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Reanimation von Neugeborenen - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 29.8.2021

Vorbereitung und Initialversorgungtoggle arrow icon

In dieser AMBOSS-SOP werden Vorbereitung und Durchführung der Neugeborenenreanimation dargestellt. Für eine Übersicht der grundlegenden anzuwendenden Techniken siehe: Grundlagen der Reanimation - Besondere Patientengruppen. Für eine Für die postnatale Routineversorgung (insb. die Betreuung von Neugeborenen mit ungestörter Anpassung) siehe Management im Kreißsaal, APGAR-Score und U1.

Zeitpunkt Maßnahme/Erklärung
Vor der Geburt
  • Material prüfen (Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit)
  • Warme, zugluftfreie Umgebung schaffen
    • Frühgeborene: Raumtemperatur >25 °C
    • Reifgeborene: Raumtemperatur 23–25 °C
  • Team-Briefing
  • Elterngespräch
Zum Zeitpunkt der Geburt
  • Uhr starten
Nach der Geburt (parallele Maßnahmen)
  • Abtrocknen/stimulieren und wärmen
    • Reifgeborene: Gründlich abtrocknen, in ein warmes Tuch wickeln
    • Frühgeborene <32. SSW: Ohne Abtrocknen in Plastikfolie hüllen (Gesicht aussparen)
  • Abnabeln
    • Reife Neugeborene und stabile Frühgeborene: Verzögertes Abnabeln (frühestens nach 1 min)
    • Keine Spontanatmung: Sofort abnabeln, um den Beginn einer effektiven Reanimation nicht zu verzögern

Bei ungestörter Anpassung kann auf das Monitoring i.d.R. verzichtet werden.

  • Monitoring
    • Pulsoxymetrie (SpO2)
      • Messung: Präduktal (rechte Hand)
      • Beurteilung: Abhängig vom Lebensalter, daher Referenzwerte beachten
        • SpO2-Grenzwerte (für Reifgeborene) nach ERC:
          • 2 min: 60%
          • 3 min: 70%
          • 4 min: 80%
          • 5 min: 85%
          • 10 min: 90%
      • Bedeutung: Steuerung der O2-Gabe; hinweisend auf Wiedereinsetzen eines Spontankreislaufs
    • EKG (Herzfrequenz)
      • Messung: 3 Elektroden
      • Bedeutung: Bestimmt wesentlich den Ablauf der Neugeborenen-Reanimation; zeigt am sensitivsten Erfolg von Reanimationsmaßnahmen an
Weiteres Vorgehen
  • Falls keine suffiziente Spontanatmung: Mit CPR-Algorithmus beginnen
  • Falls angestrengte Spontanatmung: Assistierte Beatmung (CPAP)
  • Falls suffiziente Spontanatmung: Wärmemanagement, Neugeborenes zu den Eltern geben

Hypothermie ist eine wichtige und vermeidbare Ursache von Morbidität und Mortalität! Insb. Frühgeborene sind gefährdet!

Die Herzfrequenz ist der sensitivste Parameter, um den Erfolg von Reanimationsmaßnahmen zu bewerten! Mithilfe eines EKG gelingt die Messung der Herzfrequenz schneller und zuverlässiger als durch Pulsoxymetrie!

