Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Harnverhalt

Last updated: 18.10.2019

Abstract

Der Harnverhalt (Ischurie) ist ein urologischer Notfall, der sofort mittels Harnableitung therapiert werden sollte. Die Ursachen sind vielfältig, meist entsteht ein Harnverhalt jedoch bei einer vorbestehenden chronischen Blasenentleerungsstörung. Die Patienten sind nicht in der Lage zu miktionieren und klagen über akute Unterbauchschmerzen. Die Harnblase sollte unmittelbar mittels transurethralem oder suprapubischem Katheter entlastet werden, die weitere Therapie richtet sich dann nach der Ursache des akuten Harnverhalts.

Ätiologie

Bei den meisten Patienten, die mit einem akuten Harnverhalt vorstellig werden, besteht bereits vorher eine chronische Blasenentleerungsstörung mit Symptomen wie einem abgeschwächten, gespaltenen Harnstrahl, Pollakisurie und Restharngefühl. Durch Auslöser wie Alkoholkonsum oder die Gabe anticholinerger Medikamente kann es dann zu einem akuten Harnverhalt kommen.

Häufigste Ursachen

Sonstige Ursachen

Symptome/Klinik

  • Unfähigkeit zur Miktion
  • Suprapubische Schmerzen/Unterbauchschmerzen
  • Praller Unterbauchtumor
  • Vegetative Symptomatik (Blässe, Unruhe)
  • Ggf. Akutes Abdomen

Verlaufs- und Sonderformen

Harnröhrenstriktur (Urethrastenose)

Harnblasentamponade

  • Definition: Kommt es zu massiven Blutungen in der Harnblase, können sich Blutgerinnsel ausbilden, die die gesamte Harnblase ausfüllen. Dadurch verstopft der Harnblasenausgang und die Harnblase wird überdehnt.
  • Genese
  • Klinik
    • Druckschmerz über der Blase
    • Miktion ist nicht möglich
  • Diagnostik
    • Klinische Untersuchung: Palpabler Unterbauchtumor
    • Sonographie: Die komplette Harnblase ist mit inhomogenem Material unterschiedlichster Echodichte ausgefüllt, meist jedoch echoreich im Vergleich zum Urin
  • Therapie
    • Initiale Schmerztherapie und Gabe von Spasmolytika
    • Anlage eines transurethralen Spülkatheters: Ausräumung der Koagel und Spülen der Harnblase mit physiologischer Kochsalzlösung bis zum Sistieren der Blutung
    • Bei ausbleibendem Erfolg: Zystoskopie
      • Bei Bedarf Ausräumung der Koagel
      • Falls Blutung nicht sistiert: Koagulation der Blutungsquelle

Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR, pTT, Thrombozyten) sollte erfolgen, um einer evtl. reduzierten Gerinnungsfähigkeit therapeutisch entgegenzuwirken! Eine Überwachung der Vitalparameter ist erforderlich, um kritische Blutverluste zu erkennen!

Diagnostik

In der Akutsituation

Zur Ursachenklärung

Differentialdiagnosen

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Therapie in der Akutsituation → Entlastung der Harnblase

Allgemeine Therapieoptionen

Komplikationen

Überlaufblase

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Studientelegramme zum Thema

Interesse an wöchentlichen Updates zur aktuellen Studienlage im Bereich der Inneren Medizin? Abonniere jetzt das Studientelegramm! Den Link zur Anmeldung findest du am Seitenende unter "Tipps & Links"

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

  • R33: Harnverhaltung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Urologie Online Lehrbuch. . Abgerufen am: 1. Januar 2012.