadsch).

Impfstoffe

Inaktivierter quadrivalenter Impfstoff.

Kinder und Jugendliche (2–17 Jahre) können alternativ mit einem attenuierten Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV) geimpft werden (Nasenspray)[2].

Wirksamkeit

Gut bis befriedigend; Beginn circa 1–2 Wochen nach Impfung für 6–12 Monate.

Wiederimpfung

Jährlich, bei Erstimpfung im Kindesalter von bis zu 9 Jahren: zweite Dosis nach 4 Wochen.

Spezielle Kontraindikationen

Bei tetravalentem Lebendimpfstoff als Nasenspray: primäre oder sekundäre Immundefizienz, schweres Asthma, gleichzeitige Behandlung mit Salicylaten (Reye-Syndrom); Vorsicht bei kraniofazialen Fehlbildungen.

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Zulassung der tetravalenten Totimpfstoffe (Influsplit Tetra®, Vaxigrip Tetra®) ab 6 Monaten, bei neuen Totimpfstoffen Fachinformation beachten. Zulassung des tetravalenten Lebendimpfstoffs (Fluenz® Tetra Nasenspray) von 2–17 Jahren. Präferenz gemäß STIKO nur bei Impfhindernissen wie z.B. Spritzenphobie oder Gerinnungsstörungen. Bei Verwendung des Lebendimpfstoffs werden bis 2 Wochen nach Impfung attenuierte Influenzaviren ausgeschieden. Geimpfte sollten sich von hochgradig immundefizienten Menschen fernhalten. Gegen die aviäre Influenza (Vogelgrippe) schützt eine sai­sonale Influenzaimpfung nicht.

Masern

Die WHO hat im Januar 2019 „vaccine hesitancy“ (Impfscheu) zur Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt[23]. Impfscheu wird als einer der Gründe dafür angesehen, dass die Masernfälle weltweit in den letzten Jahren um 30% angestiegen sind. Impfquoten sind in vielen Ländern der Welt nicht hoch genug, um Infektionsketten zu unterbrechen. Daher besteht bei fehlendem Impfschutz die Gefahr, diese hochansteckende Infektionserkrankung auch während einer Reise zu er­werben. Eine Überprüfung und ggf. Ergänzung des Impfschutzes gegen Masern für Erwachsene und Kinder in der Reisevorbereitung wird daher dringend empfohlen. Aufgrund von Masernausbrüchen in mehreren Ländern der Pazifikinseln seit 2019 wird ggf. bei Einreise auf die Salomonen-Inseln, die Marshall-Inseln, Amerikanisch-Samoa und Tokelau nach unterschiedlichen Vorgaben ein Impfnachweis bzgl. Masern oder ein ärztliches Attest über das Bestehen einer Masernimmunität verlangt; bei Durchführung einer Masernimpfung vor der Reise muss diese mind. 2 Wochen vor Einreise erfolgt sein[24]. Es empfiehlt sich, die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes zu überprüfen[25][26][27].

Indikation

Für Deutschland gilt, dass alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit eine MMR-Impfung erhalten sollen. Neu seit 2020: Beruflich Exponierte müssen sogar 2 Masernimpfungen vorweisen können (s.u.).

Zudem fordert das Masernschutzgesetz ab März 2020, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bei Eintritt in Kindertagesstätten oder die Schule einen Nachweis über die Masernimpfung bzw. Immunität gegen Masern vorweisen müssen. Dies betrifft auch Personen, die in Kitas, Schulen, anderen Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind, Tagesmütter sowie Asylbewerber und Flüchtlinge vor Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft (die jeweils nach 1970 geboren sind). Neu ist, dass beruflich exponierten Erwachsene 2 Impfungen gegen Masern vorweisen müssen[28].

Zu beachten ist im reisemedizinischen Kontext, dass für bestimmte Länder, die den Nachweis von Masernimmunität bei Einreise verlangen, ein früheres Stichdatum gilt (z.B. 1957 für einige Pazifikstaaten s. o.[24]). Für Kinder: siehe STIKO-Impfkalender.

Impfstoff

Lebendimpfstoff; attenuiertes Masernvirus. In Deutschland ist kein monovalenter Impfstoff gegen Masern mehr verfügbar; Applikation subkutan oder intramuskulär.

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Eine allein anamnestisch durchlaufene, undokumentierte Masernerkrankung ist bei Evaluierung der Immunität gegen Masern nicht verwertbar. Zeitabstand zu anderen Lebendimpfungen, insb. zur Gelbfieberimpfung beachten. Kinder können bei erhöhter Infektionsgefahr (z.B. Reisen in Länder mit geringen Durchimpfraten) bereits ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat gegen Masern geimpft werden (Off-Label Use im Alter von 6–8 Monaten), danach sind 2 weitere Impfungen mit 11–14 und 15–23 Monaten erforderlich. Dabei ist zu bedenken, dass bei Kindern von maserngeimpften Müttern die Menge an diaplazentar übertragenen Antikörpern ggf. niedriger ist als bei Müttern mit durchgemachter Infektion[29]. Dies kann den Zeitraum des Nestschutzes verkürzen.

Gelbfieber

Gelbfieber ist eine Arbovirusinfektion, die in Afrika und Lateinamerika vorkommt (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 5, DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 6). Asien ist gelbfieberfrei. Die Inkubationszeit liegt bei 3–6 Tagen. Klinisch manifestes Gelbfieber verläuft, wie viele Flavivirusinfektionen, zweigipflig. Zunächst kann es zu einer unspezifischen grippalen Symptomatik kommen, im weiteren Verlauf dann nach kurzer Remission zu Ikterus, Blutungen, Schock und Multiorganversagen. Die Letalität liegt dann bei 20–50%. Eine spezifische Therapie ist nicht verfügbar.

Indikationen

Individualmedizinische Indikation: Zum Schutz des Reisenden bei Reisen in Gelbfieberverbreitungsgebiete nach individueller Risikobewertung.

Schutz der öffentlichen Gesundheit: Vorschrift bei Ein- oder Weiterreise, insb. aus Verbreitungsgebieten. Länder schützen sich so vor Einschleppung von Gelbfieber. Dies ist bis max. 6 Tage (längste Inkubationszeit von Gelbfieber) nach Verlassen eines Verbreitungs­gebietes begründet, wird aber gelegentlich auch Personen abverlangt, die dem Pass nach aus einem Land mit Gelbfiebervorkommen stammen, auch dann, wenn sie sich dort innerhalb der letzten 6 Tage nicht aufgehalten haben.

Bei einem Flughafentransit <12 Std. in einem gelbfieberendemischen Land ist meist bei anschließender Einreise in ein weiteres Land kein Gelbfiebernachweis erforderlich. Dies muss jedoch entsprechend dem Reiseverlauf im Einzelfall jeweils anhand der Ländervorschriften geprüft werden. Seit 2016 dürfen Reisende mit einem Gelbfieberimpfzertifikat nicht mehr mit dem Grund, dass dieses nach 10 Jahren abgelaufen sei, abgewiesen werden. Einreisebestimmungen können sich kurzfristig ändern. Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beachten. Im Zweifelsfall wird die Kontaktaufnahme mit einer Gelbfieberimpfstelle empfohlen. Impfbestimmungen finden sich in der Länderliste der WHO[4].

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 5: Empfehlungen zur Gelbfieberimpfung für Afrika, WHO 2015

Impfstoff

Lebendimpfstoff; attenuiertes Gelbfiebervirus Stamm 17D; Wirtssystem Hühnereier und Hühnerembryonen

Applikation

1 × 0,5 mL bevorzugt subkutan oder intramuskulär (eine Desinfektion der Injektionsstelle sollte vermieden werden); hohe Wirksamkeit. Schutzbeginn ca. 10 Tage nach der Impfung, Schutzdauer mind. 10 Jahre, bei den meisten Geimpften lebenslang (s. zusätzliche Hinweise und Empfehlungen).

Wiederimpfung

Die Wiederimpfung ist nach heutigem Kenntnisstand für folgende Personengruppen sinnvoll[2]:

  • Kinder, die im Alter <2 Jahren erstmals geimpft wurden.
  • Frauen, die zum Zeitpunkt der Impfung schwanger waren.
  • HIV-Infizierte, insb., wenn die Erstimpfung in einer Phase mit nicht-supprimierter Viruslast stattgefunden hat.
  • Knochenmarks- und Stammzelltransplantierte, die vor der Transplantation gegen Gelbfieber geimpft wurden.

Der beste Zeitpunkt für eine solche Nachimpfung ist nicht abschließend geklärt. Er sollte frühestens 4 Wochen nach der ersten Impfung liegen, möglichst aber nach Fortfall der Gründe für die reduzierte Impfantwort und vor der nächsten Reise in ein Verbreitungsgebiet.

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikation für eine Gelbfieberimpfung sind:

  • Alter <6 Monate
  • Schwere Hühnereiweißallergie
  • Schwere Unverträglichkeit vorangegangener Gelbfieberimpfungen
  • Symptomatische HIV-Infektion und HIV-Infektion mit CD4 <200/μl (bei Kindern <6 Jahren gelten andere Grenzwerte), s.o.
  • Immundefizienz (kongenital, idiopathisch oder therapeutisch)
  • Thymuserkrankungen inkl. Thymom, Thymektomie, Myasthenia gravis
  • Z.n. Thoraxoperationen, bei denen der Thymus möglicherweise mit entfernt wurde (z.B. Bypassoperationen unter Verwendung der Aa. mammariae)
  • Progrediente maligne Erkrankungen
  • Stillzeit bei Kind ≤6 Monate

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 6: Empfehlungen zur Gelbfieberimpfung für Mittel- und Südamerika, WHO 2018

Relative Kontraindikationen für eine Gelbfieberimpfung sind:

Nebenwirkungen

Sehr selten, d.h. bei weniger als 1 auf 100.000 Impfungen kann es innerhalb von 30 Tagen nach einer Erstimpfung zu einer neurotropen Nebenwirkung mit Folgeschäden und in Einzelfällen tödlichem Ausgang kommen. Sehr selten, d.h. in weniger als 1 auf 100.000 Impfungen wurde innerhalb von 10 Tagen nach Erstimpfung über Fälle einer gelbfieberartigen Erkrankung mit häufig tödlichem Ausgang berichtet. Insg. sind bei weltweit über 600 Mio. Geimpften ca. 300 Fälle mit seltenen Impfkomplikationen und auch Todesfälle registriert worden (1:2 Mio. Geimpfte). Ursache sind offenbar immunmodulierende Wirtsfaktoren. Das Risiko besteht v.a. bei Erstimpfung und steigt im höheren Lebensalter an.

Schwangerschaft und Stillzeit

Relativ kontraindiziert bzw. nach strenger Risikoabwägung (s. DTG-Reiseimpfungen-Abschnitt 1: Reiseimpfungen bei Schwangeren), jedoch möglichst nicht im 1. und 2. Trimenon. Da das Impfvirus in seltenen Fällen über die Muttermilch übertragen werden kann, sollte die Impfung in solchen Fällen unter strenger Indikationsstellung erfolgen und verschoben werden, bis das gestillte Kind >6 Monate alt ist.

