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Lernen, Kognition und Entwicklung

Letzte Aktualisierung: 26.3.2025

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In diesem Kapitel werden die klassischen Lerntheorien, die Grundlagen von Wahrnehmung, Gedächtnis und Intelligenz sowie Konzepte zu Entwicklung und Sozialisation in der Gesellschaft vorgestellt.

Im Sinne der Lerntheorien wird Verhalten zu einem großen Teil im Laufe des Lebens erlernt. Insb. die Theorien der klassischen Konditionierung und operanten Konditionierung sind hierbei von Bedeutung.

Unter Kognition versteht man bewusste und unbewusste Denkprozesse, zu denen u.a. die Wahrnehmung, die Bewertung und das Gedächtnis gehören. Außerdem spielt die Intelligenz eine wichtige Rolle. Sie kann in verschiedene Formen eingeteilt werden (bspw. verbale, sprachliche und emotionale Intelligenz). Diese unterschiedlichen Komponenten der Intelligenz können anhand verschiedener Intelligenztests überprüft werden.

Zur Entwicklung und Sozialisation im Kindesalter existieren diverse Theorien. Im Folgenden wird die Theorie der kognitiven Entwicklung nach Piaget sowie Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung vorgestellt. Auch die verschiedenen Erziehungsstile und das daraus resultierende Bindungsverhalten haben einen Einfluss auf die Entwicklung und Sozialisation des Kindes und werden im Folgenden erläutert. Im Erwachsenenalter haben v.a. berufliche Belastungen Einfluss auf die persönliche Entwicklung, weshalb auch das Modell der Gratifikationskrisen von großer Bedeutung ist.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS-Audio-Reihe im Podcastformat vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion “Tipps & Links".

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Lerntheorientoggle arrow icon

Im Sinne der Lerntheorien wird Verhalten zu einem großen Teil im Laufe des Lebens erlernt. Die Lerntheorien sind in der Therapie psychischer Erkrankungen (z.B. bei der Verhaltenstherapie) von großer Bedeutung (siehe auch: Psychotherapeutische Verfahren).

Lernformen

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Konditionierungtoggle arrow icon

Klassische Konditionierung

Die klassische Konditionierung beruht darauf, dass ein unkonditionierter Reiz eine unkonditionierte Reaktion auslöst . Dieser unkonditionierte Reiz kann im Rahmen eines Lernprozesses mit einem neutralen Reiz gekoppelt werden, der im weiteren Verlauf ebenfalls die Reaktion auslöst und so zu einem konditionierten Reiz wird. Wird die Reaktion durch den konditionierten Reiz ausgelöst, bezeichnet man sie ebenfalls als konditionierte Reaktion. Das Ziel der klassischen Konditionierung ist der Aufbau stabiler Erwartungen – bspw. darüber, wo Nahrung zu finden ist.

Insb. der berühmte „Pawlow'sche Hund prägte die klassische Konditionierung. In diesen Experimenten konnte Iwan Pawlow zeigen, dass bei Hunden ein bekanntes Reiz-Reaktions-Schema (Essen → Speichelfluss) so abgeändert werden kann, dass es von einem Reiz ausgelöst wurde, der zuvor für den Hund keinerlei Bedeutung hatte (Glockenläuten → Speichelfluss).

Klassische Konditionierung
Zeitpunkt Stimulus Reaktion
Vor dem Training
  • Neutraler Reiz: Reiz (z.B. Glockenläuten), der zu einer unspezifischen Reaktion führt
  • Keine (spezifische) Reaktion
  • Unkonditionierter Reiz: Angeborener Reiz (z.B. Essensduft), der unabhängig von Lernprozessen eine Reaktion auslöst
  • Unkonditionierte Reaktion: Speichelfluss
Beim Training
  • Neutraler Reiz + Unkonditionierter Reiz: Bspw. Glockenläuten in Kombination mit Essensduft
  • Unkonditionierte Reaktion: Speichelfluss
Nach dem Training
  • Konditionierter Reiz: Der zunächst neutrale Reiz (z.B. Glockenläuten) wird zu einem Reiz, der eine spezifische Reaktion (z.B. Speichelfluss) auslöst
  • Konditionierte Reaktion: Speichelfluss
  • Erfolg der Konditionierung ist u.a. abhängig von
    • Interstimulusintervall: Zeitlicher Abstand zwischen neutralem und unkonditioniertem Reiz
    • Reihenfolge, in welcher der unkonditionierte und der neutrale Reiz dargeboten werden

Als klassische Konditionierung bezeichnet man die erfolgreiche Kopplung eines unkonditionierten Reizes mit einem neutralen Reiz!

Grundbegriffe der klassischen Konditionierung

Einige Begriffe werden, mit leicht unterschiedlicher Bedeutung, sowohl bei der klassischen als auch bei der operanten Konditionierung verwendet (vgl. Grundbegriffe der operanten Konditionierung).

  • Extinktion Löschung einer konditionierten Reaktion (Speichelfluss), weil der konditionierte Reiz (Glocke) wiederholt ohne den unkonditionierten Reiz (Essensduft) präsentiert wird
  • Reizgeneralisation: Die konditionierte Reaktion wird ebenfalls durch Reize ausgelöst, die dem konditionierten Reiz ähnlich sind
  • Reizdiskrimination: Erkennen von Unterschieden zwischen zwei Reizen
    • Diskriminationslernen: Lernprozess, der dazu befähigt, zwischen zwei Reizen unterscheiden zu können
  • Konditionierung höherer Ordnung: Ein bereits konditionierter Reiz wird mit einem zweiten neutralen Reiz verknüpft. Dieser führt im Verlauf ebenfalls zu einer Reaktion und wird so ebenfalls zu einem konditionierten Reiz.

