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Bizepssehnenruptur

Letzte Aktualisierung: 12.2.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Der M. biceps brachii besitzt zwei Ursprünge: Das Caput longum entspringt am Tuberculum supraglenoidale der Scapula, das Caput breve am Proc. coracoideus. Gemeinsam inserieren beide Muskelbäuche über die distale Bizepssehne an der Tuberositas radii. Im Schultergelenk führt eine Kontraktion des Muskels zu einer Flexion bzw. Innenrotation und Abduktion (Caput longum) oder Adduktion (Caput breve). Im Ellenbogengelenk ist der M. biceps brachii der stärkste Supinator und zusammen mit dem M. brachialis für die Flexion zuständig.

Eine Ruptur der proximalen langen Bizepssehne geschieht meist infolge einer degenerativen Vorschädigung, wohingegen die deutlich seltenere Ruptur der distalen Bizepssehne meist durch ein direktes Trauma bedingt ist. Eine Ruptur der proximalen kurzen Bizepssehne kommt nur in Einzelfällen vor. Insb. die distale Bizepssehnenruptur ist eine klinische Diagnose, zum Frakturausschluss erfolgt jedoch meist eine Röntgenaufnahme und therapeutisch wird fast immer die operative Refixation empfohlen. Die Ruptur der proximalen langen Bizepssehne lässt sich häufig nicht eindeutig klinisch feststellen, sodass eine MRT-Diagnostik notwendig ist, auch um eine begleitende Rotatorenmanschettenruptur auszuschließen. Die Therapie kann sowohl konservativ als auch operativ erfolgen.

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Epidemiologie und Ätiologietoggle arrow icon

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Klassifikationtoggle arrow icon

Klassifikation nach Lokalisation der Ruptur

Klassifikation bei Ruptur der proximalen langen Bizepssehne (Arthroskopische Beurteilung)

Klassifikation der SLAP-Läsion nach Snyder (1990) [2][9]

Klassifikation der SLAP-Läsion nach Snyder
Typ Beschreibung
I
  • Auffaserung des superioren Labrums ohne Ablösung
  • Auffaserung des Bizepssehnenankers ohne Ablösung
II
  • Ablösung des Labrum-Bizepssehnen-Komplexes
III
  • Korbhenkelriss des superioren Labrums
  • Intakte Insertionsstelle der Bizepssehne
IV

Klassifikation der Bizeps-Pulley-Läsion nach Habermeyer (2004) [2][10]

Klassifikation der Bizeps-Pulley-Läsion nach Habermeyer
Typ Beschreibung
I
  • Isolierte Läsion des superioren glenohumeralen Ligaments
II
  • Läsion des superioren glenohumeralen Ligaments, kombiniert mit
  • Partieller artikularseitiger (ventraler) Ruptur des M. supraspinatus
III
  • Läsion des superioren glenohumeralen Ligaments, kombiniert mit
  • Artikularseitiger (ventraler) Ruptur des M. subscapularis
IV

Klassifikation bei Ruptur der distalen Bizepssehne (2017) [11]

Klassifikation der Ruptur der distalen Bizepssehne
Grad Ausprägung Beschreibung Therapeutische Konsequenz
Leichte Verletzung Muskelzerrung oder Tendinopathie
  • Strukturelle Veränderungen ohne Anzeichen einer Ruptur
  • Konservative Therapie ausreichend
Leichtgradige partielle Ruptur
  • ≤50% der Sehne rupturiert
Schwere Verletzung Hochgradige partielle Ruptur
  • >50% der Sehne rupturiert
  • Operative Therapie notwendig
Komplette Ruptur
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Symptomatiktoggle arrow icon

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

  • Fokus auf Unfallhergang
    • Art der Gewalteinwirkung
    • Unfallursache
  • Vorbestehende Erkrankungen und Dauermedikation
  • Sozialanamnese und weitere Risikofaktoren

Körperliche Untersuchung mit Fokus Schulter und Ellenbogen [1][2][6][12]

Klinische Tests

Klinische Tests: Untersuchungsergebnis je nach Lokalisation der Bizepssehnenruptur
Proximale lange Bizepssehne Proximale kurze Bizepssehne Distale Bizepssehne
Speed-Test Schmerzen/positiv Häufig nicht anwendbar Keine Schmerzen/negativ
Palm-Up-Test Schmerzen/positiv Häufig nicht anwendbar Keine Schmerzen/negativ
Upper-Cut-Test Schmerzen/positiv Häufig nicht anwendbar Keine Schmerzen/negativ
Squeeze-Test Negativ Ggf. positiv Positiv
Hook-Test Positiv Positiv Negativ
Therapie Konservativ oder operativ Meist operativ Fast immer operativ

