Zusammenfassung
Unter kardiopulmonaler Reanimation (engl.: Cardiopulmonary Resuscitation, CPR) sind die Maßnahmen zusammengefasst, die zur Beendigung eines Herz-Kreislaufstillstands durchgeführt werden. Dabei gilt es, Basismaßnahmen (Basic Life Support, BLS) von erweiterten Maßnahmen (Advanced Life Support, ALS) zu unterscheiden.
Die Basismaßnahmen umfassen das Erkennen der Situation, Hilfe rufen, Freimachen der Atemwege, Herzdruckmassage, Beatmung und (soweit vorhanden) den Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED). Diese Maßnahmen können auch von Laienhelfern durchgeführt werden.
Die erweiterten Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation beinhalten neben den grundlegenden Maßnahmen der CPR (wie bei BLS) weiterführende, durch Fachpersonal auszuführende Maßnahmen wie Medikamentengabe (vor allem Adrenalin), eine weitere Sicherung der Atemwege (ggf. Intubation) sowie ggf. spezifische Maßnahmen entsprechend der angenommenen Ursache (bspw. Entlastungspunktion bei Spannungspneumothorax).
Die wichtigste Grundlage einer Reanimation ist die ohne Zeitverlust konsequent durchgeführte Herzdruckmassage.
Ablauf/Durchführung
Überlebenskette
Die Überlebenskette beschreibt die Maßnahmen, die bei einem Kreislaufstillstand durchgeführt werden sollten, um das Überleben zu sichern.
- Rasches Erkennen und um Hilfe rufen
- Frühzeitige kardiopulmonale Reanimation
- Frühzeitige Defibrillation
- Postreanimationsphase
Unverzügliche kardiopulmonale Reanimation, Minimierung der Thoraxkompressionspausen und frühzeitige Defibrillation sind die wichtigsten Grundlagen einer erfolgreichen Reanimation!
Basismaßnahmen / Basic Life Support (BLS)
Die Basismaßnahmen beschreiben die Ersthelfermaßnahmen, die nach Auffinden einer bewusstlosen Person möglichst ohne jegliche Verzögerung durchgeführt werden sollten.
- Siehe für den Handlungsalgorithmus: Basic Life Support - AMBOSS-SOP
Erweiterte Maßnahmen / Advanced Life Support (ALS)
Die erweiterten Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation (Advanced Life Support, ALS) umfassen neben den grundlegenden Maßnahmen der CPR (wie bei BLS) weiterführende – durch Fachpersonal durchzuführende – Maßnahmen wie Defibrillation, Medikamentengabe und ggf. Intubation.
- Siehe für den Handlungsalgorithmus: Advanced Life Support - AMBOSS-SOP
Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung
Technik der Herzdruckmassage [1]
- Seitlich neben bewusstloser Person knien
- Platzierung eines Handballens mittig auf der Brust (beide Hände übereinander mit verschränkten Fingern)
- Senkrecht über Brust der bewusstlosen Person beugen, Arme gestreckt halten
- Thoraxkompressionen
- Kompressionstiefe: Mind. 5 cm, aber möglichst nicht tiefer als 6 cm
- Nach jeder Kompression vollständige Entlastung des Brustkorbs (ohne Verlassen des Druckpunktes)
- Frequenz: 100–120/min
- Wenn möglich Wechsel mit weiterer Person alle 2 min ohne lange Pausen (Vermeidung von Erschöpfung) [2]
Die Thoraxkompression sollte möglichst auf einem festen Untergrund erfolgen! Der CPR-Beginn sollte aber nicht durch eine aufwendige Umlagerung verzögert werden!
Technik der Mund-zu-Mund-Beatmung [1]
- Atemwege öffnen: Kopf überstrecken und Kinn anheben
- Nase der zu beatmenden Person verschließen
- 2 Beatmungen: Tief einatmen, Mund der zu beatmenden Person mit den Lippen umschließen und und ca. 1 s lang Luft einblasen
Unabhängig von der Effektivität der Beatmungsversuche sollte die Herzdruckmassage für die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht länger als 10 s unterbrochen werden!