Operante Konditionierung

Die operante Konditionierung beruht auf dem Phänomen, dass Belohnungen zu einer Häufung eines Verhaltens und Bestrafungen zu einer Reduktion des Verhaltens führen. Das Kontingenzschema beschreibt dabei die Möglichkeiten zur Verstärkung oder Abschwächung eines Verhaltens.

Modell der operanten Konditionierung (Kontingenzschema)

Angenehme bzw. unangenehme Konsequenz wird dargeboten

Angenehme bzw. unangenehme Konsequenz entfällt

Angenehme Konsequenz auf ein Verhalten
  • Indirekte Bestrafung durch Weglassen einer Belohnung (z.B. kein Lob mehr) → Abnahme des Verhaltens
Unangenehme Konsequenz auf ein Verhalten
  • Direkte Bestrafung durch Hinzufügen eines aversiven Reizes (z.B. Strafe, Tadel) → Abnahme des Verhaltens
  • Negative Verstärkung durch Weglassen eines aversiven Reizes (z.B. Aufhebung eines Verbotes) → Zunahme des Verhaltens

Die sog. „negative Verstärkung“ fängt zwar mit der Formulierung „negativ“ an, dennoch erhöht(!) sie die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens, da ein unangenehmer Reiz weggelassen wird! Also merke dir: „Verstärkung“ bedeutet immer, dass das Verhalten anschließend zunimmt.

Als operante Konditionierung bezeichnet man die erfolgreiche Verknüpfung eines Verhaltens mit einer Verstärkung oder Bestrafung, sodass es zur Zunahme (bei Verstärkung) oder Abnahme (bei Bestrafung) des Verhaltens kommt!

Verstärkerpläne

  • Kontinuierliche Verstärkung
    • Das erwünschte Verhalten wird jedes Mal, wenn es gezeigt wird, verstärkt
    • Folge: Verhalten wird besonders schnell erlernt
  • Intermittierende Verstärkung
    • Formen
    • Folge: Verhalten wird insb. langfristig und löschresistent erlernt
  • Premack-Prinzip: Ein spontan häufig auftretendes Verhalten kann als Verstärker für ein erwünschtes Verhalten dienen, wenn beide aneinander gekoppelt werden
  • Token-System: Zur positiven Verstärkung einer erwünschten Verhaltensweise werden zunächst wertlose Gegenstände (z.B. Plastikmünzen oder Smiley-Aufkleber) verwendet, die erst gesammelt und zu einem späteren Zeitpunkt in den gewünschten eigentlichen Verstärker (z.B. ins Kino gehen) umgetauscht werden können

Damit ein Verhalten besonders schnell, dabei aber auch langfristig erlernt wird, empfiehlt es sich, mit einer kontinuierlichen Verstärkung zu starten und im Verlauf auf eine intermittierende Verstärkung mit variabler Quoten- und Intervallverstärkung zu wechseln!

Grundbegriffe der operanten Konditionierung

Einige Begriffe werden, mit leicht unterschiedlicher Bedeutung, sowohl bei der operanten als auch bei der klassischen Konditionierung verwendet (vgl. Grundbegriffe der klassischen Konditionierung).

  • Extinktion: Löschung eines konditionierten Verhaltens, weil es nicht mehr verstärkt bzw. bestraft wird
  • Reizgeneralisation: Das erlernte Verhalten wird auf eine andere, ähnliche Situation übertragen
  • Reizdiskrimination: Das erlernte Verhalten wird in spezifischen Situationen gezeigt
    • Diskriminativer Reiz: Hinweisreiz, der eine Konsequenz auf ein Verhalten ankündigt
    • Diskriminationslernen: Lernprozess, der dazu befähigt, ein Verhalten nur bei Anwesenheit eines bestimmten diskriminativen Reizes zu zeigen
  • Prompting: Zusätzliche Unterstützung durch Hilfestellungen von außen (bspw. Führen der Hand)
  • Chaining: Schrittweises Erlernen von komplexen Verhaltensweisen durch den Aufbau einer Verhaltenskette
    • Backward Chaining: Einübung und Verstärkung der Einzelschritte in ihrer umgekehrten Reihenfolge
    • Forward Chaining: Einübung und Verstärkung der Einzelschritte in ihrer chronologischen Reihenfolge
  • Shaping: Dem Zielverhalten ähnliches Verhalten wird verstärkt, um stufenweise das Zielverhalten zu erreichen
  • Primäre Verstärker: Reize, die elementare angeborene Bedürfnisse befriedigen bzw. deren Befriedigung entgegenstehen . Sie wirken ohne vorangegangene Lernprozesse
  • Sekundäre Verstärker: Reize, die erst durch zeitliche Kopplung mit primären Verstärkern das Auftreten bestimmter Verhaltensweisen fördern bzw. verstärken

Biofeedback
Biofeedback ist ein Therapieverfahren, welches dazu dient, üblicherweise unbewusst ablaufende Regulationsvorgänge des Körpers (z.B. den Muskeltonus) vermehrt unter aktive Kontrolle zu bringen. Dazu werden diese Vorgänge gemessen und den Patient:innen in Form bestimmter Signale (z.B. visuell oder akustisch) zurückgemeldet. Der Lernprozess erfolgt über operante Konditionierung, dabei wirkt die akustische oder visuelle Rückmeldung im Sinne eines sekundären Verstärkers.

