Zusammenfassung
Die beiden Eierstöcke (Ovarien) nehmen eine Schlüsselrolle in der weiblichen Sexualfunktion ein: In ihnen findet nicht nur die Entwicklung und Bereitstellung von Eizellen statt, sie sind auch für die Synthese der Sexualhormone zuständig. Somit sind sie an der Steuerung des weiblichen Menstruationszyklus und bei Bedarf an der Aufrechterhaltung einer eingetretenen Schwangerschaft beteiligt.
Mikroskopisch bestehen die Eierstöcke aus einem bindegewebigen Stroma und einem Rindenbereich, in dem sich die Ovarialfollikel befinden: Diese sind für die Reifung der Eizellen und für die Produktion der Sexualhormone zuständig. Die Eierstöcke sind durch mehrere Haltebänder befestigt, die u.a. die versorgenden Blutgefäße beinhalten. Übrigens findest du auch eine Histo-Trainer-Folge zu Eierstock und Eileiter im Abschnitt zur mikroskopischen Anatomie des Ovars.
Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion “Tipps & Links".
Makroskopische Anatomie
Steckbrief
- Funktionen: Oogenese, Follikelreifung, Ovulation, Hormonproduktion
- Lage: Paarig, intraperitoneal in der Fossa ovarica
- Form: Pflaumenförmig
- Größe: 3 cm × 2 cm × 1 cm
- Gewicht: 7–14 g
- Flächen und Ränder
- Extremitas tubaria (= oberer Pol)
- Extremitas uterina (= unterer Pol)
- Margo mesovaricus (= Vorderrand)
- Margo liber (= Hinterrand)
- Facies medialis und lateralis
Aufbau
Das Ovar besteht aus vier übereinanderliegenden Schichten, die verschiedene Funktionen erfüllen.
- Von außen nach innen wird unterteilt in:
- Peritoneum: Die Eierstöcke liegen größtenteils intraperitoneal
- Tunica albuginea: Dünne Organkapsel, zieht mit Gefäßen und Nerven in die Tiefe des Ovars
- Cortex ovarii (= Rindenzone): Dichtes Bindegewebe umgibt Ovarialfollikel unterschiedlicher Entwicklungsstufen
- Medulla ovarii (= Markzone): Lockeres Bindegewebe mit Gefäßen und Nerven
Topografie
Das Ovar liegt mit seinen Bändern und dem Mesovar intraperitoneal in der Fossa ovarica (= Eierstockgrube).
Bänder des Ovars
Das Ovar ist über drei Bänder mit den umgebenden Organen verbunden. Diese enthalten die Gefäße, die das Ovar versorgen.
- Ligamentum suspensorium ovarii
- Verlauf: Zwischen oberem Pol des Ovars und seitlicher Beckenwand
- Enthält: A. und V. ovarica
- Ligamentum ovarii proprium
- Verlauf: Zwischen unterem Pol des Ovars und Uterus
- Enthält: R. ovaricus der A. uterina
- Mesovar: Anteil des Ligamentum latum uteri
- Verlauf: Entlang der Margo mesovaricus (Vorderrand des Ovars)
Lagebeziehungen
Richtung | Fläche | Benachbartes Organ/Struktur |
---|---|---|
Ventral | Facies medialis | Wechselnde Darmschlingen |
Dorsal | Facies lateralis | Fossa ovarica mit: |
Kranial | Margo mesovaricus | Über das Mesovar mit der Tuba uterina verbunden |
Kaudal | Margo liber | |
Lateral | Extremitas tubaria | Fimbrientrichter der Tuba uterina |
Schmerzausstrahlung bei Adnexitis
Die anatomische Nähe zum N. obturatorius kann bei Entzündung der Eierstöcke eine Schmerzausstrahlung bis in die Innenseite der Oberschenkel erklären. Bei einer operativen Entfernung des Ovars muss die arterielle Doppelversorgung bedacht werden.
Gefäßversorgung und Innervation
Gefäßversorgung | Besonderheiten | |
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Arteriell |
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Venös |
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Innervation | ||
Autonomes Nervengeflecht |
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Lymphabfluss | ||
Lymphstationen |
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Das Ovar wird von zwei verschiedenen arteriellen Stromgebieten versorgt: A. ovarica aus der Aorta und Seitenästen der A. uterina aus der A. iliaca interna!
