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Periodische Paralysen

Letzte Aktualisierung: 4.11.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Gruppe der periodischen Paralysen sind seltene, autosomal-dominant vererbte Erkrankungen, die durch Genmutationen in muskulären Ionenkanälen verursacht werden. Die daraus resultierende Störung des Ionenflusses führt zu einer vorübergehenden Unerregbarkeit der Muskelzellmembran und den namensgebenden, episodischen schlaffen Lähmungen. Ausgelöst werden die Anfälle je nach Subtyp durch Schwankungen des Kaliumspiegels (Hypo- oder Hyperkaliämie), aber auch durch Ruhe nach Anstrengung oder kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Als wichtiges Nebensymptom kann bei der hyperkaliämischen Form eine Myotonie (Muskelsteifheit) zwischen den Anfällen auftreten. Eine Sonderstellung nimmt das Andersen-Tawil-Syndrom ein, das mit einem Long-QT-Syndrom assoziiert ist und wegen der Gefahr des plötzlichen Herztodes eine engmaschige kardiologische Mitbehandlung erfordert. Therapeutisch sind die periodischen Paralysen im Anfall durch eine gezielte Beeinflussung des Kaliumspiegels behandelbar. Prophylaktisch stehen neben der konsequenten Vermeidung der individuellen Trigger medikamentöse Optionen zur Verfügung.

Epidemiologietoggle arrow icon

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie und Pathophysiologietoggle arrow icon

Ätiologie und Pathophysiologische der periodischen Paralysen
Betroffener Ionenkanal / Genmutation [1] Pathophysiologie
Hypokaliämische periodische Paralyse (HypoPP)
  • Typ 1 (häufiger): Calciumkanal/CACNA1S
  • Typ 2: Natriumkanal/SCN4A
Trigger → übermäßiger Kaliumeinstrom vom Blut in die Muskelzellen (Hypokaliämie) → passagere Unerregbarkeit der Muskelzellmembran (schlaffe Lähmung) [2]
Hyperkaliämische periodische Paralyse (HyperPP)
  • Natriumkanal/SCN4A
Dauerhaft erhöhter Natriumeinstrom durch fehlende Inaktivierung des Natriumkanals und zusätzlich erhöhter Kaliumspiegel → Übererregtheit der Zelle (Myotonie) → dauerhafte Zelldepolarisation → schlaffe Lähmung
Andersen-Tawil-Syndrom
  • Kaliumkanal (Kir2.1/Kir3.4) / KCNJ2 oder KCNJ5
Veränderter Kaliumeinstrom in die Herz- und Skelettmuskelzellen → schlaffe Lähmung, Herzrhythmusstörungen
Normokaliämische periodische Paralyse
  • Natriumkanal / meist SCN4A
Ähnlich wie bei der HypoPP, aber mit variabler Kaliumsensitivität

Diagnostiktoggle arrow icon

Symptome und Therapietoggle arrow icon

Übersicht: Periodische Paralysen [1][3][4]
Erkrankung Symptome Therapie
Hypokaliämische periodische Paralyse (HypoPP)
  • Anfälle schlaffer Lähmung (Stunden bis Tage, länger/stärker als bei HyperPP), fokal bis Tetraparese (Atemmuskulatur und mimische Muskulatur nicht betroffen)
  • Manifestationsalter: <30 Jahre
  • Ausgelöst durch niedrigen Kaliumspiegel
  • Trigger: Bspw. kohlenhydratreiche Mahlzeiten, Kälte, Ruhe nach Anstrengung
  • Keine Myotonie
  • Langfristig Risiko für permanente Muskelschwäche
Hyperkaliämische periodische Paralyse (HyperPP)
  • Anfälle schlaffer Lähmung (Minuten bis wenige Stunden), insb. an Extremitäten (Atemmuskulatur und mimische Muskulatur typischerweise nicht betroffen)
  • Manifestationsalter: <20 Jahre
  • Ausgelöst durch hohen Kaliumspiegel
  • Trigger: Ruhe nach Anstrengung, Fasten, Alkohol, Kälte, kaliumreiche Nahrung
  • Zum Teil Myotonie zwischen den Anfällen möglich
Andersen-Tawil-Syndrom [6]
Normokaliämische periodische Paralyse
  • Anfälle schlaffer Lähmung (Stunden bis Tage)
  • Kaliumspiegel während des Anfalls normal
  • Trigger: Ruhe nach Anstrengung, Kälte, Alkohol, variable Kaliumsensitivität
  • Myotonie zwischen den Anfällen möglich

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

  • G72.-: Sonstige Myopathien
    • G72.3: Periodische Lähmung
      • Periodische Lähmung (familiär)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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