Somatisierungsstörung
Bei der zu den somatoformen Störungen zählenden Somatisierungsstörung leiden die Betroffenen unter multiplen, häufig wechselnden körperlichen Symptomen aller Organsysteme, ohne dass eine organische Ursache feststellbar ist. Bzgl. der Ursache und Aufrechterhaltung dieser Erkrankung existieren verschiedene Erklärungsansätze. So besagt ein Ansatz, dass das Empfinden der Beschwerden durch negative und positive Verstärkung aufrechterhalten wird. Erfahren die Betroffenen bspw. vermehrte Zuwendung (positive Verstärkung), wenn sie Beschwerden äußern, wird dies dazu führen, dass dieses Verhalten in Zukunft (unbewusst) häufiger gezeigt wird. Werden die Betroffenen häufig krankgeschrieben und müssen nicht zur Arbeit gehen (negative Verstärkung), kann auch dies dazu führen, dass das Verhalten (unbewusst) häufiger vorkommt. Dieses subjektive Erleben von „positiven“ Aspekten des Krankseins nennt man auch sekundären Krankheitsgewinn.

Das Zwei-Faktoren-Modell nach Mowrer

Das Zwei-Faktoren-Modell nach Mowrer drückt aus, dass ein Verhalten bzw. eine psychische Störung sowohl durch Prozesse der klassischen als auch durch Prozesse der operanten Konditionierung bedingt ist. Diese zwei Arten des Lernens sind wie folgt an der Entstehung einer Störung beteiligt.

  • Klassische Konditionierung
    • Maßgeblich für die Entstehung der Störung verantwortlich
    • Durch die Verknüpfung eines ursprünglich neutralen Reizes mit einem negativ besetzten Reiz wird eine pathologische Reaktion bzw. ein pathologisches Verhalten erlernt
  • Operante Konditionierung
    • Maßgeblich an der Aufrechterhaltung der Störung beteiligt
    • Durch Vermeiden des negativ besetzten Reizes im Sinne der negativen Verstärkung wird das erlernte Verhalten beibehalten bzw. nimmt sogar zu
  • Beispiel: Ein Schüler hält vor seiner Klasse einen Vortrag (ursprünglich neutraler Reiz) und wird von seinen Klassenkameraden ausgelacht (negativer Reiz). Er verknüpft diese beiden Reize miteinander und verweigert es im weiteren Verlauf, erneut Vorträge zu halten, um dem verletzenden Verhalten seiner Mitschüler zu entgehen (negative Verstärkung). Dadurch verstärkt er immer mehr sein Vermeidungsverhalten.

Sowohl bei der klassischen als auch bei der operanten Konditionierung werden Reize oder Reaktionen miteinander verknüpft. Im Rahmen der klassischen Konditionierung werden verschiedene Reize (bspw. Glockenläuten und Essensduft) miteinander verknüpft, im Rahmen der operanten Konditionierung ein Verhalten und seine Konsequenz (bspw. Verhalten: Zimmer aufräumen und Konsequenz: Fernsehschauen dürfen → Positive Verstärkung)!

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Nicht-assoziatives Lernentoggle arrow icon

Beim nicht-assoziativen Lernen erfolgt eine Verhaltensänderung im Laufe der Zeit als Reaktion auf einen einzelnen Reiz. Im Gegensatz zum Lernen durch Konditionierung erfolgt also keine Verknüpfung verschiedener Reize bzw. eines Verhaltens und seiner Konsequenz. Zum nicht-assoziativen Lernen zählen Habituation, Dishabituation und Sensitivierung.

  • Habituation (Reizgewöhnung): Die Reaktion auf einen Reiz nimmt ab, je öfter der Reiz präsentiert wird
    • Dishabituation: Präsentation eines neuen, fremden Reizes nach erfolgter Habituation → Reaktion auf den ursprünglichen Reiz nimmt wieder zu
  • Sensitivierung: Nach ggf. wiederholter Präsentation eines Reizes in starker Intensität nimmt die Reaktion auf den Reiz zu, auch wenn dieser in geringer Intensität präsentiert wird

Bei der Habituation kommt es zur Reizgewöhnung, sodass die Reaktion auf den Reiz (oder ähnliche Reize) schwächer wird. Im Gegensatz dazu kommt es bei der Sensitivierung zur Reizsensibilisierung, sodass die Reaktion auf den Reiz (oder ähnliche Reize) stärker wird!

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Weitere Formen des Lernenstoggle arrow icon

Lernen am Modell

Das Lernen am Modell (Synonym: Imitationslernen, Beobachtungslernen) bezeichnet im Vergleich zur klassischen oder operanten Konditionierung aktive Lernprozesse, die durch eine Beobachtung von Vorbildern (Mutter, Vater, Freunde, Fernsehfiguren etc.) geprägt sind. Komplexe Verhaltensweisen werden durch das Beobachten Dritter nachgemacht und dadurch erlernt. Je mehr sich der Beobachter mit dem Modell identifiziert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich das Verhalten aneignet .