Geschulte Ersthelfende sollten Thoraxkompressionen und Beatmung kombinieren! Können oder wollen Ersthelfende die Beatmung nicht durchführen, sollten sie eine durchgehende Herzdruckmassage mit der Frequenz 100–120/min durchführen (sog. „Compression-only-CPR“)! [1]
Defibrillation
- Voraussetzung zur Defibrillation: Defibrillierbarer Rhythmus (Kammerflimmern oder pulslose ventrikuläre Tachykardie)
- Ablauf
- Herzdruckmassage → Klebeelektroden aufbringen → „Hands-Off“ zur Notfall-EKG-Diagnostik → Herzdruckmassage wieder aufnehmen → Aufladen → „Hands-Off“ zur 1× Schockabgabe → Sofortige Fortsetzung der Herzdruckmassage
- Bei beobachtetem Auftreten von Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie : Sofortige Defibrillation ohne vorangehende Herzdruckmassage mit bis zu 3 schnell aufeinanderfolgenden Schocks (3er-Salve)
- Position der Elektroden
- 1. Wahl: Anterior-lateral (syn. anterolateral, sternal-apikal)
- Alternativ: Anterior-posterior
- Bei Frauen: Platzierung auf Brustgewebe vermeiden
- Bei implantiertem Herzschrittmacher: Mind. 8 cm Abstand zum Aggregat einhalten
- Energiemenge
- Erwachsene
- Biphasisch: Mind. 150 Joule bei der 1. Schockabgabe, danach Steigerung der Energiemenge möglich
- Monophasisch: 360 Joule bei allen Schockabgaben
- Bei Unklarheit über die empfohlene Einstellung des verwendeten Defibrillators: Höchste Energiemenge für alle Schocks verwenden
- Kinder [4]
- Mono- und biphasisch: 4 Joule/kgKG (max. 120–200 J)
- Nach dem 5. erfolglosen Defibrillationsversuch schrittweise Steigerung bis 8 Joule/kgKG (max. 360 J)
- Siehe auch: Reanimation von Kindern - AMBOSS-SOP
- Erwachsene
Die Herzdruckmassage darf für max. 5 s unterbrochen werden – beim Aufladen des Defibrillators darf die Herzdruckmassage dementsprechend nicht pausiert werden!
Die Defibrillation kann bei den Helfenden Kammerflimmern auslösen! Bei der Schockabgabe darf deswegen niemand die bewusstlose Person oder elektrisch leitfähige Teile (bspw. Beatmungsbeutel) berühren!
Automatisierter externer Defibrillator (AED) [1]
- Beschreibung: Durch Laien bedienbare Geräte zur Analyse des Herzrhythmus mit integrierter Möglichkeit zur Schockabgabe (Defibrillation) bei Vorliegen einer defibrillierbaren Rhythmusstörung
- Wichtige Grundsätze bei der Verwendung
- Klebeelektroden gemäß beiliegender Anleitung anbringen
- Sprachführung bzw. Bildschirmanweisungen folgen
- Analyse des Herzrhythmus erfolgt alle 2 min, währenddessen bewusstlose Person nicht berühren [5]
- Bei empfohlener Schockabgabe: Sicherstellen, dass niemand die bewusstlose Person berührt, dann Schock freigeben (Auslöseknopf)
- Unterbrechungen der Herzdruckmassage so kurz wie möglich halten (insb. sofortige Wiederaufnahme nach Schockabgabe)
- Anwendung auch an Kindern ab 8 Jahren möglich [4]
- AED-Benutzung durch Fachpersonal: Bei manchen Geräten besteht die Option zur EKG-gesteuerten, manuellen Bedienung
Notfall-EKG-Diagnostik
| Übersichtstabelle: Notfall-EKG-Diagnostik | ||
|---|---|---|
| EKG-Befund | Folge | |
| Defibrillierbare Rhythmen | ||
| Pulslose ventrikuläre Tachykardie |
|
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| Kammerflimmern |
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| Nicht-defibrillierbare Rhythmen | ||
| Asystolie |
|
|
| Pulslose elektrische Aktivität (PEA) |
|
|
Postreanimationsphase
Definitionen
- ROSC („Return of Spontaneous Circulation“): Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs während einer Reanimation
- Zeichen
- Wiedererfühlen des Pulses, Zurückkommen des Blutdrucks
- Früher Hinweis bei beatmeten Personen: Anstieg des exspiratorischen CO2 in der Kapnografie
- Zeichen
