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Husten

Letzte Aktualisierung: 19.1.2021

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Husten ist ein häufiger Vorstellungsgrund in der allgemeinmedizinischen Praxis und oftmals Symptom einer pulmonalen Erkrankung. In der Anamnese gilt es zunächst zu klären, ob es sich um einen akuten oder einen chronischen (>8 Wochen) Verlauf handelt. Im Falle eines akut aufgetretenen Hustens ohne weitere Warnzeichen ist i.d.R. die körperliche Untersuchung mit Schwerpunkt auf der Lungenauskultation diagnostisch ausreichend. Liegen jedoch Warnzeichen wie bspw. starke Thoraxschmerzen, Dyspnoe oder Hämoptoen vor oder ist der Husten chronisch, sollten immer weitere Maßnahmen (z.B. Röntgen-Thorax, Lungenfunktionsuntersuchung) erfolgen. Zu den häufigsten Ursachen für einen akuten Husten zählen unspezifische Infekte der oberen Luftwege, Asthma bronchiale und eine akute kardiale Dekompensation. Chronischer Husten wird häufig durch obstruktive oder nicht-obstruktive Bronchitiden verursacht. Therapeutisch sollte immer die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund stehen.

Husten ist auch eines der Hauptsymptome bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und spielt daher gerade in der aktuellen Coronavirus-Pandemie eine zentrale Rolle (siehe auch: COVID-19).

Kräftiger Exspirationsstoß, bei dem sich die zuvor geschlossene Glottis öffnet. Ausgelöst wird der Husten entweder reflektorisch (durch den Hustenreflex) oder auch willkürlich. Durch den Expirationsstoß können bspw. Sekret oder Fremdkörper aus den Atemwegen entfernt werden.

  • Nach zeitlicher Dauer
    • Akuter Husten: ≤3 Wochen
    • Subakuter Husten: >3 und ≤8 Wochen
    • Chronischer Husten: >8 Wochen
  • Produktiv vs. unproduktiv

Hustenreflex

Anamnese bei Husten

Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die Red Flags bei Husten gelegt werden.

Die Red Flags sollten als Erstes evaluiert und behandelt werden!

  • Patientenkollektiv
    • Raucher:innen >45 Jahre mit neu aufgetretenem Husten oder Änderung des Hustencharakters
    • Personen im Alter von 55–80 Jahren mit mind. 30 Pack Years
  • Dauer: Akuter/subakuter (≤8 Wochen) vs. chronischer Husten (>8 Wochen)
    • Chronisch intermittierend vs. anhaltend
    • Tageszeitlicher Verlauf
    • Änderungen seit erstmaligem Auftreten
  • Auswurf
    • Auswurf vorhanden?
    • Farbe [1]
    • Konsistenz
    • Blutbeimengungen
  • Auslösende Faktoren
    • Kardiale Belastung
    • Umgebung
    • Beruf
    • Soziale Situation
    • Medikamenteneinnahme
    • Genussmittelkonsum (insb. Rauchen )
    • Tageszeit
    • Jahreszeit
    • Reiseanamnese
    • Impfstatus
  • Begleitsymptome
  • Vorerkrankungen: Insb. kardiovaskuläre, pulmologische, rheumatologische und neoplastische Vorerkrankungen

Während der aktuellen Coronavirus-Pandemie sollten stets die Möglichkeit einer COVID-19-Erkrankung bedacht und ggf. entsprechende diagnostische und präventive Maßnahmen eingeleitet werden (siehe auch: COVID-19-Diagnostik)!

Körperliche Untersuchung bei Husten

Folgende Aspekte und mögliche Hinweise sollten besonders berücksichtigt werden:

Für weitere Informationen zur klinischen Untersuchung siehe: Ablauf einer allgemeinen körperlichen Aufnahmeuntersuchung

Die nachfolgende Tabelle listet häufige ursächliche Erkrankungen auf, die mit bestimmten Red Flags einhergehen und einen sofortigen Handlungsbedarf anzeigen.[2][3][4][5][6]

Red Flags mit sofortigem Handlungsbedarf bei Husten

Lungenembolie

Pneumothorax

Kardiale Dekompensation

COPD bzw. Asthma bronchiale

Pneumonie Aspiration
Zeitlicher Verlauf der aktuellen Symptomatik
  • Plötzlicher Beginn
  • >20 min anhaltend
  • Plötzlicher Beginn
  • >20 min anhaltend
  • Symptomlose bzw. symptomarme Verläufe möglich
  • Akut bis subakut
  • >24 Stunden
  • Akuter Beginn
  • Plötzlich auftretend, anfallsartig
  • 20–30 min anhaltend
Dyspnoe

Auswurf (✓) (✓)
Hämoptysen (✓) (✓)
Thoraxschmerzen (✓) (✓)

(✓)

Fieber (✓)

Weitere häufige Befunde und Risikofaktoren

  • Schwächegefühl, Leistungsabnahme
  • Beinödeme
  • Zyanose
  • Nykturie
  • Beinödeme
Weiterführende Links

Legende: ✓ Häufig vorkommend, (✓) Gelegentlich vorkommend, — Nicht typisch

Die nachfolgende Tabelle listet häufige ursächliche Erkrankungen auf, die auf einen abwendbar gefährlichen Verlauf bei Husten hindeuten, jedoch keinen unmittelbaren Notfall darstellen.