Mikroskopische Anatomie
Das Ovar besteht aus einer Mark- und einer Rindenzone, die von einer straffen Bindegewebskapsel umgeben sind und von einem charakteristischen Peritonealüberzug bedeckt werden. Der folgende Abschnitt stellt den mikroskopischen Aufbau von Ovar und Ovarialfollikel dar.
Histologische Schichten des Ovars
Schichten (von außen nach innen) | Histologische Merkmale |
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Peritoneum |
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Tunica albuginea |
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Cortex ovarii |
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Medulla ovarii |
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Das kubische Mesothel ist eine Sonderform des Peritoneums und nur am Ovar und Hoden zu finden!
Ovarialfollikel
- Definition: Der Ovarialfollikel besteht aus einer Eizelle, die von Follikelepithelzellen und einer äußeren Bindegewebsschicht umgeben ist.
- Lage: Dicht unter der Oberfläche in der Rinde des Ovars
- Allgemeiner Aufbau (von innen nach außen)
- Weibliche Keimzelle (= Oozyte) (siehe: Oogenese)
- Granulosazellen (= Follikelepithelzellen)
- Umgeben die Oozyten direkt und bilden die Follikelhöhle und das hormonaktive Stratum granulosum des Ovars
- Je nach Reifegrad des Follikels ein- oder mehrschichtig
- Thecazellen: Äußere Schicht aus Bindegewebe, die sich zur hormonproduzierenden Theca interna und bindegewebigen Theca externa differenziert
Histo-Trainer Ovar und Tuba uterina
Funktionen im Überblick
- Oogenese: Entwicklung der reifen Eizellen aus den Urkeimzellen
- Follikelreifung und -atresie: Entwicklung des Ovarialfollikels (Eizelle + Follikelzellen) zum sprungreifen Follikel
- Ovulation: Eisprung
- Endokrine Drüse: Hormonproduktion
- Menstruationszyklus
- Sexualhormonbildung (siehe: Sexualhormone)
- Aufrechterhaltung der Schwangerschaft
Oogenese
Die Gesamtheit der weiblichen Eizellen wird schon vor der Geburt angelegt. Sie verbleiben bis zur Pubertät in einer Ruhephase, bis sie hormonabhängig während eines Menstruationszyklus weiter heranreifen (parallel zur umgebenden Follikelreifung). Die Entwicklung der Eizellen (Oogenese) wird zur Ovulation ein zweites Mal unterbrochen und erst im Falle einer Befruchtung durch ein Spermium vollständig abgeschlossen.
Stadien der Oogenese
Stadien | Zeitpunkt | Bezeichnung der Keimzellen, Chromosomensatz und Anzahl der Chromatiden | Vorgänge | |||
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Beginn Meiose I |
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1. Ruhephase (Diktyotän) | ||||||
Abschluss Meiose I / Beginn Meiose II |
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2. Ruhephase | ||||||
Abschluss der Meiose II |
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Nach der Geburt werden keine neuen Eizellen mehr gebildet!
Polkörperchen
- Aus einer primären Oozyte entwickelt sich nur eine reife Eizelle (im Gegensatz zur Spermiogenese )
- Das überschüssige genetische Material wird während der Meiose in Form von Polkörperchen abgespalten
- Polkörperchen besitzen einen vollständigen haploiden Chromosomensatz, aber kaum Zytoplasma → Gehen rasch zugrunde
- Während der Meiose entstehen 2–3 Polkörperchen
Polkörperchendiagnostik
Polkörperchen können in der Pränataldiagnostik Aufschluss über eventuelle Fehlverteilungen des Chromosomensatzes geben (ungleiche Verteilung der Chromatiden). Fehlverteilungen entstehen überwiegend während der ersten Reifeteilung, ein geringerer Anteil entsteht während der zweiten Reifeteilung.