  • Stellvertretende Verstärkung: Im Rahmen des Lernens am Modell erfolgt keine direkte Verstärkung wie bei der operanten Konditionierung. Es ist ausreichend, wenn das beobachtete Modell für seine Handlung verstärkt wird .
  • Die vier Phasen des Modelllernens
    • Aufmerksamkeitsphase: Das Individuum richtet seine Aufmerksamkeit auf das Modell
    • Behaltensphase: Das Individuum speichert das Gelernte in seinem Gedächtnis
    • Handlungsphase (Reproduktionsphase): Das Individuum führt das Erlernte aus
    • Motivationsphase: Die Motivation, das Erlernte auszuführen, steigt, je erfolgreicher das Modell und später auch das nachahmende Individuum mit seinem Verhalten ist

Preparedness
Manche Reaktionen und Verhaltensweisen sind biologisch determiniert. So fürchtet sich der Mensch bspw. von Natur aus vor manchen Dingen mehr als vor anderen, was in der Lerntheorie als Preparedness bezeichnet wird. Z.b. besteht biologisch eine höhere Bereitschaft, eine Angst vor Dunkelheit oder Spinnen zu erlernen als vor einem Hasen.

Kognitives Lernen

Lernen durch Einsicht

Beim Lernen durch Einsicht gelangt der Mensch spontan zu einem Lösungseinfall (Aha-Erlebnis), ohne im Vorfeld durch Versuch und Irrtum verschiedene Lösungsansätze ausprobiert zu haben. Dies gelingt ihm durch bereits vorhandene Kenntnisse und Erfahrungen aus früheren Erlebnissen. So kann bspw. ein Kind durch Nachdenken und Erinnern ähnlicher Situationen direkt auf die Idee kommen, auf einen Hocker zu steigen, um an sein Spielzeug im Regal heranzukommen.

Lernen durch Eigensteuerung

Beim Lernen durch Eigensteuerung ist das Verhalten weniger von der Umwelt gesteuert. Vielmehr beeinflusst der Mensch sein Verhalten selber, indem er sich persönliche Ziele setzt und sich für erfolgtes Verhalten selber belohnt oder bestraft. So kann sich etwa ein Student nach einem erfolgreichen Lerntag mit einem Besuch bei Freunden belohnen.

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Kognition: Wahrnehmung, Gedächtnis und Intelligenztoggle arrow icon

Unter Kognition versteht man bewusste und unbewusste Denkprozesse wie u.a. Wahrnehmung, Bewertung, Interpretation und Gedächtnis. Diese Prozesse laufen großteils unbewusst und gleichzeitig ab.

Wahrnehmung

Unbewusste kognitive Verarbeitungsprozesse

Wenn Reize so schwach oder von so kurzer Dauer sind, dass sie nicht bewusst, jedoch unbewusst wahrgenommen werden, so bezeichnet man sie als unterschwellige Reize.

  • Unterschwelliger Reiz (= Subliminale Wahrnehmung)
    • Große Kapazität: Im Rahmen unbewusster kognitiver Verarbeitungsprozesse können viele Reize gleichzeitig verarbeitet werden
    • Schnell: Die Reize werden schnell wahrgenommen und unbewusst kognitiv verarbeitet
    • Kontinuierlich: Die unbewussten kognitiven Verarbeitungsprozesse finden ununterbrochen statt
    • Anstrengungslos: Die unbewussten kognitiven Verarbeitungsprozesse finden ohne kognitive Anstrengungen statt
    • Automatisch: D.h. auch unabhängig von der „Denkleistung“ (bspw. Alter, IQ)

Bewusste kognitive Verarbeitungsprozesse (Exekutivfunktionen)

Sog. Exekutivfunktionen werden angewendet, wenn Personen mit komplexen bzw. neuen Anforderungen konfrontiert werden und ihre automatisierten Handlungen oder Denk- und Verhaltensmuster nicht mehr ausreichen, um diese zu verarbeiten.

  • Zu den Exekutivfunktionen gehören u.a.
    • Handlungsplanung
    • Handlungsüberwachung
    • Kognitive Flexibilität
    • Teilweise Funktionen des Arbeitsgedächtnisses
    • Inhibition
  • Das Ausführen exekutiver Funktionen erfordert Aufmerksamkeit und somit eine hohe kognitive Anstrengung
  • Lokalisation: Insb. Frontallappen

Beziehung zwischen Reizstärke und Empfindung

Die Psychophysik untersucht die subjektiv empfundene Stärke bei der Wahrnehmung von objektiv verschieden starken Reizen. Damit zwei Reizstärken als unterschiedlich stark wahrgenommen werden können, müssen sie die sog. Unterschiedsschwelle überschreiten. So müssen sich bspw. zwei Gewichte in einem gewissen Maß voneinander unterscheiden, damit sie als verschieden schwer wahrgenommen werden können. Mit zunehmendem Gewicht steigt auch der absolute Betrag, in dem sich die Gewichte voneinander unterscheiden müssen, um die Unterschiedsschwelle zu überschreiten – wobei der prozentuale Zuwachs jedoch konstant bleibt. Diese Beziehung formulierte Ernst Heinrich Weber 1834 in einem Gesetz.

