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Transfusionszwischenfälle - Klinische Anwendung

Letzte Aktualisierung: 11.8.2020

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Es wird zwischen akuten Transfusionszwischenfällen, die während oder innerhalb von 6 Stunden nach der Transfusion auftreten, und verzögerten Transfusionszwischenfällen unterschieden.

Allgemein erforderliche Maßnahmen bei Transfusionszwischenfällen

  • Klinische Maßnahmen
    • Je nach Schwere und Art der Symptome Abbrechen der Transfusion
    • Verwendeten venösen Zugang für eventuell erforderliche i.v. Applikationen belassen und durch eine Dauertropfinfusion offenhalten
    • Vorrangig Ausschluss einer intravasalen Hämolyse
    • Möglichst keine weitere Gabe von Blutkonserven bis zur Klärung
    • Kontinuierliche Überwachung des Patienten bis zum Nachlassen der Symptome
  • Dokumentationspflichten
    • Für weitere erforderliche Untersuchungen: Einsenden der aufbewahrten Blutkonserve und einer EDTA-Blutprobe des Patienten mit schriftlichen Unterlagen zur Transfusion ins Labor
    • Information des Transfusionsbeauftragten bzw. -verantwortlichen der jeweiligen Einrichtung
    • Aufbewahrung der Unterlagen über den Zwischenfall für 15 Jahre
  • Meldepflicht
    • Für alle schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen von Blutprodukten
    • Meldung an:

Übersicht der Häufigkeiten

Akuter Transfusionszwischenfall Häufigkeit [1]
Allergische Transfusionsreaktion
Febrile, nicht-hämolytische Transfusionsreaktion
Hämolytische Transfusionsreaktion vom Soforttyp
Verzögerter Transfusionszwischenfall Häufigkeit
Hämolytische Transfusionsreaktion vom verzögerten Typ

Definition: Transfusionszwischenfälle, die während oder innerhalb von 6 Stunden nach der Transfusion auftreten

Hämolytische Transfusionsreaktion vom Soforttyp

Febrile, nicht-hämolytische Transfusionsreaktion

  • Ursache: Freisetzung von Zellinhalten aus Leukozyten während Herstellung, Lagerung oder Transfusion
  • Klinik
    • Hyperthermie mit einem Anstieg der Körpertemperatur um >1 °C, Schüttelfrost, Kältegefühl
    • Gelegentlich Hypotension und Hautrötungen
  • Diagnostisches Vorgehen
  • Therapeutisches Vorgehen

Allergische Transfusionsreaktion

Transfusionsreaktion durch bakterielle Kontamination

  • Ursache: Durch Mikroorganismen aus Blut oder von der Haut des Spenders infizierte EKs
  • Klinik
  • Diagnostisches Vorgehen
  • Therapeutische Maßnahmen
  • Prophylaktische Maßnahmen
    • Prüfen des EK auf äußere Beschädigung, Gerinnselbildung, Verfärbungen und sonstige Auffälligkeiten
    • Überprüfen des Haltbarkeitsdatums des EK
    • Einhalten der Kühlkette
    • Blutkonserve erst unmittelbar vor Transfusion zur Einführung des Transfusionsbestecks eröffnen
    • Blutkonserven innerhalb von 6 Stunden nach Eröffnen verbrauchen

Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI) [2][3]

Hypervolämie, transfusionsassoziierte zirkulatorische Überladung (TACO) [2][3][4]

Definition: Transfusionszwischenfälle, die nach mehr als einem Tag nach Transfusion auftreten

Hämolytische Transfusionsreaktion vom verzögerten Typ

Weitere verzögert auftretende Komplikationen

Bei Massivtransfusionen müssen – neben den allgemeinen akuten bzw. verzögerten Transfusionszwischenfällen – zusätzliche besondere Risiken und Komplikationen bedacht werden.

Besondere Risiken und Problemstellungen bei Massivtransfusionen [5][6]

Gefürchtet ist insb. die Kombination von Azidose, Hypothermie und Koagulopathie („lethal triad“). Um das entsprechende Risiko zu minimieren, sollten nach Möglichkeit keine EKs gegeben werden, die älter sind als ca. 2 Monate! Eine Ausnahme bilden Cryo-Konserven!

Besonders gefährdete Patientengruppen [5]

  1. Müller et al.: Transfusion of packed red cells: Indications, triggers and adverse events In: Deutsches Ärzteblatt Online. 2015, doi: 10.3238/arztebl.2015.0507 . | Open in Read by QxMD .
  2. Popovsky: Transfusion-related acute lung injury and transfusion-associated circulatory overload In: ISBT Science Series. Band: 1, Nummer: 1, 2006, doi: 10.1111/j.1751-2824.2006.00046.x . | Open in Read by QxMD p. 107-111.
  3. Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. Stand: 31. Dezember 2014. Abgerufen am: 1. November 2017.
  4. Agnihotri: Transfusion associated circulatory overload In: Indian Journal of Critical Care Medicine. Band: 18, Nummer: 6, 2014, doi: 10.4103/0972-5229.133938 . | Open in Read by QxMD p. 396.
  5. Strobel et al.: Konzept zur Massivtransfusion im Schockraum In: Notfall + Rettungsmedizin. Band: 16, Nummer: 6, 2013, doi: 10.1007/s10049-013-1755-1 . | Open in Read by QxMD p. 462-468.
  6. Grottke et al.: Koagulopathie In: Der Anaesthesist. Band: 56, Nummer: 1, 2006, doi: 10.1007/s00101-006-1120-6 . | Open in Read by QxMD p. 95-108.