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Wirbelgleiten

Letzte Aktualisierung: 4.8.2021

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Das Wirbelgleiten ist eine erworbene Erkrankung, bei der durch einen Spalt in den Wirbelbögen (Spondylolyse) der Wirbelkörper samt kranial liegender Wirbelsäule nach vorne (Anterolisthesis) oder selten hinten (Retrolisthesis) gleitet. Ursächlich sind neben genetischen Faktoren eine chronische Belastung junger Menschen im Hohlkreuz wie beispielsweise Kunstturnen. Von der Erkrankung sind zwar 6% der westlichen Bevölkerung betroffen, jedoch bleiben diese meist beschwerdefrei. Ein symptomatisches Wirbelgleiten manifestiert sich durch belastungsabhängige Rückenschmerzen in der hauptsächlich involvierten Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in Gesäß und Oberschenkel. Die Diagnose gelingt durch radiologische Bildgebung, wobei das Ausmaß der Wirbelkörperverschiebung in fünf Graden nach Meyerding eingeteilt wird. Bei Progredienz des Wirbelgleitens kann der Wirbelkörper nach vorne abkippen (Spondyloptose). In der Regel sind physiotherapeutische Behandlung und Verlaufskontrollen ausreichend, neurologische Ausfallerscheinungen stellen aber eine Operationsindikation dar.

  • Häufige Erkrankung (6% der westlichen Bevölkerung)
  • Geschlecht: >
  • Alter: Häufigkeitsgipfel 12.–17. Lebensjahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Genetische Prädisposition, jedoch bei Geburt nie manifest
  • Starke körperliche Beanspruchung in Hyperlordose (im Hohlkreuz) in der Kindheit
    • Kunstturnen
    • Delphinschwimmen
    • Speerwerfen
    • Gewichtheben
  • Traumatisch
  • Degenerative Veränderungen
  • Spondylolyse
  • Dysplasie der Wirbelbogengelenke
  • Einteilung in fünf Grade nach Meyerding
    • Der untere/kaudale Wirbelkörper wird hierbei in Viertel unterteilt
    • Je nachdem wie weit der kranial gelegene Wirbelkörper nach ventral gleitet, ergibt sich daraus der Meyerding-Grad

  • Degeneratives Wirbelgleiten (Synonym: Pseudospondylolisthesis)
    • Definition: Ventralverschiebung von Wirbelkörpern ohne Spaltbildungen in den Interartikularportionen (= ohne Spondylolyse), sondern durch Bandscheibendestruktion und Lockerung der Zwischenwirbelgelenke
      • Wirbelgleiten meist nur bis zum 2. Grad nach Meyerding
    • Epidemiologie: Beginn in der Regel erst ab dem 50.-60. Lebensjahr
    • Klinik
  • Degeneratives Drehgleiten
    • Definition: Rotatorische Instabilität eines Wirbelkörpers
    • Diagnostik: Röntgen des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts in zwei Ebenen
  • Facettensyndrom

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Prognose ist abhängig vom Meyerding-Stadium und der klinischen Symptomatik
  • Ab Meyerding-Grad 3 oder höher ist die Prognose etwas schlechter als bei milder Spondylolisthesis

Lokalisation der Wirbelsäulenbeteiligung

  • 0 Mehrere Lokalisationen der Wirbelsäule
  • 1 Okzipito-Atlanto-Axialbereich
  • 2 Zervikalbereich
  • 3 Zervikothorakalbereich
  • 4 Thorakalbereich
  • 5 Thorakolumbalbereich
  • 6 Lumbalbereich
  • 7 Lumbosakralbereich
  • 8 Sakral- und Sakrokokzygealbereich
  • 9 Nicht näher bezeichnete Lokalisation

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

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  3. Grifka, Krämer: Orthopädie Unfallchirurgie. 9. Auflage Springer 2013, ISBN: 978-3-642-28875-3 .
  4. Wirth et al.: Facharztprüfung Orthopädie und Unfallchirurgie, 1000 kommentierte Prüfungsfragen. 2. Auflage Thieme 2013, ISBN: 978-3-131-40652-1 .
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  6. Krämer, Grifka: Orthopädie, Unfallchirurgie. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48498-1 .
  7. BÄK: Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage 2017, doi: 10.6101/azq/000353 . | Open in Read by QxMD .