Zusammenfassung
In diesem Kapitel haben wir die wichtigsten Themen zu Organisation und Ablauf des Pflegepraktikums (auch Krankenpflegedienst genannt) zusammengestellt. Die Pflege stellt die größte Beschäftigungsgruppe an Krankenhäusern. Ein Praktikum in diesem Bereich bietet daher einen umfassenden Einblick in die komplexen Strukturen und Stationsabläufe einer Klinik sowie die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven der Krankenpflege und -betreuung kennenzulernen. In der Approbationsordnung sind generelle Rahmenbedingungen und eine Dauer von drei Monaten festgelegt, während Einzelheiten vom jeweils zuständigen Landesprüfungsamt (LPA) des Bundeslandes bestimmt werden. So können bereits absolvierte Ausbildungen und Freiwilligendienste in Pflege und Rettungsdienst teilweise oder vollständig auf die Praktikumszeiten angerechnet werden.
Planung
Bewerbung
Die Bewerbung für das Pflegepraktikum erfolgt meist informell per Email oder Anruf bei der Pflegedienstleitung. Frage bei der Bewerbung direkt nach, welche Unterlagen eingereicht werden sollen.
Die meisten Kliniken stellen Kontaktdaten auf ihrer Website zur Verfügung!
Zeitpunkt
Es gibt keinen vorgeschriebenen Zeitpunkt, zu dem du das Krankenpflegepraktikum ableisten musst. Bei Anmeldung zum Physikum musst du jedoch drei Monate Praktikum in der Pflege nachweisen, diese kannst du entweder am Stück oder über mehrere Zeiträume verteilt absolvieren.
- Vor Beginn des Studiums
- Während der vorlesungsfreien Zeiten
- In einem Urlaubssemester
- Nicht anerkannt werden Pflegepraktika, die vor Erhalt des Abiturs absolviert wurden
Wenn du in einem Modellstudiengang studierst, ist der Zeitpunkt zum Ableisten des Krankenpflegedienstes nicht einheitlich geregelt. Dies kann z.B. bedeuten, dass du das Praktikum in einem kürzeren Zeitraum absolvieren musst (z.B. bis zum Beginn des 4. Semesters) oder dass es durch die Uni mit Seminaren begleitet wird!
Dauer
- Insg. 90 Kalendertage, d.h. es zählen auch Wochenende und Feiertage
- Unterteilung in Abschnitte von mind. 30 Tagen möglich
- Unterbrechungen des Pflegepraktikums (z.B. wegen Krankheit) müssen auf den Formularen gesondert vermerkt und entsprechend nachgearbeitet werden
Abschnitte kürzer als 30 Tage werden nicht anerkannt!
Nachweis
AMBOSS sowie die meisten Landesprüfungsämter bieten Vordrucke an, die vollständig ausgefüllt und von der Pflegedienstleitung unterschrieben sowie abgestempelt werden müssen. Je nach Einrichtung fordert das Landesprüfungsamt (LPA) eventuell noch weitere Informationen über deine pflegerischen Tätigkeiten oder die Einrichtung nach. Deswegen ist es sinnvoll, im Zweifelsfall bereits vor Ableistung eines Abschnittes (bspw. in einer besonderen Einrichtung) die Möglichkeit der Anerkennung beim LPA zu erfragen. Sonst könnte im schlimmsten Fall erst bei deiner Anmeldung zum Physikum auffallen, dass ein Teil deines Pflegepraktikums ggf. nicht anerkannt werden kann.
Wir haben für dich eine Vorlage einer Bescheinigung in deutscher und englischer Sprache vorbereitet, die du direkt am PC ausfüllen kannst. Du kannst sie aber natürlich auch zunächst ausdrucken und dann von Hand ausfüllen.
Das Zeugnis darf nicht vor offiziellem Ende des Praktikums datiert sein (z.B. Freitag unterschrieben und datiert, obwohl das Praktikum bis einschließlich Sonntag geht)!
Vorerfahrungen
Manche krankenpflegerischen Tätigkeiten oder Ausbildungen kannst du dir auf die Dauer des Pflegepraktikums anrechnen lassen. Der Umfang, in dem diese angerechnet werden, variiert von Bundesland zu Bundesland. Eine Nachfrage bei deinem LPA lohnt sich, wenn du vor Beginn des Studiums:
- Zivildienst, FSJ, Bundesfreiwilligendienst oder Sanitätsdienst in der Bundeswehr geleistet hast
- Eine Ausbildung als Hebamme/Entbindungspfleger, Rettungsassistent, Notfallsanitäter, in der (Kinder‑)Krankenpflege, Altenpflege, Kranken- und Altenpflegehilfe begonnen oder abgeschlossen hast
Arbeitszeit und Vergütung
Es existiert keine gesetzliche Regelung für Arbeitszeiten und Vergütung im Pflegepraktikum. Die Pflege arbeitet im Schichtsystem und du wirst von der Pflegedienstleitung zu den jeweiligen Schichten zugeteilt . Häufig ist dein erster Dienst ein Frühdienst und du wirst oft weiterhin für den Früh- oder Zwischendienst eingeteilt, da hier besonders viel Unterstützung benötigt wird. In den meisten Fällen wirst du für die Praktikumszeit nicht vergütet . Allerdings gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten. Eine Übersicht dazu haben wir dir unten in den Tipps & Links verlinkt.