- Postreanimationssyndrom („Post-Cardiac Arrest Syndrome“): Gesamtheit pathophysiologischer Prozesse nach Kreislaufstillstand mit erfolgreicher Reanimation
Management der Postreanimationsphase [7][8]
- Ziele
- Ursachensuche
- Prävention von Hirnschäden
- Kardiale Dysfunktion behandeln
- Hämodynamische und metabolische Situation optimieren
- Allgemeinmaßnahmen
- 30° Oberkörperhochlagerung
- Legen einer Magensonde
- Sedierung für mind. 24 h
- Atemwegssicherung
- Bei komatösen/sedierten Personen
- Endotracheale Intubation mit Kapnografie (falls noch nicht etabliert) und maschinelle Beatmung
- Mit FiO2 von 1,0 beginnen, dann auf Zielwerte titrieren (spO2 94–98%, paO2 75–100 mmHg bzw. 10–13 kPa)
- Normokapnie anstreben (paCO2 35–45 mmHg bzw. 4,7–6,0 kPa)
- Bei nur kurz andauerndem Kreislaufstillstand, rascher Rückkehr zur Spontanatmung und fehlendem Anhalt für neurologische Defizite
- Möglicherweise keine endotracheale Intubation notwendig
- Bei spO2 <94%: Sauerstoffgabe über eine Gesichtsmaske
- Bei komatösen/sedierten Personen
- Temperaturkontrolle bei komatösen Personen nach ROSC
- Kontinuierliche Messung der Körperkerntemperatur empfohlen
- Temperaturanstieg >37,5 °C möglichst vermeiden
- Aktive Prävention von Fieber für 36–72 h, bspw. durch
- Gabe von Antipyretika (bspw. Paracetamol, Metamizol)
- Physikalische Maßnahmen (bspw. kalte Waschung, Anbringen von Kühlpackungen)
- Gerätebasierte Maßnahmen (bspw. Kühlmatten, intravasaler Kühlkatheter)
- Keine aktive Erwärmung bei milder Hypothermie nach ROSC
- Keine prähospitale Kühlung durch schnelle Gabe großer Mengen kalter Infusionslösung
- Monitoring
- Arteriellen Mitteldruck von >60–65 mmHg anstreben (invasive arterielle Blutdruckmessung)
- Urinproduktion (>0,5 mL/kgKG/h) und Normalisierung des Lactats anstreben
- Normokaliämie und Normoglykämie anstreben
- Symptomatische Bradykardie behandeln
- Bei hämodynamischer Instabilität
- Echokardiografie (Einschätzung der kardialen Beeinträchtigung)
- Volumengabe + Noradrenalin + ggf. Dobutamin
- Bei unzureichendem Behandlungserfolg: Extrakorporale Unterstützungssysteme erwägen (bspw. Impella, ECMO)
- Ursachensuche und spezifische Therapie
- 12-Kanal-EKG: Abklärung kardialer Ursache
- Bei V.a. kardiale Ischämie: Herzkatheteruntersuchung
- Schädel- und Thorax-CT: Abklärung respiratorischer oder neurologischer Ursachen
- Ganzkörper-CT: Bei Hinweisen auf traumatische oder hämorrhagische Ursache
- Bei klarer Ursache: Entsprechender Transfer, bspw. zur Herzkatheteruntersuchung, ITS oder OP
- 12-Kanal-EKG: Abklärung kardialer Ursache
- Abklärung weiterer Komplikationen: Bspw. Röntgen-Thorax
- Prognoseabschätzung bei komatösen ROSC-Patienten: Siehe Neurologische Prognoseabschätzung bei schwerer HIE
Für komatöse Personen nach ROSC wird eine aktive Fieberprävention für 36–72 h empfohlen! Bestenfalls sollte die Körperkerntemperatur in diesem Zeitraum 37,5 °C nicht überschreiten! [6]
Reanimationsassoziierte Komplikationen
- Rippenfrakturen
- Verletzungen von Bauchorganen/Brustorganen mit inneren Blutungen (abdominell/thorakal/Hämatoperikard) → Schneller Nachweis durch Sonografie von Abdomen und Thorax
- Posthypoxische Myoklonien
- Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie
Prognose
- Überleben nach Reanimation mit schockbarem Rhythmus : Ca. 50% nach 6 Monaten, davon
- 3% mit schweren Behinderungen und Defiziten
- 4% mit mittelgradigen Behinderungen
- 22% mit leichten Defiziten und Behinderungen
- 17% ohne neurologische oder kognitive Defizite
- Überleben nach Reanimation ohne schockbaren Rhythmus: Ca. 17%
Verzichts- bzw. Abbruchkriterien
Hintergrund [10][11]
- Ethisch und medizinisch herausfordernde Entscheidung über Beginn bzw. Fortführung einer Reanimation
- Entspricht die Maßnahme dem Patientenwillen?
