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Tubenfunktionsstörungen

Letzte Aktualisierung: 10.8.2020

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Als Tubenfunktionsstörung oder Tubenkatarrh bezeichnet man eine akute oder chronische Belüftungsstörung des Mittelohres, die durch eine Störung der Öffnung der Tuba eustachii bedingt ist. Ursache hierfür ist meist eine Verlegung des Tubenostiums im Nasenrachen, bspw. durch vergrößerte Adenoide. Hierdurch kann es zur Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr kommen. Es bildet sich ein Erguss unterschiedlicher Viskosität hinter dem Trommelfell (Seromukotympanon oder Mukotympanon). Während der akute Paukenerguss i.d.R. durch einen Infekt des Nasenrachenraumes entsteht und konservativ meist gut zu behandeln ist, sollte bei einem persistierenden Paukenerguss beim Erwachsenen (insb. bei einseitigem Befund) immer eine Nasenracheninspektion zum Ausschluss eines Tumors erfolgen. Therapeutisch können nach erfolgloser konservativer Therapie eine Parazentese und ggf. die Einlage eines Paukenröhrchens erfolgen. Gleichzeitig sollte die Tubenbelüftung verbessert werden. Eine Sonderform ist das Syndrom der offenen Tube.

  • Tubenfunktionsstörungen: Belüftungsstörungen des Mittelohres, die durch einen behinderten Öffnungsmechanismus der Tuba eustachii bzw. deren Verlegung im Nasenrachen bedingt sind
  • Paukenerguss: Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell, Folge sowohl der akuten als auch der chronischen Form der Tubenbelüftungsstörung
    • Differenzierung anhand der Viskosität
      • Serotympanon: Seröser Erguss
      • Mukotympanon: Muköser Erguss
      • Häufig finden sich Mischformen, die als mukoserös oder seromukös bezeichnet werden, bspw. Seromukotympanon
  • Sonderform: Klaffende Tuba auditiva (offene Ohrtrompete)

Eine akute Tubenfunktionsstörung tritt meist im Rahmen einer Erkältung, gelegentlich auch einer Allergie auf. Als Folge kann es zu einer Sekretansammlung in der Paukenhöhle kommen (Paukenerguss). Die akute Tubenfunktionsstörung bildet sich meist innerhalb einiger Wochen zurück.

Ätiologie

  • Als Folge entzündlicher Erkrankungen (infektiös oder allergisch bedingt) des Nasenrachenraumes und/oder der Nasennebenhöhlen
  • Unzureichender Druckausgleich, bspw. bei Flugzeuglandung
  • Bei Kindern
    • Physiologische Tubeninsuffizienz meist bis zum 7. Lebensjahr, bedingt durch
      • Geringe Achsknickung der Schädelbasis
      • Weichen Tubenknorpel
      • Kurze Tube
    • Temporäre Hyperplasie der Rachenmandel im Rahmen eines Infektes

Pathophysiologie

Klinik

  • Druckgefühl, zu Beginn oft stechende Ohrenschmerzen
  • Rauschen oder gluckerndes Ohrgeräusch, gelegentlich auch knackendes Ohrgeräusch beim Schlucken
  • Schwerhörigkeit

Diagnostik

Therapie

  • Konservativ: Kurzzeitig abschwellende Nasentropfen und passives Valsalva-Manöver
    • Bei akuter Schleimhautschwellung, z.B. infektbedingt: Kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen, z.B. Xylometazolinhydrochlorid (Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene , Kinder 2–6 J. , Kinder <2 J. )
    • Bei V.a. allergische Genese: Mometason-17-(2-furoat) (z.B. Nasonex®) (Kinder 3–12 J. , Kinder >12 J. und Erwachsene )
    • Zusätzlich fördert Kaugummikauen die Durchgängigkeit der Tuben
  • Operativ: Nur bei starker Beeinträchtigung des Hörvermögens auf Wunsch des Patienten oder bei V.a. Labyrinthitis

Sonderformen

Bestehen die Beschwerden bei einer Belüftungsstörung des Mittelohres länger als 3 Monate, spricht man von einer chronischen Tubenfunktionsstörung. Diese geht meist mit einem Paukenerguss einher.