Ort
In Deutschland
Im Pflegepraktikum sollst du den Alltag der Pflege, den allgemeinen Stationsalltag und Ablauf kennenlernen, weshalb es auf einer Station mit ausreichend pflegerischem Aufwand absolviert werden soll. Beachte, dass sich hierfür nicht alle Stationen oder Einrichtungen eignen.
Als Voraussetzungen gelten:
- Bettenführende Abteilung eines Krankenhauses oder Rehabilitationseinrichtung mit vergleichbarem pflegerischem Aufwand
- Ärztliche Leitung der Einrichtung
- Station frei wählbar
In manchen Bundesländern werden Pflegepraktika in der Psychiatrie oder Psychosomatik nicht (vollständig) anerkannt. Kläre das unbedingt vorher ab!
Nicht anerkannt werden
- Nicht (ausreichend) bettenführende Abteilungen eines Krankenhauses
- Notaufnahme
- Operationssaal
- Intensiv- und Wachstationen
- Dialysestation
- Ambulanz
- Polikliniken
- Reha- oder Vorsorgeeinrichtungen und ambulante Dialysezentren, die keinen Fokus auf die Behandlungspflege legen
- Einrichtungen ohne ärztliche Leitung
- Einrichtungen für Menschen mit Behinderung
- Alten- und Pflegeheime
- Mobiler sozialer Pflegedienst
Im Ausland
Auch im Ausland kannst du dein Pflegepraktikum leisten. Hierfür gibt es jedoch meist noch genaue Hinweise deines Landesprüfungsamtes bzgl. der Anforderungen und Anerkennung von im Ausland erbrachten Leistungen (z.B. eigenes Formular deines Landesprüfungsamtes).
- Sowohl EU als auch außereuropäisches Ausland möglich
- Eine Anerkennung ist teilweise nur mit detaillierter Auflistung der pflegerischen Leistungen möglich
- Denke an eine Übersetzung der Bescheinigung
Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insb. die aktuellsten Angaben des jeweiligen Landesprüfungsamtes sowie etwaige Änderungen in der Approbationsordnung für Ärzte (siehe Link unter Tipps & Links am Ende des Kapitels) müssen beachtet werden.
Stationsalltag
Die Pflege stellt die größte Berufsgruppe in jedem Krankenhaus dar. Aufgrund des Fokus auf der unterstützenden und begleitenden Arbeit ist der Kontakt zu Patient/-innen von anderer Qualität als die Arzt-Patient-Beziehung. In den drei Monaten des Praktikums sollst du allgemeine Kenntnisse des Stationsalltags und -ablaufs erhalten und, soweit möglich, an dessen Aktivitäten teilnehmen. Darüber hinaus gehört die Mitarbeit oder selbstständige Übernahme von allgemeinen und speziellen Aufgaben der Pflege zu den Zielen des Praktikums. Je nach Einrichtung gehören auch Aufgaben der ambulanten Pflege dazu. Neben den pflegerischen Tätigkeiten lernst du auch typische Krankheitsphänomene und Erkrankungen kennen, die von der Pflege mitbehandelt und begleitet werden.
Aspekte der Pflegetätigkeit
Die Tätigkeiten in der Krankenpflege sind sehr divers und variieren in Umfang und Detail enorm. Deine Aufgaben sind zudem abhängig von deinen Grundkenntnissen und der aktuellen Situation auf Station. Neben der Patientenpflege nehmen auch Teambesprechungen und Dokumentationsaufgaben einen großen Raum ein. Wir geben dir hier deshalb nur einen kleinen Einblick in die Aspekte der pflegerischen Leistungen. Eine umfangreiche Liste der Aufgaben, die du im Pflegepraktikum lernen sollst, findest du in der Checkliste unter Tipps & Links am Ende des Kapitels.
