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Harnverhalt

Letzte Aktualisierung: 20.2.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Harnverhalt stellt einen urologischen Notfall dar, bei dem zwischen akuten und chronischen Formen unterschieden wird. Der akute Harnverhalt äußert sich durch plötzliche Unfähigkeit zur Miktion bei praller Blase, einhergehend mit starken suprapubischen Schmerzen und vegetativer Symptomatik wie Blässe und Unruhe. Im Gegensatz dazu verläuft der chronische Harnverhalt oft schmerzarm oder asymptomatisch, kann aber bspw. zu Überlaufinkontinenz oder postrenalem Nierenversagen führen. Häufigste Ursache bei Männern ist die benigne Prostatahyperplasie; weitere Auslöser bei Männern und Frauen sind Kompression von außen, Harnröhrenstrikturen, Medikamente (Anticholinergika) oder neurologische Störungen wie ein Bandscheibenvorfall. Diagnostisch ist die Sonografie wegweisend, um das Blasenvolumen und einen möglichen Harnstau zu beurteilen. Die Akuttherapie besteht in der sofortigen Blasenentlastung mittels transurethralem oder suprapubischem Katheter. Letzterer ist insb. bei urethralen Verletzungen oder Prostatitis indiziert. Therapeutisch muss die zugrunde liegende Ursache behandelt werden, medikamentös können Alphablocker den Abfluss unterstützen.

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Ätiologietoggle arrow icon

Untere Harnabflussstörung [1][2]

Harnblase

Exkurs: Harnblasentamponade

  • Ursachen
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Klinische Untersuchung: Palpabler Unterbauchtumor
    • Sonografie: Komplette Harnblase mit inhomogenem Material unterschiedlichster Echogenität ausgefüllt, meist jedoch echoreich im Vergleich zum Urin
  • Therapie der Harnblasentamponade
    • Initiale Schmerztherapie und Gabe von Spasmolytika
    • Anlage eines transurethralen Spülkatheters: Ausräumung der Koagel und Spülen der Harnblase mit physiologischer Kochsalzlösung bis zum Sistieren der Blutung
    • Bei ausbleibendem Erfolg: Zystoskopie
      • Bei Bedarf: Ausräumung der Koagel
      • Falls Blutung nicht sistiert: Koagulation der Blutungsquelle

Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR, pTT, Thrombozyten) sollte erfolgen, um einer evtl. reduzierten Gerinnungsfähigkeit therapeutisch entgegenzuwirken! Eine Überwachung der Vitalparameter ist erforderlich, um kritische Blutverluste zu erkennen!

Harnröhre

Von außen

Funktionelle Ursachen

Neurogene Funktionsstörungen [1][3][4]

Koordinative Funktionsstörungen

Differenzierung neurogener koordinativer Blasenfunktionsstörungen [3][5]

Merkmal Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie

Detrusor-Blasenhals-Dyssynergie

Beteiligte

Muskeln

Pathophysiologie
Hauptrisiken
  • Schäden des oberen Harntrakts
  • Funktionelle Obstruktion

Detrusorunteraktivität/-akontraktilität

Medikamenteninduzierter Harnverhalt [1][6]

Einfluss von Medikamentengruppen auf Detrusor- und Sphinkterfunktion

Mechanismus Medikamentengruppe Wirkstoffbeispiele
Hemmung des Detrusors
  • Alle
  • Alle
Steigerung des Auslasswiderstandes
Kombinierte Wirkung
  • Alle

Andere

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Symptomatiktoggle arrow icon

Akuter Harnverhalt [8]

  • Plötzlicher Beginn
  • Unfähigkeit zur Miktion bei schmerzhaftem Harndrang
  • Suprapubische Schmerzen/Unterbauchschmerzen
  • Praller Unterbauchtumor, entsprechend tastbare Harnblase
  • Vegetative Symptomatik (Blässe, Unruhe)
  • Ggf. akutes Abdomen
  • Restharnmenge >500 mL

Chronischer Harnverhalt

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Diagnostiktoggle arrow icon

In der Akutsituation

Bei eindeutigen klinischen Zeichen eines Harnverhalts muss umgehend – vor weiterer Diagnostik – die vollständige Entlastung durch einen Harnblasenkatheter erfolgen!

Zur Ursachenabklärung [1]

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Erstmaßnahmen [1][2][4]

Bei Patient:innen mit Becken- oder Dammverletzungen oder einer Vorgeschichte von Harnröhrenstrikturen ist bei einer fachfremden Behandlung eine sofortige urologische Konsultation vor dem Versuch einer Blasenkatheterisierung in Betracht zu ziehen!

Eine schnelle und vollständige Entlastung der Harnblase wird empfohlen, da eine allmähliche Dekompression nachweislich keine Komplikationen verhindert! [12]

Weiteres Vorgehen [13]

  • Entlassung mit Dauerkatheter und ambulanter Katheterauslassversuch [13]
  • Stationäre Aufnahme bei

Kausaltherapie

Beseitigung der mechanischen Ursache

Bei funktioneller Ursache [14]

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Komplikationentoggle arrow icon

Komplikationen des Harnverhalts

Komplikationen der Harnblasenentleerung nach Harnverhalt [2][17]

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

  • R33: Harnverhaltung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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