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Typhus, Paratyphus

Letzte Aktualisierung: 21.7.2021

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Der Typhus/Paratyphus ist eine Erkrankung, die durch Salmonella enterica Serovar Typhi oder Paratyphi auf fäkal-oralem Wege übertragen wird. Die Krankheit kann Tage, aber auch Monate nach Übertragung ausbrechen (Inkubationszeit 3–60 Tage). Im Stadium I (Stadium incrementi) sind zunächst ein langsamer Fieberanstieg und eine Obstipation(!) typisch. Im Stadium II (Stadium fastigii) dominieren dann die Typhus-charakteristischen Symptome: Kontinua-Fieber, Roseolen auf der Bauchhaut, relative Bradykardie, Benommenheit und erbsbreiartige Stühle. Im Blutbild sind eine Leukopenie und eine absolute Eosinopenie auffällig. Stadium III (Stadium decrementi) geht mit dem Abklingen der Symptome einher. Die Diagnosesicherung gelingt i.d.R. durch einen direkten Erregernachweis aus Blut- und Stuhlkulturen. Behandlungsmethode der Wahl ist die antibiotische Therapie mit Fluorchinolonen (z.B. Ciprofloxacin) über mind. zwei Wochen. Etwa 5% der Erkrankten werden nach Abklingen der Symptome zu infektiösen Salmonellen-Dauerausscheidern.

  • Weltweit ca. 22 Mio. Fälle pro Jahr
    • Hauptsächlich in Gebieten mit unzureichender Hygiene (Afrika, Südamerika, Südostasien)
    • In Deutschland ca. 50–100 Fälle pro Jahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Erreger

Infektionsweg

Der Mensch ist das Haupterregerreservoir für Salmonella enterica Serovar Typhi!

Infektionszyklus

Die Typhus-Erreger sind häufig nicht im Stuhl nachzuweisen. Sie befinden sich im Lymphsystem oder aber in der Blutbahn!

Inkubationszeit

  • 3–60 Tage, i.d.R. 1–3 Wochen

Stadienabhängige Symptome

Die Infektion mit Salmonella enterica Serovar Paratyphi verläuft zumeist milder als eine S. Typhi-Infektion. Interessanterweise ist bei einem Typhus das Auftreten von Durchfall nicht typisch. Häufiger kommt es im Rahmen der Infektion zunächst durch Schwellung der Peyer-Plaques im Ileum zu Obstipation und Subileus-Bildern. Erst nach Generalisierung des Erregers stellen sich die übelriechenden, erbsbreiartigen Diarrhöen ein. Der Typhus ist somit nicht mit anderen Gastroenteritiden vergleichbar, die bspw. durch Toxinwirkung oder Adhäsion am Epithel Schaden anrichten.

Typhus ist keine Durchfallerkrankung, sondern eine Systemerkrankung!

Stadium incrementi (von lat. incrementum = „Anstieg“)

Bei unklarem Fieber über Tage und Reiseanamnese muss stets auch an einen Typhus gedacht werden!

Stadium fastigii (von lat. fastigium = „Spitze, Gipfel“)

Stadium decrementi (von lat. decrementum = „Abnahme“)

  • Langsames Abklingen der Symptome

Die Erreger sind oftmals noch im Stuhl, aber nicht mehr im Blut nachweisbar!

Zu Beginn der Erkrankung ist die Blutkultur das entscheidende diagnostische Instrument, Stuhlkulturen sind erst nach 2–3 Wochen positiv!

Aufgrund der zunehmenden Resistenzen gegen Fluorchinolone werden inzwischen vermehrt Cephalosporine in der Therapie eingesetzt!

Der Typhus/Paratyphus ist eine Systemerkrankung, die antibiotisch behandelt werden muss!

  • Gastroenterologisch: Darmblutung und Darmperforation
  • Systemisch: Die Typhuserreger können theoretisch jedes Organ befallen und damit u.a. zu Meningitis, Myokarditis und Nierenversagen führen

Salmonellen-Dauerausscheider

Ein Typhus-Dauerausscheider ist eine Person, die noch 10 Wochen nach einer Infektion (auch bei asymptomatischen Verläufen) Salmonella-Typhi-Erreger ausscheidet. Auch bei der Infektion mit Salmonella enteritidis kann die Person einen Dauerausscheider-Status entwickeln.

  • Definition: >10 Wochen nach Erkrankung weiterhin positive Stuhlkulturen
  • Häufigkeit: Bis zu 5% der Typhus-Erkrankten werden zu Dauerausscheidern
  • Sanierung von Dauerausscheidern: Ciprofloxacin (Fluorchinolon) für 4 Wochen
  • Folgen
    • Dauerausscheider dürfen nicht in der Lebensmittel-Branche arbeiten
    • Erhöhtes Risiko für Gallengangskarzinome

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Typhus-Impfung [1][2][3]

Eine durchgemachte Erkrankung bietet keine lebenslange Immunität!

  • Arztmeldepflicht
    • Nach § 6 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod
    • Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen) ): Namentliche Arztmeldepflicht zusätzlich bei Ausscheidern
  • Labormeldepflicht

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A01.-: Typhus abdominalis und Paratyphus

  • A01.0: Typhus abdominalis
  • A01.1: Paratyphus A
  • A01.2: Paratyphus B
  • A01.3: Paratyphus C
  • A01.4: Paratyphus, nicht näher bezeichnet
    • Infektion durch Salmonella paratyphi o.n.A.

Erkrankungen bei anderenorts klassifizierter Typhus- oder Paratyphus-Infektion

Sonstiges

  • Z22.-: Keimträger von Infektionskrankheiten
    • Inklusive: Verdachtsfälle
    • Z22.0: Keimträger von Typhus abdominalis
  • Z27.-: Notwendigkeit der Impfung [Immunisierung] gegen Kombinationen von Infektionskrankheiten

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Typhoral L Fachinformation .
  2. Epidemiologisches Bulletin 34/2020. Stand: 20. August 2020. Abgerufen am: 14. September 2020.
  3. Typhim Vi® Fachinformation. Stand: 1. November 2017. Abgerufen am: 16. September 2020.
  4. Typhoid Fever. Stand: 4. Mai 2020. Abgerufen am: 16. Oktober 2020.
  5. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  6. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2010 .
  7. Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. 1. Auflage Thieme 1999, ISBN: 978-3-131-12361-9 .
  8. Laborlexikon.de. . Abgerufen am: 1. Januar 2012.
  9. Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 8. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-48677-1 .
  10. Darai et al.: Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. 4. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-3-642-17157-4 .
  11. Typhus abdominalis, Paratyphus, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 26. März 2015. Abgerufen am: 24. Januar 2017.