Maßnahme

Erklärung

Freimachen der Atemwege
Initiale Beatmung
Wiederbeurteilung von Atmung und Herzfrequenz (nach 60 s)
  • Falls HF <60/min trotz effektiver Beatmung: Beginn mit Thoraxkompressionen
  • Falls HF ≥60/min
    • Ohne suffiziente Spontanatmung: Maskenbeatmung (Beatmungsfrequenz 30/min, restriktive O2-Gabe)
    • Mit suffizienter Spontanatmung: Wärmemanagement, Beobachtung
Thoraxkompressionen/Beatmungen
  • Technik der Thoraxkompressionen
  • Kompressions-Ventilations-Verhältnis: 3:1
    • Sonderfall vermutete kardiale Ursache: Kompressions-Ventilations-Verhältnis 15:2 erwägen
  • CPR-Frequenz: 120/min
  • Sauerstoffsupplementation mit 100% O2 erwägen
Wiederbeurteilung (alle 30 s)
  • Falls HF <60/min: Fortführung der Thoraxkompressionen und Beatmungen, zusätzlich Medikamentengabe erwägen
  • Falls HF ≥60/min: Thoraxkompressionen beenden
    • Ggf. weitere Beatmung (Beatmungsfrequenz 30/min, restriktive O2-Gabe)
Erweiterte Maßnahmen (parallel)
  • Gefäßzugang (idealerweise per Nabelvenenkatheter)
  • Medikamente/Infusionen
    • Falls HF anhaltend <60/min unter Thoraxkompressionen und Beatmung: Adrenalin (initial 10 μg/kgKG i.v., danach 10–30 μg/kgKG alle 3–5 min)
    • Sonderfälle
      • Prolongierte Reanimation: Natriumbicarbonat (1–2 mmol/kgKG i.v., langsam verabreichen) erwägen
      • Verdacht auf Volumenmangel/Blutverlust bei Reifgeborenen: Volumenbolus (10 mL/kgKG, bei Erfolg ggf. Wiederholung)
      • Blutverlust mit unzureichendem Ansprechen auf Reanimationsmaßnahmen: Transfusion erwägen
Elternbetreuung (parallel)
  • Anwesenheit der Eltern, wenn gewünscht und möglich
  • Nach Beenden der Reanimation: Frühestmöglichen Kontakt zum Kind ermöglichen

Nahezu allen Neugeborenenreanimationen liegt eine respiratorische Ursache (Asphyxie) zugrunde! Eine suffiziente Beatmung ist die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reanimation!

Der Algorithmus der Neugeborenenreanimation beschreibt zunächst einmal lebensrettende Maßnahmen unmittelbar nach der Geburt! Er kann jedoch (in entsprechend abgewandelter Form) Reanimationsmaßnahmen in der gesamten Neugeborenenperiode leiten!

  1. Wyllie et al.: Die Versorgung und Reanimation des Neugeborenen – Kapitel 7 der Leitlinien zur Reanimation 2015 des European Resuscitation Council In: Notfall + Rettungsmedizin. Band: 18, Nummer: 8, 2015, doi: 10.1007/s10049-015-0090-0 . | Open in Read by QxMD p. 964-983.
  2. Wyckoff et al.: 2015 American Heart Association Guidelines Update for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care: Part 13: Neonatal Resuscitation In: Circulation. Band: 132, Nummer: 18, suppl 2, 2015, doi: 10.1161/cir.0000000000000267 . | Open in Read by QxMD p. S543-S560.
  3. Chua et al.: Airway manoeuvres to achieve upper airway patency during mask ventilation in newborn infants – An historical perspective In: Resuscitation. Band: 83, Nummer: 4, 2012, doi: 10.1016/j.resuscitation.2011.11.007 . | Open in Read by QxMD p. 411-416.
  4. Katheria: Umbilical Cord Milking: A Review In: Frontiers in Pediatrics. Band: 6, Nummer: 335, 2018, doi: 10.3389/fped.2018.00335 . | Open in Read by QxMD .
  5. Qian et al.: Early versus delayed umbilical cord clamping on maternal and neonatal outcomes In: Archives of Gynecology and Obstetrics. Band: 300, Nummer: 3, 2019, doi: 10.1007/s00404-019-05215-8 . | Open in Read by QxMD p. 531-543.
  6. Fogarty et al.: Delayed vs early umbilical cord clamping for preterm infants: a systematic review and meta-analysis In: American Journal of Obstetrics and Gynecology. Band: 218, Nummer: 1, 2017, doi: 10.1016/j.ajog.2017.10.231 . | Open in Read by QxMD p. 1-18.
  7. Kamlin et al.: Mask Versus Nasal Tube for Stabilization of Preterm Infants at Birth: A Randomized Controlled Trial In: PEDIATRICS. Band: 132, Nummer: 2, 2013, doi: 10.1542/peds.2013-0361 . | Open in Read by QxMD p. e381-e388.
  8. McCarthy et al.: A Randomized Trial of Nasal Prong or Face Mask for Respiratory Support for Preterm Newborns In: PEDIATRICS. Band: 132, Nummer: 2, 2013, doi: 10.1542/peds.2013-0446 . | Open in Read by QxMD p. e389-e395.