Zusammenfassung
Die Harnblase liegt im ungefüllten Zustand unmittelbar hinter der Beckensymphyse. Sie sollte für die Untersuchung ausreichend gefüllt sein, damit Wandverdickungen oder -tumoren eindeutig von der Harnblasenwand unterschieden werden können. Bei der Frau sollte zusätzlich die Vagina und der Uterus, beim Mann die Prostata und die Bläschendrüse orientierend beurteilt werden. Auch hier ist eine gut gefüllte Harnblase von Vorteil, da sie so als Schallfenster für die dahinter und darunter liegenden Organe genutzt werden kann.
Indiziert ist eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase u.a. bei Inkontinenz, Dysurie, Hämaturie und zur Restharnbestimmung. Bei Frauen kann die Sonografie des kleinen Beckens außerdem für eine erste Einschätzung bei unklaren Unterbauchbeschwerden, Raumforderungen im kleinen Becken oder vaginalen Blutungen genutzt werden. Beim Mann wird sie u.a. bei erhöhten PSA-Werten durchgeführt.
Physiologischerweise stellt sich die Harnblase als echofreies, homogenes Organ dar, dessen Wand scharf begrenzt und echoreich ist. Uterus, Vagina und Ovarien können in ihrem Aussehen je nach Zeitpunkt des Zyklus variieren. Zu den männlichen Geschlechtsorganen, die mithilfe der Abdomensonografie beurteilt werden können, gehören die Bläschendrüse und die Prostata, die sich als homogene, parenchymatöse Organe darstellen.
Anatomische Grundlagen
Harnblase
- Lage: Im kleinen Becken unmittelbar hinter der Beckensymphyse
- Form
- Im Querschnitt rechteckig
- Im Längsschnitt dreieckig
- Volumen: Je nach Füllungszustand 500–1.000 mL
Für eine ausführliche Erläuterung der Organe siehe: Harnblase.
Weibliche Geschlechtsorgane
Zu den weiblichen Geschlechtsorganen, die mithilfe der Abdomensonografie beurteilt werden können, gehören
- Uterus: Birnenförmiges Organ unmittelbar dorsal der Harnblase
- Eileiter: Paarig angelegte schlauchförmige Organe, die vom Fundus uteri ausgehen
- Ovarien: Paarig angelegte, eiförmige Organe, die sich an den lateralen Enden der Eileiter befinden
- Vagina: Muskulärer Schlauch am kaudalen Ende des Uterus
Für eine ausführliche Erläuterung der Organe siehe: Uterus, Tuba uterina, Ovar, Vagina und Vulva.
Männliche Geschlechtsorgane
Zu den männlichen Geschlechtsorganen, die bei einer Abdomensonografie mit beurteilt werden sollten, gehören:
- Prostata: Kastanienförmiges, parenchymatöses Organ, am kaudalen Pol der Harnblase
- Bläschendrüse: Paarig angelegte, ovale Drüse, die sich flügelartig der dorsalen Fläche der Harnblase anlegt
Für eine ausführliche Erläuterung der Organe siehe: Prostata, Bläschendrüse und Cowper-Drüse.
Indikationen
Harnblase
- Inkontinenz, siehe auch: Diagnostik der Harninkontinenz
- Dysurie
- Hämaturie
- Restharnbestimmung (bspw. prä- und postoperativ bei operativer Therapie der Harninkontinenz oder im Wochenbett)
- Harnverhalt
Weibliche Geschlechtsorgane
Eine suffiziente Beurteilung des Uterus und der Ovarien gelingt transabdominell meist nur bei sehr schlanken Patientinnen. Generell ist bei gynäkologischen Fragestellungen, wenn möglich, immer eine transvaginale Sonografie vorzuziehen, da sie der transabdominellen Sonografie hinsichtlich der räumlichen Auflösung überlegen ist und lokale Prozesse besser bewertet werden können. Eine transabdominelle Sonografie des weiblichen inneren Genitale ist z.B. bei Vaginalstenose oder Virgo intacta eine gute Alternative zum Vaginalultraschall.
