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Ertrinken

Letzte Aktualisierung: 27.10.2022

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Als Ertrinken bezeichnet man den innerhalb von 24 h eintretenden Tod infolge einer lebensbedrohlichen Submersion. Todesursache ist dabei die Asphyxie infolge einer Verlegung der Atemwege durch Wasser oder andere Flüssigkeiten. Aus rechtsmedizinischer Sicht wird i.d.R. zwischen typischem (Ertrinkungstod) und atypischem Ertrinken unterschieden. Das typische Ertrinken geschieht bei vollem Bewusstsein und ist vereinfacht durch den Kampf gegen das Ertrinken und die Aspiration von Flüssigkeit geprägt. Charakteristische Zeichen für diese Form sind Paltauf-Flecken, das Fritz-Zeichen und das Wydler-Zeichen. Das atypische Ertrinken zeichnet sich durch eine rasche Erstickung unter der Wasseroberfläche aus. Hierdurch sind charakteristische Zeichen des Ertrinkens sehr viel geringer ausgeprägt. Kenntnisse über die rechtsmedizinischen Merkmale des Ertrinkungstodes sind wichtig, um nachträglich ins Wasser verbrachte Leichen identifizieren zu können (Leichen-Dumping).

Das typische Ertrinken geschieht bei zunächst vollem Bewusstsein und erhaltenen Schutzreflexen. Bei einem Überlebenskampf gegen das Untertauchen findet ein Wechsel zwischen Inspiration von Luft und Aspiration von Wasser statt, wodurch sich postmortal charakteristische Ertrinkungszeichen nachweisen lassen.

Das atypische Ertrinken zeichnet sich durch einen schnellen Erstickungsvorgang aus, ohne dass die betroffene Person wiederholt Luft an der Wasseroberfläche holen kann. Durch eine fehlende inspiratorische Phase und dem Dominieren einer Aspiration von Wasser sind die "typischen" Befunde des Ertrinkens (Paltauf-Flecken, Wydler-Zeichen, Schaumpilz u.a.) sehr viel geringer ausgeprägt.

Beim Badetod kommt es i.d.R. zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust, aufgrund dessen der oder die Betroffene lautlos untergeht. Es handelt sich um eine seltene Form des Todes im Wasser, bei der postmortale Charakteristika des typischen Ertrinkens wie z.B. Flüssigkeit in den Lungen häufig völlig fehlen.

  • Treibverletzungen
  • Waschhautbildung; Fettwachsbildung (Adipocire); Verletzung der Leiche durch Leichenfraß, Schiffsschrauben etc.

Nur weil eine Leiche im Wasser gefunden wurde, muss die Todesursache nicht zwangsläufig Ertrinken sein, da Leichen mitunter nach ihrem Tod an andere Orte verbracht werden (sog. Dumping)!

  • T75.-: Schäden durch sonstige äußere Ursachen
    • T75.1: Ertrinken und nichttödliches Untertauchen
      • Schwimmkrampf
      • Untertauchen
  • X59.-:! Akzidentelle Exposition gegenüber sonstigen und nicht näher bezeichneten Faktoren
    • X59.9!: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Unfall
      • Ertrinken und Untergehen

Unfälle durch Ertrinken und Untergehen (W65W74)

  • Exkl.: Ertrinken und Untergehen durch:
    • Naturkatastrophe (X34–X39)
    • Transportmittelunfälle (V01–V99)
    • Wasserfahrzeugunfall (V90.-, V92.‑)
  • W65: Ertrinken und Untergehen in der Badewanne
  • W66: Ertrinken und Untergehen nach Sturz in die Badewanne
  • W67: Ertrinken und Untergehen im Schwimmbecken
  • W68: Ertrinken und Untergehen nach Sturz ins Schwimmbecken
  • W69: Ertrinken und Untergehen in natürlichem Gewässer
    • Inkl.: Fluss, Offene See, See, Strom
  • W70: Ertrinken und Untergehen nach Sturz in natürliches Gewässer
  • W73: Sonstiges näher bezeichnetes Ertrinken und Untergehen
    • Inkl.: Löschwasserbehälter, Staubecken
  • W74: Nicht näher bezeichnetes Ertrinken und Untergehen
    • Inkl.: Ertrinken o.n.A., Sturz ins Wasser o.n.A.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Gries: Notfallmanagement bei Beinahe-Ertrinken und akzidenteller Hypothermie In: Der Anaesthesist. Band: 50, Nummer: 11, 2001, doi: 10.1007/s00101-001-0241-1 . | Open in Read by QxMD p. 887-901.
  2. Muth et al.: Wasserrettung In: Der Anaesthesist. Band: 56, Nummer: 10, 2007, doi: 10.1007/s00101-007-1224-7 . | Open in Read by QxMD p. 1047-1057.
  3. van Berkel et al.: Pulmonary oedema, pneumonia and mortality in submersion victims; a retrospective study in 125 patients In: Intensive Care Medicine. Band: 22, Nummer: 2, 1996, doi: 10.1007/bf01720715 . | Open in Read by QxMD p. 101-107.
  4. Shenoi et al.: The Pediatric Submersion Score Predicts Children at Low Risk for Injury Following Submersions In: Academic Emergency Medicine. Band: 24, Nummer: 12, 2017, doi: 10.1111/acem.13278 . | Open in Read by QxMD p. 1491-1500.
  5. Madea, Dettmeyer: Basiswissen Rechtsmedizin. 1. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-71428-6 .
  6. Skriptum Rechtsmedizin .