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Metabolisches Syndrom

Letzte Aktualisierung: 19.1.2021

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Beim metabolischen Syndrom handelt es sich um einen kardiovaskulären Risikocluster bestehend aus stammbetonter Adipositas und zusätzlichen Faktoren wie Dyslipoproteinämie, Hypertonie und Glucosetoleranzstörung bzw. Diabetes mellitus Typ 2. Bei der Entstehung eines metabolischen Syndroms spielen hyperkalorische Ernährung und Bewegungsmangel eine wichtige Rolle und sind daher auch primärer therapeutischer Angriffspunkt. Sekundär werden Einzelkomponenten medikamentös behandelt.

Metabolisches Syndrom

  • Kriterien der International Diabetes Federation (IDF, 2005)
    1. Zentrale (stammbetonte) Adipositas mit Taillenumfang von ≥80 cm (Frauen) bzw. ≥94 cm (Männer)
    2. Zusätzlich zwei der vier folgenden Faktoren
      • Erhöhte Triglyceride: ≥150 mg/dL (>1,7 mmol/L)
      • Erniedrigtes HDL-Cholesterin
        • Frauen: <50 mg/dL (<1,29 mmol/L)
        • Männer: <40 mg/dL (<1,03 mmol/L)
      • Erhöhter Blutdruck
        • Systolisch ≥130 mmHg oder
        • Diastolisch ≥85 mmHg
      • Nüchternblutzucker ≥100 mg/dL (≥5,6 mmol/L) oder Diabetes mellitus Typ 2
  • Erweiterte Kriterien (keine Hauptkriterien): Hyperurikämie , gestörte Fibrinolyse, Mikroalbuminurie, Hyperandrogenämie (bei Frauen)

Übergewicht und Adipositas

Bezeichnung Body-Mass-Index (BMI, Quetelet-Index)*
Untergewicht <18,5
Normalgewicht 18,5–24,9
Übergewicht (Präadipositas) 25,0–29,9
Adipositas Grad I 30,0–34,9
Adipositas Grad II 35,0–39,9
Adipositas Grad III (sog. Adipositas permagna) ≥40
  • *Berechnung des BMI: Quotient aus Körpergewicht in Kilogramm und Körpergröße in Metern zum Quadrat (kg/m2)
  • Die Tabelle gilt nur für Erwachsene
  • Abdominale Adipositas: Taillenumfang von ≥88 cm (Frauen) bzw. ≥102 cm (Männer)

BMI (Rechner)

Definition und Prävalenz [1]

  • Definition: Nicht-alkoholisch bedingte Verfettung (5–10% Fettanteil) der Leber mit Gefahr der Entzündung und Zirrhosebildung
  • Epidemiologie (Prävalenz): Ca. 14–27% in Europa

Ätiologie

Klassifikation und Klinik

Die pathologischen und klinischen Stadien der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung sind mit denen der alkoholischen Fettlebererkrankung vergleichbar.

  1. Nicht-alkoholische Fettleber
  2. Nicht-alkoholische Steatohepatitis
    • Klinik: Etwa 50% symptomatisch mit Leistungsminderung, Oberbauchbeschwerden
    • Histologie: Inflammation, Ballonierung und Zelluntergang der Hepatozyten
  3. Leberzirrhose (eher selten )

Diagnostik [1][2][3]

Zwischen alkoholischer und nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung kann letztlich nur durch die Anamnese unterschieden werden!

Eine alkoholische Genese sollte auf jeden Fall ausgeschlossen werden!