Grundpflege
- Körperpflege: Unterstützung beim Waschen/Duschen, Zähneputzen, Toilettengang
- Ernährung: Anreichen von Essen, Versorgung mit Tee oder Wasser
- Mobilität: Aufstehen, Patientenlagerung , An- und Ausziehen von Kleidung, Begleiten der Patient/-innen zu ihren Untersuchungen
Spezielle Pflegeaufgaben
- Pflegerische Anamnese
- Krankenbeobachtung und -beurteilung: Messen von Vitalparametern , Anlegen eines EKG , Prüfen des Ödemstatus
- Unter besonderer fachlicher Aufsicht: Verbandswechsel, Vorbereiten von Infusionen, Injektionen, Legen eines transurethralen Blasenkatheters
Dokumentation
- Patientenkurve: Messdaten in Patientenkurven eintragen, Besonderheiten notieren, Medikamentenplan lesen, Dokumentation und Ausarbeitung der Visite
Aufbereitung der Krankenzimmer
- Betten frisch beziehen
- Urinflaschen und Bettpfannen leeren
- Umgang mit wegen Infektion isolierten Patient/-innen
Stationsorganisation
- Dienstbeginn und -ende, Dienstübergabe
- Visite
- Verhalten in Notfallsituationen auf Station
Soft Skills
- Arbeiten im Team
- Kommunikation mit Patient/-innen und deren Angehörigen
Verhalten auf Station
Ein Krankenhaus ist ein eigenes Biotop an Regeln und Abläufen, die dir zu Beginn eventuell unbekannt sind. Nimm dir an den ersten Tagen genug Zeit, die Abteilung und das Kollegium kennenzulernen und auf der Station „anzukommen“. Gerade zu Beginn des Praktikums wird es darum gehen, Abläufe und Tätigkeiten zu beobachten. Alle Handlungen sind danach ausgerichtet, die Patient/-innen schnell zu versorgen und sie bei ihrer Genesung zu unterstützen. Deshalb ist es wichtig, dass du dich an Hinweise und Anweisungen deiner pflegerischen und ärztlichen Kolleg/-innen hältst. Sie haben i.d.R. mehr Erfahrung als du und dadurch auch einen besseren Überblick. In erster Linie sollst du jedoch ausgebildet werden, indem dir Dinge erklärt und gezeigt werden. Du bist keine Hilfskraft für alle anfallenden Tätigkeiten auf der Station. Gleichzeitig solltest du dir nicht zu schade sein, bspw. die eilige Blutprobe auch mal persönlich ins Krankenhauslabor zu bringen, wenn man dich darum bittet. Frage immer nach, wenn du Aufgaben, Abläufe, Behandlungsziele oder Fachtermini nicht verstehst. Bitte darum, dass dir praktische Fähigkeiten erklärt und beigebracht werden, und frage, ob du Patient/-innen zu Untersuchungen oder Eingriffen begleiten kannst.
Vorstellen
Stelle dich allen Kolleg/-innen auf Station, dem Reinigungspersonal, in den Funktionsbereichen, dem OP sowie den Patient/-innen vor. So weiß jeder, wer du bist, und bei welchen Tätigkeiten du um Hilfe gebeten werden kannst.
- Vorstellen mit deinem Namen und deiner Funktion
- Vorstellen bei Patient/-innen, mit denen du zum ersten Mal direkten Kontakt hast (mit Namen und deiner Tätigkeit )
Am Krankenbett
- Händedesinfektion vor und nach jedem(!) Patientenkontakt
- Klopfe an, bevor du ein Patientenzimmer betrittst
- Erkläre den Patient/-innen, was du als Nächstes tust
- Vergewissere dich, dass du Anordnungen bei den richtigen Patient/-innen ausführst und frage lieber nach (v.a. wenn mehrere Patient/-innen ähnlich heißen )
- Bleibe freundlich, sowohl im Team als auch gegenüber Patient/-innen
- Beantworte keine Patientenfragen, die du nicht genau beantworten kannst!
Du unterliegst bereits im Krankenpflegedienst der ärztlichen Schweigepflicht! Persönliche Informationen zu Patient/-innen, deren Beschwerden, Krankheiten oder Therapien darfst du unbefugt nicht an andere weiter geben.
Kleidung
- Wird normalerweise von der Station gestellt, meist Kasack und Hose
- Aus hygienischen Gründen ist private Kleidung i.d.R. nicht erlaubt , frage in diesen Fällen bei deinen Kolleg/-innen nach den jeweiligen Alternativen
- Wechsel deine Arbeitskleidung täglich!
- Armbanduhren sowie jeglicher Schmuck an Fingern und Handgelenken sind aus hygienischen Gründen nicht erlaubt
- Namensschild tragen
Nützliches für die Kasacktaschen
- Stift und Notizbuch
- Belegungsplan der Station
- Uhr
- Handschuhe
- Smartphone mit der AMBOSS-App