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Ovar

Letzte Aktualisierung: 6.1.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die beiden Eierstöcke (Ovarien) nehmen eine Schlüsselrolle in der weiblichen Sexualfunktion ein: In ihnen findet nicht nur die Entwicklung und Bereitstellung von Eizellen statt, sie sind auch für die Synthese der Sexualhormone zuständig. Somit sind sie an der Steuerung des weiblichen Menstruationszyklus und bei Bedarf an der Aufrechterhaltung einer eingetretenen Schwangerschaft beteiligt.

Mikroskopisch bestehen die Eierstöcke aus einem bindegewebigen Stroma und einem Rindenbereich, in dem sich die Ovarialfollikel befinden: Diese sind für die Reifung der Eizellen und für die Produktion der Sexualhormone zuständig. Die Eierstöcke sind durch mehrere Haltebänder befestigt, die u.a. die versorgenden Blutgefäße beinhalten. Übrigens findest du auch eine Histo-Trainer-Folge zu Eierstock und Eileiter im Abschnitt zur mikroskopischen Anatomie des Ovars.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion “Tipps & Links".

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Makroskopische Anatomietoggle arrow icon

Steckbrief

  • Funktionen: Oogenese, Follikelreifung, Ovulation, Hormonproduktion
  • Lage: Paarig, intraperitoneal in der Fossa ovarica
  • Form: Pflaumenförmig
  • Größe: 3 cm × 2 cm × 1 cm
  • Gewicht: 7–14 g
  • Flächen und Ränder
    • Extremitas tubaria (= oberer Pol)
    • Extremitas uterina (= unterer Pol)
    • Margo mesovaricus (= Vorderrand)
    • Margo liber (= Hinterrand)
    • Facies medialis und lateralis

Aufbau

Das Ovar besteht aus vier übereinanderliegenden Schichten, die verschiedene Funktionen erfüllen.

Topografie

Das Ovar liegt mit seinen Bändern und dem Mesovar intraperitoneal in der Fossa ovarica (= Eierstockgrube).

Bänder des Ovars

Das Ovar ist über drei Bänder mit den umgebenden Organen verbunden. Diese enthalten die Gefäße, die das Ovar versorgen.

  • Ligamentum suspensorium ovarii
    • Verlauf: Zwischen oberem Pol des Ovars und seitlicher Beckenwand
    • Enthält: A. und V. ovarica
  • Ligamentum ovarii proprium
    • Verlauf: Zwischen unterem Pol des Ovars und Uterus
    • Enthält: R. ovaricus der A. uterina
  • Mesovar: Anteil des Ligamentum latum uteri
    • Verlauf: Entlang der Margo mesovaricus (Vorderrand des Ovars)

Lagebeziehungen

Richtung Fläche Benachbartes Organ/Struktur
Ventral Facies medialis

Wechselnde Darmschlingen

Dorsal Facies lateralis

Fossa ovarica mit:

Kranial Margo mesovaricus

Über das Mesovar mit der Tuba uterina verbunden

Kaudal

Margo liber

Ureter

Lateral

Extremitas tubaria

Fimbrientrichter der Tuba uterina

Schmerzausstrahlung bei Adnexitis
Die anatomische Nähe zum N. obturatorius kann bei Entzündung der Eierstöcke eine Schmerzausstrahlung bis in die Innenseite der Oberschenkel erklären. Bei einer operativen Entfernung des Ovars muss die arterielle Doppelversorgung bedacht werden.

Gefäßversorgung und Innervation

Gefäßversorgung Besonderheiten
Arteriell
Venös
Innervation

Autonomes Nervengeflecht

  • Plexus ovaricus
Lymphabfluss
Lymphstationen

Das Ovar wird von zwei verschiedenen arteriellen Stromgebieten versorgt: A. ovarica aus der Aorta und Seitenästen der A. uterina aus der A. iliaca interna!