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Die Impfung sollte nur bei aktueller Indikation nach individueller Nutzenabwägung gegeben werden. I.d.R. ist das Infektionsrisiko in Verbreitungsgebieten größer als das Impfrisiko. Die Indikation für eine Erstimpfung bei Personen über 60 Jahre ist streng zu stellen, ggf. sollte bei ausschließlich formaler Indikation (z.B. wenn eine Gelbfieberimpfung im Rahmen einer Kreuzschifffahrt vom Reeder verlangt wird, obwohl keine Landgänge in gelbfieberendemischen Gebieten vorgesehen sind) ein Impfbefreiungszeugnis ausgestellt werden (s.u.) oder bei tatsächlichem Risiko von der Reise abgeraten werden.

Die Gelbfieberimpfung kann ab dem vollendeten neunten Lebensmonat gegeben werden, bei unaufschiebbarer Reise in ein aktuelles Ausbruchsgebiet unter strenger Risiko-Nutzen-Abwägung auch bereits ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat; es besteht dann ein leicht erhöhtes Enzephalitisrisiko. Die Gelbfieberimpfung ist bei Kindern unter 6 Monaten wegen eines deutlich erhöhten Enzephalitisrisikos absolut kontraindiziert.

Ein juristisch geprüfter Aufklärungsbogen zur Gelbfieber­impfung ist auf der Homepage der DTG zu finden[30]. Die Impfung darf nur in einer von den Gesundheitsbehörden der Länder zugelassenen Gelbfieberimpfstelle oder durch Ärzte mit Zertifikat „Gelbfieberimpfung“ durchgeführt und dokumentiert werden.

Das Internationale Zertifikat für eine Gelbfieberimpfung ist lebenslang gültig. Dies betrifft bereits ausgestellte und neue Gelbfieberimpfzertifikate. Ein Eintrag in den Impfausweis, der lebenslange Gültigkeit gem. IGV bescheinigt, wird mit folgender Formulierung empfohlen: (valid for) „life of person vaccinated“. Bei Vorliegen von Kontraindikationen besteht die Möglichkeit einer Impfbefreiung (Formulierung z.B.: „Ms. / Mr. ... cannot be vaccinated against yellow fever for medical reasons“). Für Reisende in Gelbfiebergebiete muss dabei eine strenge Risikoabschätzung erfolgen. Länder, für die Impfpflicht besteht, sind formal zur Anerkennung dieses Zeugnisses nicht verpflichtet.

Neben Impfvorschriften zur Einreise in bestimmte Länder (s.o.) ist für viele Reedereien der Nachweis einer gültigen Gelbfieberimpfung für Seeleute und Reedereiinspektoren Voraussetzung für den Einsatz im globalen Schiffsverkehr. Auch für Passagiere kann die Reederei den Nachweis einer Gelbfieberimpfung verlangen. Hier wird gelegentlich auch eine erneute Impfung verlangt, wenn diese >10 Jahre zuvor appliziert wurde. Ggf. muss mit der Reederei Kontakt aufgenommen und diese international nicht mehr gültige Forderung geklärt werden.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 7: Relative Verteilung der Meningokokkenserogruppen A, B, C, W und Y im weltweiten Vergleich. Zu beachten ist, dass diese Abbildung nicht über das Risiko einer Meningokokkenerkrankung in der jeweiligen Region Auskunft geben kann, Erläuterung s. Text.

Meningokokken

Bei Infektionen durch Meningokokken kann es zu schweren, lebensbedrohlichen, invasiven Erkrankungen mit fulminantem Verlauf kommen, insb. zu Meningitis und Sepsis. Meningokokken sind weltweit verbreitet (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 7, DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 8), man rechnet mit 1,2 Mio. invasiven Erkrankungen jährlich und 335.000 Todesfällen[31].

Das Risiko für Reisende. an einer Meningokokkeninfektion zu erkranken, ist insg. sehr gering[32][33][34]. In älteren Arbeiten wurde angegeben, dass das Risiko während einer Reise nicht höher sei als im Heimatland[35]. Ein höheres Risiko besteht möglicherweise für Reisende, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen unterkommen oder wenn sie an Massenveranstaltungen teilnehmen[36][37].

Neisseria meningitidis sind gramnegative Diplokokken. Sie besitzen ein variables Lipooligosaccharid in der äußeren Membran und bilden für die Adhärenz an menschliche Zellen variable Pili und Oberflächenadhäsine aus. Sie tragen meist eine Polysaccharidkapsel. Anhand der Kapselpolysaccharide werden die Meningokokken in 13 verschiedene Serogruppen eingeteilt. Die meisten menschlichen Infektionen sind auf die Serogruppen A, B, C, W, X und Y zurückzuführen. Konjugierte Impfstoffe stehen in Deutschland gegenwärtig für die Serogruppe C, als tetravalente Impfstoffe für die Serogruppen A, C, W, Y zur Verfügung (international gibt es weitere Impfstoffe, z.B. einen konjugierten Impfstoff für die Serogruppe A). Welche Serogruppen in einem Land zirkulieren, ist von einer Reihe von Faktoren abhängig, u.a. von vorhandenen Impfprogrammen. Grundsätzlich können die Serogruppenprävalenzen sich sowohl räumlich als auch zeitlich rasch ändern, sodass Voraussagen schwer möglich sind. Moderne Impfstoffe gegen Meningitis B gehören einer weiteren Impfstoffklasse an.

Indikationen

Für Pilger nach Saudi-Arabien ist die Impfung unter Verwendung eines tetravalenten Impfstoffs (A, C, W, Y) vorgeschrieben. Die Gültigkeit des Impfzertifikats beginnt 10 Tage nach der Impfung und gilt 5 Jahre bei Verwendung eines Konjugatimpfstoffs, wobei in Deutschland nur noch Konjugatimpfstoffe verfügbar sind. Da manche Länder jedoch noch Polysaccharidimpfstoffe verwenden, muss im Impfpass in englischer Sprache ausdrücklich dokumentiert werden, dass mit einem Konjugatimpfstoff (conjugate vaccine) geimpft worden ist.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 8: Risikogebiete für saisonales Auftreten von invasiven Meningokokkenerkrankungen (sog. Meningitisgürtel)[38]

Es gibt weitere Länder in der WHO-Übersicht, die offiziell eine Impfung gegen Meningokokken als Einreisevoraussetzung fordern (derzeit Libyen und Gambia).

Die tetravalente Meningokokkenimpfung (A, C, W, Y) ist darüber hinaus eine Indikationsimpfung, die für Risikogebiete unter bestimmten Reisebedingungen und abhängig von der Jahreszeit sowie bei definierten Risikogruppen eingesetzt werden kann. Risikogebiet ist der erweiterte sog. Meningitisgürtel in Afrika (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 8).

Die Evidenz für eine reisemedizinische Indikation ist sehr spärlich. Dies sollte im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung mit dem Reisenden besprochen werden.

Bei Vorliegen einer Kombination aus epidemiologisch-geographischem und durch die Reiseumstände bedingtem erhöhtem Übertragungsrisiko, d.h. Reisen in die Risikogebiete in der epidemischen Jahreszeit (i.d.R. in der Trockenzeit) oder bei aktuellen Ausbrüchen sollte die Impfung empfohlen werden. Zu den besonderen Reiseumständen gehören z.B. Einsätze als Katastrophenhelfer oder medizinisches Personal, Bundeswehr und Polizeikräfte in Auslandseinsätzen, Langzeitaufenthalte (auch Säuglinge und Kleinkinder), voraussehbare Interaktionen mit lokaler Bevölkerung in Schulen, Heimen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Jugendliche und Studenten in Gemeinschaftsunterkünften im Kontext von Hilfs- und Sozialprojekten, Austauschschüler, Abenteuer-/Rucksackreisen sowie Besucher von Massenveranstaltungen oder Pilgerreisen. Hier ist die tetravalente Impfung ACWY indiziert.

Zu den besonderen individuellen Risikofaktoren gehören höhere Infektanfälligkeit und das Risiko eines schwereren Krankheitsverlaufs. Diese Patientengruppe ist durch die STIKO definiert und häufig auch in Deutschland bereits geimpft. Vor Reisen in die o.g. Risikogebiete auch außerhalb der epidemischen Jahreszeit sollte bei diesen Reisenden der Impfschutz überprüft und dann ggf. gegen alle Subtypen geimpft bzw. die Impfung geboostert werden.

Außerhalb des afrikanischen Meningitisgürtels können Impfungen mit allen Subtypen erforderlich sein. Hier sollten entsprechend den Empfehlungen der Zielländer und der Schulen z.B. Schüler/Studenten vor Langzeitaufenthalten mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche, bei voraussichtlicher Unterbringung in Wohnheimen oder bei Impferfordernissen der Einrichtungen geimpft werden. Bei Reisen in tropische und subtropische Regionen mit niedrigem sozioökonomischem Status und mit voraussichtlich engem Kontakt zu Kindern/Jugendlichen aus der einheimischen Bevölkerung sowie bei sexuellem Risikoverhalten, z.B. bei MSM, kann eine Impfung erwogen werden.

Impfstoffe

Meningokokken-Gruppen-ACWY-Konjugatimpfstoffe:

  • Nimenrix®: 2 × 0,5 mL i.m. bei Säuglingen im Alter von 6 Wochen bis unter 6 Monaten verabreicht im Abstand von mind. 2 Monaten; Auffrischimpfung im Alter von 12 Monaten, frühestens 2 Monate nach der letzten Impfung; ab 6 Monaten sowie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen: 1 × 0,5 mL i.m.
  • Menveo®: 1 × 0,5 mL i.m. ab 2 Jahren

Impfstoffe gegen Meningokokken der Gruppe B:

  • Bexsero® (Proteine und Membranvesikel der Serogruppe B): Jugendliche ab 11 Jahren und Erwachsene 2 × 0,5 mL i.m. im Abstand ≥4 Wochen; für Kinder s. Fachinformation
  • Trumenba® (Proteine der Serogruppe B): ab 10 Jahren 2 × 0,5 mL i.m. im Abstand von 6 Monaten bzw. als 3-Dosen-Schema (je 0,5 mL i.m.) mit 2 Dosen im Abstand von mind. einem Monat und die dritte Dosis im Abstand von mind. 4 Monaten nach der zweiten Dosis

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 9: Länder der Welt, in denen noch Polioviren (WPV oder cVDPV) zirkulieren, oder die für ein Vorkommen als vulnerabel gelten. Für alle farbig markierten Länder ist eine Auffrischung der Polioimpfung empfohlen. Erläuterungen s. Text.

Wirksamkeit
Zusätzliche Hinweise

Meningokokkenimpfstoffe dürfen nicht subkutan oder intradermal geimpft werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte vor einer Auslandsreise die Standardimpfung gegen Meningokokken der Gruppe C durch einen tetravalenten Impfstoff (ACWY) in der altersentsprechenden Dosierung ersetzt werden. Durch intensive Impfkampagnen im afrikanischen Meningitisgürtel mit dem Impfstoff MenAfriVac® gegen die dort ursprünglich prädominanten Serogruppe-A-Meningokokken sind die Fälle an saisonaler Meningokokkenmeningitis verursacht durch Meningokokken der Serogruppe A in dieser Region in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Dagegen hat sich die Serogruppe W135 in den letzten Jahren in Afrika ausgebreitet. Mit dem Rückgang der durch die Serogruppe A verursachten Krankheiten nehmen daneben auch Epidemien der Serogruppe X und der Serogruppe C in der Region ebenfalls zu.