- Hat die Maßnahme einen medizinischen Nutzen?
- Liegen alle relevanten Informationen zur Entscheidungsfindung vor?
- Mögliche Einflussfaktoren im Entscheidungsprozess
- Lebensalter
- Vorerkrankungsprofil (inkl. Frailty)
- Art, Ursache und initiale Behandlung des Kreislaufstillstands
- Beobachteter oder unbeobachteter Kollaps?
- Vorliegen oder Fehlen reversibler Ursachen eines Kreislaufstillstands?
- Laienreanimation durchgeführt oder nicht?
- Primärer Herzrhythmus und Ansprechen auf Reanimationsmaßnahmen
In die Entscheidungsfindung über den Beginn bzw. Fortführung von Reanimationsmaßnahmen sollten das gesamte Team und ggf. die Angehörigen einbezogen werden!
Die Folgen einer nicht oder verzögert begonnenen Reanimation können nicht rückgängig gemacht werden – im Allgemeinen empfiehlt sich daher der Beginn von Reanimationsmaßnahmen!
Empfehlungen des European Resuscitation Council [12]
- Mögliche Abbruchkriterien
- Therapierefraktäre Asystolie trotz 20 min Advanced Life Support und
- Fehlen reversibler Ursachen eines Kreislaufstillstands und
- Fehlen anderer klinischer Faktoren, die gegen einen Abbruch sprechen
- Für spezifische Abbruchkriterien siehe auch: Reanimation nach Trauma
- Ungeeignete Abbruchkriterien
- Sonografischer Befund des Herzens
- Ergebnisse der Blutgasanalyse
- Pupillengröße bzw. Pupillenreflex
Die Entscheidung, ob und wie lange eine Reanimation durchgeführt wird, muss stets individuell getroffen werden! Die Gründe für einen Verzicht auf bzw. den Abbruch von Reanimationsmaßnahmen sollten in diesem Zusammenhang klar dokumentiert werden!
Unmittelbar nach dem Abbruch von Reanimationsmaßnahmen sollte eine Nachbesprechung zur Identifikation von Personen mit Bedarf an emotionaler Unterstützung sowie zur Kommunikation möglicher ethischer Konflikte durchgeführt werden!
Exkurs: ToR-Regeln und „Slow Code“ [12]
- ToR-Regeln: Abbruchregeln für die Reanimation erwachsener Personen bei außerklinischem Herzstillstand (ToR = „Termination of Resuscitation“)
- Verschiedene Konzepte vorhanden, bspw.
- BLS-ToR-Regel (Basic Life Support) [13][14]
- ALS-ToR-Regel (Advanced Life Support) [13][15]
- Modifizierte Goto-ToR-Regel [16]
- Anwendung vom International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) empfohlen
- Verschiedene Konzepte vorhanden, bspw.
- „Slow Code“: Umgangssprachliche Bezeichnung für eine absichtlich suboptimal durchgeführte Reanimation
- Reanimationsmaßnahmen werden als aussichtslos bzw. nicht indiziert angesehen
- Reanimation erfolgt nur unter dem Vorwand, das Leben der betroffenen Person zu retten
- Bewertung des European Resuscitation Council: Irreführende Praxis, an der sich ärztliches Personal nicht beteiligen soll
Aufgrund einer unzureichenden Datenlage sollen ToR-Regeln nicht bei Kindern oder Personen mit innerklinischem Herzstillstand angewendet werden! [12]
Besondere Patientengruppen
Reanimation von Neugeborenen und Kindern
Das Vorgehen bei der Reanimation von Neugeborenen und Kindern weicht wegen anatomischer Besonderheiten und der meist respiratorischen Genese eines Kreislaufstillstands in diesem Alter teilweise vom Vorgehen bei der Erwachsenenreanimation ab. Im Folgenden sind grundlegende Unterschiede zur Erwachsenenreanimation aufgeführt, die konkreten Reanimationsalgorithmen sind in den entsprechenden SOPs dargestellt:
Allgemeines Vorgehen [4][17]
- Neugeborene unmittelbar nach der Geburt
- Initial fünf Beatmungshübe mit verlängerter Inspirationszeit (2–3 s); nachfolgend Wiederbeurteilung (Atmung, Herzfrequenz), sicheres Etablieren suffizienter Beatmung, erst anschließend Thoraxkompressionen
- Verhältnis Thoraxkompressionen zu Beatmung = 3:1
- Säuglinge, Kinder und Jugendliche
- Initial 5 Beatmungen, nachfolgend Wiederbeurteilung, erst anschließend Thoraxkompressionen
- Verhältnis Thoraxkompressionen zu Beatmung
- Einzel- oder Laienhelfende: 30:2
- Professionelle Helfende: 15:2
- Weiteres Vorgehen ist ähnlich dem bei Erwachsenen
Bei der Reanimation von Kindern steht die Beatmung stärker im Vordergrund, da ein Kreislaufstillstand häufig respiratorisch und nicht kardial bedingt ist!
