Zusammenfassung
Die Magenchirurgie ist ein Teilbereich der Viszeralchirurgie, der u.a. resezierende Eingriffe am Magen umfasst. Zu den typischen Indikationen für eine Magenresektion zählt insb. das Magenkarzinom. Daneben kann ein solcher Eingriff auch bei Magenausgangsstenose oder Ulkusperforation bzw. endoskopisch nicht-beherrschbarer Ulkusblutung indiziert sein. Zur Wiederherstellung der gastrointestinalen Passage nach einer Magenresektion stehen verschiedene Rekonstruktionsverfahren zur Verfügung. In Deutschland wird zu diesem Zweck typischerweise eine Roux-Y-Anastomose angelegt. Sowohl intra- als auch postoperativ kann es zu Komplikationen kommen, die ein zügiges und strukturiertes Vorgehen erfordern.
Anatomische Grundlagen
Gefäßversorgung [1]
- Arterielle Versorgung: Durch Abgänge des Truncus coeliacus
- Venöser Abfluss
Ursprung aller den Magen versorgenden Arterien ist der Truncus coeliacus!
Operationstechnische Einteilung
- Magen
- Oberes bzw. proximales Drittel: Subkardiale Region
- Mittleres Drittel: Fundus und Korpus
- Unteres bzw. distales Drittel: Antrum
- Lymphknoten [2][3]
- Kompartiment 1: Lymphstationen unmittelbar an Curvatura major und minor des Magens
- Kompartiment 2: Lymphstationen entlang des Truncus coeliacus und der A. hepatica propria
- Kompartiment 3: Lymphstationen entlang der Aorta und der A. mesenterica superior
Magenresektion
Übersicht
Distale Magenresektion
- Typische Indikationen
- Magen(früh)karzinom
- Magenausgangsstenose
- Ulkusperforation bzw. endoskopisch nicht-beherrschbare Ulkusblutung
- Resektionsgrenzen
- Bei onkologischer Indikation: Je nach Tumorlokalisation ¾–⅘ des Magens
- Kleine Kurvatur: 2–3 cm aboral der Kardia
- Große Kurvatur: Aborale ⅘
- 2–3 cm aboral des Pylorus
- Bei nicht-onkologischer Indikation: I.d.R. ⅔ des Magens
- Kleine Kurvatur: 3–5 cm aboral der Kardia
- Große Kurvatur: Aborale ⅔ unter Erhalt der A. gastroomentalis sinistra
- Aboral: Abhängig vom Rekonstruktionsverfahren nach Magenresektion
- Bei onkologischer Indikation: Je nach Tumorlokalisation ¾–⅘ des Magens
- Durchführung siehe: Distale Magenresektion - Durchführung
- Komplikationen siehe: Magenresektion - Komplikationen
Je nach Indikation werden bei der distalen Magenresektion i.d.R. ⅔ bis ⅘ des Magens entfernt – atypische Resektionen sind jedoch ebenfalls möglich!
Gastrektomie [4][5]
- Typische Indikation: Magenkarzinom
- Resektionsgrenzen
- Kardia bis ca. 3 cm aboral des Pylorus
- Omentum majus
- Zusätzliche Maßnahme: D2-Lymphadenektomie (D2-LAD)
- Durchführung siehe: Gastrektomie - Durchführung
- Komplikationen siehe: Magenresektion - Komplikationen
Eine Gastrektomie wird standardmäßig in Kombination mit einer D2-LAD durchgeführt!
Perioperatives Management
- Allgemeines präoperatives Management siehe: Elektive OP-Vorbereitung und unmittelbar präoperatives Management
- Spezielles stationäres postoperatives Management
- Am OP-Tag
- Enterale Nahrungskarenz
- Infusionstherapie, siehe: Stufenkonzept zur perioperativen Flüssigkeits- und Volumentherapie
- Suffiziente Analgesie
- Ab 1. postoperativen Tag
- Enterale Ernährung über nasogastrale Magensonde, ggf. Magensonde entfernen und Trinken
- Mobilisierung, Krankengymnastik, Atemgymnastik
- Ab 4.–5. postoperativen Tag: Kalorienreiche Drinks und Suppe
- Am OP-Tag
Klinikinterne Standards für das perioperative Management bei Magenresektion sind zu beachten!
