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Patient Blood Management

Letzte Aktualisierung: 27.1.2021

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Das Patient Blood Management (PBM) ist ein Behandlungskonzept auf der Grundlage eines 3-Säulen-Modells fremdblutsparender Maßnahmen: Optimierung einer präoperativen Anämie (1), perioperative Reduktion von Blutverlusten (2) und perioperativer rationaler Einsatz allogener Blutprodukte (3). Kernpunkt ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine individuelle Betreuung der Patient:innen vor, während und nach einer Intervention mit dem Ziel, den Einsatz von Blutprodukten zu verbessern und das Outcome der einzelnen Patient:innen zu optimieren. Von der WHO bereits 2011 empfohlen, wird das PBM zunehmend in deutschen Kliniken etabliert.

  • Interdisziplinäres Behandlungskonzept: Evidenzbasiert, multimodal
  • Ziele
    • Verbesserung des Outcomes durch individuelle Behandlung
    • Verbesserung der Patientensicherheit, insb. im perioperativen Bereich
  • Indikation: Operationen und Interventionen mit (hohem) Verbrauch von Blutprodukten
  • Ansatz: 3-Säulen-Modell
    1. Optimierung einer präoperativen Anämie
      • Präoperative Detektion einer präoperativen Anämie (insb. Optimierung der patienteneigenen Ressourcen)
      • Perioperative Therapie einer Anämie
    2. Reduktion von Blutverlusten
    3. Rationaler Einsatz von Blutprodukten
  • Anwendung
    • Prä-, intra- und postoperativ
    • Durch alle Disziplinen, die Blutprodukte verabreichen

Das Patient Blood Management ist v.a. für elektive Eingriffe gedacht, im Notfall sollten die perioperativen Maßnahmen individuell angepasst werden! Eine Schocksymptomatik kann eine Massivtransfusion notwendig machen!

Präoperative Anämie [1][2]

  • Definition: Präoperative Hämoglobin-Werte
    • : <12 g/dL
    • (schwanger): <11 g/dL
    • : <13 g/dL
  • Prävalenz: 10,5–47,9% [2]
  • Unabhängiger Risikofaktor für
    • Schlechteres postoperatives Outcome [2][3]
      • Längere Verweildauer im Krankenhaus/auf der Intensivstation
      • Höhere Mortalität
    • Vermehrte Transfusion allogener Blutprodukte [4]

Präoperative Detektion einer Anämie

Therapie der präoperativen Anämie

Festlegen des OP-Termins

  • Verschieben elektiv geplanter Eingriffe: Bis zur Optimierung patienteneigener Ressourcen
  • OP-Termin auf Gesamtstrategie abstimmen
  • Ggf. Einbindung von Anämiepatient:innen in spezielle PBM-Sprechstunden

Eine präoperative Anämie gilt als Kontraindikation für eine elektive Operation!

Bei Notfällen tritt die erste Säule (Optimierung einer präoperativen Anämie) in den Hintergrund!

Postoperative Weiterbehandlung

  • Stimulation der Erythropoese
  • Ggf. (weiter) Eisen substituieren
  • Arzneimittelinteraktionen beachten
  • Vermeidung und konsequente Behandlung von Infektionen
  • Bei unbekannter Anämieursache: Weiterführende Diagnostik einleiten

Präoperative Maßnahmen

Intraoperative Maßnahmen [1][9]

Postoperative Maßnahmen

Grundsätze zum Einsatz allogener Blutprodukte

Erythrozytenkonzentrate (EK)

Keine EK-Transfusion ohne rechtfertigende Indikation!

Weitere Blutprodukte

Ausschöpfen patienteneigener Ressourcen

  • Optimierung der kardiopulmonalen Situation
    • Kardiale Auswurfleistung
    • Oxygenierung
  • Minimierung des Sauerstoffverbrauchs
  • Vermeidung/Behandlung von Infektionen

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Patient Blood Management, Teil 1 (September 2020)

Patient Blood Management, Teil 2 (Oktober 2020)

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  1. Baum: Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer 2019, ISBN: 978-3-662-48985-7 , p. 1606.
  2. Goldstein et al.: Tranexamic Acid Prophylaxis in Hip and Knee Joint Replacement In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2017, doi: 10.3238/arztebl.2017.0824 . | Open in Read by QxMD .
  3. Olivier et al.: Patient Blood Management In: Der Anaesthesist. Band: 69, Nummer: 1, 2020, doi: 10.1007/s00101-019-00707-3 . | Open in Read by QxMD p. 55-71.
  4. Mueller et al.: Patient Blood Management In: JAMA. Band: 321, Nummer: 10, 2019, doi: 10.1001/jama.2019.0554 . | Open in Read by QxMD p. 983.
  5. S3-Leitlinie Präoperative Anämie. Stand: 11. April 2018. Abgerufen am: 10. Juli 2019.
  6. Baron et al.: Preoperative anaemia is associated with poor clinical outcome in non-cardiac surgery patients In: British Journal of Anaesthesia. Band: 113, Nummer: 3, 2014, doi: 10.1093/bja/aeu098 . | Open in Read by QxMD p. 416-423.
  7. Gombotz et al.: Blood use in elective surgery: the Austrian benchmark study In: Transfusion. Band: 47, Nummer: 8, 2007, doi: 10.1111/j.1537-2995.2007.01286.x . | Open in Read by QxMD p. 1468-1480.
  8. De Hert et al.: Preoperative evaluation of the adult patient undergoing non-cardiac surgery In: European Journal of Anaesthesiology. Band: 28, Nummer: 10, 2011, doi: 10.1097/eja.0b013e3283499e3b . | Open in Read by QxMD p. 684-722.
  9. Froessler et al.: The Important Role for Intravenous Iron in Perioperative Patient Blood Management in Major Abdominal Surgery In: Annals of Surgery. Band: 264, Nummer: 1, 2016, doi: 10.1097/sla.0000000000001646 . | Open in Read by QxMD p. 41-46.
  10. Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. Stand: 31. Dezember 2014. Abgerufen am: 1. November 2017.
  11. Patient Blood Management - Medizinische Grundlagen. Stand: 1. Januar 2017. Abgerufen am: 18. September 2020.
  12. Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Patient Blood Management: Kluger Umgang mit einer wertvollen Ressource In: Deutsches Ärzteblatt. 2013, .