Apparative Diagnostik

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Allgemeine Maßnahmen

Ruptur der proximalen langen Bizepssehne [2][12]

Therapieentscheidung

  • Abhängig vom individuellen Anspruch an Funktionalität und kosmetisches Ergebnis

Konservativ

  • Indikation
    • Geringer funktioneller und/oder kosmetischer Anspruch
    • Allgemeine Kontraindikationen für eine Operation
  • Vorgehen
    • Aufklärung über besseres funktionelles Ergebnis bei operativer Therapie
    • Kurzfristige Ruhigstellung
    • Anschließend Physiotherapie

Operativ

  • Indikation
    • Hoher Anspruch an Funktionalität
    • Kosmetischer Anspruch
    • Frühstadium nach Ruptur
    • Konservatives Therapieversagen
    • Beschwerdepersistenz
  • Vorgehen
    • Tenodese der langen Bizepssehne (LBS-Tenodese)
      • Zugang: Arthroskopisch , alternativ
        • Mini-open Operation
        • Offenes Verfahren
      • OP-Technik (Refixierungstechniken)
        • Interferenzschrauben
        • Ankersystem
      • Anatomische Lokalisation der Refixation
    • Evtl. zusätzliche Behandlung einer begleitenden Rotatorenmanschettenruptur
    • Postoperative Ruhigstellung und Physiotherapie für ca. 6 Wochen

Ruptur der proximalen kurzen Bizepssehne [4][5][13][14]

Therapieentscheidung

  • Kein genereller Konsens hinsichtlich der Therapie (aufgrund der geringen Fallzahl)

Konservativ

  • Indikation
    • Spätstadium nach Ruptur
    • Kein ausgeprägter Funktionsausfall
    • Allgemeine Kontraindikationen für eine Operation
  • Vorgehen
    • Ggf. kurzfristige Ruhigstellung zur Analgesie
    • Physiotherapie mit schmerzadaptiertem Belastungsaufbau

Operativ

  • Indikation
    • Frühstadium nach Ruptur
    • Funktionelles Defizit
    • Neurologisches Defizit
    • Konservatives Therapieversagen
  • Vorgehen
    • Meist offenes Verfahren: Direkte End-zu-End-Naht der Muskelstümpfe, ggf. zusätzliche Naht des Epimysiums
    • Postoperative Ruhigstellung für ca. 6 Wochen

Ruptur der distalen Bizepssehne [1][2][6][15]

Therapieentscheidung

  • Fast immer Indikation zur operativen Therapie [16]

Konservativ

  • Indikation
    • Allgemeine Kontraindikationen für eine Operation
    • Wenig Anspruch an Funktionalität
    • Ggf. bei Teilruptur
  • Vorgehen [7]
    • Aufklärung über besseres funktionelles Ergebnis bei operativer Therapie
    • Ruhigstellung bis zum Abklingen der Schwellung erwägen
    • Anschließend Physiotherapie

Operativ

  • Indikation
    • Fast alle Rupturen der distalen Bizepssehne
    • Konservatives Therapieversagen
  • Vorgehen [16]
    • Anatomische Refixation der distalen Bizepssehne an der Tuberositas radii
      • „Single-Incision“-Technik: Zugang auf der Beugeseite [15]
      • „Double-Incision“-Technik: Zugang auf der Beugeseite, zusätzlich dorsaler Zugang [17]
      • Ergebnis: Vergleichsweise höhere Patientenzufriedenheit, bessere Funktionalität und Kraft
    • Extraanatomische Fixierung
    • Postoperative Röntgenkontrolle
  • Nachbehandlung: Unterschiedliches Vorgehen (je nach Klinikstandard und OP-Verfahren), bspw. [17]

Die distale Bizepssehnenruptur wird fast ausschließlich operativ behandelt!

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Komplikationentoggle arrow icon

  • Konservative und operative Therapie [2][15]
    • Bewegungs- und Funktionseinschränkung
    • Kraftverlust
    • Kosmetische Beeinträchtigung
    • Schmerzen
    • CRPS
  • Operative Therapie [1][6][15]

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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3D-Anatomietoggle arrow icon

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3D-Modelle

Modellansichten

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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