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Neuralgische Amyotrophie

Letzte Aktualisierung: 17.12.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die neuralgische Amyotrophie ist eine schmerzhafte, meist einseitige Erkrankung peripherer Nerven. Am häufigsten sind proximale Abschnitte mehrerer Nerven distal des Plexus brachialis betroffen. Ätiologisch wird eine multifaktorielle Genese mit immunologischen und genetischen Faktoren vermutet, wobei häufig vorangegangene Triggerfaktoren wie bspw. mechanische Belastung oder virale Infektionen identifiziert werden können. Die Erkrankung beginnt klassischerweise akut mit heftigsten, typischerweise nächtlichen Schulterschmerzen. In den folgenden Stunden bis Tagen entwickeln sich Lähmungserscheinungen und Atrophien der Schulter-Arm-Muskulatur. Therapeutisch werden akut Glucocorticoide sowie analgetische Medikamente verabreicht. Es wird so schnell wie möglich begonnen, die Schulter passiv und aktiv zu bewegen, um eine Einsteifung des Schultergelenks zu verhindern. Zum Teil können bei persistierenden Lähmungen neurochirurgische Therapien erwogen werden. Neben dem klassischen Verlauf sind auch weitere Verläufe, bspw. mit beidseitigen Paresen, Beteiligung des N. phrenicus, von Beinnerven oder mit nur einem einzigen betroffenen Nerv möglich.

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz: 1–5/10.000
  • Inzidenz: 1/1.000 pro Jahr [1]
  • Geschlecht: > (ca. 2:1) [2]
  • Alter: Häufigkeitsgipfel im jungen Erwachsenenalter

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Genaue Pathophysiologie nicht bekannt
  • Angenommener Pathomechanismus: Zusammentreffen mechanischer und immunogener Reize löst immunologische Reaktion aus [2][3]
    1. Genetisch bedingte Prädisposition (bei hereditärer Form)
    2. Mikrotraumen der betroffenen Nerven (bspw. durch sportliche Überlastung) → Erhöhte Permeabilität der Blut-Nerven-Schranke
    3. Immunogener Trigger (bspw. Hepatitis-E-Infektion) → Lymphozytäre Infiltration durch Blut-Nerven-Schranke → Initiation eines entzündlichen Prozesses → Ödematöse Nervenschwellung → Axonale Nervenschädigung
    4. Ödematöse Nervenschwellung → Defektheilung mit Bildung von Nervenstrikturen und -torsionen

Symptomatiktoggle arrow icon

Klassischer Verlauf [2]

  1. Akutphase (innerhalb weniger Stunden)
  2. Chronische Phase (innerhalb weniger Tage bis Wochen)

Weitere mögliche Verlaufsformen [2]

Diagnostiktoggle arrow icon

Allgemeines

  • I.d.R. klinische Diagnose bei typischer Anamnese und passendem Untersuchungsbefund
  • Labordiagnostik zum Ausschluss behandelbarer infektiöser Trigger
  • Weitere Untersuchungen bei diagnostischer Unsicherheit oder bei schwierigem Verlauf (anhaltende Defizite >8 Wochen)

Anamnese [3]

  • Schmerz
    • Schmerzbeginn, -intensität , -charakter
    • Lokalisation, ggf. Ausstrahlung
  • Bewegungseinschränkungen aufgefallen?
  • Sensibilitätsstörungen vorhanden?
  • Triggerfaktoren erinnerlich?
  • Familienanamnese: Ähnliche Symptomatik in der Familie bekannt?
  • Besteht eine (Belastungs‑)Dyspnoe?

Da es bei einem Teil der Betroffenen zu einer Beteiligung des N. phrenicus (ein- oder beidseitig) kommt, sollte immer aktiv nach einer (Belastungs‑)Dyspnoe gefragt werden! [3]

Neurologische Untersuchung

Weitere Untersuchungen [3]

  • Labordiagnostik: Obligat zur Abgrenzung von Differenzialdiagnosen und zur Suche nach Triggerfaktoren
  • Bildgebende Untersuchungen
    • Indikation: Diagnosesicherung bei unklaren Fällen, Ausschluss von Differenzialdiagnosen , Beurteilung operativer Therapiemöglichkeiten
    • Verfahren: MR-Neurografie oder hochauflösende Nervensonografie
      • Häufig Nachweis struktureller Nervenschädigungen
  • Elektrophysiologie: Insb. zur Abgrenzung von Differenzialdiagnosen und zur Verlaufsbeurteilung
    • Inhomogenes Schädigungsmuster aus betroffenen und nicht-betroffenen peripheren Nerven
      • ENG: Oft unauffällig, ggf. axonale sensible und motorische Neuropathie
      • EMG: Akutes bis chronisches neurogenes Schädigungsmuster
  • Bei klinischem V.a. eine Beteiligung des N. phrenicus: Lungenfunktionsuntersuchung und Sonografie zur Beurteilung der Zwerchfellbeweglichkeit

Therapietoggle arrow icon

Prognosetoggle arrow icon

  • Häufig unvollständige Rückbildung der Lähmungen und chronisches Schmerzsyndrom [2][3]
  • Erhöhte Rezidivrate [2][3]
  • Hereditäre Formen: Schlechtere Prognose mit häufigeren Rezidiven [2]

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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