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Mikroskopische Anatomietoggle arrow icon

Das Ovar besteht aus einer Mark- und einer Rindenzone, die von einer straffen Bindegewebskapsel umgeben sind und von einem charakteristischen Peritonealüberzug bedeckt werden. Der folgende Abschnitt stellt den mikroskopischen Aufbau von Ovar und Ovarialfollikel dar.

Histologische Schichten des Ovars

Schichten

(von außen nach innen)

Histologische Merkmale
Peritoneum
  • Kubisches Mesothel (auch Müller-Epithel genannt)
Tunica albuginea
  • Straffe, kollagenhaltige Bindegewebskapsel
Cortex ovarii
Medulla ovarii

Das kubische Mesothel ist eine Sonderform des Peritoneums und nur am Ovar und Hoden zu finden!

Ovarialfollikel

Histo-Trainer Ovar und Tuba uterina

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Funktionen im Überblicktoggle arrow icon

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Oogenesetoggle arrow icon

Die Gesamtheit der weiblichen Eizellen wird schon vor der Geburt angelegt. Sie verbleiben bis zur Pubertät in einer Ruhephase, bis sie hormonabhängig während eines Menstruationszyklus weiter heranreifen (parallel zur umgebenden Follikelreifung). Die Entwicklung der Eizellen (Oogenese) wird zur Ovulation ein zweites Mal unterbrochen und erst im Falle einer Befruchtung durch ein Spermium vollständig abgeschlossen.

Stadien der Oogenese

Stadien

Zeitpunkt

Bezeichnung der Keimzellen, Chromosomensatz und Anzahl der Chromatiden

Vorgänge

Mitosen

  • 4. Woche7. Monat
Beginn Meiose I
  • Etwa ab dem 4. Monat
1. Ruhephase (Diktyotän)
Abschluss Meiose I / Beginn Meiose II
2. Ruhephase
Abschluss der Meiose II

Nach der Geburt werden keine neuen Eizellen mehr gebildet!

Polkörperchen

Polkörperchendiagnostik
Polkörperchen können in der Pränataldiagnostik Aufschluss über eventuelle Fehlverteilungen des Chromosomensatzes geben (ungleiche Verteilung der Chromatiden). Fehlverteilungen entstehen überwiegend während der ersten Reifeteilung, ein geringerer Anteil entsteht während der zweiten Reifeteilung.

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Follikelreifung und -atresietoggle arrow icon

Follikelreifung

Im Laufe der Eizellreifung verändern sich die in der Fetalperiode angelegten Ovarialfollikel. Zyklusunabhängig entwickeln sich die Primordialfollikel jeweils in Gruppen (sog. Kohorten) zu Tertiärfollikeln. Diese reifen in jedem Menstruationszyklus der Frau heran, aber nur ein Follikel entwickelt sich in den letzten Tagen vor dem Eisprung zum dominanten Graaf-Follikel. Die übrigen Follikel bilden sich zurück (Follikelatresie). Generell umfasst die Follikelreifung fünf Stadien:

Follikelreifung im Ovar

Follikelstadium

Aufbau (von innen nach außen)
1. Primordialfollikel
  1. Oozyte
  2. Follikelepithelzellen: Einschichtig, flach
  3. Bindegewebsschicht
2. Primärfollikel (Ovar)
  1. Oozyte
  2. Bildung der Zona pellucida ("Glashaut"): Schicht aus Glykoproteinen
  3. Follikelepithelzellen: Einschichtig, kubisch
  4. Bindegewebsschicht
3. Sekundärfollikel (Ovar)
  1. Oozyte
  2. Zona pellucida
  3. Follikelepithelzellen: Mehrschichtig, kubisch
  4. Bindegewebsschicht
4. Tertiärfollikel
  1. Cumulus oophorus (= Eihügel)
    1. Oozyte
    2. Perivitelliner Spalt
    3. Zona pellucida
    4. Corona radiata (= Strahlenkranz): Die Oozyte umgebende innerste Follikelzellschicht
  2. Follikelepithelzellen
    1. Antrum folliculi (= Follikelhöhle): Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum innerhalb des Follikels
    2. Stratum granulosum (Ovar) (= Körnerschicht, Granulosazellen): Zellkernreiche Schicht aus hormonproduzierenden Follikelzellen, die das Antrum umgeben
  3. Bindegewebsschicht
    1. Theca folliculi interna: Hormonproduzierende Innenschicht mit Gefäßen
    2. Theca folliculi externa: Faserreiches Bindegewebe
5. Graaf-Follikel

