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Vorgehen bei zerebralem Krampfanfall beim Kind (DD Fieberkrampf)

Letzte Aktualisierung: 2.9.2021

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  • Definition: Zerebraler Krampfanfall bei Kindern jenseits der Neugeborenenperiode (meist im Alter von (3–)6 Mon. bis 5 J.), der im Rahmen einer fieberhaften Erkrankung auftritt (meist >38 °C), die nicht durch eine ZNS-Infektion bedingt ist
  • Ätiologie
    • Senkung der Krampfschwelle aufgrund ungeklärter Mechanismen
    • I.d.R. zerebraler Krampfanfall während des Fieberanstiegs (häufig Erstsymptom eines Infektes)
  • Klinik
  • Diagnostik: Vor Diagnosestellung Ausschluss anderer Ursachen zwingend, inkl. Anamnese mit Blick auf stattgehabte Neugeborenenanfälle oder afebrile Anfälle
  • Häufigkeit: Fieberkrämpfe sind die häufigste Form epileptischer Anfälle im Kindesalter
  • Wiederholungsrisiko: 30–40% (bei Auftreten im 1. Lebensjahr 50%)
  • Prognose: Bei 95% aller Kinder mit Fieberkrämpfen gut (ohne Entwicklungsbeeinträchtigung oder Übergang in eine Epilepsie), auch bei wiederholtem Auftreten

Für ausführlichere Informationen siehe: Fieberkrampf

Zum Notfallmanagement bei Status epilepticus: Status epilepticus - AMBOSS-SOP

  • Bei Dauer des Krampfanfalls >5 min: Benzodiazepine nasal, rektal oder bukkal, wenn nötig einmalige Wiederholung möglich
    • Diazepam (z.B. Diazepam Desitin® rectal tube 5 bzw. 10 mg Rektallsg.) rektal
      • Kinder <15 kg
      • Kinder ≥15 kg
      • Kinder und Jugendliche >50 kg
    • Midazolam (z.B. Buccolam®, Dormicum® 5 mg/1 mL Injektionslösung)
      • i.v.- Applikation: Standarddosierung jedes Alter
      • Nasale oder bukkale Applikation mittels i.v. Injektionslösung: Standarddosierung jedes Alter
  • Bei weiterem Fortbestehen des Krampfanfalls: Phenobarbital oder Phenytoin i.v.

Zum Notfallmanagement bei Status epilepticus: Status epilepticus - AMBOSS-SOP

Stationäre Aufnahme zur Überwachung und ggf. weiteren Abklärung

Diagnostik bei Status epilepticus unklarer Genese

Diagnostik bei zerebralem Krampfanfall

Diagnostik im Verlauf

Weiteres Vorgehen bei afebrilem Krampfanfall: siehe Epilepsie

Weiteres Vorgehen bei Fieberkrampf

  • Rezidivprophylaxe und Therapie von Wiederholungskrämpfen
    • Konsequente fiebersenkende Therapie ab einer Temperatur von 38,5 °C
    • Medikament zur Anfallsunterbrechung
    • Eine Diazepamprophylaxe im Infekt wird nicht empfohlen
    • Eine Rezidivprophylaxe mit Phenobarbital oder Valproat ist wirksam, aber nebenwirkungsträchtig und bleibt Ausnahmefällen vorbehalten
  • Für ein ausführliches Diagnostik- und Behandlungsschema siehe: Fieberkrampf
  1. Trinka, Leitinger: Neue Definition und Klassifikation des Status epilepticus – Was ändert sich für die Praxis? In: Zeitschrift für Epileptologie. Band: 31, Nummer: 4, 2018, doi: 10.1007/s10309-018-0214-x . | Open in Read by QxMD p. 233-236.
  2. Trinka et al.: A definition and classification of status epilepticus - Report of the ILAE Task Force on Classification of Status Epilepticus In: Epilepsia. Band: 56, Nummer: 10, 2015, doi: 10.1111/epi.13121 . | Open in Read by QxMD p. 1515-1523.
  3. S2-Leitlinie Diagnostische Prinzipien bei Epilepsien im Kindesalter. Stand: 1. Januar 2008. Abgerufen am: 14. Oktober 2016.