Epidemiologie

Ätiologie

  • Bei Kindern
    • Meist bedingt durch Hyperplasie der Rachenmandel (adenoide Vegetationen)
    • Physiologische Tubeninsuffizienz meist bis zum 7. Lebensjahr bedingt durch
      • Geringe Achsknickung der Schädelbasis
      • Weichen Tubenknorpel
      • Kurze Tube
    • Risikofaktor: Passivrauchen durch Zigarettenkonsum in der Familie
  • Bei Erwachsenen

Klinik

  • Keine Schmerzen, gelegentlich leichtes Druckgefühl im Ohr
  • Schwerhörigkeit
  • Evtl. tieffrequenter Tinnitus
  • Gelegentlich Sprachentwicklungsverzögerung bei Kindern

Diagnostik

Therapie

  • Konservativ: Kurzzeitig abschwellende Nasentropfen und passives Valsalva-Manöver
    • Bei akuter Schleimhautschwellung, z.B. infektbedingt: Kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen, z.B. Xylometazolinhydrochlorid (Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene , Kinder 2–6 J. , Kinder <2 J.
    • Bei V.a. allergische Genese: Mometason-17-(2-furoat) (z.B. Nasonex®) , Kinder 3–12 J. , Kinder >12 J. und Erwachsene
    • Zusätzlich fördert Kaugummikauen die Durchgängigkeit der Tuben
  • Operativ

Komplikationen

Bei Kindern kann durch das Seromukotympanon die Sprachentwicklung gestört sein, daher ist eine frühe Therapie wichtig!

Bei Erwachsenen mit Seromukotympanon muss ein Malignom als Ursache ausgeschlossen werden!

  • Definition: Offene Ohrtrompete
  • Ätiologie: Vorausgegangene starke Gewichtsabnahme → Abnahme des die Tube umgebenden Fettgewebes
  • Klinik
    • Oft symptomlos
    • Autophonie: Ungewöhnlich lautes Hören und Dröhnen der eigenen Stimme über die Eustachi-Röhre
    • Hören des eigenen Atemgeräusches
    • Verschwinden der Symptome im Liegen oder bei Bauchpresse
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Aufklärung über die Harmlosigkeit der Erkrankung
    • Operativ: Augmentation mit Hyaluronsäure oder Fett oder Einlage eines Paukenröhrchens

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Strutz et al.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 2. Auflage Thieme 2009, ISBN: 978-3-131-16972-3 .
  2. Williamson et al.: An open randomised study of autoinflation in 4- to 11-year-old school children with otitis media with effusion in primary care In: Health Technology Assessment. Band: 19, Nummer: 72, 2015, doi: 10.3310/hta19720 . | Open in Read by QxMD p. 1-150.
  3. Caffier et al.: Impact of Laser Eustachian Tuboplasty on Middle Ear Ventilation, Hearing, and Tinnitus in Chronic Tube Dysfunction In: Ear and Hearing. 2010, doi: 10.1097/aud.0b013e3181e85614 . | Open in Read by QxMD p. 1.
  4. Schumacher: Tubendilatation ist jetzt evidenzbasiert In: HNO Nachrichten. Band: 48, Nummer: 1, 2018, doi: 10.1007/s00060-018-5601-4 . | Open in Read by QxMD p. 19-19.
  5. Strutz, Mann: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Georg Thieme Verlag 2017, ISBN: 978-3-132-41895-0 .
  6. Berghaus et al.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Hippokrates Verlag 1996, ISBN: 978-3-777-30944-6 .
  7. S1-Leitlinie Chronisch-mesotympanale Otitis media. Stand: 30. Juni 2014. Abgerufen am: 9. Dezember 2019.