Red Flags für einen abwendbar gefährlichen Verlauf bei Husten
Lungenkarzinom Lungentuberkulose Bronchiektase
Zeitlicher Verlauf der aktuellen Symptomatik
  • Schleichender Beginn
  • Ggf. schleichender Beginn
  • Schleichender Beginn
Dyspnoe (✓)
Auswurf (✓)
Hämoptysen (✓) (✓)
B-Symptomatik (✓)
Heiserkeit (✓)

Weitere häufige Befunde und Risikofaktoren

  • Hoher Tabakkonsum
  • Immunsuppression
  • Drogenabusus
  • Kontakt zu TBC-infizierten Patienten
  • Wohnsitzlosigkeit
Weiterführende Links
Legende: ✓ Häufig vorkommend, (✓) Gelegentlich vorkommend, — Nicht typisch

Akuter Husten

Ursache Charakteristika Wegweisende Diagnostik Therapie
Unspezifischer Virusinfekt der Luftwege
  • Häufigste Ursache für Husten bei Patient:innen zwischen 5 und 40 Jahren!
  • I.d.R. begleitet von Schnupfen, Hals- und Gliederschmerzen etc.
  • Rascher Beginn
  • Husten hält häufig noch länger als der Infekt an (postinfektiöser Husten), klingt aber zumeist innerhalb von 3 Wochen ab
  • Symptomatisch, da selbstlimitierende Erkrankung
Asthma bronchiale
  • Anfallsweise Dyspnoe mit exspiratorischem Stridor
  • Meist trockener, anfallsartiger Husten, ggf. zähes, glasiges Sputum
  • Ggf. saisonal oder umgebungsabhängig (bei allergischem Asthma)
  • Nachts verstärkt
Kardiale Dekompensation
Aspiration
Lungenembolie
  • Akut einsetzender trockener Husten
  • Meist Luftnot und atemabhängige Thoraxschmerzen
  • Gelegentlich Hämoptysen
  • Insb. bei Personen mit Risikofaktoren für eine TVT (bspw. Immobilität)
  • Rauchen als Risikofaktor
Pneumonie
  • Meist Fieber und starkes Krankheitsgefühl
  • Akuter Husten, i.d.R. mit Auswurf
Pneumothorax
  • Hochakutes Auftreten
  • Trockener Husten
  • Dyspnoe
  • Risikofaktoren sind eine vorbestehende COPD oder Bullae; zudem sind hochgewachsene, sportliche junge Männer häufiger betroffen
Pertussis
  • Relativ häufig
  • Stakkatoartiger Husten, v.a. nachts
  • Typischerweise vorgestreckte Zunge beim Husten, anschließendes Auswürgen von Schleim oder Erbrechen
  • Langer Verlauf
Pleuritis sicca
  • Entsprechend der Grunderkrankung
  • Analgetische Therapie (zusätzlich)
Inhalation von Reizstoffen
  • Anamnestische Hinweise
  • Trockener Husten
  • Dyspnoe
  • Meist Konjunktivitis und Rhinitis
  • Ggf. Begleitsymptomatik je nach inhaliertem Stoff

Chronischer Husten

Ursache Charakteristika Wegweisende Diagnostik Therapie
Chronische, nicht-obstruktive Bronchitis
  • Betrifft fast ausschließlich Raucher:innen
  • Husten mit Auswurf ohne Hinweise auf Obstruktion
  • Nikotinkarenz
  • Symptomatische Therapie
COPD
  • Betroffene sind häufig Raucher oder nehmen inhalative Antiobstruktiva ein
  • Chronischer Husten mit Auswurf (insb. morgendliches Abhusten von Sputum)
  • Dyspnoe
Asthma bronchiale
  • Meist anfallsartiger, trockener, chronischer Husten, evtl. mit Räusperzwang; nachts verstärkt
  • Anfallsweise Dyspnoe
  • Ggf. etwas zähes, glasiges Sputum
Sinubronchiales Syndrom
  • Häufig saisonal bedingt
  • Häufig in Kombination mit chronischen Nasennebenhöhlen-Entzündungen und Schnupfen
  • Eingeschränkte Nasenatmung
  • Chronischer Räusperzwang
  • „Postnasal drip“