- I.d.R. Mitbeurteilung im Rahmen der Abdomensonografie
- Sonstige
- Unklare Unterbauchbeschwerden
- Raumforderungen des kleinen Beckens
- Vaginale Blutungen
- Harnverhalt
- Dysmenorrhö
- Für weitere Informationen siehe auch: Diagnostik in der Gynäkologie und transvaginale Sonografie
Männliche Geschlechtsorgane
Für spezifische Fragestellungen (z.B. Ausdehnung eines Prostatakarzinoms) sollte eine transrektale Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, da die räumliche Auflösung in dieser Untersuchung deutlich höher ist und parenchymale Veränderungen deutlich besser beurteilbar sind.
- I.d.R. Mitbeurteilung im Rahmen der Untersuchung der Harnblase bei der Abdomensonografie
- Sonstige
- Miktionsstörungen
- Erhöhte PSA-Werte
- Unklarer Tastbefund bei der digitorektalen Untersuchung
Ebenen
- Suprapubischer Längsschnitt
- Suprapubischer Querschnitt
Durchführung
Sowohl die Harnblase als auch die Geschlechtsorgane werden im suprapubischen Längsschnitt und Querschnitt vollständig (d.h. über die Organgrenzen hinaus) in der Sagittal- und Transversalebene durchmustert. Die Harnblase sollte dabei immer gefüllt , und der Anpressdruck gering sein, damit ihre Wand adäquat beurteilt werden kann und um als Schallfenster für die darunter und dahinter liegenden Organe zu fungieren. [1]
Harnblase
Für den Normalbefund siehe: Normalbefund der Harnblase
Sagittale Durchmusterung
- Schallkopf suprapubisch im Unterbauchlängsschnitt aufsetzen und Schallwellen nach kaudal aussenden
- Dreiecksförmige Harnblase im Sagittalschnitt einstellen
- Kraniokaudalen Durchmesser ausmessen
- Schallkopf in der Sagittalebene zunächst nach rechts, anschließend nach links verschieben
- Harnblase komplett sagittal durchmustern
Transversale Durchmusterung
- Schallkopf um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen
- Harnblase im Querschnitt einstellen
- Ventrodorsalen Durchmesser und Querdurchmesser ausmessen
- Schallkopf zunächst nach kranial und anschließend nach kaudal verschieben
- Harnblase komplett im Querschnitt durchmustern
Weibliche Geschlechtsorgane
Sagittale Durchmusterung
- Schallkopf im suprapubischen Längsschnitt aufsetzen
- Gefüllte Harnblase als Schallfenster nutzen
- Uterus median-sagittal einstellen
-
Uterus ausmessen
- Länge (= kraniokaudaler Durchmesser): Vom Fundus bis zum kaudalen Ende der Zervix
- Dicke (= ventrodorsaler Durchmesser): Rechtwinklig zur Längsachse an der Stelle der max. Ausdehnung
- Endometrium an der dicksten Stelle rechtwinklig zur Uteruslängsachse ausmessen
- Schallkopf zu beiden Körperseiten schwenken
Transversale Durchmusterung
- Schallkopf um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen
- Schallkopf kontinuierlich nach kranial und kaudal bewegen
- Uterus komplett über die Organgrenzen hinaus in der transversalen Ebene durchmustern
- Ggf. Position des Schallkopfes an Ovarlängsachse anpassen
Männliche Geschlechtsorgane
Sagittale Durchmusterung
- Schallkopf im suprapubischen Längsschnitt aufsetzen und Schallwellen nach kaudal aussenden
- Schallkopf zu beiden Körperseiten schwenken
- Prostata komplett im Sagittalschnitt durchmustern
Transversale Durchmusterung
- Schallkopf um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen
- Bläschendrüse einstellen
- Bläschendrüse ausmessen
- Schallkopf nach kaudal kippen
- Schallkopf kontinuierlich nach kranial und kaudal schwenken
- Prostata im Querschnitt komplett durchmustern
- Bläschendrüse im Querschnitt komplett durchmustern
Normalbefund
Im Normalbefund stellt sich die Harnblase als echofreies, homogenes Organ dar, dessen Wand scharf begrenzt und echoreich ist. Uterus, Vagina und Ovarien können in ihrem Aussehen je nach Zeitpunkt des Zyklus variieren. Bläschendrüse und die Prostata stellen sich als homogene, parenchymatöse Organe dar.