  • Weber-Gesetz: Besagt, dass der wahrnehmbare Unterschied zwischen zwei verschieden schweren Gewichten in einem konstanten Verhältnis zum Ausgangsgewicht steht
    • Formel: c = Δφ / φ
    • c = Weber-Konstante, Δφ = Unterschied zwischen zwei Gewichten, φ = Ausgangsgewicht
  • Rechenbeispiel: In einer Versuchsreihe zum Kraftsinn gibt eine Person an, dass ein Gewicht mind. 14 g wiegen muss, um von ihr als ”schwerer als ein Gewicht von 10 g” empfunden zu werden. Um mind. wie viel Gramm müsste dann (gemäß Weber-Gesetz) ein Gewicht weniger als 70 g wiegen, um von der Person als ”leichter als ein Gewicht von 70 g” empfunden zu werden?
    • Gesucht: Δφ2
    • Gegeben: φ1 = 14 g, φ2 = 70 g
    • Formel: c = Δφ1 / φ1 = Δφ2 / φ2
  1. Errechnen von Δφ1
    • Δφ1 = 14 g - 10 g = 4 g
  2. Errechnen von c
    • c = Δφ1 / φ1 = 4 g / 14 g ≈ 0,29
  3. Errechnen von Δφ2
    • c = Δφ2 / φ2 ⇔ Δφ2 = c × φ2 = 0,29 × 70 g20 g
  • Interpretation: In der Versuchsreihe müsste ein Gewicht mind. 20 g weniger wiegen als 70 g, um von der Person als „leichter als ein Gewicht von 70 g“ empfunden zu werden

Gedächtnis

Siehe: Gedächtnis

Intelligenz

Als Intelligenz bezeichnet man die Fähigkeit, vernünftig und abstrakt zu denken und anschließend zweckmäßig zu handeln. Dabei werden verschiedene Komponenten der Intelligenz unterschieden (bspw. verbale und rechnerische Intelligenz sowie Problemlösefähigkeiten). Zur Messung der individuellen Intelligenz stehen diverse Intelligenztests zur Verfügung. Im Folgenden werden verschiedene Modelle und Theorien der Intelligenz sowie die gängigsten Intelligenztests vorgestellt.

Intelligenztheorien und dazugehörige Tests
Theorie Beschreibung Zugehöriger Intelligenztest
Zwei-Faktoren-Theorie (Generalfaktorenmodell) nach Spearman

Spearman geht davon aus, dass Intelligenz durch zwei Arten von Faktoren bestimmt wird.

  • Generalfaktor der Intelligenz (g-Faktor)
    • Allgemeine Intelligenzleistung, die für alle Aufgabenbereiche und Fragestellungen benötigt wird (unspezifische Fertigkeiten oder auch „elementare Informationsverarbeitungsprozesse“)
  • Spezifische Intelligenzfaktoren (s-Faktoren)
    • Spezifische Intelligenzleistung, die für spezielle Aufgabenbereiche und Fragestellungen benötigt wird
  • Wechsler Adult Intelligence Scale - IV (WAIS-IV; früher: HAWIE)
    • Beruht auf der Zwei-Faktoren-Theorie nach Spearman
    • Teilt sich in einen Verbalteil und einen Handlungsteil auf
    • Es wird ein Gesamt-IQ ermittelt
Mehrfaktorentheorie (Primärfaktorenmodell) nach Thurstone

Nach Thurstone besteht die Intelligenz aus sieben Primärfaktoren, die alle voneinander unabhängig sind.

  • Sieben Primärfaktoren der Intelligenz
    • Rechenfertigkeit
    • Sprachverständnis
    • Wortflüssigkeit
    • Räumliches Vorstellungsvermögen
    • Gedächtnis
    • Logisches Denken
    • Wahrnehmungsgeschwindigkeit
  • Intelligenz-Struktur-Test (IST)
    • Beruht auf der Mehrfaktorentheorie von Thurstone
    • Teilt sich auf in einen verbalen Teil, einen figuralen Teil, einen numerischen Teil und einen Teil zur Merkfähigkeit
    • Es wird jeweils ein IQ für die einzelnen Teile ermittelt
Modell der Intelligenzformen nach Cattell

Cattell unterscheidet in seinem Modell zwischen der fluiden und der kristallinen Intelligenz.

  • Fluide Intelligenz
    • Aufgaben und Probleme werden gelöst, ohne dass auf ein spezielles Wissen zurückgegriffen wird
    • Kulturunabhängig
    • Abnahme im Alter
  • Kristalline Intelligenz
    • Aufgaben und Probleme werden gelöst, indem auf zuvor erworbenes Wissen zurückgegriffen wird
    • Kulturabhängig
    • Bestehenbleiben im Alter
  • Grundintelligenztest (Culture-Fair-Intelligence-Test)

Bestimmung des IQ-Wertes
Intelligenztests wie bspw. der WAIS-IV beziehen sich auf den Durchschnittswert in einer Vergleichsgruppe (bspw. einer Altersgruppe). Auf der normalverteilten IQ-Skala ist der Mittelwert mit 100 Punkten und eine Standardabweichung mit 15 Punkten definiert. Von einer durchschnittlichen Intelligenz spricht man also bei einem IQ zwischen 85 und 115 Punkten, was einem Bereich von ± 1 Standardabweichung um den Mittelwert entspricht. Bei einer Normalverteilung liegen definitionsgemäß 68% der Werte in diesem Bereich. Wenn der ermittelte IQ-Wert bspw. hingegen zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert der Population liegen würde, müsste er 130 Punkte betragen.
Neben der IQ-Norm (Mittelwert 100, Standardabweichung 15) existieren noch eine Reihe weiterer Normwertskalen psychologischer Tests, deren Ergebnisse sich ineinander umrechnen lassen. So weisen bspw. T-Werte (T-Skala) einen Mittelwert von 50 und eine Standardabweichung von 10 auf. Ein T-Wert von 70 entspricht somit einem IQ-Wert von 130. Stanine-Werte (Stanine-Skala) weisen dagegen in einem begrenzten Wertebereich (1 bis 9) einen Mittelwert von 5 und eine Standardabweichung von 2 auf.