Ersthelfende ohne Kenntnisse der Reanimation von Kindern können den BLS-Algorithmus für Erwachsene anwenden!
Technik der Beatmung
Optimale Kopfposition
- Neugeborene und Säuglinge: Neutralposition oder Schnüffelstellung [18][19][20]
- Neutralposition
- Definition: Ausrichtung der Medianlinie parallel zur Auflage, Blickrichtung beim Geradeausblick senkrecht nach oben
- Einsatz: Zum Freimachen der Atemwege bei Neugeborenen/Säuglingen
- Durchführung: Schulterrolle (ca. 2 cm dickes Tuch unter den Schultern)
- Schnüffelstellung
- Durchführung: Nackenrolle unterlegen
- Neutralposition
- Kinder: Kopf überstrecken
Beatmung ohne Hilfsmittel
- Kinn anheben
- Neugeborene/Säuglinge
- Kinder: Mund-zu-Mund-Beatmung
Technik der Thoraxkompressionen [4][17]
- Neugeborene/Säuglinge: Zwei-Daumen-Technik
- Kinder ≥1 Jahr: Handballentechnik
- Durchführung von unten/seitlich oder von oben/hinten (über den Kopf)
- Siehe auch: Technik der Herzdruckmassage
Gefäßzugang bei Neugeborenen [21]
- Nabelvenenkatheter (NVK)
- Definition: Zentralvenöser Katheter, der in die Nabelvene (V. umbilicalis) Neugeborener eingeführt wird
- Indikation
- Reanimation Neugeborener
- Kritisch kranke Frühgeborene und reife Neugeborene
- Volumenzufuhr, Medikamentenapplikation inkl. vasoaktiver Substanzen
- Messung des zentralen Venendrucks (ZVD)
- Austauschtransfusion, Hämodilution
- Diagnostische Blutentnahmen möglich
- Kontraindikationen
- Fehlbildungen: Nabelfehlbildungen, Omphalozele, Gastroschisis
- Infektionen: Omphalitis, Peritonitis, nekrotisierende Enterokolitis
- Komplikationen
- Katheterassoziierte Infektion
- Pfortaderthrombose
- Verletzung des Leberparenchyms
- Anlage
- Katheter entlüften und im geschlossenen System verwenden, um Luftembolien zu vermeiden
- Desinfektion von Nabelschnurstumpf und umliegender Haut
- Abbinden der Nabelschnur proximal der Nabelschnurklemme
- Kürzen der Nabelschnur mit Skalpell
- Nabelvene mit Knopfsonde dilatieren
- Nabelvenenkatheter einführen und bis in die V. cava inferior vorschieben
- Lagekontrolle
- Unter Reanimation: Durch Aspiration von Blut
- Bei längerer Verwendung: Sonografie oder Röntgen von Thorax und Abdomen a.p.
- Fixierung des NVK
| Einführlänge eines Nabelvenenkatheters [22] | |
|---|---|
| Geburtsgewicht (g) | Einführlänge (cm) |
| <1.000 | 6 |
| 1.000–<1.500 | 7 |
| 1.500–<2.000 | 8 |
| 2.000–<2.500 | 9 |
| ≥2.500 | 10–12 |
Reanimation von Schwangeren [23]
Der Reanimationsalgorithmus bei Schwangeren entspricht dem Erwachsener. Allerdings sind die folgenden schwangerschaftsspezifischen Besonderheiten zu beachten.
