Zusammenfassung
Das solitäre Rektumulkus-Syndrom (SRUS) ist eine seltene benigne Erkrankung, die durch ischämische Läsionen der Rektumschleimhaut gekennzeichnet ist und i.d.R. chronisch verläuft. Die Ätiologie ist multifaktoriell und beruht meist auf einer Kombination aus lokaler Minderperfusion, chronischem mechanischen Trauma, dyssynerger Defäkation und/oder Rektumprolaps. Klinisch äußert sich das Syndrom typischerweise durch rektale Blutungen, Schleimabgang und starkes Pressen bei der Defäkation. Die Diagnose wird anhand des klinischen Bildes und Endoskopie inkl. Biopsie gestellt. Essenziell ist der Ausschluss von Differenzialdiagnosen wie Malignomen oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Die Therapie erfolgt stufenweise und beginnt mit konservativen Maßnahmen wie Patientenschulung und Stuhlregulation. Diese können um topische Medikamente und insb. bei nachgewiesener Dyssynergie um Biofeedback ergänzt werden. Therapieresistente Fälle erfordern ggf. interventionelle oder chirurgische Maßnahmen, die oft die höchste Wirksamkeit zeigen. Die Prognose ist gut, der Verlauf jedoch oft chronisch-rezidivierend.
Epidemiologie
Ätiologie
- Multifaktoriell und nicht vollständig geklärt
- Vermutete Risikofaktoren
- Chronische mukosale Hypoperfusion
- Dyssynerge Defäkation ± Rektumprolaps
- Direktes Trauma
- Chronische Obstipation mit starkem Pressen
- Rektale Hypersensitivität
- Gemeinsame Endstrecke: Ischämische Schädigung der Rektumschleimhaut
Symptomatik
- Häufig
- Rektale Blutung (in ca. ¾ der Fälle)
- Schleimabgang
- Starkes Pressen bei der Defäkation
- Gefühl der inkompletten Entleerung
- Digitale Manöver zur Unterstützung der Defäkation
- Seltener
- Tenesmen
- Schmerzen (anorektal, abdominal)
- Obstipation
Diagnostik
Basisdiagnostik
Erweiterte Diagnostik
- Endoskopie inkl. Biopsie
- Methode: Rektoskopie oder Koloskopie
- Typische endoskopische Befunde
- Morphologie: Einzelne oder multiple Läsionen mit variablem Erscheinungsbild
- Lokalisation: Meist anteriore Rektumwand
- Typische histologische Befunde
- Fibrotischer Umbau der Lamina propria
- Verdickung und Desorganisation der Muscularis mucosae
- Kryptenarchitekturstörungen und reaktive epitheliale Veränderungen
- Funktionelle Diagnostik
- Anorektale Manometrie: Bei V.a. dyssynerge Defäkation
- Defäkografie: Bei V.a. Rektumprolaps oder Darminvagination
Die Diagnose des solitären Rektumulkus-Syndroms wird anhand der klinischen und endoskopischen Befunde gestellt!
Die Namensgebung kann irreführend sein, denn die Läsionen des solitären Rektumulkus-Syndroms müssen weder solitär, ulzeriert noch auf das Rektum beschränkt sein!
Differenzialdiagnosen
| Differenzialdiagnosen des Solitären Rektumulkus-Syndroms | |||
|---|---|---|---|
| Diagnose | Klinische Befunde | Endoskopie | Histologie/Mikrobiologie |
| CED |
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| CRC |
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| Infektiöse Proktitis |
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| Ischämische Proktitis |
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AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Therapie
- I.d.R. stufenweises oder multimodales Vorgehen, beginnend mit konservativen Maßnahmen
- Konservative Therapie
- Indikation: Jedes SRUS
- Stuhlregulation mittels ballaststoffreicher Ernährung, Quellstoffen und ggf. Laxanzien
- Vermeiden von starkem Pressen, digitalen Manövern und langen Toilettensitzungen
- Medikamentöse Therapie
- Funktionelle Therapie: Biofeedback
- Indikation: Insb. bei dyssynerger Defäkation
- Ziel: Erlernen einer koordinierten Beckenbodenrelaxation
- Wirksamkeit: Moderate Heilungsraten (ca. 40%)
- Interventionelle Therapie
- Indikation: Therapieresistenz, insb. bei blutendem SRUS
- Methoden: Argon-Plasma-Koagulation, lokale Exzision, ggf. Botoxinjektion
- Wirksamkeit: Hohe Heilungsraten (ca. 70–75%)
- Chirurgische Therapie
- Indikationen
- Therapieresistenz
- Rektumprolaps, perinealer Deszensus oder paradoxe Puborektalis-Kontraktion
- Methoden: Rektopexie, Resektionsverfahren, selten Stomaanlage
- Wirksamkeit: Hohe Heilungsraten (ca. 70–75%)
- Indikationen
Chirurgische Eingriffe sind bei therapierefraktären Verläufen des solitären Rektumulkus-Syndroms oft die wirksamste Option, sollten jedoch aufgrund potenzieller Risiken nur bei strenger Indikationsstellung durchgeführt werden!
Prognose
- Insg. gut, jedoch oft chronischer und rezidivierender Verlauf
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026
- K62.6: Ulkus des Anus und des Rektums
- Inklusive: Solitärgeschwür, Ulcus stercoralis
- Exklusive: Bei Colitis ulcerosa (K51.‑), Fissur und Fistel des Anus und des Rektums (K60.‑)
- ORPHAcode: 209964
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.