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Grundlagen der Reanimation

Letzte Aktualisierung: 9.2.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Unter kardiopulmonaler Reanimation (engl.: Cardiopulmonary Resuscitation, CPR) sind die Maßnahmen zusammengefasst, die zur Beendigung eines Herz-Kreislaufstillstands durchgeführt werden. Dabei gilt es, Basismaßnahmen (Basic Life Support, BLS) von erweiterten Maßnahmen (Advanced Life Support, ALS) zu unterscheiden.

Die Basismaßnahmen umfassen das Erkennen der Situation, Hilfe rufen, Freimachen der Atemwege, Herzdruckmassage, Beatmung und (soweit vorhanden) den Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED). Diese Maßnahmen können auch von Laienhelfern durchgeführt werden.

Die erweiterten Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation beinhalten neben den grundlegenden Maßnahmen der CPR (wie bei BLS) weiterführende, durch Fachpersonal auszuführende Maßnahmen wie Medikamentengabe (vor allem Adrenalin), eine weitere Sicherung der Atemwege (ggf. Intubation) sowie ggf. spezifische Maßnahmen entsprechend der angenommenen Ursache (bspw. Entlastungspunktion bei Spannungspneumothorax).

Die wichtigste Grundlage einer Reanimation ist die ohne Zeitverlust konsequent durchgeführte Herzdruckmassage.

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Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

Überlebenskette

Die Überlebenskette beschreibt die Maßnahmen, die bei einem Kreislaufstillstand durchgeführt werden sollten, um das Überleben zu sichern.

  1. Rasches Erkennen und um Hilfe rufen
  2. Frühzeitige kardiopulmonale Reanimation
  3. Frühzeitige Defibrillation
  4. Postreanimationsphase

Unverzügliche kardiopulmonale Reanimation, Minimierung der Thoraxkompressionspausen und frühzeitige Defibrillation sind die wichtigsten Grundlagen einer erfolgreichen Reanimation!

Basismaßnahmen / Basic Life Support (BLS)

Die Basismaßnahmen beschreiben die Ersthelfermaßnahmen, die nach Auffinden einer bewusstlosen Person möglichst ohne jegliche Verzögerung durchgeführt werden sollten.

Erweiterte Maßnahmen / Advanced Life Support (ALS)

Die erweiterten Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation (Advanced Life Support, ALS) umfassen neben den grundlegenden Maßnahmen der CPR (wie bei BLS) weiterführende – durch Fachpersonal durchzuführende – Maßnahmen wie Defibrillation, Medikamentengabe und ggf. Intubation.

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Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmungtoggle arrow icon

Technik der Herzdruckmassage [1]

  1. Seitlich neben bewusstloser Person knien
  2. Platzierung eines Handballens mittig auf der Brust (beide Hände übereinander mit verschränkten Fingern)
  3. Senkrecht über Brust der bewusstlosen Person beugen, Arme gestreckt halten
  4. Thoraxkompressionen
    • Kompressionstiefe: Mind. 5 cm, aber möglichst nicht tiefer als 6 cm
    • Nach jeder Kompression vollständige Entlastung des Brustkorbs (ohne Verlassen des Druckpunktes)
    • Frequenz: 100–120/min
    • Wenn möglich Wechsel mit weiterer Person alle 2 min ohne lange Pausen (Vermeidung von Erschöpfung) [2]

Die Thoraxkompression sollte möglichst auf einem festen Untergrund erfolgen! Der CPR-Beginn sollte aber nicht durch eine aufwendige Umlagerung verzögert werden!