Follikelselektion: Während jedes Menstruationszyklus reifen mehrere Tertiärfollikel heran, etwa am 7. Tag des Menstruationszyklus wird jedoch nur einer als dominanter Follikel selektiert! Dieser wird in den letzten Tagen vor dem Eisprung zum sprungreifen Graaf-Follikel, die anderen Follikel gehen unter!

Follikelatresie

In den Ovarien ruht ein Vorrat an Ovarialfollikeln, von denen nur ein sehr geringer Anteil zu befruchtungsfähigen Eizellen heranreift. Alle übrigen Ovarialfollikel bilden sich unabhängig vom Follikelstadium im Laufe des Lebens einer Frau zurück, was als Follikelatresie bezeichnet wird. Zu bestimmten Zeitpunkten des Lebens reduziert sich der Vorrat besonders stark.

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Ovulationtoggle arrow icon

Ablauf der Ovulation

Durchschnittlich alle 28 Tage wird bei der geschlechtsreifen Frau ein dominanter Follikel sprungreif. Es kommt zum Eisprung, bei dem der Follikel die Eizelle freigibt. Der Eisprung läuft in folgenden Schritten ab:

  1. Größenzunahme: Sekretion von Follikelflüssigkeit ins Antrum des Graaf-Follikels → Druckzunahme im Antrum → Vorwölbung an der Oberfläche des Ovars
  2. Ablösung des Cumulus oophorus von der Follikelwand
  3. Follikelruptur: Einreißen der Follikelwand sowie der Kapsel und des Peritoneums des Ovars
  4. Eizelle gelangt in den Intraperitonealraum
  5. Fimbrientrichter der Tuba uterina nimmt die Eizelle auf
  6. Eizelle wandert durch die Tuba uterina bis in den Uterus

Entstehung des Gelbkörpers

Die rupturierte Follikelhöhle verändert sich nach der Freisetzung der Eizelle:

  1. Corpus rubrum: Die entleerte Follikelhöhle wird vom umgebenden Gewebe komprimiert und blutet ein
  2. Corpus luteum (=Gelbkörper): Hormonell aktiver Gelbkörper; entsteht durch Umwandlung aus dem Corpus rubrum
  3. Corpus albicans (=Weißkörper): Rückgebildeter Gelbkörper, funktionslos

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Wiederholungsfragen zum Kapitel Ovartoggle arrow icon

Makroskopische Anatomie

In welchem der Haltebänder des Ovars verlaufen A. und V. ovarica?

Von wo nach wo zieht das Ligamentum ovarii proprium?

Wie ist die venöse Gefäßversorgung des Ovars? Wohin drainiert sie?

Mikroskopische Anatomie

Wo findet sich das sog. Müller-Epithel?

Wo im Ovar befinden sich die Ovarialfollikel?

Oogenese

Wann erfolgt die mitotische Vermehrung der Keimzellen bei Frauen? Wie nennt man die Keimzellen, wenn die Mitose abgeschlossen ist?

Was beschreibt die Diktyotän-Phase und wodurch wird sie beendet?

Was sind sog. Primordialfollikel?

Follikelreifung und -atresie

Was ist ein Graaf-Follikel?

Was ist die Zona pellucida?

Ovulation

Wie entwickelt sich die rupturierte Follikelhöhle nach dem Eisprung weiter?

Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.

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