Poliomyelitis

Durch Impfprogramme der WHO sind inzwischen viele Länder der Welt poliofrei. Wildpolioviren (WPV) zirkulierten in den vergangenen Jahren nur noch in 3 Ländern: Afghanistan, Pakistan und Nigeria, wobei Nigeria ggf. 2020 als frei von WPV zertifiziert wird. Eine weitere Gefahr geht von mutierten Impfviren („circulating vaccine derived polio virus, cVDPV) aus: Durch mangelhafte Impfquoten in Ländern, in denen die orale Lebendvakzine (OPV) geimpft wird und gleichzeitig schlechten hygienischen Bedingungen, können Ausbrüche durch mutierte Impfviren verursacht werden. Dieses Risiko besteht gegenwärtig v.a. in Ländern in Afrika südlich der Sahara und Südostasien, in denen die Impfquote unter 85% liegt.

2019 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Zahl von Ländern mit Nachweis von cVDPV. Das Ziel der Global Polio Eradication Initiative (GPEI) ist es daher, alle Länder der Welt von der Verwendung von OPV auf den Totimpfstoff IPV umzustellen. Von der GPEI, der WHO und anderen Akteuren wurden daneben Länder benannt, die für Polioausbrüche vulnerabel sind (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 9) (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 5)[4][40].

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 5: Länder mit potentiellem Poliorisiko (Stand 2/2020)[39][41][42]

Indikation Länder Farbe (Kart DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 9 ) Impfhinweise
WPV-endemisch Afghanistan, Pakistan Rot
  • Aufenthalt ≤4 Wochen: Impfung alle 10 Jahre empfohlen
  • Aufenthalt >4 Wochen: Impfung soll laut WHO bei Ausreise aus dem betroffenen Land 4 Wochen bis 12 Monate zurückliegen; bei kurzfristig Ausreisenden soll jedoch in jedem Fall vor Ausreise eine Impfung erfolgen, auch wenn die 4 Wochen nicht eingehalten werden können.
cVDPV 1, cVDPV 3 Jemen, Malaysia, Philippinen Rot schraffiert
cVDPV 2 Angola, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Chad, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Kamerun, Mali, Niger, Nigeria, Sambia, Somalia, Sudan, Südsudan, Togo, Zentralafrikanische Republik Blau schraffiert
  • Aufenthalt ≤4 Wochen: Impfung alle 10 Jahre empfohlen
  • Aufenthalt >4 Wochen: Reisende sollen laut WHO dazu „ermuntert“ werden, bei Ausreise aus dem betroffenen Land eine Impfung zu haben, die 4 Wochen bis 12 Monate zurückliegt.
Vulnerabel, politisch instabil oder Surveillance ungesichert Algerien, Äquatorialguinea, Bosnien-Herzegowina, Burundi, China, Gabun, Guatemala, Guinea-Bissau, Haiti, Indonesien, Irak, Iran, Kongo, Laos, Liberia, Libyen, Madagaskar, Mosambik, Myanmar, Papua-Neuguinea, Rumänien, Sierra Leone, Syrien, Ukraine, Venezuela Blau
Andere Saudi-Arabien Grün
  • Impfpflicht bei Einreise aus Risiko­regionen[14]. Die Impfung muss 4 Wochen – 12 Monate zurückliegen. Zusätzlich Impfung bei Einreise aus einigen Ländern.
Impfstoffe

In Deutschland wird ausschließlich der i.m. verabreichte Totimpfstoff (IPV) verwendet, der inaktivierte Polioviren Typ I–III enthält. Es existieren reine Polioimpfstoffe und verschiedene Kombinationsimpfstoffe.

Indikationen

Grundimmunisierung: Für den Zweck des Individualschutzes gilt in Deutschland als vollständig immunisiert, wer eine Grundimmunisierung mit insg. 4 Polioimpfungen im Kindes- und mind. eine Auffrischung im Jugendalter, bzw. 3 Impfungen bei Erstimpfung im Erwachsenenalter und eine Auffrischung erhalten hat[2]. Für Deutschland werden darüber hinaus keine weiteren Auffrischimpfungen empfohlen.

Individualschutz für Reisende: Für den Individualschutz in Ländern mit möglicher oder bestätigter Zirkulation von WPV oder cVDPV gilt, dass die letzte IPV-Impfung max. 10 Jahre zurückliegen sollte. Auffrischimpfungen im reisemedizinischen Kontext können zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als Indikationsimpfung durchgeführt werden.

Vorgeschriebene Impfung bei Ausreise: Neben dem Individualschutz spielt auch der Schutz vor Verbreitung von Polioviren durch Reisende eine Rolle. Für die Verhinderung einer Weiterverbreitung des Virus nach Ende eines Aufenthalts von >4 Wochen in einem Land mit Viruszirkulation, gibt IPV Schutz im Zeitraum von 4 Wochen bis 1 Jahr nach Gabe der Injektion.

Länder, für die besondere Vorschriften zum Schutz vor internationaler Polioausbreitung gelten, werden vierteljährlich durch die WHO publiziert[41] und u.a. in die aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes aufgenommen[43]. Eine Übersicht über Länder, für die eine Polioimpfung empfohlen ist, gibt die epidemiologische Weltkarte in DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 9, sowie DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 5.

Die WHO empfiehlt Ländern mit hohem Risiko einer Polioverbreitung, den Polioimpfstatus von Ausreisenden zu kontrollieren. Laut dieser Empfehlung gilt für Langzeitreisende (>4 Wochen):

Eine Übersicht über WPV- und cVDPV-endemische Länder sowie Länder, die als vulnerabel eingestuft werden, gibt DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 5.

Vorgeschriebene Impfung bei Einreise: Ein Nachweis über eine Polioimpfung wird daneben für Einreisende nach Saudi-Arabien aus WPV- und cVDPV-endemischen Ländern sowie aus vulnerablen Ländern verlangt[44], jedoch nicht bei Einreise aus Deutschland (Stand Februar 2020) (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 5).

Cholera

Cholera ist keine übliche Reiseerkrankung, selbst bei Reisen in Länder, in denen Choleraausbrüche bei der Bevölkerung vorkommen. Das Risiko, an einer Cholera zu erkranken, wird für Touristen aus Europa und Nordamerika auf 2–3 Fälle pro 1.000.000 Reisende geschätzt[45]. Selbst bei Einsatz in Cholerabehandlungszentren sind nosokomiale Infektionen mit Cholera sehr selten. Für die meisten Reisenden ist eine Choleraimpfung daher nicht indiziert. Trotz Impfung besteht kein Schutz gegen Serovar O139. Die Impfung bietet zudem, gemäß neuerer Daten, keine hinreichende Wirkung zur Verhütung von ETEC-Reisediarrhö[46] . Die Impfung ersetzt nicht die gebotenen Maßnahmen zur Körper-, Nahrungs- und Trinkwasserhygiene (z.B. Nutzung von Flaschenwasser), die alleine schon hocheffektiv in der Verhinderung einer Choleraübertragung sind.

Indikationen

Die Impfung kann, ergänzend zu den allgemeinen Körper-, Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygieneregeln erwogen werden während aktueller Choleraausbrüche für

  • Beschäftigte in der Flüchtlings- und Katastrophenhilfe, z.B. in der Wasser- und Abwasseraufbereitung oder in Cholerabehandlungszentren
  • Reisende in abgelegene Gebiete über einen längeren Zeitraum unter mangelhaften Hygienebedingungen und ohne zeitnahen Zugang zu medizinischer Versorgung, z.B. auch abgesetzte Kräfte der Bundeswehr, Beschäftigte bei Einsatz nach Naturkatastrophen
  • Reisende in aktuelle Ausbruchsgebiete mit der Gefahr schwerer Verläufe bei besonderer individueller Disposition, z.B. durch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, chronische Erkrankungen mit erhöhtem Komplikationsrisiko durch Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen (z.B. chronische Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus), Zustand nach Magenresektion und schwerer Störung des Magensäureschutzes
Impfstoff

Totimpfstoff; inaktivierte Vibrio cholerae Serovar O1 plus rekombinant hergestellte Toxin Untereinheit B.

Applikation

Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: 2 Dosen oral, Kinder von 2–6 Jahren 3 Dosen oral im Abstand von 1–6 Wochen. Eine Stunde vor und nach der Einnahme nicht essen und trinken.

Wirksamkeit

Gut bei in Endemiegebieten Lebenden; bei vorübergehend Exponierten unbekannt. Beginn ca. eine Woche nach der zweiten Dosis, abnehmend auf 60% nach ca. 2 Jahren, bei Kleinkindern Nachlassen der Wirksamkeit bereits nach 6 Monaten. Wiederimpfung mit einer Dosis nach 6–12 Monaten (WHO) bzw. Erwachsene/Kinder nach 2 Jahren, Klein­kinder nach 0,5 Jahren (Herstellerangaben).

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Zur Wirksamkeit bei Immundefizienten und Personen >65 Jahren gibt es keine ausreichenden Daten. Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die mit Vedolizumab behandelt werden, ist die Wirksamkeit herabgesetzt.

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME, wird durch ein Flavivirus verursacht, das durch Zeckenstiche übertragen wird. Sehr selten wird FSME auch durch virusinfizierte Rohmilch übertragen. Es gibt einen zentraleuropäischen, einen sibirischen und einen fernöstlichen Virustyp. Der typische Verlauf einer FSME-Erkrankung ist biphasisch, wie bei vielen anderen Flavivirusinfektionen auch: Auf unspezifische, grippeähnliche Beschwerden folgen nach kurzem symptomfreiem Intervall spezifische neurologische Manifestationen. Ein sehr hoher Anteil der Infektionen verläuft asymptomatisch. Bei schweren Verläufen besteht jedoch die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen. Die sibirische und die fernöstliche Variante verlaufen klinisch schwerer mit einer höheren Zahl von neurologischen oder gar letalen Komplikationen.

Indikation

Aufenthalte mit Zeckenexposition in FSME-Gebieten in gemäßigten Zonen Europas und Asiens (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 10a)[37]. Die handelsüblichen Impfstoffe scheinen gemäß Studien mit serologischen Endpunkten auch gegen den sibirischen und den fernöstlichen Subtyp zu schützen.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 10a: Verbreitung in Eurasien: FSME und verwandte Enzephalitiden (Daten nach Dr. Gerhard Dobler).

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 10b: FSME Risikogebiete in Deutschland.

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 6: Impfschemata zur FSME-Impfung mit Encepur® bzw. Encepur®.

Konventionelles Schema Schnellschema
Grundimmunisierung
Erste Impfdosis Tag 0 Tag 0
Zweite Impfdosis 14 Tage bis 3 Monate nach erster Impfung Tag 7
Dritte Impfdosis 9–12 Monate nach zweiter Impfung Tag 21
Auffrischimpfung
Erste Auffrischimpfung Nach 3 Jahren empfohlen Nach 12–18 Monaten empfohlen

Alle weiteren Auffrischungen

  • Alter ab 1–49 Jahre: Alle 5 Jahre
  • Alter ab 50 Jahre: Alle 3 Jahre
  • Alter ab 1–49 Jahre: Alle 5 Jahre
  • Alter ab 50 Jahre: Alle 3 Jahre

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 7: Impfschemata zur FSME-Impfung mit FSME-IMMUN bzw. FSME-Immun junior

Konventionelles Schema Schnellschema
Grundimmunisierung
Erste Impfdosis Tag 0 Tag 0
Zweite Impfdosis 1–33 Monate nach erster Impfung Tag 14
Auffrischimpfung
Dritte Impfdosis 5–12 Monate nach zweiter Impfung 5–12 Monate nach zweiter Impfung
Erste Auffrischung Nach 3 Jahren empfohlen Nach 3 Jahren empfohlen
Alle weiteren Auffrischungen
  • Alter ab 1–59 Jahre: Alle 5 Jahre
  • Alter ab 60 Jahre: Alle 3 Jahre
  • Alter ab 1–59 Jahre: Alle 5 Jahre
  • Alter ab 60 Jahre: Alle 3 Jahre
Impfstoffe:

Totimpfstoff; inaktivierte FSME-Viren. Wirtssystem: Hühnerfibroblastenkultur bzw. Hühnerembryonalzellen.

