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Traumatische Verletzungen der Niere und der ableitenden Harnwege

Letzte Aktualisierung: 8.5.2021

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Bei einem Nierentrauma handelt es sich um ein meist durch ein stumpfes Bauchtrauma ausgelöstes, akutes Krankheitsbild, das je nach Schwere einen urologischen Notfall darstellt. Ein klassisches Symptom ist der Flankenschmerz nach Sturz. Leichte Nierentraumata bleiben ohne therapeutische Konsequenz und können beobachtet werden, während höhergradige Verletzungen bis zur intensivmedizinischen Versorgung und Notoperation führen können.

Während ein isolierter Abriss des Harnleiters meist iatrogen bedingt ist, kommen Harnblasenverletzungen auch im Rahmen von Bauchtraumata vor. Als klassisches Symptom dominiert die Anurie in Verbindung mit abdominellen Schmerzen. Man unterscheidet intra- und extraperitoneale Harnblasenrupturen. Während extraperitoneale Verletzungen unter Katheterisierung meist selbst abheilen, erfordert die intraperitoneale Leckage eine operative Deckung – Peritonitis und Urosepsis kann hiermit vorgebeugt werden.

Nierentraumata

  • Ca. 90% der Fälle durch stumpfes Bauchtrauma

Harnblasenverletzungen

  • Häufig bei Frakturen des Beckens durch Traumata
  • Iatrogen bei transurethralen Operationen oder operativen Eingriffen im kleinen Becken
  • Selten bei Stich- oder Schussverletzungen

Nierentraumata

Gliederung der Nierentraumata nach der American Association for Surgery of Trauma 1995
Grad Morphologie
I Nierenkontusion mit subkapsulärem Hämatom
II Nierenparenchymeinriss <1 cm mit retroperitonealem Hämatom
III Nierenparenchymeinriss >1 cm mit retroperitonealem Hämatom ohne Urinom
IV Parenchymeinriss bis in die Tiefe des Nierenbeckens mit segmentalem Funktionsausfall und Urinom
V Komplett zerrissene Niere mit Hilusgefäßdissektion und vollständigem Funktionsausfall

Gliederung der Harnblasenverletzungen

Nierentraumata

Harnblasenverletzungen

Standard-Diagnostik bei abdominellem Trauma

Negativer Urin-Stix schließt eine Nierenverletzung nicht aus, da nicht jede Nierenverletzung das Nierenbecken und somit die ableitenden Harnwege mit betrifft!

Nierentraumata

Konservativ

  • Grad I-III mit stabilem Kreislauf
    • Bettruhe
    • Verlaufskontrolle der Vitalparameter (Monitoring)
    • Gabe einer Antibiotikaprophylaxe

Endoskopisch

  • Grad IV mit stabilem Kreislauf
    • Konservative Maßnahmen wie bei Grad I–III
    • Zusätzlich Sicherung eines adäquaten Harnabflusses

Operativ

  • Grad V und/oder Kreislaufinsuffizienz und/oder >25% eines segmentalen Funktionsausfalls und/oder massives Urinom und/oder Fremdkörperentfernung
    • Versuch der transperitonealen Nierenfreilegung und Deckung des Defekts
    • Ggf. Nephrektomie

Harnblasenverletzungen

  • Extraperitoneale, kleine Verletzung → konservatives Vorgehen
  • Große extraperitoneale Verletzungen und alle intraperitonealen Verletzungen → Offen-operative Versorgung!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Urologie Online Lehrbuch. . Abgerufen am: 1. Januar 2012.