Distale Magenresektion
Durchführung einer distalen Magenresektion (mit regionaler D2-LAD) | ||
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OP-Schritt | Onkologische Indikation | Benigne Indikation |
Zugang |
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Vorbereitungen |
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| — | |
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1. Schritt der D2-LAD |
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Bursa omentalis eröffnen |
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— |
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Duodenum absetzen | ||
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2. Schritt der D2-LAD |
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3. Schritt der D2-LAD |
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Magen absetzen |
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Rekonstruktion |
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Drainagen |
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Gastrektomie
Durchführung einer Gastrektomie mit regionaler D2-LAD | ||
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OP-Schritt | webOP-Inhalte | |
Zugang |
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Vorbereitung |
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Mobilisation |
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1. Schritt der D2-LAD |
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Absetzen des großen Netzes und der gastroomentalen Gefäße |
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Duodenum absetzen |
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2. Schritt der D2-LAD |
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Ösophagus mobilisieren und dritter 3. Schritt der D2-LAD |
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Magen absetzen |
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Rekonstruktion |
| — |
Drainagen |
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Rekonstruktionsverfahren nach Magenresektion
Übersicht
Roux-Y-Anastomose [1][5]
- Definition: Verfahren zur Wiederherstellung der gastrointestinalen Passage nach distaler Magenresektion bzw. Gastrektomie
- Anastomose des Jejunums mit dem Restmagen bzw. mit der Speiseröhre
- Anastomose des Jejunums mit dem Duodenalstumpf
- Anwendung: Bevorzugtes Rekonstruktionsverfahren in Deutschland
- Vorteile
- Anlage technisch einfach durchführbar [6]
- Postoperativ vergleichsweise wenig Gallereflux
- Nachteile
- Ggf. Roux-Stase-Syndrom
- Ggf. Maldigestion durch Ausschaltung des Duodenums [7]
- Durchführung siehe: Roux-Y-Anastomose - Durchführung
- Komplikationen siehe: Magenresektion - Komplikationen
Roux-Y-Anastomose mit Pouch-Erweiterung [1][8]
- Typische Varianten
- Hunt-Lawrence-Rodino-Pouch
- Jejunoplicatio nach Siewert/Peiper
- Anwendung: Bei Personen mit guter Gesamtprognose sinnvoll
- Vorteile
- Verbesserte Lebensqualität
- Besserer Ernährungszustand
- Weniger Postgastrektomie-Syndrome
- Nachteile
- Anlage zeitlich aufwendiger
- Positive Effekte erst nach ca. 1 Jahr sichtbar
Billroth-I-Rekonstruktion [1]
- Definition: Verfahren zur Wiederherstellung der gastrointestinalen Passage nach distaler Magenresektion (max. ⅔-Resektion)
- Herauslösen des Duodenums aus dem Retroperitonealraum
- End-zu-End-Gastroduodenostomie
- Anwendung: Bevorzugtes Rekonstruktionsverfahren in Asien
- Vorteile
- Erhalt der Duodenalpassage
- Physiologische Digestion durch zeitgerechte Wirkung des Galle- und Pankreassekrets
- Erhalt der Resorption von Eisen, Calcium und kurzkettigen Fettsäuren im Duodenum
- Neutralisation der Magensäure durch Bicarbonat im Duodenum
- Postoperativ bessere Magenentleerung
- Erhalt der Duodenalpassage
- Nachteile
- Anlage zeitlich und technisch aufwendiger
- Mehr Gallereflux im Vergleich zu Billroth II oder Roux-Y
- Durchführung siehe: Billroth-I-Rekonstruktion - Durchführung
- Komplikationen siehe: Magenresektion - Komplikationen
Die Billroth-I-Rekonstruktion zeigt im Langzeitverlauf keine klinisch messbaren Vorteile gegenüber anderen Verfahren, bei denen das Duodenum ausgeschaltet wird!
Billroth-II-Rekonstruktion [1]
- Definition: Verfahren zur Wiederherstellung der gastrointestinalen Passage nach distaler Magenresektion
- End-zu-Seit-Gastrojejunostomie
- Seit-zu-Seit-Jejunojejunostomie
- Braun-Fußpunktanastomose
- Anwendung: Bei übergewichtigen Personen geeignet
- Vorteil: Weniger Gallereflux als nach Billroth I
- Nachteile
- Ggf. Maldigestion durch Ausschaltung des Duodenums [7]
- Mehr Gallereflux als nach Roux-Y
- Durchführung siehe: Billroth-II-Rekonstruktion - Durchführung
- Komplikationen siehe: Magenresektion - Komplikationen
Auswahl des Rekonstruktionsverfahrens
- Individuelle Entscheidung unter Beachtung operationstechnischer Faktoren
- Erforderliches Resektionsausmaß
- Möglichkeit zur Anlage einer spannungsfreien Anastomose
- Vernarbungsrisiko der Gastroduodenostomie bzw. des Duodenalstumpfes
In Deutschland wird nach Magenresektion bevorzugt eine Roux-Y-Anastomose durchgeführt – ein allgemeingültig anerkanntes Standardverfahren zur Wiederherstellung der Kontinuität gibt es jedoch nicht!
Roux-Y-Anastomose
Anlage einer Roux-Y-Anastomose | ||
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OP-Schritt | webOP-Inhalte | |
Jejunalschlinge ausschalten |
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Terminolaterale Ösophagojejunostomie |
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Fußpunktanastomose anlegen |
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Bauchdeckenverschluss |
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Billroth-I-Rekonstruktion
Durchführung einer Billroth-I-Rekonstruktion | ||
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OP-Schritt | Offenes Vorgehen | Laparoskopisches Vorgehen |
Vorbereitung |
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End-zu-End-Gastroduodenostomie |
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Alternativ: End-zu-Seit-Gastroduodenostomie | — | |
Sicherung |
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Billroth-II-Rekonstruktion
Durchführung einer Billroth-II-Rekonstruktion | ||
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OP-Schritt | Offenes Vorgehen | Laparoskopisches Vorgehen |
Vorbereitung | ||
End-zu-Seit-Gastrojejunostomie |
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Sicherung |
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Komplikationen der Magenresektion
Übersicht möglicher Komplikationen bei Magenresektion [1] | |||
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Zeitpunkt | Komplikation | Management | |
Intraoperativ |
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Früh-postoperativ |
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Spät-postoperativ |
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