Applikation

Siehe DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 6 und DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 7.

Wirksamkeit

Zuverlässig; Beginn frühestens ca. 2 Wochen nach der zweiten Teilimpfung, Dauer nach vollständiger Grundimmunisierung mind. 3–5 Jahre (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 6, DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 7). Bei Immundefizienz ist der Impferfolg nicht sicher; eventuell Antikörperkontrolle 1–2 Monate nach der zweiten Teilimpfung, bei Schnellimmunisierung nach der dritten Teilimpfung, gegebenenfalls zusätzliche Impfung.

Auffrischimpfungen

Die Empfehlungen für die Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen variieren je nach Impfstoffhersteller (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 6, DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 7). Das Schnellimpfschema für Kinder und Erwachsene sollte nur dann zur Anwendung kommen, wenn das Standardimpfschema zeitlich nicht mehr möglich ist.

Spezielle Kontraindikationen

Bei ausgeprägter Allergie gegen Hühnereiweiß kann die Impfung bei sensibilisierten Personen eine schwere allergische Reaktion auslösen.

Laut einem Hersteller ist die „Impfindikation bei bestehen­den zerebralen Erkrankungen wie aktiven demyelinisieren­den Erkrankungen oder schwer einstellbarer Epilepsie besonders sorgfältig zu stellen“.

Spezielle Nebenwirkungen

Bei Kleinkindern <3 Jahren treten gehäuft Fieberreaktionen auf, insb. nach der ersten Teilimpfung. Bei Kindern mit Fieberkrämpfen in der Anamnese oder hohem Fieber nach Impfung sollte eine fiebersenkende Prophylaxe oder Behandlung in Betracht gezogen werden.

Hepatitis A

Das Hepatitis-A-Virus wird fäkal-oral übertragen und ist in vielen Ländern der Welt verbreitet. Die Hepatitis-A-Impfung ist daher bei Reisen außerhalb der industrialisierten Länder meist indiziert. In Deutschland kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Ausbrüchen bei Risikogruppen (MSM). Die Inkubationszeit beträgt rund 2–6 Wochen. Kleinkinder durchlaufen die Infektion zwar oftmals asymptomatisch, können das Virus jedoch über Monate ausscheiden.

Indikation

Reisen in Länder mit hoher Hepatitis-A-Inzidenz unabhängig vom Reisestil. Bei vor 1950 geborenen Personen und bei Menschen, die aus Endemiegebieten stammen oder sich lange dort aufgehalten haben, sowie bei anamnestisch durchgemachter Hepatitis A kann eine Anti-HAV-Testung vor einer Impfung erfolgen. Bei positivem Befund wird auf eine Hepatitis-A-Impfung verzichtet.

Impfstoff

Totimpfstoff; inaktiviertes HA-Virus.

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 8: Hepatitis-A-Impfstoffe – altersabhängige Zulassung für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche.

Impfstoff Zulassung ... bis ... Jahre
Havrix® 720 Kinder 1–15
VAQTA® Kinder 1–18
Twinrix®Kinder 1–16
ViATIM® Ab 16 Jahren
Grundimmunisierung

Erste Dosis an Tag 0, zweite Dosis nach 6–18 Monaten (je nach Hersteller)

Wirksamkeit

Bereits ca. 2 Wochen nach der ersten Dosis geht man von einem vermutlich mehrjährigen Schutz aus. Nach der zweiten Dosis und damit vollständiger Grundimmunisierung liegt bei fast 100% der Geimpften ein Hepatitis-A-Schutz vor. Der Schutz hält mind. 10 Jahre an, vermutlich über 25 Jahre. Impfversagen kommt in Ausnahmefällen vor.

Auch kurz vor Abreise ist die aktive Impfung sinnvoll, da davon auszugehen ist, dass die Schutzwirkung angesichts der relativ langen Hepatitis-A-Inkubationszeit von 15–50 Tagen vor Beginn der Erkrankung eintritt. Aus dieser Überlegung heraus eignet sich die monovalente Hepatitis-A-Impfung auch als Postexpositionsprophylaxe.

Kombinationsimpfstoffe

Bei gleichzeitiger Indikation für Hepatitis A und B bzw. Hepatitis A und Typhus sind Kombinationsimpfstoffe verfügbar (Twinrix® bzw. ViATIM­®). Unter­suchungen zeigen, dass die monovalenten Hepatitis-A-Impfstoffe Havrix® und VAQTA® mit den Kombinationsimpfstoffen ViATIM® und Twinrix­® im Fall von Folgeimpfungen kompatibel sind.

Der HAV/HBV-Kombinationsimpfstoff Twinrix® für Erwachsene enthält lediglich 720 Elisa-Einheiten HAV-Impfstoff, also die Hälfte im Vergleich zur Erwachsenendosis Havrix® (1.440 Elisa-Einheiten). Die Erstgabe Twinrix® schützt somit vermutlich nicht gegen eine Hepatitis A, ein sicherer Hepatitis-A-Schutz ist erst nach der zweiten Gabe Twinrix® zu erwarten. Twinrix® soll daher nicht für Last-Minute-Reisende verwendet werden, falls vor Abreise nur eine einzelne Gabe des Impfstoffes zeitlich infrage kommt. Entsprechende Empfehlungen gelten auch für den Twinrix®-Kinderimpfstoff. Twinrix® eignet sich daher auch nicht für die postexpositionelle Prophylaxe.

Bei erstmaliger Impfung mit Havrix® oder ViATIM® und nach frühestens 6 Monaten Fol­geimpfung mit Twinrix® tritt ebenfalls Langzeitschutz für mind. 25 Jahre ein.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 11: Endemische Regionen für Japanische Enzephalitis[47].

Impfung für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche

Für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche gibt es Präparate mit reduzierter Dosis (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 8).

Passive Immunisierung

Die passive Immunisierung ist nur in seltenen Ausnahme­fällen indiziert, z.B., wenn eine Hepatitis A ein besonders hohes Risiko für eine Person darstellt und es zu einer Exposition gekommen ist. Eine passive Immunisierung mit Beriglobin® wird im Regelfall mit einem aktiven monova­lenten Impfstoff kombiniert. Der Zeitabstand zwischen Immunglobulingaben und parenteralen Lebendvirusimpf­stoffen (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 1), sowie die besondere Dokumentationspflicht nach dem Transfusionsgesetz sind bei Gabe von Immunglobulinen zu beachten.

Japanische Enzephalitis

Das Japanische-Enzephalitis-Virus (JEV) ist ein Flavivirus, welches bisher nur in Süd-, Südost- und Ostasien endemisch ist (ein fraglicher autochthoner Fall wurde in Angola beschrieben). Die Übertragung erfolgt durch vorwiegend nachtaktive Culex-Mücken. Die Erkrankung zeigt eine deutliche Saisonalität während und kurz nach der Regenzeit. Die Inzidenz von JEV-Infektionen und JEV-Enzephalitis ist innerhalb der Endemiegebiete unterschiedlich. Möglicherweise durch zunehmende Schweinezucht, auch am Rande der rasch wachsenden Städte, ist in den letzten Jahren das JE-Risiko in periurbanen Gebieten angestiegen[48]. Der Mensch ist Fehlwirt; das Virus amplifiziert bevorzugt in Reservoirtieren (Schweine, Wasservögel). Die Durchimpfungsraten in der lokalen Bevölkerung haben somit keinen Einfluss auf das Risiko für Reisende. Wie bei vielen Flaviviren (z.B. auch bei Gelbfieber, FSME und Zika) verläuft die Mehrzahl der Infektionen inapparent oder subklinisch; bei JE in >90% der Fälle.

Klinisch manifeste Fälle verlaufen zu ca. einem Drittel letal, ein weiteres Drittel erleidet schwere neurologische Behinderungen. Jedes Jahr werden nur sehr wenige Fälle bei internationalen Reisenden berichtet, es ist jedoch von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen.

Indikation

Impfung empfehlen:

  • für längerfristige Aufenthalte in Endemiegebieten (Süd-, Südost- und Ostasien) z.B. für Langzeitreisende (ab 4 Wochen); auch kumulativ bei wiederholten Kurzzeitreisen und Verwandtenbesuchen (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 11)[49]
  • für Reisende mit erhöhter Exposition, z.B. ausgedehnte Aufenthalte im Freien in ländlichen oder landwirtschaftlichen Gegenden der Endemiegebiete, speziell während der Hauptübertragungszeit (Regenzeit und danach) – unabhängig von der Gesamtreisedauer
  • Voraussichtlicher Aufenthalt in der Nähe von Reisfeldern und Schweinezucht. Dies müssen dabei nicht primär ländliche Gebiete sein, auch die Gebiete in der Umgebung der rasch wachsenden Städte sind in Betracht zu ziehen
  • bei Wunsch des Reisenden nach umfassendem Schutz

Impfung erwägen: Bei Risikofaktor für schwere Verläufe wie Immunsuppression oder Alter ≥65 Jahre für alle Reisende in Endemiegebiete unabhängig von der Reisedauer während der Hauptübertragungszeiten

Impfstoff

Totimpfstoff aus inaktiviertem JEV (IXIARO®).

Applikation
  • Ab 3 Jahre: 0,5 mL i.m.
  • Kinder von 2 Monaten bis 3 Jahren: 0,25 mL i.m.
  • Einen speziell für Kinder zugelassenen Impfstoff gibt es nicht. Zur Applikation der korrekten Kinderdosierung ist die entsprechende Markierung auf dem Spritzenkolben zu beachten (= Verwerfen von 0,25 mL Impfstoff).
Grundimmunisierung

Je 1 Dosis am Tag 0 und 28, Schnellimpfschema für Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren (je 1 Dosis am Tag 0 und 7). Sowohl beim konventionellen als auch beim schnellen Impfschema sollte die Grundimmunisierung mind. eine Woche vor einer möglichen Exposition mit JEV abgeschlossen sein.

Auffrischimpfung

Bei erneuter Exposition innerhalb von 12–24 Monaten nach Abschluss der Grundimmunisierung. Die Dauer des Impfschutzes der Auffrischimpfung wird bei Erwachsenen mit 10 Jahren angegeben. Darüber hinaus liegen noch keine Daten vor.

Wirksamkeit

Endpunktstudien mit klinischen Daten an Reisenden stehen nicht zur Verfügung, die Wirksamkeit des Impfstoffes wurde in Immunogenitätsstudien mit Antikörpertitern als Surrogatendpunkt bestimmt. Es wird von einer guten bis sehr guten Seroprotektion ausgegangen.

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

In Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel werden immer wieder zeitliche Verschiebungen der lokal üblichen Regenzeiten beobachtet sowie auch extreme Wetter-Ereignisse mit Starkregen auch außerhalb der Regenzeit. Bei der Einschätzung des JE-Risikos empfiehlt es sich daher, nach Möglichkeit die tatsächliche Wetterlage zu recherchieren, anstatt sich lediglich auf Klimadiagramme zu verlassen.

