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Lymphknotenschwellung

Letzte Aktualisierung: 11.2.2026

Allgemeinmedizin kompakt: Lymphknotenschwellungtoggle arrow icon

Initiales Vorgehen

Ziel: Maligne vs. entzündlich-reaktiv unterscheiden

  • Anamnese
  • Palpation (immer bds. + ggf. weitere Lymphknotenstationen )
    • Schmerz, Konsistenz, Verschieblichkeit
  • Untersuchung des entspr. Lymphabflussgebiets
    • Zervikal/submandibulär: Mund/Rachen, Otoskopie
    • Axillär: Arm/Hand, Mammapalpation (auch )
    • Inguinal: Bein, Genital
  • Abdominelle Palpation

Warnzeichen

Siehe auch: Charakteristika benigner und maligner Lymphknotenschwellungen

Wichtige Ursachen

Siehe auch: Differenzialdiagnose Lymphknotenschwellung

Weiteres Prozedere

Weitere Diagnostik nur bei Malignitätsverdacht oder unklarem Auslöser!

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Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Lymphknoten sind die „Filterstationen“ des Lymphsystems und an der Aktivierung des Immunsystems beteiligt. Eine Lymphknotenschwellung findet sich daher in erster Linie im Rahmen von Entzündungen sowie bei malignen Erkrankungen. Benigne Ursachen sind zwar wesentlich häufiger, maligne Ursachen müssen jedoch aufgrund ihrer schwerwiegenden Konsequenzen immer mitbedacht werden. Hierbei spielt die klinische Untersuchung die wichtigste Rolle. Ist ein Lymphknoten akut schmerzhaft vergrößert und liegen Zeichen für eine lokale oder systemische Infektion vor, spricht dies eher für eine infektiöse/benigne Lymphknotenschwellung. Bei einer schmerzlosen, progredienten Lymphknotenschwellung ist ein malignes Geschehen zu bedenken. Weiterführende Diagnostik (z.B. Serologien, Bildgebung) ist bei Unklarheiten bzgl. der Diagnose und der therapeutischen Konsequenz indiziert. Lässt sich eine Malignität nicht sicher ausschließen, muss die Exstirpation und histologische Untersuchung des bzw. eines der betroffenen Lymphknoten erfolgen.

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Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Physiologische Funktionen von Lymphknoten
  • Aufbau physiologischer Lymphknoten
    • Form und Größe: Nierenförmig, wenige Millimeter
    • Zonen
  • Lymphknotenstationen
    • Regionäre Lymphknoten: Erhalten und filtern die Lymphe direkt aus einem umschriebenen Gebiet
    • Sammellymphknoten: Erhalten bereits „gefilterte“ Lymphe aus den vorgeschalteten regionären Lymphknoten
  • Lymphgefäß-Hauptstämme
  • Pathophysiologie einer Lymphknotenvergrößerung
    • Proliferation und Ansammlung von Zellen des Immunsystems im Rahmen einer lokalen/systemischen Entzündungsreaktion
    • Maligne Proliferation von Zellen, die sich im entsprechenden Lymphknoten abgesiedelt haben
    • Speicherkrankheiten: Ablagerung von Stoffwechselprodukten

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Diagnostiktoggle arrow icon

Eine tastbare Schwellung ist ein häufiger Beratungsanlass und oft angstbesetzt, obwohl nur selten eine maligne Erkrankung die Ursache ist. Die Herausforderung besteht darin, Ängste zu reduzieren und gleichzeitig die wenigen malignen Fälle nicht zu übersehen!

Anamnese bei Lymphknotenschwellung

  • Dauer der Lymphknotenveränderung
  • Schmerzhaftigkeit
  • Begleitsymptome
  • Grunderkrankungen
  • Medikamenteneinnahme
  • Reise- und Impfanamnese
  • Sexual- und Drogenanamnese
  • Kontakt mit Tieren

Körperliche Untersuchung bei Lymphknotenschwellung

Untersuchung der betroffenen (und ggf. weiterer) Lymphknotenstationen

  • Inspektion
    • Sichtbare Vergrößerung?
    • Lokale Rötung?
    • Zeichen einer Lokalinfektion/Verletzung im Abflussgebiet?
    • Zeichen einer Lymphangitis?
  • Palpation
    • Vorgehen
      • Zur Abgrenzung von umliegenden Strukturen (z.B. Muskeln und Sehnen) sollte die Untersuchungsregion entspannt sein
      • Vorsichtige Palpation mit den Fingerspitzen
      • Immer im Seitenvergleich
    • Beurteilung
      • Einschätzung von Größe, Dolenz, Konsistenz, Verschieblichkeit und ggf. Progress im zeitlichen Verlauf
      • Unterscheidung zwischen lokalisierter und generalisierter Lymphknotenschwellung

Weitere körperliche Untersuchung

Jeder tastbare Lymphknoten gilt als vergrößert!