Follikelreifung und -atresie
Follikelreifung
Im Laufe der Eizellreifung verändern sich die in der Fetalperiode angelegten Ovarialfollikel. Zyklusunabhängig entwickeln sich die Primordialfollikel jeweils in Gruppen (sog. Kohorten) zu Tertiärfollikeln. Diese reifen in jedem Menstruationszyklus der Frau heran, aber nur ein Follikel entwickelt sich in den letzten Tagen vor dem Eisprung zum dominanten Graaf-Follikel. Die übrigen Follikel bilden sich zurück (Follikelatresie). Generell umfasst die Follikelreifung fünf Stadien:
Follikelreifung im Ovar | |
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Follikelstadium | Aufbau (von innen nach außen) |
1. Primordialfollikel |
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2. Primärfollikel (Ovar) |
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3. Sekundärfollikel (Ovar) |
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4. Tertiärfollikel |
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5. Graaf-Follikel |
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Follikelselektion: Während jedes Menstruationszyklus reifen mehrere Tertiärfollikel heran, etwa am 7. Tag des Menstruationszyklus wird jedoch nur einer als dominanter Follikel selektiert! Dieser wird in den letzten Tagen vor dem Eisprung zum sprungreifen Graaf-Follikel, die anderen Follikel gehen unter!
Follikelatresie
In den Ovarien ruht ein Vorrat an Ovarialfollikeln, von denen nur ein sehr geringer Anteil zu befruchtungsfähigen Eizellen heranreift. Alle übrigen Ovarialfollikel bilden sich unabhängig vom Follikelstadium im Laufe des Lebens einer Frau zurück, was als Follikelatresie bezeichnet wird. Zu bestimmten Zeitpunkten des Lebens reduziert sich der Vorrat besonders stark.
Ovulation
Ablauf der Ovulation
Durchschnittlich alle 28 Tage wird bei der geschlechtsreifen Frau ein dominanter Follikel sprungreif. Es kommt zum Eisprung, bei dem der Follikel die Eizelle freigibt. Der Eisprung läuft in folgenden Schritten ab:
- Größenzunahme: Sekretion von Follikelflüssigkeit ins Antrum des Graaf-Follikels → Druckzunahme im Antrum → Vorwölbung an der Oberfläche des Ovars
- Ablösung des Cumulus oophorus von der Follikelwand
- Follikelruptur: Einreißen der Follikelwand sowie der Kapsel und des Peritoneums des Ovars
- Eizelle gelangt in den Intraperitonealraum
- Fimbrientrichter der Tuba uterina nimmt die Eizelle auf
- Eizelle wandert durch die Tuba uterina bis in den Uterus
Entstehung des Gelbkörpers
Die rupturierte Follikelhöhle verändert sich nach der Freisetzung der Eizelle:
- Corpus rubrum: Die entleerte Follikelhöhle wird vom umgebenden Gewebe komprimiert und blutet ein
- Corpus luteum (=Gelbkörper): Hormonell aktiver Gelbkörper; entsteht durch Umwandlung aus dem Corpus rubrum
-
Stratum granulosum und Theca interna werden größer; Einsprossen von Blutgefäßen; Lipidspeicherung → Gelbfärbung
- Zellen der Theca interna werden zu Thecaluteinzellen → Androgenproduktion
- Granulosazellen werden zu Granulosaluteinzellen: Umwandlung Androgene → Gestagene/Östradiol
- Corpus luteum graviditatis: Befruchtung der Eizelle → Schwangerschaft → Gelbkörper übernimmt in den ersten 3 Monaten die Produktion der schwangerschaftserhaltenden Geschlechtshormone
- Corpus luteum menstruationis: Keine Befruchtung der Eizelle → Nach 2 Wochen Rückbildung zum Corpus albicans
-
Stratum granulosum und Theca interna werden größer; Einsprossen von Blutgefäßen; Lipidspeicherung → Gelbfärbung
- Corpus albicans (=Weißkörper): Rückgebildeter Gelbkörper, funktionslos
Wiederholungsfragen zum Kapitel Ovar
Makroskopische Anatomie
In welchem der Haltebänder des Ovars verlaufen A. und V. ovarica?
Von wo nach wo zieht das Ligamentum ovarii proprium?
Wie ist die venöse Gefäßversorgung des Ovars? Wohin drainiert sie?
Mikroskopische Anatomie
Wo findet sich das sog. Müller-Epithel?
Wo im Ovar befinden sich die Ovarialfollikel?
Oogenese
Wann erfolgt die mitotische Vermehrung der Keimzellen bei Frauen? Wie nennt man die Keimzellen, wenn die Mitose abgeschlossen ist?
Was beschreibt die Diktyotän-Phase und wodurch wird sie beendet?
Was sind sog. Primordialfollikel?
Follikelreifung und -atresie
Was ist ein Graaf-Follikel?
Was ist die Zona pellucida?
Ovulation
Wie entwickelt sich die rupturierte Follikelhöhle nach dem Eisprung weiter?
Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.