- Atemwegssicherung [24]
- In der Schwangerschaft erschwert
- Ggf. frühzeitige endotracheale Intubation
- Thoraxkompressionen: Bei fortgeschrittener Schwangerschaft weiter kranial auf dem Sternum aufsetzen [24]
- Ursachen des Kreislaufstillstands untersuchen und behandeln (parallel zur Reanimation)
- Schwangerschaftsabhängige Ursachen (4P)
- Präeklampsie und Eklampsie
- Puerperalsepsis
- Plazentare and uterine Komplikationen
- Peripartale Kardiomyopathie
- Nicht-schwangerschaftsabhängige Ursachen, siehe: Reversible Ursachen eines Kreislaufstillstands
- Schwangerschaftsabhängige Ursachen (4P)
- Verhinderung aortokavaler Kompression (parallel zur Reanimation, insb. ab 20. SSW) [25][26][27]
- Manuelle Uterusverlagerung nach links
- Linksseitenlagerung (15–30°), wenn weiterhin suffiziente Thoraxkompressionen gewährleistet sind
- Perimortale Crash-Sectio, wenn der Spontankreislauf nicht rasch wieder einsetzt
Die Behandlung sollte schnellstmöglich interdisziplinär (durch Anästhesie, Geburtshilfe und Neonatologie) erfolgen!
In der fortgeschrittenen Schwangerschaft komprimiert der gravide Uterus evtl. die V. cava inferior und/oder die Aorta abdominalis! Dadurch verringert sich ggf. die Effektivität der Reanimationsmaßnahmen! [26]
Sonstiges
- Präkordialer Faustschlag
- Kräftiger Faustschlag auf die untere Hälfte des Sternums
- Mechanische Erschütterung soll zur Konversion in einen regelmäßigen Herzrhythmus führen
- Durchführung (wenn überhaupt) nur in den ersten Sekunden eines beobachteten Herz-Kreislauf-Stillstandes sinnvoll
- Keine Empfehlung für die Maßnahme seitens der aktuellen Reanimationsleitlinien [3]
- Perkussionsstimulation („Percussion Pacing“) [3]
- Rhythmische Faustschläge (50–70/min) auf den linken Rand des Sternums
- Mechanische Erschütterung soll elektrische Herzerregung hervorrufen
- Durchführung kann bei extremer Bradyarrhythmie erwogen werden
- Wirksamkeit der Maßnahme nicht erwiesen
- Hustenreanimation („Cough CPR“)
- Tiefer Atemzug gefolgt von kräftigem, rhythmischem Husten
- Resultierende linksatriale/-ventrikuläre und aortale Druckerhöhung soll zur Stabilisierung des Herzrhythmus führen
- Durchführung nur bei erhaltenem Bewusstsein durch die betroffene Person selbst möglich
Die wichtigste Maßnahme bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist die ohne Zeitverlust konsequent durchgeführte Herzdruckmassage!
Perkussionsstimulation und Hustenreanimation können zwar im Einzelfall erwogen werden, dürfen jedoch keinesfalls die leitliniengerechten Reanimationsmaßnahmen verzögern!
Studientelegramme zum Thema
- HOMe Studientelegramme Innere Medizin
- Studientelegramm 189-2021-1/3: Die VAM-IHCA-Studie – ernüchternde Daten zur “In-Hospital-Reanimation”
- Studientelegramm 41-2018-1/3: Under Pressure – Adrenalin bei Reanimationen?
- One-Minute Telegram (aus unserer englischsprachigen Redaktion)
- One-Minute Telegram 107-2024-1/3: Shocking news: defibrillator pad positioning may affect ROSC in cardiac arrest
- One-Minute Telegram 65-2022-2/3: Better outcomes with alternative defibrillation strategies
- One-Minute Telegram 57-2022-1/3: Cooling after out-of-hospital cardiac arrest mitigates the association between higher epinephrine doses and poor neurological outcomes
- One-Minute Telegram 37-2021-2/3: Vasopressin plus methylprednisolone for cardiac arrest: Can a cocktail save lives?
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AMBOSS-Podcast zum Thema
AMBOSS-Award 2024: Region der Lebensretter e.V. (Dezember 2024)
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