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 9: TollwutimpfungGrundimmunisierung und Auffrischimpfung bei reisemedizinischer Indikation

Empfehlung Rabipur® Tollwutimpfstoff HDC WHO[20]
Grundimmunisierung - Anzahl Dosen 3 Dosen i.m. 3 Dosen i.m. 2 Dosen i.m.
Impfschema Tag 0, 7, 21 oder 28
Tag 0, 3, 7
Tag 0, 7, 21 oder 28 Tag 0 und 7
Auffrischimpfung Alle 2–5 Jahre Nach 1 Jahr, dann alle 5 Jahre Keine

Tollwut

Tollwut ist eine letal verlaufende zoonotische Viruserkrankung. Es muss zwischen terrestrischer Tollwut durch am Boden lebende Säugetiere und Fledermaustollwut unter­schieden werden. Deutschland sowie die übrigen westeuropäischen Länder sind frei von terrestrischer Tollwut. Die meisten tropischen Länder hingegen sind tollwutendemisch. Außerdem muss weltweit mit dem Risiko einer Infektion durch Kontakt mit Fledermäusen gerechnet werden.

Bei einem Biss oder Kratzer oder bei Schleimhautkontakt mit Blut oder Speichel eines infizierten Säugetiers besteht ein Tollwutrisiko. Verletzungen durch potentiell tollwütige Tiere sind ein relevantes reisemedizinische Problem, die Inzidenzrate wird auf rund 0,5% pro Reisemonat geschätzt[22]. In einer GeoSentinel-Studie wurden die meisten Tierkontakte im reisemedizinischen Kontext bei Reisenden aus Asien gemeldet; am häufigsten beteiligte Tierspezies waren Hunde, Affen und Katzen[50].

Tollwutimpfstoff, insb. das zur postexpositionellen Versorgung einer Biss- oder Kratzwunde erforderliche Anti-Rabies-Immunglobulin (RIG) ist in vielen tropischen Ländern nicht verfügbar. Jeder Reisende sollte daher primär über das lokale Übertragungsrisiko aufgeklärt werden sowie über Maßnahmen zur Vermeidung von Tierkontakten und Verhaltensmaßnahmen nach einem Kontakt mit einem potenziell tollwütigen Tier.

Reisemedizinische Indikation zur präexpositionellen Impfung

Reisende in Länder mit hohem Tollwutrisiko, speziell bei:

  • Langzeitaufenthalten (>4 Wochen) bzw. auch kumulativ bei wiederholten Kurzreisen
  • unzureichender ärztlicher Versorgung vor Ort
  • Mangel an modernen Impfstoffen und Immunglobulin
  • einfachen Reise- oder Aufenthaltsbedingungen oder Aktivitäten mit erhöhter Expositionsgefahr (z.B. Fahrrad- oder Motorradtouren)
  • vorhersehbarem Umgang mit Säugetieren, inkl. Fledermäusen

Insb. Kleinkinder und Kinder sollten großzügig geimpft werden, da sie oft den Kontakt zu Tieren suchen, gleichzeitig unter Umständen über Risikokontakte aber nicht immer berichten (können).

Unabhängig davon, ob sich ein Reisender für eine Tollwutimpfung entscheidet oder nicht, sollte bei jeder Beratung auf die sehr wichtige, sofortige und gründliche Wundreinigung nach einem Tierbiss hingewiesen werden. Laut WHO soll eine Bissverletzung für 15 Minuten unter fließendem Wasser mit Seife gereinigt werden.

Impfstoffe

In Deutschland sind 2 Totimpfstoffe auf Basis inaktivierter Tollwutviren zugelassen (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 9). Die beiden Impfstoffe sind innerhalb einer Impfserie miteinander austauschbar.

Applikation:

Laut Herstellerinformationen und STIKO jeweils eine Impfung i.m. an den Tagen 0, 7 und 21–28 (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 9).

Die WHO empfiehlt seit 2018 für die präexpositionelle Prophylaxe ein 2-Dosis-Schema (Tag 0 + Tag 7–365)[51]. Wichtig ist auch bei diesem Schema, dass eine unverzügliche Postexpositionsprophylaxe im Falle einer Verletzung durchgeführt wird. Es wird auf eine Stellungnahme des StAR zum praktischen Umgang mit diesen Empfehlungen verwiesen, sowie auf ein Patienteninformationsblatt, welches zum Download zur Verfügung steht[52].

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 10: Wichtige anamnestische Fragen bei Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier.

Frage Erläuterung
Mit welcher Tierart und in welchem Land fand der Kontakt statt? Nur Säugetiere übertragen Rabies.
Nach Kontakt mit terrestrischem Tier in einem rabiesfreien Land ist meist keine Tollwutimpfung erforderlich [53](Ausnahme: Biss durch importiertes Tier aus tollwutenzootischem Land).
Bei Kontakt zu Fledermäusen ist weltweit ein Rabiesrisiko anzunehmen.
Welcher Art war die Exposition? Siehe DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 11, die Kategorisierung der Verletzung und der Impfstatus bestimmen das Handeln.
Lag eine Tollwut-Grundimmunisierung vor? Bei vorhandener Grundimmunisierung sind nur 2 Aktivimmunisierungen an Tag 0 und 3 erforderlich (ab WHO Grad II der Exposition)
Welche Maßnahmen sind bereits erfolgt?

Wurde die aktive Impfung bereits im Urlaubsland begonnen?
Wurde ein moderner Rabiesimpfstoff verwendet?
Wurde ggf. die passive Impfung schon verabreicht? (Diese kann sonst bis max. 7 Tage nach der ersten Aktivimpfung nachgeholt werden).
Weitere Maßnahmen: Tetanusimpfung, ggf. Prophylaxe mit Valaciclovir/Aciclovir (nach Affenbiss) zur Prophylaxe gegen Macacine alphaherpesvirus 1 (McHV-1, vormals Herpes-B-Virus)

DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 11: Art des Tierkontakts und Handlungsempfehlungen gemäß STIKO[2]

Grad Exposition Empfehlung (fehlende Tollwut-Grundimmunisierung)
I
  • Belecken der intakten Haut
  • Berühren/Füttern von Tieren
Keine Impfung
II
  • Nicht-blutende oberflächliche Kratzer oder Hautabschürfungen
  • Lecken oder Knabbern an der nicht-intakten Haut
Aktive Immunisierung (Schema siehe WHO III)
III
  • Einzelne oder multiple transdermale Bissverletzungen oder Kratzwunden
  • Kontakt von Schleimhäuten oder Wunden mit Speichel (z.B. durch Lecken)
  • Exposition durch Fledermäuse

Aktive und passive Immunisierung Aktiv:

  • Tag 0, 3, 7, 14 und 28 (Essen-Schema) oder
  • Tag 0, 3, 7 und 14 (verkürztes Essen-Schema ) oder
  • Tag 0 (2×), 7 und 21 (Zagreb-Schema).

Passiv: 20 I.E. humanes RIG /kgKG simultan mit der ersten Aktivimpfung (kann bis max. 7 Tage nach der ersten Impfung nachgeholt werden)

Wirksamkeit

Zuverlässig; Beginn circa 2 Wochen nach der zweiten Dosis. Bei Immundefizienz ist der Impferfolg fraglich; in diesen Fällen wird eine Antikörperbestimmung empfohlen. Wenn neutralisierende Antikörper unter 0,5 I.E./mL liegen, sollte eine Nachimpfung erfolgen.

Kommentar

Die Hersteller empfehlen eine Nutzen-Risiko-Abwägung für die präexpositionelle Impfung; für die postexpositionelle Immunisierung bei Schwangeren bestehen keine Ein­schränkungen, da Tollwut letal verläuft. Laut WHO sind sowohl die Aktivimmunisierung als auch Tollwut-RIG sicher und wirksam in der Schwangerschaft[54]. Bei schwerer Eiweißallergie ist Tollwutimpfstoff HDC zu bevorzugen.

Postexpositionelles Vorgehen

Nach einem Tierkontakt auf Reisen sind einige Dinge zu erfragen (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 10).

Bei unvollständiger Grundimmunisierung ist die Vorgehensweise identisch zu derjenigen bei fehlender Grundimmunisierung (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 11). Bei gegebener Indikation ist die Immunprophylaxe unverzüglich durchzuführen; es sollte nicht bis zur Klärung des Infektionsverdachts beim Tier abgewartet werden. Wird der Tollwutverdacht beim Tier z.B. durch tierärztliche Untersuchung nachweislich entkräftet, kann die Impfserie abgebrochen oder im Sinne einer präexpositionellen Impfung weitergeführt werden.

Aufgrund der großen Variabilität der Inkubationszeit, die zwischen <10 Tagen und >1 Jahr betragen kann, ist bei begründetem V.a. einen tollwutgefährdenden Tierkontakt eine Postexpositionsprophylaxe auch noch Monate nach der Exposition sinnvoll. Zwar sollte eine Impfung baldmöglich nach einem Tierkontakt stattfinden, es gibt jedoch kein „zu spät“.

DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 12: Inzidenzraten von Typhus und Paratyphus[55]

Typhus

Typhus ist eine fäkal-oral übertragene fieberhafte Allgemeininfektion, zur Epidemiologie s. DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 12 .

Die Inkubationszeit ist mit 1–6 Wochen relativ lang. Im internationalen Reiseverkehr werden die meisten Typhusinfektionen in Südasien erworben, dies spiegelt sich auch in Deutschland jedes Jahr in den Angaben des RKI zu importierten Typhusinfektionen wider[56] . 2018 kamen 64% der importierten Typhusfälle aus Südasien (Indien, Pakistan und Nepal), knapp die Hälfte aus Indien.

Zugleich entwickeln sich in Südasien Salmonella Typhi-Stämme mit extensiver Antibiotikaresistenz, nicht nur gegen Chinolone, sondern zunehmend auch gegen Ceftriaxon[56][57][58] .

Indikationen
  • Reisen in Länder Süd- und Zentralasiens (Indien, Nepal, Pakistan, Bangladesch, Afgha­nistan) mit großzügiger Indikation.
  • Langzeitaufenthalte in endemischen Gebieten (Abb. 12), insb. bei einfachen Aufenthaltsbedingungen (z.B. „Weltwärts-Freiwilligendienst“, Rucksackreisen).
  • Reisen unter einfachen Reise-, Aufenthalts- bzw. Arbeitsbedingungen (z.B. Trekking, Hilfseinsätze) in endemischen Gebieten in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien mit niedrigen Hygienestandards, speziell auch bei aktuellen Ausbrüchen und Katastrophen.
Impfstoffe

Totimpfstoff: Vi-Kapselpolysaccharid von Salmonella Typhi (Stamm: Ty2)

Lebendimpfstoff: apathogene und attenuierte Salmonella Typhi (Stamm: Ty21a)

Applikation
  • 1 × 0,5 mL i.m. (ab vollendetem 2. Lebensjahr)
  • Je eine Kapsel oral an den Tagen 1, 3 und 5, jeweils nüchtern mind. eine Stunde vor einer Mahlzeit (Schluckimpfstoff: ab 5 Jahren).
  • Anmerkung: In den USA und in Kanada ist für den oralen Lebendimpfstoff ein 4-Dosen-Schema zugelassen. Dies induziert einen längeren Impfschutz von 5 Jahren.
Wirksamkeit
Wiederimpfung

Bei anhaltendem Risiko nach 2–3 Jahren.

