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Leishmaniose

Letzte Aktualisierung: 5.8.2021

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Die Infektion mit Protozoen aus der Gruppe der Leishmanien erfolgt über die Sandmücke als Vektor und führt zum Krankheitsbild der Leishmaniose. Abhängig vom Subtyp und Immunstatus des Infizierten kann es zur kutanen und/oder viszeralen Verlaufsform kommen. Bei der kutanen Verlaufsform imponieren „Beulen“, die von innen nach außen abheilen und auch „Aleppo-Beulen“ genannt werden. Die viszerale Verlaufsform „Kala-Azar“ geht mit generalisierter Lymphadenopathie und Organbefall (Hepato- und Splenomegalie) einher. Die unbegeißelten Formen der Leishmanien sind im Blut- oder Knochenmarksausstrich nachweisbar, da sie sich bevorzugt im Zytoplasma von Makrophagen ansiedeln. Insbesondere bei gleichzeitiger Immunsuppression hat die viszerale Leishmaniose eine ungünstige Prognose und sollte medikamentös behandelt werden. Die Therapie erfolgt abhängig von Verlaufsform, Erregerspezies und Immunstatus des Patienten lokal oder systemisch, zu den eingesetzten Substanzen zählen bspw. Antimon, Paromomycin oder Ketoconazol.

  • Vorkommen: Mittelmeerregion, Zentral- und Südwestasien (insb. Syrien ) , Afrika, Indien, Süd- und Mittelamerika [1][2]
  • Häufigkeit: Bis zu 1 Mio. Infektionen pro Jahr und 20.000–30.000 Todesfälle weltweit pro Jahr [3]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Kutane Leishmaniose

  • Synonyme: Aleppo-Beule, Orient-Beule
  • Inkubationszeit: Wochen bis Monate
  • Klinik: Einzelne oder multiple rötlich gefärbte Makulä/Papeln an der Einstichstelle , die sich schnell vergrößert und zu einer zentral ulzerierten Beule entwickelt
  • Abheilung: Innerhalb von 2–15 Monaten, spätestens nach zwei Jahren unter Narbenbildung

Mukokutane Leishmaniose

  • Inkubationszeit: Wochen bis Jahre
  • Klinik: Haut und Schleimhautbefall (v.a. des Nasopharynx) und im Verlauf auch Befall thorakaler Organe (z.B. Larynx, Trachea)
  • Komplikationen: Superinfektion der destruierten Strukturen, Schluckunfähigkeit mit daraus resultierender Kachexie

Viszerale Leishmaniose

Hautleishmaniose / Mukokutane Leishmaniose [1]

  • Indikationen zur Diagnostik
    • Aufenthalt in einem Leishmaniose-Endemiegebiet innerhalb der letzten Monate und
    • Nicht heilende Veränderungen von Haut oder Schleimhaut über 4 Wochen
  • Diagnosestellung: Anhand klinischer Manifestation und Erregernachweis
  • Probengewinnung: Bspw. mittels Stanzbiopsie, „Skin scraping“ , „Slit skin smear“ oder Aspirat
  • Methoden des Leishmaniennachweises
    • Mikroskopisch
      • Vorteile: Spezifisch und zeitnah durchführbar
      • Nachteile: Oft geringe Sensitivität und Notwendigkeit eines erfahrenen Untersuchers
    • Molekularbiologisch: Mittels PCR
      • Vorteile: Hohe Sensitivität
      • Nachteile: Durchführung nur in Speziallabors
    • Leishmanienkultur
      • Vorteile: Hohe Spezifität
      • Nachteile: Durchführung nur in Speziallabors und ggf. lange Dauer bis zum positiven Nachweis (bis 10 Tage)

Viszerale Leishmaniose (Kala-Azar) [4]

Die Leishmaniose tritt in Deutschland selten auf, bzgl. ihrer Therapie sollten tropenmedizinische Institute kontaktiert werden. Aufgrund der Komplexität der Behandlung verweisen wir hier für detaillierte Therapiehinweise ausdrücklich auf die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit. [1][4]

Hautleishmaniose / Mukokutane Leishmaniose [1]

Die Wahl der Therapie hängt vom Ausmaß der Läsionen (einfach oder komplex) sowie von der ursächlichen Leishmanienspezies ab. Vor der Behandlung sollte daher unbedingt die Leishmanienspezies differenziert werden. Die Hautleishmaniose kann spontan ausheilen, sodass eine Therapie nicht immer notwendig ist.

  • Lokale Therapie
    • Indikationen
      • Einfache Läsionen durch Leishmanien der „alten Welt“ oder L. mexicana
      • Kontraindikationen für systemische Therapie (z.B. Schwangerschaft) bei anderen Formen
    • Therapieformen (auszugsweise)
      • Periläsionales Antimon in Kombination mit Kryotherapie
      • Paromomycin
      • Thermotherapie
      • Abwartendes Vorgehen
  • Systemische Therapie

Viszerale Leishmaniose [4]

  • Stets Indikation für eine systematische Therapie!
  • Verwendete Substanzen
    • 1. Wahl: Liposomales Amphotericin B i.v.
    • 2. Wahl: Miltefosin p.o.
      • Beachte Rote-Hand-Brief zu Miltefosin: Risiko okulärer Veränderungen inkl. Keratitis [5]
    • Fünfwertige Antimonverbindungen nur als Reservemittel
  • Expositionsprophylaxe [3]
    • Körperbedeckende Kleidung
    • Repellents, imprägnierte Mosquitonetze
  • Keine Impfung oder Chemoprophylaxe verfügbar
  • Keine Meldepflicht für Ärzte und Labore

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du im Kapitel Meditricks.

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  • Z26.-: Notwendigkeit der Impfung [Immunisierung] gegen andere einzelne Infektionskrankheiten
    • Exklusive: Impfung:
      • gegen Krankheitskombinationen (Z27.‑)
      • nicht durchgeführt (Z28)
    • Z26.0: Notwendigkeit der Impfung gegen Leishmaniose

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der kutanen und mukokutanen Leishmaniasis in Deutschland. Stand: 1. November 2010. Abgerufen am: 8. Oktober 2017.
  2. Leishmaniasis. Stand: 1. Januar 2015. Abgerufen am: 26. Juni 2018.
  3. Fact Sheet Leishmaniasis. Stand: 14. März 2018. Abgerufen am: 25. Juni 2018.
  4. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der viszeralen Leishmaniasis (Kala-Azar). Stand: 30. November 2016. Abgerufen am: 26. Juni 2018.
  5. Rote-Hand-Brief zu Miltefosin (Impavido® 10 mg/50 mg Kapseln): Neuer Warnhinweis zu okulären Veränderungen, unter anderem Keratitis. Stand: 5. Februar 2021. Abgerufen am: 8. Februar 2021.
  6. Löscher, Burchard: Tropenmedizin in Klinik und Praxis: mit Reise- und Migrationsmedizin. Thieme 2010, ISBN: 978-3-137-85804-1 .
  7. Jelinek: Kursbuch Reisemedizin. 1. Auflage Thieme 2012, ISBN: 978-3-131-67171-4 .
  8. Jha, Noiri: Kala Azar in South Asia. 1. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-9-400-70277-6 .
  9. Suttorp: Infektionskrankheiten. 1. Auflage Thieme 2003, ISBN: 978-3-131-31691-2 .
  10. Epidemiologisches Bulletin Nr. 39/2016. Stand: 4. Oktober 2016. Abgerufen am: 25. Juni 2018.
  11. Herold et al.: Innere Medizin 2020. Herold 2020, ISBN: 978-3-981-46609-6 .