Differentialdiagnostik: Ursachen einer sekundären Lebersteatose

Therapie [1][2][3]

  • Insb. Lebensstiländerung
    • Bewegungssteigerung
    • Gewichtsreduktion
    • Diätetische Maßnahmen
  • Optimierung der Diabetes-Behandlung
  • Auslösende Medikamente absetzen
  • Ggf. Ursodeoxycholsäure oder Vitamin E: Keine eindeutigen Daten zur Wirksamkeit

Verlaufskontrollen [4]

  • Halbjährliche Kontrolle : Klinik, Labor, Sono-Abdomen zum HCC-Screening und ggf. AFP
  • Ggf. Leberbiopsie nach Nutzen-Risiko-Abwägung bei V.a. Fortschreiten der NAFLD zur NASH oder zur Fettleberzirrhose

Prognose

  • Prinzipiell reversibel
  • Langsameres Fortschreiten als bei alkoholisch bedingter Fettleber

NAFLD-Fibrosis-Score [5]

  • Allgemeine Maßnahmen zur gesunden Lebensführung
    • Kalorienrestriktion, Ernährungsumstellung, körperliche Bewegung
    • Eventuell Verhaltenstherapie oder Gruppentherapie
  • Medikamentöse Behandlung der einzelnen Komponenten des metabolischen Syndroms
  • Leitliniengerechte Therapie der Adipositas
    • Konservative Therapie
      • Basisprogramm: Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie
      • Ggf. ergänzend medikamentöse Therapie: Orlistat (Hemmung von Lipasen im Gastrointestinalbereich → Hemmung der Absorption von Fetten)
    • Chirurgische Therapie: Bariatrische Chirurgie [7]
      • Definition: Operative Verfahren mit dem Ziel, die Nahrungsaufnahme des Körpers zu reduzieren
      • Verfahren
        • Meiste Evidenz: Roux-Y-Magenbypass, Schlauchmagen
        • Weitere effektive Verfahren: Omega-Loop-Magenbypass, biliopankreatische Diversion mit/ohne Duodenal Switch
      • Indikation: Versagen der konservativen Therapiemaßnahmen bei Vorliegen einer Adipositas permagna
      • Kontraindikation: Nichteinhalten von diätetischen Maßnahmen
      • Ziel: Verbesserung von Komorbiditäten und Steigerung der Lebensqualität
  • Schulungen für Eltern und Kinder zur ausgewogenen Ernährung, Empowerment“ (Programm zur Förderung von Körpergefühl und Bewegungsfreude) usw.

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  • Bei Vorliegen eines „metabolischen Syndroms“ sind die vorliegenden Komponenten des Syndroms einzeln zu kodieren

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. Stand: 1. April 2014. Abgerufen am: 1. November 2017.
  2. Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen". Stand: 1. Februar 2018. Abgerufen am: 10. November 2020.
  3. Weiß et al.: Non-Alcoholic Fatty Liver Disease In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2014, doi: 10.3238/arztebl.2014.0447 . | Open in Read by QxMD .
  4. Tannapfel et al.: The Indications for Liver Biopsy In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2012, doi: 10.3238/arztebl.2012.0477 . | Open in Read by QxMD .
  5. S2k-Leitlinie Nicht alkoholischeFettlebererkrankungen 2015. Stand: 1. Januar 2015. Abgerufen am: 2. Juli 2019.
  6. Leitlinienprogramm Onkologie: Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Stand: 1. Mai 2013. Abgerufen am: 2. Juli 2019.
  7. Angulo et al.: The NAFLD fibrosis score: A noninvasive system that identifies liver fibrosis in patients with NAFLD In: Hepatology. Band: 45, Nummer: 4, 2007, doi: 10.1002/hep.21496 . | Open in Read by QxMD p. 846-854.
  8. NAFLD-Fibrosis-Score .
  9. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  10. Wehling (Hrsg.): Klinische Pharmakologie. 1. Auflage Thieme 2005, ISBN: 3-131-26821-2 .
  11. Nissen et al.: Statin Therapy, LDL Cholesterol, C-Reactive Protein, and Coronary Artery Disease In: New England Journal of Medicine. Band: 352, Nummer: 1, 2005, doi: 10.1056/nejmoa042000 . | Open in Read by QxMD p. 29-38.
  12. Pott: Das metabolische Syndrom. 2. Auflage Schattauer 2007, ISBN: 978-3-794-52516-4 .