Spezielle Kontraindikationen

Immundefizienz (nur für Lebendimpfstoffe)

Zusätzliche Hinweise und Empfehlungen

Bei gleichzeitiger Indikation für Typhus und Hepatitis A ist ein parenteraler Kombinationsimpfstoff verfügbar (ViATIM®), der ab 16 Jahren zugelassen ist.

Reisenden mit Vorkrankheiten (z.B. Immundefekte, Achlorhydrie, etwa durch Protonenpumpenhemmer, Zustand nach Cholezystektomie, interne Prothesen) sollte großzügig eine Impfung empfohlen werden. Unmittelbar vor, während und 3 Tage nach der oralen Imp­fung mit dem Lebendimpfstoff dürfen keine Antibiotika, Sulfonamide oder Malariamittel gegeben werden, weil diese die in der Lebendvakzine enthaltenen Salmonellen am Wachstum hindern und damit die Immunantwort gefährden könnten. Abführmittel sind während des Impfzeitraumes zu vermeiden. Gegen enteritische Salmonellen sind beide Typhusimpfstoffe unwirksam; Daten weisen in Feldversuchen auf eine gewisse Wirksamkeit (etwa 50%) der oralen Impfung gegen Paratyphus A und B hin.

Ein neuer parenteraler Konjugatimpfstoff (Typbar TCV®, Bharat Biotech) wurde 2018 von der WHO präqualifiziert und wird derzeit in Studien erprobt, weitere Konjugatvakzinen sind in Entwicklung. Dieser Impfstoff kann ab einem Lebensalter von 6 Monaten geimpft werden. Ziel­gruppe sind aktuell noch primär Kinder in Ländern mit hohem Typhus­risiko bei gleichzeitig zunehmender Antibiotikaresistenz. In einer Feldstudie an >10.000 Kindern in Nepal mit klinischen Endpunkten konnte eine Wirksamkeit des Impfstoffes von >80% gezeigt werden[9]. Der Impfstoff ist in Deutschland noch nicht zugelassen; ob die Herstellerfirma eine Zulassung für den europäischen Markt beantragen wird, ist derzeit unklar. Konjugatimpfstoffe erscheinen als eine attraktive Alternative zu den in Deutschland derzeit verfügbaren Vakzinen.

Im Anhang ist eine Übersicht über sämtliche Reiseimpfungen.

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Empfehlungen und Hilfen zur Indikationsstellung für Reiseimpfungen (alle Altersgruppen, alphabetische Aufzählung ohne Festlegung der Relevanz, Erklärung der Abkürzungen s.u.)[59]

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sowie sibirischer (RSSE) und fernöstlicher Virustyp

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA Zeckenexposition in FSME-Risikogebieten im Ausland Die handelsüblichen Impfstoffe schützen auch gegen den sibirischen (RSSE, Russische Frühsommer-Meningoenzephalitis) und den fernöstlichen Subtyp des Erregers.
I Zeckenexposition in FSME-Risikogebieten in Deutschland

Entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden.
Saisonalität beachten: April – November
Siehe aktuelle Übersicht Risikogebiete in Deutschland RKI[60]
Ein Impfschutz sollte möglichst zu Beginn der Zeckensaison aufgebaut sein/bestehen – ca. 95% der Erkrankungen werden in den Monaten Mai bis November gemeldet.

B

Personen, die im Inland beruflich gefährdet sind

  • exponiertes Laborpersonal
  • in Risikogebieten Tätige, z.B. Forstbeschäftigte und Exponierte in der Landwirtschaft
Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen mit einem für Erwachsene bzw. Kinder zugelassenen Impfstoff. Impfschutz zuverlässig; Beginn frühestens ca. 2 Wochen nach der zweiten Teilimpfung, Dauer nach vollständiger Grundimmunisierung mind. 3–5 Jahre.
Bei Immundefizienz und bei Personen über 60 Jahre ist der Impferfolg nicht sicher; eventuell Antikörperkontrolle 1–2 Monate nach der zweiten Teilimpfung, bei Schnellimmunisierung nach der dritten Teilimpfung ggf. zusätzliche Impfung. Empfehlungen für Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen variieren nach Impfstoffhersteller (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 7).
Schnellimpfschema (Tag 0, 7, 21) nur dann, wenn das Standardimpfschema zeitlich nicht möglich ist. Bei Kleinkindern <3 Jahren treten gehäuft Fieberreaktionen auf, insb. nach der ersten Teilimpfung. Bei Kindern mit Fieberkrämpfen in der Anamnese oder hohem Fieber nach Impfung kann eine fiebersenkende Prophylaxe oder Behandlung in Betracht gezogen werden.

Gelbfieber

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
V Nachweis einer Gelbfieberimpfung für definierte Ziel- oder Transitländer bei Ein- oder Weiterreise insb. aus Verbreitungsgebieten (formale Indikation) Schutz der Länder vor Einschleppung.
Impfung nur in einer von den Gesundheitsbehörden der Länder zugelassenen Gelbfieberimpfstelle. Das Internationale Zertifikat für eine Gelbfieberimpfung ist lebenslang gültig. Eintrag der lebenslangen Gültigkeit in den Impfausweis gem. IGV: „life of person vaccinated“.
Dies betrifft bereits ausgestellte und neue Gelbfieberimpfzertifikate.
Seit 2016 dürfen Reisende mit einem Gelbfieberimpfzertifikat nicht mehr mit dem Grund, dass dieses nach 10 Jahren abgelaufen sei, abgewiesen werden.
Der Impfnachweis ist bei Ausreise aus einem Verbreitungsgebiet bis maximal 6 Tage (längste Inkubationszeit von Gelbfieber) begründet, wird aber gelegentlich auch Personen abverlangt, die dem Pass nach aus einem Land mit Gelbfiebervorkommen stammen.
Einreisebestimmungen können sich kurzfristig ändern. Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beachten. Im Zweifelsfall wird die Kontaktaufnahme mit einer Gelbfieberimpfstelle empfohlen.
R/tA Reisen in Länder mit Gelbfieber-Risiko in Afrika und Südamerika zum Individualschutz

Aktuelle Hinweise der WHO zur Gelbfieberverbreitung (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 5 , DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 6 )
Impfung nur in einer von den Gesundheitsbehörden der Länder zugelassenen Gelbfieberimpfstelle.
Lebenslange Immunität besteht nicht und erfordert bei Indikation eine Nachimpfung bei:

  • Kindern, die im Alter <2 Jahren erstmals geimpft wurden
  • Frauen, die zum Zeitpunkt der Impfung schwanger waren
  • HIV-Infizierte, insb. wenn die Erstimpfung in einer Phase mit nicht-supprimierter Viruslast stattgefunden hat

Der beste Zeitpunkt für eine Nachimpfung ist nicht abschließend geklärt. Er sollte frühestens 4 Wochen nach der ersten Impfung liegen, möglichst aber nach Fortfall der Gründe für den Zweifel am Impferfolg und vor der nächsten Reise in ein Verbreitungsgebiet.
Der Impfstoff ist offiziell ab dem sechsten Monat zugelassen. Bei Kindern zwischen 6 und 9 Monaten wegen erhöhten Enzephalitisrisikos besonders strenge Risiko-Nutzen-Abwägung.
Absolute Kontraindikationen sind: Alter <6 Monate, Stillzeit bei Kind ≤6 Monate, schwere Hühnereiweißallergie, schwere Unverträglichkeit vorangegangener Gelbfieberimpfungen, symptomatische HIV-Infektion und HIV-Infektion mit CD4 <200/μl, Immundefizienz (kongenital, idiopathisch oder therapeutisch), Thymuserkrankungen, inkl. Thymom, Thymektomie, Myasthenia, gravis, Z.n. Thoraxoperation, bei denen der Thymus evtl. entfernt wurde, progrediente maligne Erkrankungen.
Die Indikation für eine Erstimpfung bei Personen über 60 Jahren ist streng zu stellen, ggf. sollte nach Risikoabwägung ein Impfbefreiungszeugnis ausgestellt werden.

Mindestabstand von Lebendimpfungen zu vorangegangener immunmodulatorischer oder immunsuppressiver Therapie beachten. (DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 1, DTG-Reiseimpfungen-Tabelle 4).

Hepatitis A (HA)

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA Reisen in Regionen mit hoher Hepatitis-A-Prävalenz unabhängig vom Reisestil und Reisedauer

Bei vor 1950 geborenen Personen und bei Menschen, die aus Verbreitungsgebieten stammen oder sich lange dort aufgehalten haben sowie bei anamnestisch durchgemachter Hepatitis A ist eine Anti-HAV-Testung vor der ersten Impfung sinnvoll. Bei positivem Befund kann auf eine Hepatitis-A-Impfung lebenslang verzichtet werden. Erste Dosis an Tag 0, zweite Dosis nach 6–18 Monaten.
Nach der zweiten Dosis und damit vollständiger Grundimmunisierung liegt bei fast 100% der Geimpften ein Hepatitis-A-Schutz vor. Der Schutz hält 25–30 Jahre an, wahrscheinlich lebenslang.
Auch kurz vor Abreise ist die aktive Impfung sinnvoll, da die Schutzwirkung angesichts der langen Hepatitis-A-Inkubationszeit von 15–50 Tagen vor Beginn der Erkrankung eintritt. Daher eignet sich die monovalente Hepatitis-A-Impfung auch als Postexpositionsprophylaxe.
Bei gleichzeitiger Indikation für Hepatitis A und B bzw. Hepatitis A und Typhus sind Kombinationsimpfstoffe verfügbar. Für die Grundimmunisierung mit dem die Hepatitis-B-Komponente enthaltenden Kombinationsimpfstoff sind (wie beim monovalenten Hepatitis-B-Impfstoff) 3 Impfstoffdosen im Abstand 0, 1 und 6 Monate notwendig. Cave: Dieser Kombinationsimpfstoff enthält nur halb so viel Hepatitis-A-Antigen wie die monovalenten Hepatitis-A-Impfstoffe, weshalb er nicht für die postexpositionelle Prophylaxe und bei kurzfristiger Ausreise angewendet werden sollte.
Für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche gibt es Präparate mit reduzierter Dosis. Die passive Immunisierung gegen Hepatitis A ist nur noch in absoluten Ausnahmefällen indiziert, z.B. wenn eine Hepatitis-A-Exposition ein besonders hohes Risiko für eine Person darstellt. Eine passive Immunisierung mit Beriglobin® wird im Regelfall mit einer aktiven Impfung kombiniert.
Der Zeitabstand zwischen Immunglobulingabe und parenteralen Lebendvirusimpfstoffen sowie die besondere Dokumentationspflicht nach dem Transfusionsgesetz sind zu beachten.

I Personen mit einem Sexualverhalten mit erhöhtem Expositionsrisiko; z.B. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) , Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestandteilen, z.B. i.v. Drogenkonsumierende , Hämophile oder mit Krankheiten der Leber/mit Leberbeteiligung , Patienten in psychiatrischen Einrichtungen oder vergleichbaren Fürsorgeeinrichtungen für Menschen mit Verhaltensstörung oder Zerebralschädigung
B Personen mit erhöhtem beruflichen Expositionsrisiko im Inland einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige mit vergleichbarem Expositionsrisiko in den Bereichen: Gesundheitsdienst inkl. Sanitäts- und Rettungsdienst, Küche, Labor, technischer und Reinigungsdienst, psychiatrische und Fürsorgeeinrichtungen, Personen mit Abwasserkontakt, z.B. in Kanalisationseinrichtungen und Klärwerken Beschäftigte, Tätigkeit (inkl. Küche und Reinigung) in Kindertagesstätten, Kinderheimen, Behindertenwerkstätten, Asylbewerberheimen u.a.