Neuropsychologische Veränderungen

Störungen der Kognition können sich in neuropsychologischen Veränderungen bemerkbar machen. Im Folgenden wird eine Reihe solcher Veränderungen vorgestellt. Die Wiederherstellung bestimmter Funktionen, bspw. durch rehabilitative Therapie, wird (Funktions‑)Restitution genannt.

  • Apraxie: Störung der Ausführung willkürlicher, zielgerichteter Bewegungen trotz intakter motorischer Funktion
    • Neuroanatomisches Korrelat / Geschädigter Bereich: Je nach Apraxieform unterschiedliche Gebiete der sprachdominanten Hemisphäre (u.a. Sprachzentren, primär motorischer Kortex, motorischer Assoziationskortex)
  • Agnosie: Störung der visuellen oder auditiven Wahrnehmung, ohne dass elementare Defizite der Sensorik bestehen
    • Neuroanatomisches Korrelat / Geschädigter Bereich: Optische Agnosie: Läsion in der Area striata
  • Prosopagnosie: Unfähigkeit, ein bekanntes Gesicht zu erkennen
    • Neuroanatomisches Korrelat / Geschädigter Bereich: Gyrus fusiformis (= Gyrus temporooccipitalis lateralis)
  • Alexie: Form der visuellen Agnosie, die zum Verlust der Lesefähigkeit führt
    • Neuroanatomisches Korrelat / Geschädigter Bereich: Je nach Alexieform unterschiedliche Hirnareale (meist Gyrus angularis)
  • Agrafie: Unfähigkeit des Schreibens
  • Perseveration: Wörter, Handlungen oder Gedanken werden vom Betroffenen immer wieder wiederholt
    • Neuroanatomisches Korrelat / Geschädigter Bereich: Je nach Perseverationsform unterschiedliche Bereiche (meist präfrontaler Kortex)
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Entwicklung und Sozialisationtoggle arrow icon

Unter Sozialisation versteht man den lebenslangen Prozess des Hineinwachsens eines Individuums in die Gesellschaft. Die primäre Sozialisation (0–3 Jahre) findet dabei vorwiegend in der Kernfamilie statt, während ab einem Alter von ca. 3 Jahren Freunde und Schule (sekundäre Sozialisation) sowie später das berufliche Umfeld (tertiäre Sozialisation) an Bedeutung gewinnen.

Entwicklung und Sozialisation im Kindesalter

Es existieren diverse Theorien zur Entwicklung und Sozialisation im Kindesalter. Man geht inzwischen davon aus, dass die Interaktion von biologisch-genetischen Faktoren und Umweltfaktoren die frühkindliche Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Im Folgenden werden die Theorie der kognitiven Entwicklung nach Piaget sowie Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung vorgestellt. Auch die verschiedenen Erziehungsstile und das daraus resultierende Bindungsverhalten haben einen Einfluss auf die Entwicklung und Sozialisation des Kindes und werden im Folgenden erläutert.

Die kognitive Entwicklung nach Piaget

Gemäß dem Erkenntnistheoretiker und Entwicklungspsychologen Jean Piaget erfolgt die kognitive Entwicklung durch das Wahrnehmen von Eindrücken aus der Umgebung. Die eigene Welt und die Umwelt stehen in einem Austausch miteinander und passen sich gegenseitig an. Im Zuge der Entwicklung durchläuft das Kind der Reihe nach bestimmte Entwicklungsstufen, in denen (laut Piaget) zwei kognitive Prozesse entscheidend sind: Assimilation und Akkommodation.

  • Assimilation: Neues Wissen und neue Wahrnehmungen passen sich dem aktuellen Entwicklungsstand an
  • Akkommodation: Der aktuelle Entwicklungsstand (mit seinen aktuellen Schemata) passt sich einem neuen Sachverhalt an, wird also erweitert
Stufenmodell nach Piaget
Stufe Wichtige Charakteristika

Stufe des sensomotorischen Denkens

(0–2 Jahre)

  • Erfassen der Umwelt durch die Koordination von Sensorik und Motorik (Berühren, Greifen, in den Mund nehmen etc.)
  • Erlernen der Objektpermanenz: Das Kind lernt, dass ein Gegenstand auch dann noch existiert, wenn es ihn gerade nicht wahrnehmen kann

Stufe des präoperationalen Denkens

(2–7 Jahre)

  • Fehlendes Begreifen der Mengeninvarianz: Wird eine Flüssigkeit aus einem breiten Gefäß in ein hohes Gefäß vor den Augen des Kindes umgefüllt, denkt das Kind, in dem hohen Gefäß befinde sich nun mehr Flüssigkeit
  • Egozentrismus: Das Kind ist noch nicht in der Lage, sich in die Position anderer hineinzuversetzen. So nimmt es etwa an, dass alle das sehen, was es selber gerade sieht
  • Zentrierung: Das Kind ist noch nicht in der Lage, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren
  • Denkweisen
    • Animistisch: Alle Objekte werden als lebendig wahrgenommen
    • Finalistisch: Die Natur existiert, um den Menschen zu dienen
    • Artifiziell: Alles auf der Erde wurde von anderen Menschen oder Gott erschaffen