Gastroösophagealer Reflux

Lungentuberkulose
Linksherzinsuffizienz
Bronchiektasen
  • Produktiver Husten mit voluminösem Auswurf („maulvoll“), besonders morgens
  • Rezidivierende Infekte, subfebrile und febrile Temperaturen im Wechsel
  • Bronchialtoilette
  • Nikotinverzicht
  • Interventionelle Verfahren
Medikamentös bedingt
  • Zeitlicher Zusammenhang des Hustens mit Beginn einer neuen medikamentösen Therapie
  • Chronischer, trockener Reizhusten
  • Medikamente absetzen
Lungentumoren
  • Relativ selten
  • Hämoptoe
  • B-Symptomatik
  • Oft anamnestisch (starker) Nikotinkonsum
  • Bei Personen >40 Jahre ist chronischer Husten mit relativ kurzer Anamnese immer karzinomverdächtig!
Interstitielle Lungenparenchymerkrankungen
  • Berufsanamnese
  • Chronischer trockener Husten
  • Progrediente Belastungsdyspnoe
Mukoviszidose
  • Symptomatische Therapie
Psychogener Husten
  • Extrem selten
  • Meist Räusperzwang
  • Chronischer, trockener Reizhusten
  • Keine spezifischen Befunde
  • Nach Ausschluss organischer Ursachen

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Die kausale Therapie sollte immer im Vordergrund stehen! (abhängig von der Grunderkrankung)
  • Symptomatische/supportive Therapie
    • Atemphysiotherapie
    • Medikamentöse Therapie
      • Expektoranzien (z.B. N-Acetylcystein (ACC) und Ambroxol): Wirksamkeit nicht sicher belegt, Einsatz umstritten
      • Antitussiva (z.B. Codein): Können bei unproduktivem Husten und gestörtem Nachtschlaf eingesetzt werden, Einsatz umstritten
      • Pflanzliche Präparate: Für bestimmte Präparate (z.B. Thymian in Kombination mit Efeu oder Primelwurzel) konnte eine Linderung von Hustensymptomen nachgewiesen werden

Dihydrocodein

Wirkstoff Dihydrocodein (z.B. Paracodin®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung und Indikationen
  • Husten und Hustenreiz: Dihydrocodein 10 mg p.o. als Tropfen bis zu 3×/Tag, bei i.d.R. verwendeter Formulierung der Präparate enthalten 20 Tropfen 10 mg Dihydrocodein
Indikationen
  • Husten und Hustenreiz insb. bei entzündlichen Affektionen der Atemwege wie z.B. Pharyngitis, Laryngitis, Tracheitis, Bronchitis, Pertussis sowie Husten bei Emphysem und Lungentuberkulose
  • Gelegentlich auch zur symptomatischen Behandlung von Diarrhöen
Zu beachten
  • Es empfiehlt sich, Paracodin-Tropfen nicht auf leeren Magen zu verabreichen
  • Verlängerte Dosierungsintervalle bei älteren Patient:innen beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Krankheitszustände, bei denen eine Dämpfung des Atemzentrums vermieden werden muss wie z.B. Ateminsuffizienz, akuter Asthmaanfall und Koma
  • Langzeitverabreichung bei chronischer Obstipation
  • Krankheitszustände mit starker Stauung von Bronchialsekret
  • Letztes Schwangerschaftstrimenon
  • Anwendung bei Kindern unter 4 Jahren
DANI
  • GFR <10mL/min: Verlängerte Dosierungsintervalle
DALI
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität
    • 1.–2. Trimenon: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingeschränkt verwendbar
    • 3. Trimenon: Kontraindikation
  • Stillzeit: Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Junger Mann mit anhaltendem Husten

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Altiner et al.: Sputum colour for diagnosis of a bacterial infection in patients with acute cough In: Scandinavian Journal of Primary Health Care. Band: 27, Nummer: 2, 2009, doi: 10.1080/02813430902759663 . | Open in Read by QxMD p. 70-73.
  2. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten. Stand: 1. Januar 2019. Abgerufen am: 31. August 2020.
  3. A. Sönnichsen, N. Donner-Banzhoff: Thoraxschmerzen - hausärztliches Dilemma zwischen Fehl- und Überdiagnostik In: ZFA - Zeitschrift für Allgemeinmedizin. Band: 82, Nummer: 5, 2006, doi: 10.1055/s-2006-933417 . | Open in Read by QxMD p. 223-230.
  4. J. Riedler: Respiratorische Notfälle im Kindes- und Jugendalter In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 159, Nummer: 10, 2011, doi: 10.1007/s00112-011-2420-8 . | Open in Read by QxMD p. 938-947.
  5. T.T. Bauer, G. Nilius, W. Grüning, K. Rasche: Diagnose und Therapie der COPD-Exazerbation In: Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin. 2012, doi: 10.1007/s00063-011-0065-y . | Open in Read by QxMD .
  6. Felix Holzinger, Sabine Beck, Lorena Dini, Christiane Stöter, Christoph Heintze: The Diagnosis and Treatment of Acute Cough in Adults In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2014, doi: 10.3238/arztebl.2014.0356 . | Open in Read by QxMD .
  7. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  8. Battegay (Hrsg.): Siegenthalers Differentialdiagnose. 20. Auflage Thieme 2012, ISBN: 978-3-133-44820-8 .
  9. S3-Leitlinie Husten. Stand: 28. Februar 2014. Abgerufen am: 25. Oktober 2017.
  10. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten. Stand: 1. Februar 2010. Abgerufen am: 25. Oktober 2017.