Zusammenfassung
Das Vorstellen von Patient:innen ist fester Bestandteil der ärztlichen Tätigkeit in der Klinik. Sie findet in unterschiedlicher Ausführlichkeit Anwendung bei der Frühbesprechung, der Visite oder auch der direkten Übergabe an Kolleg:innen. Grundsätzlich gilt es, in kürzester Zeit die wichtigsten Informationen über die zu behandelnde Person möglichst übersichtlich und verständlich zu vermitteln.
Allgemeine Hinweise
- Eine Patientenvorstellung will gut vorbereitet sein! Zuvor sollte man sich selbst einen Überblick über Anamnese, Befunde, Therapie und weiteres Vorgehen verschaffen und sich am besten ein paar Stichpunkte machen
- Nach Name, Alter und Geschlecht sollte möglichst bald das „Hauptproblem“ der zu behandelnden Person vorgestellt werden. Grundsätzlich muss darauf geachtet werden, sich nicht zu sehr in Details zu körperlichen Befunden zu verlieren
- Prinzipiell sollte die Vorstellung so kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig sein
Praktisches Vorgehen
Geschlecht, Name und Alter
- Diese wichtigen Informationen sollten immer am Anfang einer Patientenvorstellung stehen!
Grund für die Vorstellung/Anamnese
- Wann und mit welchem Leitsymptom stellte sich die betroffene Person in der Notaufnahme vor?
- Bei Einweisung durch eine niedergelassene Praxis: Wer hat die betroffene Person mit welcher Begründung eingewiesen?
- Bei Einlieferung mit dem Rettungswagen: Wer hat was beim Notruf gemeldet? Wie wurde die betroffene Person vorgefunden?
- Weitere wichtige anamnestische Angaben insb. zur krankheitsspezifischen Vorgeschichte
Körperliche Untersuchung
- Die wichtigsten Erkenntnisse aus der körperlichen Untersuchung sollten kurz zusammengefasst werden
Erste Verdachtsdiagnose und ggf. Differenzialdiagnosen
- Aus der Zusammenschau von Anamnese und körperlicher Untersuchung werden eine erste Verdachtsdiagnose und Differenzialdiagnosen formuliert, aufgrund derer die weitere Diagnostik erfolgt ist
Befunde weiterer Untersuchungen
- Nun sollten alle weiterführenden diagnostischen Maßnahmen kurz zusammengefasst werden
Weitere Evaluation
- Reevaluation der Verdachtsdiagnose
- Ggf. Begründung für stationäre Aufnahme
Ggf. ergänzende Informationen aus der Vorgeschichte
- Nachdem die Schilderung der Akutsituation abgeschlossen ist, können evtl. weitere relevante Vorbefunde/Erkrankungen genannt werden, die nicht im Zusammenhang mit dem akuten Krankheitsgeschehen stehen, aber für den stationären Aufenthalt relevant sein können
Kurze Verlaufsbeschreibung
- Bisheriges therapeutisches Vorgehen und Ansprechen auf die Therapie
- Aktueller Zustand der zu behandelnden Person
- Ggf. Komplikationen und im Verlauf neu aufgetretene Beschwerden
Weiteres Prozedere
- Sind noch weitere diagnostische und therapeutische Schritte geplant oder bereits angemeldet? Stehen noch Befunde aus (z.B. spezielle Laboruntersuchungen, Histologie)?
- Ggf. voraussichtlichen Zeitpunkt für die Entlassung nennen
- Ggf. auf ambulante Weiterbetreuung eingehen
Beispiel
Frau Muster ist eine 94-jährige Patientin, die sich gestern Abend mit Fieber, produktivem Husten und Dyspnoe sowie starker Abgeschlagenheit in der Notaufnahme vorstellte. Eine pulmonale Vorerkrankung ist nicht bekannt. In der klinischen Untersuchung fanden sich rechtsseitig feuchte Rasselgeräusche, die Vitalparameter waren stabil, die Sauerstoffsättigung lag bei 92% und die Temperatur bei 38,9 °C. Daraus ergab sich der dringende V.a. eine Pneumonie. Laborchemisch zeigten sich deutlich erhöhte Entzündungsparameter mit einem CRP von 86 mg/dL und Leukozyten von 16.000/μL. Blutkulturen wurden abgenommen. In der Röntgenaufnahme zeigte sich ein Infiltrat im rechten Oberlappen, sodass der initiale Verdacht bestätigt werden konnte. Aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes wurde die Patientin stationär aufgenommen. An Vorerkrankungen hat die Patientin einen Typ-2-Diabetes sowie eine arterielle Hypertonie. Sie erhält jetzt Amoxicillin/Clavulansäure i.v., eine Flüssigkeitssubstitution, 1 L Sauerstoff über die Nasenbrille und Antipyretika. Eine Atemtherapie ist bereits angemeldet. Wenn sich die Beschwerden bessern und die Patientin fieberfrei ist, kann die Antibiotikatherapie in zwei Tagen oral weitergeführt werden.