Normalbefund der Harnblase
- Lage: Unmittelbar dorsal der Symphyse
- Umgebung: Douglas-Raum und Proust-Raum sollten frei von Flüssigkeit sein
- Form
- Dreieckig im Sagittalschnitt
- Rechteckig im Transversalschnitt
- Aussehen
- Dünne, echoreiche, scharf begrenzte Wand
- Echofreies Lumen mit dorsaler Schallverstärkung
- Schichtdickenartefakte können am dorsalen Rand der Harnblase auftreten und das Vorliegen von Koageln und Sludge vortäuschen
- Normwerte
Normalbefund der weiblichen Geschlechtsorgane
Uterus
- Lage
- Unmittelbar dorsal der Harnblase und ventral des Rektums
- Am häufigsten antevertierter und anteflektierter Uterus, bei dem sich die Uterusvorderwand auf das Blasendach legt (Anteversio uteri und Anteflexio uteri)
- Aussehen
-
Myometrium
- Homogenes, relativ echoarmes Parenchym
- Sollte bei normaler Anatomie und korrekter Schallebene ventral und dorsal des Endometriums die gleiche Dicke aufweisen
-
Endometrium
- Zum Myometrium scharf abgrenzbare, homogene Schicht ohne zystische Veränderungen
- Zwischen den beiden aufeinander liegenden Endometriumschichten kann Flüssigkeit erkennbar sein („Serometra“), die i.d.R. ohne Krankheitswert ist
- Aussehen stark abhängig vom Zyklustag, ggf. kann eine Dreischichtung erkennbar sein
-
Myometrium
- Normwerte Uterus
- Prämenarche
- Länge (kraniokaudal): ca. 2,5 cm
- Breite (transversal): ca. 2 cm
- Dicke (ventrodorsal): ca. 1 cm
- Nullipara
- Länge (kraniokaudal): ca. 7 cm
- Breite (transversal): ca. 4 cm
- Dicke (ventrodorsal): ca. 3 cm
- Primapara / Multipara
- Länge (kraniokaudal): ca. 9 cm
- Breite (transversal): ca. 5 cm
- Dicke (ventrodorsal): ca. 5 cm
- Prämenarche
- Normwerte Endometrium
- Prämenopausal: <10 mm
- Postmenopausal: <4 mm
Vagina
- Lage: Schließt sich ans kaudale Ende des Uterus an, dorsal der Harnblase, ventral des Rektums
- Form: Schlauchförmig
- Aussehen
- Homogenes Parenchym
- Isoechogen zum Myometrium des Uterus
- Zentraler echoreicher Streifen (= Lumenreflex)
Ovarien
- Lage: Beidseits lateral des Uterus
- Form: Ellipsoid
- Aussehen
Normalbefund der männlichen Geschlechtsorgane
Prostata
- Lage: Unmittelbar kaudal der Harnblase, ventral des Rektums
- Form
- Im Längsschnitt kastanienförmig
- Im Querschnitt queroval
- Aussehen
- Normwerte
- Länge (kraniokaudal): <4 cm
- Breite (transversal): <5 cm
- Tiefe (ventrodorsal): <3 cm
- Volumen
- Berechnung: Länge [cm] × Breite [cm] × Tiefe [cm] × 0,52
- <25 mL
Bläschendrüse
Pathologien
Für pathologische Befunde der Harnblase sowie der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane siehe auch: Bildatlas Sonografie → Pathologische Befunde der Harnblase und pathologische Befunde der Geschlechtsorgane.