Charakteristika benigner und maligner Lymphknotenschwellungen
Charakteristika Aspekt bei wahrscheinlich benigner bzw. entzündlicher Ursache Aspekt bei wahrscheinlich maligner Ursache
Dolenz Dolent Häufig indolent
Konsistenz Weich Häufig derb
Verschieblichkeit Gut Häufig schlecht
Hinweise aufgrund der Lokalisation Zervikal , inguinal Zervikal , supraklavikulär, axillär
Auftreten und Progress Akutes Auftreten ohne langfristig progrediente Vergrößerung Langsame Entstehung mit progredienter Vergrößerung

Weiteres Vorgehen [1]

Nicht malignitätsverdächtige Lymphknotenschwellung

  • Akut aufgetretene, schmerzhafte (lokale oder systemische) Lymphknotenschwellung, die mit einer Verletzung/Infektion in Zusammenhang gebracht werden kann
  • Lokale Lymphknotenschwellung, die seit längerer Zeit besteht und nicht progredient ist
    • I.d.R. keine weitere Diagnostik erforderlich

Malignitätsverdächtige Lymphknotenschwellung

  • Definition: Generalisierte oder lokale, schmerzlose Lymphknotenschwellung, die langsam progredient ist, oder bei jeglicher Form von unklarer Lymphknotenschwellung mit Malignitätsverdacht
  • Labordiagnostik: Blutbild mit Differenzialblutbild, Leber- und Nierenwerte, ggf. Tuberkulose-Abklärung, ggf. Blutausstrich, ggf. LDH und Harnsäure
  • Bildgebung
    • Sonografie
      • Abgrenzung von Lymphknotenschwellungen gegenüber anderen Pathologien wie Zysten o.ä.
      • Hinweise auf Genese der Lymphknotenschwellung
        • Entzündlich veränderter/physiologischer Lymphknoten: Meist homogen, glatt begrenzt, länglich , echoreiches Hiluszeichen vorhanden , radspeichenartiges Gefäßmuster , elastografisch weich
        • Maligne veränderter Lymphknoten: Oft inhomogen, kugelig , unscharf begrenzt, Hiluszeichen fehlend , echoarm, Kapselruptur mit Infiltration umliegender Strukturen , zentrale Nekrosen, heterogenes Vaskularisationsmuster, elastografisch hart
        • Maligne Lymphome: Kräftiger Hilus mit zahlreichen Gefäßen, intakte Kapsel, „perlschnurartige“ Ansammlung/Konglomerate vieler Lymphknoten nebeneinander
    • Röntgen-Thorax
      • Indikation: Bei unklarer, generalisierter Lymphknotenvergrößerung zur Beurteilung der mediastinalen Lymphknoten und bei V.a. eine Tuberkulose
      • Befund: Ein verbreitertes oberes Mediastinum, vergrößerte Hili, ein verbreiterter paratrachealer Streifen oder ein nach lateral konvexes aortopulmonales Fenster können auf eine Lymphknotenvergrößerung hinweisen
    • Ggf. CT/MRT mit Kontrastmittel zur weiteren Abklärung und ggf. Primariussuche
  • Histopathologische bzw. zytologische Untersuchung [3]
    • Indikation: Malignität des Lymphknotens nicht sicher auszuschließen anhand der klinischen Untersuchung, Bildgebung und Labordiagnostik und kein Hinweis auf verdächtigen Primarius
    • Feinnadelaspiration: Gewinnung von Zellen zur zytologischen Untersuchung
      • Ablauf: Ultraschallgesteuerte Punktion
      • Nachteil: Häufig erschwerte Beurteilungsmöglichkeiten
    • Grobnadel-Stanzbiopsie: Beurteilung von zusammenhängendem Gewebe
      • Ablauf: Nach kleiner Hautinzision in örtlicher Betäubung ultraschallgesteuerte Anwendung eines Stanzbiopsiegeräts
      • Nachteile: Verletzung umliegender Gefäße möglich
    • Exstirpation: Komplette Entnahme des Lymphknotens mitsamt der Kapsel
  • Ggf. weitere Untersuchungen: Bei unklarer Genese der Lymphknotenschwellung (z.B. bei uneindeutiger Histologie) oder V.a. Leukämie

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Differenzialdiagnostische Grundüberlegungen

Zur Einordnung der Lymphknotenvergrößerung können folgende Aspekte hilfreich sein:

Differenzialdiagnosen der Lymphknotenschwellung [4][5][6]
Infektiöse Ursachen
Bakteriell
Viral
Pilzinfektionen
Parasitär
Nicht-infektiöse Ursachen
Maligne
Lymphoproliferativ
Immunologisch
Stoffwechselerkrankungen
Medikamenteninduziert

Differenzialdiagnosen nach Ausbreitung und Dolenz des Lymphknotenbefundes

Von einer generalisierten Lymphadenopathie spricht man, wenn ≥2 nicht benachbarte Lymphknotenstationen betroffen sind!

