Zusammenfassung
Lauserkrankungen (Pedikulosen) kommen weltweit vor und zählen neben der Skabies zu den häufigsten Ektoparasitosen Europas. Die Läuse ernähren sich von Blut und injizieren beim Saugen Speichel in die Haut, der zu juckenden Hautveränderungen führen kann. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Neben Hygienemaßnahmen ist bei der Pediculosis capitis und pubis eine manuelle Entfernung von Läusen und Nissen erforderlich, bei der Pediculosis capitis darüber hinaus eine lokale medikamentöse Therapie mit Dimeticon oder Permethrin. Kleiderläuse halten sich i.d.R. auf den Kleidungsstücken auf, sodass eine zusätzliche Behandlung des Körpers nicht nötig ist. Da Pedikulosen sehr ansteckend sind, können Gemeinschaftseinrichtungen erst nach erfolgter Therapie wieder besucht werden.
Ätiologie
- Drei Läusearten befallen den Menschen
- Lebenszyklus der Kopflaus
Als Ektoparasiten verbleiben Läuse auf der Körperoberfläche ihres Wirts und lösen entsprechend Hautsymptome aus. Sie ernähren sich von Blut und injizieren beim Saugen Speichel in die Haut, der zu juckenden Hautveränderungen führt!
Epidemiologie
- Weltweites Auftreten von Pedikulosen
- Häufigste Ektoparasitose Europas neben Skabies
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Pediculosis capitis (Kopflausbefall)
- Erreger: Pediculus humanus capitis
- Adulte weibliche Kopflaus hat eine Körperlänge von ca. 3 mm
- Nissen (Eier) haben eine Größe von ca. 0,8 mm
- Übertragung
- I.d.R. von Mensch zu Mensch bei direktem Kontakt der Haare
- Möglicherweise selten indirekt über Gegenstände
- Epidemiologie
- Alter: Befall in jedem Lebensalter möglich; Gipfel im Grundschulalter
- Risikofaktoren: Unterkunft auf engem Raum, insb. Teilen des Schlafplatzes
- Symptomatik
- 80% symptomloser Befall
- Leitsymptom: Starker Juckreiz der Kopfhaut erst Wochen nach Infestation (nur bei 20% der Betroffenen)
- Prädilektionsstellen: Retroaurikulär und nuchal
- Ggf. gerötete, stark juckende Papeln insb. nuchal
- Verfilzen/Verkleben der Haare bei exzessivem Befall
- Komplikationen: Kratzexkoriationen und Impetiginisierung mit Bildung von Pusteln und Krusten sowie regionaler Lymphadenitis
- Diagnostik
- Strähnenweises Auskämmen der angefeuchteten Haare mithilfe eines Läusekamms mit Zinkenabstand 0,2–0,3 mm
- Nachweis von lebenden Kopfläusen
- Ggf. Nachweis von Nissen (leeren Eihüllen)
- Strähnenweises Auskämmen der angefeuchteten Haare mithilfe eines Läusekamms mit Zinkenabstand 0,2–0,3 mm
- Differenzialdiagnosen: Seborrhoisches Ekzem der Kopfhaut, Psoriasis capitis, Impetigo contagiosa und Tinea capitis
Häufige Haarwäsche schützt NICHT vor einer Pediculosis capitis!
Da nur bei ca. 20% der Betroffenen Juckreiz auftritt, sollten ALLE engen Kontaktpersonen untersucht und ggf. mitbehandelt werden!
Ohne Nachweis lebender Läuse muss die Therapieindikation streng abgewogen werden!
Pediculosis vestimentorum (Kleiderlausbefall)
- Erreger: Pediculus humanus humanus (Pediculus vestimentorum)
- Seltenere adulte weibliche Kleiderlaus mit einer Länge von ca. 3–5 mm
- Nissen (Eier) haben eine Größe von ca. 0,5–0,8 mm
- Nisten an Falten, Nähten und Säumen von Kleidung
- Übertragung: Direkt durch engen Körperkontakt und indirekt über gemeinsam genutzte Kleidungsstücke
- Risikofaktor: Zu seltenes Waschen der Kleidung
- Symptomatik: Stark juckende, urtikarielle Papeln und Knoten, insb. an Armen und Beinen
- Komplikationen
- Kratzexkoriationen und Impetiginisierung
- Verbreitung von Rickettsia prowazekii (Fleckfieber), Bartonella quintana (Wolhynisches Fieber) und Borrelia recurrentis (Rückfallfieber), da die Kleiderlaus Vektor für diese Erreger ist
Pediculosis pubis (Filzlausbefall)
- Synonym: Phthiriasis [4]
- Erreger: Phthirus pubis
- Die Filzlaus ist klein (ca. 1,0–1,6 mm) und gedrungen
- Nissen (Eier) haben eine Größe von ca. 1 mm
- Übertragung
- Meist direkt durch Geschlechtsverkehr
- Indirekt durch Wäsche und Matratzen möglich
- Risikofaktoren
- Starke Körperbehaarung
- Wechselnde Sexualpartner
- Symptomatik: Starker Juckreiz und Taches bleues (Maculae coeruleae): Juckende, unscharf begrenzte blaugraue Flecken, insb. im Genitalbereich
- Weitere Prädilektionsstellen: Achselhöhlen, Bauch- und Brustbehaarung und Barthaare, bei Kindern auch Augenbrauen und Wimpern
- Komplikation: Kratzexkoriationen und Impetiginisierung
- Prävention
- Körperhygiene
- Intimrasur
Therapie und Prophylaxe
Maßnahmen bei Infestation mit Läusen
- Pediculosis capitis [3]
- Strähnenweises Auskämmen der feuchten Haare mit einem Läusekamm
- Zeitpunkt
- Tag 1 (direkt nach der medikamentösen Therapie)
