Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Silikose

Letzte Aktualisierung: 14.12.2020

Abstracttoggle arrow icon

Die Silikose ist eine wichtige Berufserkrankung der Lunge infolge anhaltender Inhalation von Quarzstaub. Von der Tatsache, dass sich dieser vermehrt in der Erdkruste befindet, lassen sich gefährdete Berufsgruppen wie beispielsweise Steinbruch- und Minenarbeiter ableiten. Klinisch kann die Erkrankung lange asymptomatisch bleiben, wenngleich radiologische Zeichen schon früh erkennbar sind. Pathognomonisch sind die sogenannten „Eierschalenhili“, sichelförmig verkalkte Lymphknoten im Lungenhilus, die neben feinnodulären, teils konfluierenden Verschattungen und retikulärer Zeichenvermehrung auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich ähnliche Befunde wie bei einer COPD, sodass hier die gleiche Therapie empfohlen wird. Es besteht ein erhöhtes Risiko sowohl für Tuberkulose als auch für ein Bronchialkarzinom.

  • Inhalation von Quarzstaub
    • Vorkommen: Glas-, Keramik-, Metall-, Porzellan-, Steinindustrie → meldepflichtige Berufskrankheit
    • Beispiele für Berufe/Tätigkeiten mit hoher Belastung: Sandformguss, Sandstrahlarbeiten in Holzverarbeitung o.ä., Bergbau, Tunnelbau
  1. Quarzstaub gelangt in die Atemwege
  2. Lagert sich in den Wänden der Bronchien ab → Entzündungsreaktion und Narbenbildung → Einengung der Bronchien (COPD!) und Emphysem durch Schrumpfungstendenz der Narbe
  3. Wird lymphogen abtransportiert → Verdickung der Hiluslymphknoten
  4. Gelangt in die Alveolen → Wird dort von Makrophagen phagozytiert → Makrophagen zerfallen und aktivieren FibroblastenStarke Entzündung mit hyalinisierender Fibrose → Verschmelzen miteinander und bilden Konglomerate und Schwielen

Für die Beschwerden und die Prognose ist die durch die Silikose bedingte obstruktive Ventilationsstörung ausschlaggebend!

  • Bildgebung: Röntgen und CT
    • Unkomplizierte Form
      • Multiple kleine Noduli symmetrisch über das gesamte Lungenparenchym verteilt, insb. in den Oberfeldern, bis in die Mittelfelder reichend; können verkalken
      • Retikulonoduläre Zeichnungsvermehrung (als Ausdruck verdickter Septen)
      • Eierschalenhili = randständige, oft sichelförmige Verkalkung der hilusnahen und mediastinalen Lymphknoten
    • Komplizierte Form
      • Auftreten sog. Konglomerattumoren
      • Ggf. Einschmelzungen der Konglomerattumoren
      • Im Verlauf ggf. Ausbildung eines Emphysems mit Bullae
  • Lungenfunktions-Untersuchung: Zeichen der Obstruktion (FEV↓) und Restriktion (Vitalkapazität↓)
  • Ggf. Lungenbiopsie

Oftmals schon radiologische Veränderungen im Frühstadium ohne klinische Symptomatik und ohne auffälligen Auskultationsbefund (ggf. Giemen und Brummen)!

  • Entspricht Behandlung der COPD

Da keine kausale Therapie existiert, ist es besonders wichtig, die Erkrankung früh zu erkennen!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Verringerung der Quarzstaubbelastung (z.B. Belüftung, Tragen von Masken)
  • Als Berufskrankheiten anerkannt sind folgende durch Quarzstäube verursachte Erkrankungen:
  • Für die Anerkennung als Berufskrankheit muss eine versicherte Tätigkeit nachgewiesen und ein typischer Röntgenbefund erhoben werden.
    • Grad der Minderung der Erwerbstätigkeit richtet sich nach der Funktionseinschränkung (Bestimmung z.B. durch eine Spiroergometrie mit Blutgasanalyse)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  2. Nowak: Arbeitsmedizin und klinische Umweltmedizin. 2. Auflage Urban & Fischer 2010, ISBN: 3-437-41169-1 .
  3. Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. 1. Auflage Thieme 1999, ISBN: 978-3-131-12361-9 .
  4. Krug et al.: Thoraxdiagnostik. Thieme 2005, ISBN: 978-3-131-37011-2 .