Stufe der konkreten Operationen

(7–11 Jahre)

  • Kognitive Umformungen werden möglich und das Kind kann in Gedanken Inhalte durchspielen
    • Begreifen der Mengeninvarianz: Wird eine Flüssigkeit aus einem breiten Gefäß in ein hohes Gefäß vor den Augen des Kindes umgefüllt, begreift das Kind, dass sich lediglich die Form, nicht aber die Menge der Flüssigkeit geändert hat
    • Reversibilität: Das Kind kann sich Handlungen auch in umgekehrter Reihenfolge vorstellen

Stufe des formalen Denkens

(ca. ab dem 12. Lebensjahr)

  • Übertragung von Wissen und Operationen auf abstrakte Fragestellungen möglich
  • Hypothetisches Denken wird möglich
  • Phänomene wie "Wahrscheinlichkeit" und "Zufall" werden in das Denken einbezogen

Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung

Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung unterscheidet je nach der Begründung für ein Urteil zwischen drei verschiedenen Ebenen mit jeweils zwei Stufen, die im Entwicklungsprozess durchlaufen werden. In diesem Prozess entwickelt sich das zunächst "egoistische" Denken und Handeln eines Menschen immer mehr hin zu einem ethisch differenzierten Denken.

Stufenmodell der Moralentwicklung nach Kohlberg

Stufe

Charakteristika
Ebene 1 (vor dem 8. Lebensjahr): Präkonventionelle Moral
Stufe 1
  • Orientierung an Bestrafung und Gehorsam
    • Ein Verhalten wird ausgeführt bzw. nicht ausgeführt, um einer Bestrafung zu entgehen
    • Die Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere werden nicht berücksichtigt
Stufe 2
  • Orientierung am eigenen Wohl
    • Ein Verhalten wird ausgeführt bzw. nicht ausgeführt, um einen eigenen Vorteil zu erreichen
    • Die Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere werden folgendermaßen berücksichtigt
      • Rechtfertigung negativer Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere: "Der andere hatte Schuld.", "Wie du mir, so ich dir."
      • Rechtfertigung positiver Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere: "Ich helfe dir, wenn ich dadurch auch einen Vorteil habe."

Ebene 2 (frühes Jugendalter): Konventionelle Moral

Stufe 3
  • Orientierung und Bestreben nach Anerkennung: Ein Verhalten wird ausgeführt, um die Anerkennung von engen Bezugspersonen zu erlangen bzw. um deren Ablehnung zu vermeiden
Stufe 4
  • Orientierung an Gesetz und Regeln: Ein Verhalten wird ausgeführt, um vorgegebenen Regeln und Normen zu entsprechen
Ebene 3 (spätes Jugendalter): Postkonventionelle Moral
Stufe 5
  • Orientierung am sozialen Vertrag
    • Ein Verhalten wird ausgeführt, um dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen
    • Staatliche Regeln und Normen werden berücksichtigt, jedoch nicht als unveränderlich angesehen
Stufe 6
  • Orientierung an ethischen Grundregeln: Ein Verhalten wird ausgeführt, um ethischen Grundregeln (Gleichheit aller Menschen, Würde eines Menschen etc.) zu entsprechen

Erziehungsstile

Erziehungsstile nach Maccoby und Martin (1983)
Kontrolle durch die Eltern↑ Kontrolle durch die Eltern↓
Unterstützung durch die Eltern↑
  • Autoritativer Stil: Klare Strukturen, Akzeptanz
  • Permissiver Stil: Keine Forderungen, Akzeptanz
Unterstützung durch die Eltern↓
  • Autoritärer Stil: Machtausübung, Zurückweisung
  • Vernachlässigender Stil: Keine Orientierung, Zurückweisung

Die Bindungstheorie

Laut der Bindungstheorie hängt die soziale Entwicklung des Kindes zu einem großen Teil von der Qualität seiner Bindungen zu engen Bezugsperson ab. Diese Bindungsqualität wiederum ist abhängig von dem Umfang an Zuwendung und Stabilität, die ein Kind erfährt, aber auch von seiner Wesensart.

  • Fremde-Situations-Test: Ein Kind (12–24 Monate alt) wird wiederholt mit einer fremden Umgebung, einer fremden Person und insb. mit der Trennung von seiner Bezugsperson konfrontiert. Währenddessen wird sein Verhalten beobachtet.
    • Je nach Verhalten unterscheidet man vier Bindungsarten
      • Sicherer Bindungsstil: Das Kind reagiert auf die Trennung von der Bezugsperson mit Traurigkeit, lässt sich jedoch nach der Rückkehr der Bezugsperson von dieser schnell beruhigen
      • Unsicher-vermeidender Bindungsstil: Das Kind reagiert auf die Rückkehr der Bezugsperson kaum und zeigt nur wenig Emotionen
      • Ambivalent-unsicherer Bindungsstil: Das Kind reagiert auf die Trennung von der Bezugsperson mit ausgeprägter Traurigkeit, reagiert auf die Rückkehr der Bezugsperson jedoch ambivalent
      • Desorganisierter Bindungsstil: Das Kind reagiert auf die Rückkehr der Bezugsperson mit bizarrem oder stereotypem Verhalten und erwidert das Kontaktangebot nicht
        • Wird zusätzlich vergeben, wenn eine der ersten drei Reaktionen nicht aufrechterhalten wird

Theory of Mind

  • Definition: Kulturübergreifende Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und die Einzigartigkeit des eigenen Selbst (Selbsterkenntnis) und der Anderen sowie deren Handlungsmotivationen zu erkennen
  • Entwickelt sich im Säuglings- und Kindesalter

Entwicklung und Sozialisation im Lebenslauf

Die Entwicklung und Sozialisation des Menschen ist mit Abschluss der Kindheit nicht beendet, sondern findet auch im weiteren Leben kontinuierlich statt. Im Folgenden soll kurz der Einfluss beruflicher Belastungen auf die Entwicklung und Sozialisation betrachtet werden (tertiäre Sozialisation).