- Tag 8–10 (direkt nach der medikamentösen Wiederholungstherapie)
- Anschließend einmal wöchentlich für weitere 3 Wochen
- Zeitpunkt
- Plus medikamentöse Therapie: 1. Wahl Dimeticon, alternativ Permethrin
- Untersuchung aller engen Kontaktpersonen im selben Haushalt und/oder beim Teilen des Schlafplatzes (bspw. Übernachtungsbesuch)
- Regelmäßige Kontrollen bei Kindergarten- und Schulkindern durch systematisches Auskämmen sind effektiver als anlassbezogene Kontrollen aufgrund von Indexfällen
- Möglicherweise zusätzliche Hygienemaßnahmen [1][2]
- Haarbürsten, Kämme, Haarspangen und -gummis für 30 s in >60 °C heißes Wasser geben
- Waschen von Kleidungsstücken, Stofftieren, Handtüchern und Bettwäsche (soweit möglich) bei >60 °C
- Nicht-waschbare Gegenstände bei Zimmertemperatur für 3–7 Tage luftdicht verpacken oder für 48 h in die Tiefkühltruhe legen
- Strähnenweises Auskämmen der feuchten Haare mit einem Läusekamm
- Pediculosis pubis: I.d.R. manuelle Therapie (Rasur, Auskämmen) ausreichend
- Bei Persistenz medikamentöse Therapie (CAVE, ggf. Off-Label)
- Pediculosis vestimentorum: I.d.R. Körperhygiene und Waschen der Kleidung ausreichend
Hygienemaßnahmen wie das heiße Waschen oder luftdichte Verpacken von Gegenständen werden beim Kopflausbefall inzwischen NICHT mehr einheitlich empfohlen! [3]
Vorgehen in Gemeinschaftseinrichtungen bei Pediculosis capitis
- Bei Kopflausbefall eines Kindes in einer Gemeinschaftseinrichtung
- Ist das Kind entweder sofort oder am Ende des Tages bis zur Tilgung freizustellen
- Ist es von der Leitung der Einrichtung namentlich an das Gesundheitsamt zu melden (gemäß § 34 Abs. 6 IfSG)
- Ist das Auftreten dieses Kopflausbefalls anonymisiert bekannt zu geben, damit die anderen Kinder kontrolliert werden können
- Erfolgt die Wiederzulassung am Folgetag nach einmaliger Behandlung
- Sollte bei Ausbrüchen das Gesundheitsamt einbezogen werden
Medikamentöses Vorgehen bei Pediculosis
Dimeticon bei Pedikulose
- Darreichungsform: Lösung
- Zu beachten
- Bei allergischen Reaktionen sofort Therapie abbrechen, bei Augenkontakt sofort gründlich ausspülen
- Helles Handtuch über die Schultern legen, um herabfallende Läuse und Nissen sichtbar zu machen
Jacutin Pedicul® Fluid (Dimeticon)
- Zugelassen in jedem Alter, auch während Schwangerschaft und Stillzeit
- Standarddosierung (jedes Alter)
NYDA® Läusespray (Dimeticon)
- Zugelassen in jedem Alter, auch während Schwangerschaft und Stillzeit
- Standarddosierung (jedes Alter)
Permethrin bei Pedikulose [5][6][7][8]
- Dosierungsempfehlung
- Darreichungsform: Lösung
- Zugelassen ab dem 3. Lebensmonat (Anwendung bei Kindern <3 Jahre nur unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht)
- Dosierung altersabhängig: Dosierungsbeispiele
- Kinder 2 Monate bis 3 Jahre
- Kinder ab 4 Jahren und Jugendliche
- Zu beachten
- In der Schwangerschaft nur nach strenger Indikation anzuwenden, in der Stillzeit nach der Anwendung eine Stillpause von 3 Tagen einlegen
- Bei allergischen Reaktionen sofort Therapie abbrechen, bei Augenkontakt sofort gründlich ausspülen
- Beim Auftragen der Lösung Einmalhandschuhe verwenden, um unnötigen Hautkontakt zu vermeiden
- Vor der Anwendung Haare mit Shampoo ohne Spülung waschen und nur mit Handtuch trocknen
- Helles Handtuch über die Schultern legen, um herabfallende Läuse und Nissen sichtbar zu machen
Meldepflicht
Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für die Pedikulose im Allgemeinen, wohl aber für ein Auftreten in Gemeinschaftseinrichtungen.
- Meldepflicht für Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 und § 34 IfSG
- Bei Auftreten einer Pedikulose in einer Gemeinschaftseinrichtung ist es vom Leiter der Einrichtung namentlich an das Gesundheitsamt zu melden (gemäß § 34 Abs. 6 IfSG)
- Das Gesundheitsamt kann gegenüber der Gemeinschaftseinrichtung anordnen, dass das Auftreten einer Pedikulose ohne Hinweis auf die betroffene Person (Stichwort Datenschutz) in der Gemeinschaftseinrichtung bekannt gegeben wird (§ 34 Abs. 8 IfSG)
- Bei Ausbrüchen sollte das Gesundheitsamt einbezogen werden
Meditricks
In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.
Läuse und Pedikulosen
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- B85.-: Pedikulose [Läusebefall] und Phthiriasis [Filzläusebefall]
- B85.0: Pedikulose durch Pediculus humanus capitis
- B85.1: Pedikulose durch Pediculus humanus corporis
- B85.2: Pedikulose, nicht näher bezeichnet
- B85.3: Phthiriasis [Filzläusebefall]
- Befall durch: Filzläuse, Phthirus pubis
- B85.4: Mischformen von Pedikulose und Phthiriasis
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.