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Achalasie

Letzte Aktualisierung: 10.10.2017

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Die Achalasie (von griech. a- = „nicht“ und chalasis = „Nachlassen“, „Erschlaffung“) ist ein durch Störung der Ösophagusmotilität gekennzeichnetes Krankheitsbild, das in eine funktionelle Obstruktion am gastroösophagealen Übergang mündet. Die Peristaltik des Ösophagus und die Koordination der zeitgerechten Erschlaffung des unteren Ösophagus laufen gestört ab. Es resultieren charakteristische Funktionsanomalien, die in der entsprechenden bildgebenden und funktionellen Diagnostik festzustellen sind. Leitsymptom ist eine Dysphagie. Die Therapieoptionen umfassen medikamentöse und (endoskopisch) interventionelle Strategien.

  • Seltene Erkrankung
  • Geschlecht: =
  • Altersgipfel zwischen dem 25. und 60. Lebensjahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Primäre Achalasie

  • Ursache unbekannt (häufigste Form)

Sekundäre Achalasie

  • Dysphagie
  • Typisch: Erleichterung des Schluckaktes durch Nachtrinken
  • Regurgitation unverdauter, nicht saurer Speisen
  • Selten krampfartige retrosternale Schmerzen bei hypermotiler Achalasie
  • Rezidivierende Aspirationen nach Regurgitation
  • Gewichtsverlust durch gestörte Nahrungsaufnahme

Apparative Diagnostik

  • Endoskopie
    • Ösophagoskopie mit obligater Biopsie zum Karzinom-Ausschluss
    • Geweiteter Ösophagus mit segmentaler Kontraktion
  • Manometrie
    • Inkomplette oder fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters
    • Erhöhter Ruhedruck
    • Unterscheidung in hyper-, hypo- oder amotile Form
  • Ösophagusbreischluck
    • „Sektglasform“: Trichterförmige Engstellung des Kardiasegments und Erweiterung des prästenotischen Ösophagus

Medikamentös

Interventionell

  • Ballondilatation (pneumatisch): Methode der Wahl!
    • Erfolgsraten von 60%, Perforationsrisiko bis zu 5%
    • Die Hälfte der Behandelten muss wiederholt behandelt werden
  • Injektion von Botulinumtoxin in den unteren Ösophagussphinkter unter endoskopischer Kontrolle: 2. Wahl!
    • Schlechte Resultate bei jungen Patienten und in der Langzeitbehandlung
    • Nur 30% der Behandelten sind nach einem Jahr weiterhin beschwerdegebessert
    • Kann Vernarbungen verursachen, erschwert ggf. spätere Myotomie
  • Offene oder laparoskopische extramuköse Myotomie der Kardia und des unteren Ösophagussphinkters (modifiziert nach Gottstein und Heller)
    • Als kausale Therapie bspw. bei jüngeren Patienten vorzuziehen, wenn ein Zentrum für diese Operationstechnik erreichbar ist

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • K22.-: Sonstige Krankheiten des Ösophagus
    • K22.0: Achalasie der Kardia
      • Achalasie o.n.A.
      • Kardiospasmus
      • Exklusive: Angeborener Kardiospasmus (Q39.5)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  2. Dietel et al.: Harrisons Innere Medizin (2 Bände). 16. Auflage ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft 2005, ISBN: 978-3-936-07229-7 .
  3. Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. 1. Auflage Thieme 1999, ISBN: 978-3-131-12361-9 .
  4. Schumpelick et al.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer 2006, ISBN: 978-3-540-29040-7 .
  5. Riemann: Gastroenterologie in Klinik und Praxis. 1. Auflage Thieme 2007, ISBN: 978-3-131-58361-1 .