Technik der Mund-zu-Mund-Beatmung [1]

  1. Atemwege öffnen: Kopf überstrecken und Kinn anheben
  2. Nase der zu beatmenden Person verschließen
  3. 2 Beatmungen: Tief einatmen, Mund der zu beatmenden Person mit den Lippen umschließen und und ca. 1 s lang Luft einblasen
    • Überprüfung der suffizienten Beatmung: Sichtbare Anhebung des Brustkorbs
    • Bei insuffizienter Beatmung: Atemwegsverlegung als mögliche Ursache in Betracht ziehen

Unabhängig von der Effektivität der Beatmungsversuche sollte die Herzdruckmassage für die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht länger als 10 s unterbrochen werden!

Geschulte Ersthelfende sollten Thoraxkompressionen und Beatmung kombinieren! Können oder wollen Ersthelfende die Beatmung nicht durchführen, sollten sie eine durchgehende Herzdruckmassage mit der Frequenz 100–120/min durchführen (sog. „Compression-only-CPR“)! [1]

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Defibrillationtoggle arrow icon

Die Herzdruckmassage darf für max. 5 s unterbrochen werden – beim Aufladen des Defibrillators darf die Herzdruckmassage dementsprechend nicht pausiert werden!

Die Defibrillation kann bei den Helfenden Kammerflimmern auslösen! Bei der Schockabgabe darf deswegen niemand die bewusstlose Person oder elektrisch leitfähige Teile (bspw. Beatmungsbeutel) berühren!

Automatisierter externer Defibrillator (AED) [1]

  • Beschreibung: Durch Laien bedienbare Geräte zur Analyse des Herzrhythmus mit integrierter Möglichkeit zur Schockabgabe (Defibrillation) bei Vorliegen einer defibrillierbaren Rhythmusstörung
  • Wichtige Grundsätze bei der Verwendung
    • Klebeelektroden gemäß beiliegender Anleitung anbringen
    • Sprachführung bzw. Bildschirmanweisungen folgen
    • Analyse des Herzrhythmus erfolgt alle 2 min, währenddessen bewusstlose Person nicht berühren [5]
    • Bei empfohlener Schockabgabe: Sicherstellen, dass niemand die bewusstlose Person berührt, dann Schock freigeben (Auslöseknopf)
    • Unterbrechungen der Herzdruckmassage so kurz wie möglich halten (insb. sofortige Wiederaufnahme nach Schockabgabe)
    • Anwendung auch an Kindern ab 8 Jahren möglich [4]
    • AED-Benutzung durch Fachpersonal: Bei manchen Geräten besteht die Option zur EKG-gesteuerten, manuellen Bedienung
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Notfall-EKG-Diagnostiktoggle arrow icon

Übersichtstabelle: Notfall-EKG-Diagnostik
EKG-Befund Folge
Defibrillierbare Rhythmen
Pulslose ventrikuläre Tachykardie
  • Schnelle, regelmäßige Kammerfrequenzen bei gleichzeitig fehlendem Puls
  • Auswurfleistung aufgrund hoher Frequenz nicht ausreichend
Kammerflimmern
  • Arrhythmische, hochfrequente Flimmerwellen
  • Keine Herzauswurfleistung
Nicht-defibrillierbare Rhythmen
Asystolie
  • Null-Linien-EKG
  • Versiegen jeglicher elektrischer und mechanischer Aktivität
Pulslose elektrische Aktivität (PEA)
  • Rhythmische elektrische Aktivität (meist langsame Frequenz, breite deformierte QRS-Komplexe ) bei gleichzeitig fehlendem Karotispuls
  • Zu schwache oder fehlende myokardiale Kontraktionen aufgrund elektromechanischer Entkopplung

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Postreanimationsphasetoggle arrow icon

Definitionen

  • ROSC („Return of Spontaneous Circulation“): Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs während einer Reanimation
    • Zeichen
      • Wiedererfühlen des Pulses, Zurückkommen des Blutdrucks
      • Früher Hinweis bei beatmeten Personen: Anstieg des exspiratorischen CO2 in der Kapnografie
  • Postreanimationssyndrom („Post-Cardiac Arrest Syndrome“): Gesamtheit pathophysiologischer Prozesse nach Kreislaufstillstand mit erfolgreicher Reanimation