Berufliche Belastungen

Berufliche Belastungen, denen der Mensch mit steigendem Alter vermehrt ausgesetzt ist, können mitunter psychische und physische Erkrankungen mit sich bringen. Sowohl das Anforderungs-Kontroll-Modell als auch das Modell der Gratifikationskrisen beschreiben, unter welchen Umständen es vermehrt zu Belastungen kommt.

  • Anforderungs-Kontroll-Modell: Befasst sich vorwiegend mit Belastungen im Arbeitsumfeld der Patient:innen
    • Job Strain: Je höher die Anforderungen und je geringer die Möglichkeit zur Beeinflussung (Kontrolle) dieser Anforderungen, desto größer ist der Stress für den Betroffenen
  • Modell der Gratifikationskrisen nach Siegrist (1996): Zu Gratifikationskrisen kommt es, wenn ein Individuum für seinen Arbeitsaufwand und seine Leistungen nicht ausreichend gewürdigt wird
    • Mögliche Gratifikationen
      • Beförderungen
      • Sicherheit des Arbeitsplatzes
      • Angemessenes Gehalt
      • Lob und Anerkennung durch Kollegen/Vorgesetzte

Essstörungen
Essstörungen treten gehäuft im frühen Erwachsenenalter auf und können bspw. als eine Reaktion auf zwischenmenschliche Konflikte entstehen (sowohl aus dem beruflichen als auch aus dem privaten Umfeld). Die Anorexia nervosa ist geprägt durch selbst herbeigeführtes Untergewicht (bspw. durch Fasten oder exzessiven Sport). Bei der Bulimia nervosa stehen Heißhungerattacken im Vordergrund, wobei im Anschluss einer Gewichtszunahme bspw. durch selbst-induziertes Erbrechen entgegengewirkt wird, sodass die Betroffenen zumeist normgewichtig sind.

Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson

Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson enthält acht Phasen, die im Laufe eines Lebens erfolgreich durchlaufen werden sollen und von sozialen, biologischen und psychischen Aspekten beeinflusst werden. Dabei stellt jede Phase eine Art „Krise“ in einer bestimmten Lebenszeit dar, die erfolgreich bewältigt werden sollte (bspw. Autonomie vs. Scham und Zweifel im 2.–3. Lebensjahr).

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Wiederholungsfragen zum Kapitel Lernen, Kognition und Entwicklungtoggle arrow icon

Konditionierung

Beschreibe den Lernprozess der klassischen Konditionierung! Gehe auf die Begriffe neutraler Reiz, unkonditionierter Reiz und konditionierter Reiz ein!

Was versteht man in der klassischen Konditionierung unter Reizgeneralisierung? Was unter Reizdiskrimination?

Welche Prinzipien liegen der operanten Konditionierung zugrunde?

Was versteht man in der operanten Konditionierung unter Reizdiskrimination?

Verstärkung kann kontinuierlich oder intermittierend erfolgen. Was bedeutet das jeweils?

Erkläre das Token-System!

Was versteht man unter Prompting?

Was beschreiben die Begriffe Chaining und Shaping in der operanten Konditionierung?

Was versteht man unter Löschung in der operanten bzw. klassischen Konditionierung?

Wie lässt sich die Aufrechterhaltung einer Somatisierungsstörung durch negative und positive Verstärkung erklären?

Nicht-assoziatives Lernen

Was versteht man unter Habituation und Dishabituation?

Was versteht man unter Sensitivierung?

Weitere Formen des Lernens

Was versteht man unter Lernen am Modell?

Wie unterscheidet sich die Verstärkung beim Lernen am Modell von der bei der operanten Konditionierung?

Was versteht man unter Preparedness?

Kognition: Gedächtnis, Wahrnehmung und Intelligenz

Was bezeichnet man als unterschwelligen Reiz?

Wie nennt man die Wahrnehmung unterschwelliger Reize noch? Was sind ihre Charakteristika?

Welche zwei Intelligenzfaktoren unterscheidet die Zwei-Faktoren-Theorie nach Spearman?

Was versteht man unter kristalliner und fluider Intelligenz?

Was versteht man unter Apraxie?

Was bezeichnet man als Agnosie?

Welche neuropsychologische Veränderung kann bei Schädigung des Gyrus fusiformis auftreten?

Was versteht man unter Perseveration?

Entwicklung und Sozialisation

Wie heißen die Stufen der kognitiven Entwicklung nach Piaget und wann treten sie auf?

Welche Stufen der Moralentwicklung gibt es nach Kohlberg und wie sind sie charakterisiert?

Welches Bindungsstile kann man nach Anwendung des Fremde-Situations-Test unterscheiden?

Was versteht man unter Theory of Mind?

Was versteht man unter dem Anforderungs-Kontroll-Modell und was unter dem Modell der Gratifikationskrisen?

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