Hepatitis B

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA

Reisen in Länder mit einer HBsAg-Prävalenz >2% in der Bevölkerung nach individueller Gefährdungsbeurteilung.
Großzügige Indikationsstellung z.B. bei:

  • Langzeitaufenthalt in Ländern mit eingeschränkter medizinischer Versorgung
  • Engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung, ggf. mögliche Sexualkontakte, („Sextourismus“, MSM)
  • Auslandsreisen zum Zweck von medizinischen Eingriffen (z.B. Zahnbehandlung, kosmetische Operation),
  • Planung von Tätowierungen, Piercings etc.
  • Dialysebehandlung auf Reisen
  • Geplante unfallträchtige Aktivitäten (z.B. Paragliding etc.) in Ländern mit eingeschränkter medizinischer Versorgung
  • erhöhtem beruflichem Risiko im Ausland (AMR 6.6 beachten), einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige z.B. Personal der Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitssektor, in medizinischen Einrichtungen einschließlich Laborpersonal
  • Vorbestehender (z.B. Lebererkrankungen) oder zu erwartender Erkrankungen (z.B. vor immunmodulatorischer Therapie)
Ungeimpfte Personen >18 Jahre erhalten eine Grundimmunisierung nach den Schemata in den Fachinformationen.
Regulär im Säuglingsalter geimpften Personen und unbekanntem Anti-HBs-Status erhalten eine Auffrischimpfung.
Personen <18 Jahre siehe STIKO-Standardimpf-Empfehlung (→ G oder N).
Eine serologische Testung zum Ausschluss einer HBV-Infektion vor Impfung ist im reisemedizinischen Kontext (R) nicht notwendig, kann aber bei Indikation in der Kategorie tA sinnvoll sein. Eine Impfung von bereits HBV-infizierten Personen kann gefahrlos durchgeführt werden, ist jedoch wirkungslos.
Zur Kontrolle des Impferfolgs sollte 4–8 Wochen nach der 3. Impfung bzw. nach einer Auffrischimpfung Anti-HBs bestimmt und im Impfausweis dokumentiert werden (erfolgreich = Anti-HBs ≥100 IE/L).
Nach erfolgreicher Impfung sind bei immungesunden Reisenden im Allgemeinen keine weiteren Boosterimpfungen erforderlich, da von einer lebenslangen Immunität auszugehen ist.
Ausnahme ggf. bei Personen mit besonders hohem individuellem Expositionsrisiko z.B. im Rahmen der Arbeitsmedizin. Hier Anti-HBs-Kontrolle nach 10 Jahren, Nachimpfung bei Anti-HBs <100 IE/L.
Vorgehen bei „Low- oder Non-Respondern“ (ein Non-Responder hat sicherlich 0) siehe STIKO.
Bei gleichzeitiger Indikation für Hepatitis A und B ist ein Kombinationsimpfstoff verfügbar (Twinrix®). Dieser Impfstoff enthält im Vergleich zum monovalenten Impfstoff nur eine halbe Dosis Hepatitis A. Zuvor noch nicht gegen Hepatitis A und B geimpfte Reisende sind nicht sicher geschützt, wenn sie nur eine Dosis des Kombinationsimpfstoffs erhalten.
Für Last-Minute-Reisende existiert ein Schnellimpfschema für Erwachsene (0-7-21-365 Tage). Dies ist sowohl für die monovalente Hepatitis-B-Impfung als auch für Twinrix® in dieser Altersgruppe zugelassen.
Für Säuglinge, Kinder und Jugendliche gibt es Darreichungsformen mit reduzierter Dosis.
I Siehe STIKO
B Siehe STIKO

Japanische Enzephalitis (JE)

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA
  • Längerfristige Aufenthalte in Verbreitungsgebieten (Süd-, Südost- und Ostasien) z.B. Entsandte, Langzeitreisende, auch kumulativ bei wiederholten Kurzzeitreisen, z.B. Verwandtenbesuche.
  • Unabhängig von der Gesamtreisedauer bei Reisen mit erhöhten Expositionsrisiko während Hauptübertragungszeit (Regenzeit und danach) und
    • ausgedehnte Aufenthalte im Freien in ländlichen oder landwirtschaftlichen Gegenden
    • Aufenthalt in der Nähe von Reisfeldern und Schweinezucht (auch periurban)
  • Unabhängig von der Gesamtreisedauer während Hauptübertragungszeit bei Risikofaktor für schwere Verläufe z.B. Alter ≥65 Jahre, Immunsuppression
  • Wunsch des Reisenden nach umfassendem Schutz
Verbreitungsgebiete siehe (DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 11 )[48].
Je 1 Dosis am Tag 0 und 28.
Schnellimpfschema für Erwachsene (18–65 Jahre): je 1 Dosis am Tag 0 und 7. Gute Immunantwort nach dem Schnellimpfschema.
Bei beiden Impfschemata sollte die Grundimmunisierung mind. eine Woche vor einer möglichen Exposition mit JE-Virus abgeschlossen sein.
Abschluss der Grundimmunisierung bei erneuter Exposition innerhalb von 12–24 Monaten. Dann 10 Jahre Schutz.
Kinderimpfstoff ist nicht verfügbar. Kinder von 2 Monaten bis 3 Jahren: 0,25 mL i.m, ab 3 Jahre 0,5 mL i.m. Zur Applikation der korrekten Kinderdosierung ist die entsprechende Markierung auf dem Spritzenkolben zu beachten (= Verwerfen von 0,25 mL Impfstoff).
Bis vor ca. 10 Jahren wurden JE-Totimpfstoffe verwendet, die aus Zellkulturen von murinen Neuronen stammten (z.B. JE-Vax®). Eine Auffrischung nach Grundimmunisierung mit diesen historischen Vakzinen ist mit einer Dosis des modernen, auf Verozellen kultivierten Impfstoffs IXIARO® möglich.
Eine Auffrischung bei vorausgegangener Grundimmunisierung mit Mäusehirnvakzine (= inaktiviertes JEV Stamm Nakayama-NIH) ist ebenfalls mit einer Dosis IXIARO® möglich.
B Personen, die im Inland beruflich gefährdet sind: exponiertes Laborpersonal

Masern

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
V Salomonen
Alle ausländischen Einreisenden aus masernbetroffenen Ländern (Australien, Neuseeland, Amerikanisch-Samoa, Samoa, Fidschi, Tonga, Philippinen, Kiribati, Papua Neuguinea)
Nachweis Masernimpfung mind. 15 Tage vor Einreise. Gilt nicht bei Transitaufenthalten, solange der ursprüngliche Abflugort nicht eines der genannten Länder ist. Falls kein Impfnachweis vorliegt, darf das Flugzeug im Ausreiseland nicht betreten werden. Wird der Impfnachweis auf den Salomonen nicht erbracht, werden Einreisende ausgewiesen.
Ausnahme: Kinder unter 6 Monaten, Schwangere, Personen, die Kontraindikationen zur Masernimpfung durch ein ärztliches Attest belegen
V Tokelau
Alle Reisenden

Einer der folgenden Nachweise muss erbracht werden:

V Amerikanisch-Samoa
Alle Einreisenden (außer Einwohner von Amerikanisch-Samoa und den USA)
Nachweis einer Masernimpfung mind. 14 Tage vor Reisebeginn. Falls dies nicht nachgewiesen wird, wird die Einreise verweigert.
Bei Einreise aus Apia/Samoa müssen alle Reisenden ein „Immunization Confirmation“-Formblatt des Gesundheitsministeriums nachweisen.
Ausnahme: Reisende, die vor 1957 geboren wurden
V Marshallinseln
Alle Einreisende sowie Ausreisende in masernbetroffene Länder (Australien, Neuseeland, Amerikanisch-Samoa, Samoa, Fidschi, Tonga, Philippinen, Kiribati, Papua Neuguinea)
Nachweis einer Masernimpfung mind. 2 Wochen vor Einreise. Falls dies nicht nachgewiesen wird, wird die Einreise verweigert.
Alle Ausreisende in masernbetroffene Länder müssen mind. 2 Wochen vor Ausreise eine Masernimpfung erhalten haben.
Ausnahme: Kinder unter 6 Monaten; Personen, die vor 1957 geboren wurden; Nachweis einer erworbenen Immunität.

Meningokokkeninfektion

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
V

Pilgerreisen nach Saudi-Arabien (Hadsch, Omrah)

Alle Reisenden nach Gambia und Libyen gemäß Liste der WHO

Impfung mit 4-valentem ACWY-Konjugatimpfstoff vorgeschrieben (aktuelle Einreisebestimmungen auf der Webseite des Gesundheitsministeriums von Saudi-Arabien beachten).
Bei Verwendung eines Konjugatimpfstoffes beginnt die Gültigkeit des Impfzertifikats 10 Tage nach der Impfung und gilt für 5 Jahre.
Da international noch Polysaccharidimpfstoffe verwendet werden, muss im Impfpass in englischer Sprache die Verwendung des Konjugatimpfstoffes („conjugate vaccine“) ausdrücklich dokumentiert sein.
R/tA

Bei Vorliegen einer Kombination aus epidemiologisch-geographischem und durch die Reiseumstände bedingtem erhöhtem Übertragungsrisiko, d.h. Reisen in die Risikogebiete in der epidemischen Jahreszeit (i.d.R. in der Trockenzeit) oder bei aktuellen Ausbrüchen und z.B.

  • Einsatz als Katastrophenhelfer, medizinisches Personal
  • Bundeswehr und Polizeikräfte in Auslandseinsätzen
  • Langzeitaufenthalte (auch Säuglinge und Kleinkinder)
  • Voraussehbare Interaktionen mit lokaler Bevölkerung in Schulen, Heimen, öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Jugendliche und Studenten in Gemeinschaftsunterkünften im Kontext von Hilfs-und Sozialprojekten
  • Austauschschüler
  • Abenteuer-/Rucksackreisen
  • Besuch von Massenveranstaltungen, Pilgerreisen
Epidemiologisch-geographisches Risiko heißt Reisen in Länder in Afrika mit jährlich wiederkehrenden, saisonal bedingten Epidemien sowie Länder mit sporadisch auftretenden Ausbrüchen (sog. Meningitisgürtel, s. DTG-Reiseimpfungen-Abbildung 8)
Impfung mit 4-valentem ACWY-Konjugatimpfstoff. In Deutschland sind nur noch Konjugatimpfstoffe verfügbar.
Bei Säuglingen und Kleinkindern von z.B. Langzeitausreisenden oder sog. visiting friends and relatives (VFR) sollte vor Reisen in den Meningitisgürtel die Standardimpfung gegen Meningokokken der Gruppe C durch einen tetravalenten Impfstoff (ACWY) in der altersentsprechenden Dosierung ersetzt werden.
R/tA/I

Bei Vorliegen individueller Risikofaktoren (s. STIKO-Kategorie I) und Reisen in die Risikogebiete und z.B.:

  • höhere Infektanfälligkeit
  • Risiko eines schwereren Krankheitsverlauf
Siehe Anmerkung bei I
R/tA

Außerhalb des afrikanischen Meningitisgürtels bei:

  • Schülern/Studenten vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche
  • Impferfordernissen vor Schulaufenthalten im Ausland
  • voraussichtlicher Unterbringung in Wohnheimen

Impfung kann erwogen werden bei:

  • Reisen in tropische und subtropische Regionen mit niedrigem sozioökonomischem Status mit voraussichtlich engem Kontakt zu Kindern/Jugendlichen aus der einheimischen Bevölkerung (z.B. in Slumprojekten)
  • sexuellem Risikoverhalten, z.B. bei MSM (Men who have sex with men)
Impfung entsprechend dem vorherrschenden Subtypen oder den Empfehlungen der Zielländer und der Schulen
I Bei Ausbrüchen oder regionalen Häufungen in Deutschland Impfung entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden
I Gesundheitlich gefährdete Personen in Deutschland

Impfung mit 4-valentem ACWY-Konjugatimpfstoff und einem MenB-Impfstoff Gefährdet sind Personen unter/mit:

  • angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, insb. Komplement-/Properdindefizienz
  • Eculizumab- und Ravulizumab-Therapie (monoklonaler Antikörper gegen die terminale Komplementkomponente C5)
  • Hypogammaglobulinämie
  • anatomischer oder funktioneller Asplenie, (z.B. Sichelzellanämie)
B Personen, die im Inland beruflich gefährdet sind · Laborpersonal mit dem Risiko der Exposition gegenüber eines N.-meningitidis-haltigen Aerosols Impfung mit 4-valentem ACWY-Konjugatimpfstoff und einem MenB-Impfstoff

Poliomyelitis

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
V Reisen in Länder mit Poliowildvirus- oder vakzineassoziierten Virusvorkommen
Bei Ausreise nach Aufenthalt >4 Wochen zum Schutz vor internationaler Polioausbreitung durch Reisende
WHO-Kategorie-I-Länder: Alle Einwohner und Langzeitreisenden >4 Wochen, die aus dem gelisteten Land ausreisen, müssen vier Wochen bis 12 Monate vor Ausreise mit einer Dosis gegen Polio geimpft sein.
Steht eine dringende Reise an und es wurde nicht in den vergangenen 4 Wochen bis 12 Monaten gegen Polio geimpft, sollte sichergestellt werden, dass mind. zum Abreisezeitpunkt eine Impfung vorliegt.
Dies wird u.U. bei Ausreise kontrolliert. Eine Dokumentation ist im „International Certificate of Vaccination or Prophylaxis“ erforderlich.
V Einreise nach Saudi-Arabien aus definierten Ländern, (nicht bei Einreise aus Deutschland) Aktuelle Einreisebestimmungen auf der Webseite des Gesundheitsministeriums von Saudi-Arabien beachten[3].
Bei Mehrstaatenreise beachten.
R/tA Reisen in Regionen mit Infektionsrisiko WHO-Kategorie-II-Länder: Alle Einwohner und Langzeitreisende >4 Wochen, die eine internationale Reise antreten sind zu ermutigen, sich 4 Wochen bis 12 Monate vor Ausreise mit einer Dosis gegen Poliomyelitis impfen zu lassen. Steht eine dringende Reise an und es wurde nicht in den vergangenen 4 Wochen bis 12 Monaten gegen Polio geimpft, sollte ermutigt werden, mind. zum Abreisezeitpunkt eine Impfung zu erhalten.
WHO-Kategorie-III-Länder und vulnerable Länder: Alle Reisenden sollten ausstehende Impfungen der Grundimmunisierung bzw. eine nicht dokumentierte Grundimmunisierung mit IPV nachholen bzw. eine Auffrischimpfung erhalten, wenn die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt.
Personen ohne Nachweis einer Grundimmunisierung sollten vor Reisebeginn wenigstens 2 Impfstoffdosen IPV erhalten.
I Aussiedler, Geflüchtete und Asylsuchende, die in Gemeinschaftsunterkünften leben bei der Einreise aus Gebieten mit Poliomyelitisrisiko
S/N/A Alle Personen bei fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung und alle ohne einmalige Auffrischimpfung in Deutschland
B

Personen, die im Inland beruflich gefährdet sind:

  • Personal in Gemeinschaftseinrichtungen für Aussiedler, Geflüchtete und Asylsuchende aus Gebieten mit Polioinfektionsrisiko
  • Medizinisches Personal, das engen Kontakt zu Erkrankten haben kann
  • Personal in Laboren mit Poliomyelitisrisiko

Tollwut

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA

Reisende in Länder mit hohem Tollwutrisiko, speziell bei:

  • Langzeitaufenthalten (> 4 Wochen) bzw. auch kumulativ bei wiederholten Kurzreisen
  • unzureichender ärztlicher Versorgung vor Ort
  • Mangel an Immunglobulin und modernen Impfstoffen
  • einfachen Reise- oder Aufenthaltsbedingungen
  • vorhersehbarem Umgang bzw. Kontakt mit Säugetieren, inkl. Fledermäusen

Insb. Kleinkinder und Kinder sollten großzügig geimpft werden, da sie oft den Kontakt zu Tieren suchen, gleichzeitig aber unter Umständen über Risikokontakte nicht immer berichten (können).

Präexpositionelles Impfschema Herstellerangaben:
3-malige i.m. Impfung 0–7–21 Tage (Rabipur®) bzw. 0–7–28 Tage (Tollwutimpfstoff HDC®).
Die beiden Impfstoffe sind innerhalb einer Impfserie miteinander austauschbar. Auffrischimpfungen bei weiterbestehendem Expositionsrisiko nach spätestens 5 Jahren.
Präexpositionelles Impfschema WHO:
Nur für Immunkompetente, Off-Label Use in Deutschland, daher besondere Aufklärung notwendig, Aufklärungsblatt des StAR[11].
2-malige i.m. Impfung im Abstand von mind. 7 Tagen. Aus immunologischen Gründen empfiehlt es sich, die zweite Impfung möglichst spät (Tag 28) durchzuführen.
Keine weiteren Auffrischimpfungen präexpositionell notwendig. Ein Hinweis, dass das WHO-Schema zur Anwendung kam, sollte im Impfausweis dokumentiert werden.
Stellungnahme des StAR (DTG) zum WHO-Impfschema[11].
Unabhängig davon, ob sich ein Reisender für eine Tollwutimpfung entscheidet oder nicht, sollte bei jeder Beratung auf die sehr wichtige, sofortige und gründliche Wundreinigung nach einem Tierbiss hingewiesen werden.
B

Personen, die im Inland beruflich gefährdet sind:

  • Tierärzte, Jäger Forstpersonal und andere Personen mit Umgang mit Tieren in Gebieten mit neu aufgetretener Wildtiertollwut
  • Personen mit beruflichem oder sonstigem engem Kontakt zu Fledermäusen
B Laborpersonal mit Expositionsrisiko gegenüber Tollwutviren Mit Tollwutvirus arbeitendes Laborpersonal sollte halbjährlich auf neutralisierende Antikörper untersucht werden. Eine Auffrischimpfung ist bei <0,5 I.E./mL Serum indiziert.

Typhus

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA
  • Reisen nach Süd- und Zentralasien (Indien, Nepal, Pakistan, Afghanistan, Bangladesch), unabhängig vom Reisestil
  • Langzeitaufenthalte in endemischen Gebieten, insb. bei einfachen Aufenthaltsbedingungen z.B. Bundesfreiwilligendienst, Rucksackreisen
  • Reisen in endemische Gebiete in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien unter einfachen Reise-, Aufenthalts- bzw. Arbeitsbedingungen mit niedrigen Hygienestandards (z.B. Trekking, Hilfseinsätze), speziell auch bei aktuellen Ausbrüchen und Katastrophen
  • Reisende mit Vorkrankheiten z.B. bei Immundefekten, Achlorhydrie etwa durch Medikamente, nach Cholezystektomie, bei internen Prothesen
Totimpfstoff: Vi-Kapselpolysaccharid von Salmonella Typhi(Stamm: Ty2) 1 × 0,5 mL i.m. (ab vollendetem zweitem Lebensjahr)
oder
Lebendimpfstoff: apathogene, attenuierte Keime von Salmonella Typhi (Schluckimpfstoff: ab 5 Jahren, Stamm Ty21a) Je eine Kapsel oral an den Tagen 1, 3 und 5, jeweils nüchtern mind. eine Stunde vor einer Mahlzeit.
In USA und in Kanada ist für den oralen Lebendimpfstoff ein 4-Dosen-Schema zugelassen. Dies induziert einen längeren Impfschutz von 5 Jahren.
Begrenzte Wirksamkeit (etwa 50%) der oralen Impfung gegen Paratyphus A und B. Unmittelbar vor, während und 3 Tage nach der oralen Impfung mit dem Lebendimpfstoff dürfen keine Antibiotika, Sulfonamide oder Malariamittel gegeben werden, weil diese die in der Lebendvakzine enthaltenen Salmonellen am Wachstum hindern und damit die Immunantwort gefährden könnten. Abführmittel sind während der Impfzeit zu vermeiden.
Gegen enteritische Salmonellosen sind beide Typhusimpfstoffe unwirksam.

Vibrio cholerae (Cholera)

Kt Indikation Anwendungshinweise/Bemerkungen (Fachinformation beachten)
R/tA

Aufenthalte in aktuellen Ausbruchsgebieten und/oder unter mangelhaften Hygienebedingungen und/oder eingeschränkter medizinischer Versorgung z.B. vor Einsatz:

  • in der Wasser-/Abwasseraufbereitung und Flüchtlingslagern
  • in Cholerabehandlungszentren
  • der Bundeswehr bei Operationen mit abgesetzten Soldaten
  • nach Katastrophen
  • bei Reisenden mit der Gefahr schwerer Verläufe bei besonderer Disposition
Grundsätzlich ist das Risiko, während einer Reise oder eines Aufenthaltes in Infektionsgebieten an Cholera zu erkranken, extrem gering.
Die strikte Einhaltung der Lebensmittel-, Trinkwasser- und Körperhygiene schützt vor einer Cholerainfektion.
In Deutschland gibt es einen zugelassenen Choleraschluckimpfstoff (Dukoral®) mit abgetöteten Choleraerregern.
Die Grundimmunisierung gegen Cholera besteht bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren aus 2 Impfstoffdosen, die im Abstand von mind. 1 bis max. 6 Wochen verabreicht werden.
Eine signifikante Wirksamkeit gegen ETEC wurde widerlegt und stellt keine Indikation für die Gabe der Impfung dar.

Abkürzungen

V: Vorschrift - Einreisevorschrift entspr. der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) oder nationaler Einreisebestimmungen
R: Reisemedizinische Indikation (bei individuellem Risiko und privat veranlassten Reisen /Aufenthalten)
tA: tätigkeitsbedingte Auslandsaufenthalte (gemäß AMR 6.6, ArbMedVV)
G: Grundimmunisierung gemäß STIKO
A: Auffrischimpfung gem. STIKO
S: Standardimpfung gem. STIKO mit allgemeiner Anwendung
N: Nachholimpfung (bis zum 18. Lj) gemäß STIKO, Grund- bzw. Erstimmunisierung aller noch nicht Geimpften bzw. Komplettierung einer unvollständigen Impfserie
I: Indikationsimpfung gemäß STIKO für Risikogruppen im Inland bei individuell (nicht beruflich) erhöhtem Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko sowie zum Schutz Dritter
B: Berufliche Indikationsimpfung aufgrund eines erhöhten beruflichen Risikos im Inland, z.B. nach Gefährdungsbeurteilung gem. Arbeitsschutzgesetz/ Biostoffverordnung/ Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (gemäß AMR 6.5 ArbMedVV) und/oder zum Schutz Dritter im Rahmen der beruflichen Tätigkeit im Inland
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