Management der Postreanimationsphase [7][8]

Für komatöse Personen nach ROSC wird eine aktive Fieberprävention für 36–72 h empfohlen! Bestenfalls sollte die Körperkerntemperatur in diesem Zeitraum 37,5 °C nicht überschreiten! [6]

Reanimationsassoziierte Komplikationen

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Prognosetoggle arrow icon

  • Überleben nach Reanimation mit schockbarem Rhythmus : Ca. 50% nach 6 Monaten, davon
    • 3% mit schweren Behinderungen und Defiziten
    • 4% mit mittelgradigen Behinderungen
    • 22% mit leichten Defiziten und Behinderungen
    • 17% ohne neurologische oder kognitive Defizite
  • Überleben nach Reanimation ohne schockbaren Rhythmus: Ca. 17%
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Verzichts- bzw. Abbruchkriterientoggle arrow icon

Hintergrund [10][11]

  • Ethisch und medizinisch herausfordernde Entscheidung über Beginn bzw. Fortführung einer Reanimation
    • Entspricht die Maßnahme dem Patientenwillen?
    • Hat die Maßnahme einen medizinischen Nutzen?
    • Liegen alle relevanten Informationen zur Entscheidungsfindung vor?
  • Mögliche Einflussfaktoren im Entscheidungsprozess

In die Entscheidungsfindung über den Beginn bzw. Fortführung von Reanimationsmaßnahmen sollten das gesamte Team und ggf. die Angehörigen einbezogen werden!

Die Folgen einer nicht oder verzögert begonnenen Reanimation können nicht rückgängig gemacht werden – im Allgemeinen empfiehlt sich daher der Beginn von Reanimationsmaßnahmen!

Empfehlungen des European Resuscitation Council [12]

Die Entscheidung, ob und wie lange eine Reanimation durchgeführt wird, muss stets individuell getroffen werden! Die Gründe für einen Verzicht auf bzw. den Abbruch von Reanimationsmaßnahmen sollten in diesem Zusammenhang klar dokumentiert werden!

Unmittelbar nach dem Abbruch von Reanimationsmaßnahmen sollte eine Nachbesprechung zur Identifikation von Personen mit Bedarf an emotionaler Unterstützung sowie zur Kommunikation möglicher ethischer Konflikte durchgeführt werden!

Exkurs: ToR-Regeln und „Slow Code“ [12]

  • ToR-Regeln: Abbruchregeln für die Reanimation erwachsener Personen bei außerklinischem Herzstillstand (ToR = „Termination of Resuscitation“)
    • Verschiedene Konzepte vorhanden, bspw.
    • Anwendung vom International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) empfohlen
  • „Slow Code“: Umgangssprachliche Bezeichnung für eine absichtlich suboptimal durchgeführte Reanimation
    • Reanimationsmaßnahmen werden als aussichtslos bzw. nicht indiziert angesehen
    • Reanimation erfolgt nur unter dem Vorwand, das Leben der betroffenen Person zu retten
    • Bewertung des European Resuscitation Council: Irreführende Praxis, an der sich ärztliches Personal nicht beteiligen soll

Aufgrund einer unzureichenden Datenlage sollen ToR-Regeln nicht bei Kindern oder Personen mit innerklinischem Herzstillstand angewendet werden! [12]

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Besondere Patientengruppentoggle arrow icon

Reanimation von Neugeborenen und Kindern

Das Vorgehen bei der Reanimation von Neugeborenen und Kindern weicht wegen anatomischer Besonderheiten und der meist respiratorischen Genese eines Kreislaufstillstands in diesem Alter teilweise vom Vorgehen bei der Erwachsenenreanimation ab. Im Folgenden sind grundlegende Unterschiede zur Erwachsenenreanimation aufgeführt, die konkreten Reanimationsalgorithmen sind in den entsprechenden SOPs dargestellt:

Allgemeines Vorgehen [4][17]

  • Neugeborene unmittelbar nach der Geburt
    • Initial fünf Beatmungshübe mit verlängerter Inspirationszeit (2–3 s); nachfolgend Wiederbeurteilung (Atmung, Herzfrequenz), sicheres Etablieren suffizienter Beatmung, erst anschließend Thoraxkompressionen
    • Verhältnis Thoraxkompressionen zu Beatmung = 3:1
  • Säuglinge, Kinder und Jugendliche
    • Initial 5 Beatmungen, nachfolgend Wiederbeurteilung, erst anschließend Thoraxkompressionen
    • Verhältnis Thoraxkompressionen zu Beatmung
      • Einzel- oder Laienhelfende: 30:2
      • Professionelle Helfende: 15:2
    • Weiteres Vorgehen ist ähnlich dem bei Erwachsenen

Bei der Reanimation von Kindern steht die Beatmung stärker im Vordergrund, da ein Kreislaufstillstand häufig respiratorisch und nicht kardial bedingt ist!

Ersthelfende ohne Kenntnisse der Reanimation von Kindern können den BLS-Algorithmus für Erwachsene anwenden!

Technik der Beatmung

Optimale Kopfposition

Beatmung ohne Hilfsmittel

Technik der Thoraxkompressionen [4][17]

Gefäßzugang bei Neugeborenen [21]

Einführlänge eines Nabelvenenkatheters [22]
Geburtsgewicht (g) Einführlänge (cm)
<1.000 6
1.000–<1.500 7
1.500–<2.000 8
2.000–<2.500 9
≥2.500 10–12

Reanimation von Schwangeren [23]

Der Reanimationsalgorithmus bei Schwangeren entspricht dem Erwachsener. Allerdings sind die folgenden schwangerschaftsspezifischen Besonderheiten zu beachten.

Die Behandlung sollte schnellstmöglich interdisziplinär (durch Anästhesie, Geburtshilfe und Neonatologie) erfolgen!

In der fortgeschrittenen Schwangerschaft komprimiert der gravide Uterus evtl. die V. cava inferior und/oder die Aorta abdominalis! Dadurch verringert sich ggf. die Effektivität der Reanimationsmaßnahmen! [26]

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Sonstigestoggle arrow icon

  • Präkordialer Faustschlag
    • Kräftiger Faustschlag auf die untere Hälfte des Sternums
    • Mechanische Erschütterung soll zur Konversion in einen regelmäßigen Herzrhythmus führen
    • Durchführung (wenn überhaupt) nur in den ersten Sekunden eines beobachteten Herz-Kreislauf-Stillstandes sinnvoll
    • Keine Empfehlung für die Maßnahme seitens der aktuellen Reanimationsleitlinien [3]
  • Perkussionsstimulation („Percussion Pacing“) [3]
    • Rhythmische Faustschläge (50–70/min) auf den linken Rand des Sternums
    • Mechanische Erschütterung soll elektrische Herzerregung hervorrufen
    • Durchführung kann bei extremer Bradyarrhythmie erwogen werden
    • Wirksamkeit der Maßnahme nicht erwiesen
  • Hustenreanimation („Cough CPR“)
    • Tiefer Atemzug gefolgt von kräftigem, rhythmischem Husten
    • Resultierende linksatriale/-ventrikuläre und aortale Druckerhöhung soll zur Stabilisierung des Herzrhythmus führen
    • Durchführung nur bei erhaltenem Bewusstsein durch die betroffene Person selbst möglich

Die wichtigste Maßnahme bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist die ohne Zeitverlust konsequent durchgeführte Herzdruckmassage!

Perkussionsstimulation und Hustenreanimation können zwar im Einzelfall erwogen werden, dürfen jedoch keinesfalls die leitliniengerechten Reanimationsmaßnahmen verzögern!

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