Differenzialdiagnosen von Lymphknotenschwellungen nach Ausbreitung und Dolenz des Lymphknotenbefundes
Dolent Nicht-dolent

Generalisiert

Lokalisiert

Differenzialdiagnosen nach Lokalisation der vergrößerten Lymphknoten

Differenzialdiagnosen von Lymphknotenschwellungen der Zervikalregion
Lymphknotengruppe Palpationsort Drainagegebiet Mögliche Verdachts-/Differenzialdiagnosen bei lokalisierter Lymphadenopathie
Retroaurikuläre LK Im Bereich des Proc. mastoideus Hinterkopf, Scheitel, Ohrmuschel Röteln
Präaurikuläre LK Vor dem Tragus Parotis, Nase, Augenlider Herpes zoster, Konjunktivitis, sonstige Lokalinfektionen im Einzugsgebiet
Submandibuläre LK Im Bereich des Kieferwinkels und zwischen Kinn und Kieferwinkel Zunge, Zahnfleisch, Wange, Lippen Tumoren der Mundhöhle, Tonsillitis
Submentale LK Unterhalb des Kinns Mundboden, Zunge, Unterlippe Tumoren der Mundhöhle, Lokalinfektion im Einzugsgebiet
Nuchale/okzipitale LK Im Bereich des Nackens und Hinterkopfes Hinterkopf, Nacken Lokalinfektionen der Kopfhaut, Röteln, Masern
Tiefe Hals-LK Ventral und dorsal des M. sternocleidomastoideus Drainage der Lymphe aller oberflächlichen Gruppen Lokalinfektion im gesamten Einzugsgebiet, Tumorerkrankungen im Kopf-/Hals-Bereich
LK des lateralen Halsdreieckes Im Dreieck zwischen M. sternocleidomastoideus, M. trapezius und Clavicula Nacken und seitlicher Hals Lokalinfektion im gesamten Einzugsgebiet
Supraklavikuläre LK Oberhalb der Clavicula Arme, Kopf-/Hals-Bereich, Brust und Brustwand Häufig Malignom-assoziiert: Bronchien, Ösophagus, GI-Trakt
Differenzialdiagnosen von Lymphknotenschwellungen der Axillarregion
Lymphknotengruppe Palpationsort Drainagegebiet Mögliche Verdachts-/Differenzialdiagnosen bei lokalisierter Lymphadenopathie
LK der zentralen Gruppe Axillabasis Zusammenfluss der Lymphe der Axilla Lokalinfektion im gesamten Einzugsgebiet, Mammakarzinom
LK der anterioren (pektoralen) Gruppe Vordere Axillarfalte Brust und Brustwand
LK der posterioren (subskapulären) Gruppe Hintere Axillarfalte Arm und hintere Brustwand Lokalinfektionen der oberen Extremität/Brustwand
LK der lateralen (brachialen) Gruppe Medialer proximaler Oberarm Großteil des Armes Lokalinfektion der oberen Extremität
LK der apikalen (subklavikulären) Gruppe Infraklavikulär Drainage aller o.g. axillären Lymphknotengruppen vor Einmündung in den Venenwinkel Lokalinfektion im gesamten Einzugsgebiet, Mammakarzinom
Differenzialdiagnosen von Lymphknotenschwellungen der Inguinalregion

Lymphknotengruppe

Palpationsort Drainagegebiet Mögliche Verdachts-/Differenzialdiagnosen bei lokalisierter Lymphadenopathie
LK der horizontalen Gruppe Unterhalb des Leistenbandes Bauchwand, Rücken, Teile des äußeren Genitale Lymphogranuloma venereum, Herpes genitalis, Ulcus molle, Syphilis
LK der vertikalen Gruppe Medialer Oberschenkel (Trigonum femorale), parallel zum Mündungsgebiet der V. saphena magna in die V. femoralis Untere Extremität Oberflächliche Lokalinfektionen der unteren Extremität

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

R59.-: Lymphknotenvergrößerung

  • Inklusive: Drüsenschwellung
  • Exklusive:
  • R59.0: Lymphknotenvergrößerung, umschrieben
  • R59.1: Lymphknotenvergrößerung, generalisiert
    • Lymphadenopathie o.n.A.
  • R59.9: Lymphknotenvergrößerung, nicht näher bezeichnet

L04.-: Akute Lymphadenitis

I88.-: Unspezifische Lymphadenitis

B23.-: Sonstige Krankheitszustände infolge HIV-Krankheit [Humane Immundefizienz-Viruskrankheit]

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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