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Psychotherapeutische Verfahren (Klinik)

Letzte Aktualisierung: 21.3.2025

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Psychotherapeutische Verfahren sind nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren mit dem Ziel der Heilung bzw. Linderung psychischer Störungen. Im Zentrum der Behandlung steht i.d.R. das therapeutische Gespräch. Es werden jedoch auch andere psychologische Mittel eingesetzt wie bspw. Verhaltensexperimente. Nach internationaler Auffassung werden vier übergeordnete Verfahrensrichtungen voneinander unterschieden: Verhaltenstherapie, psychodynamische Psychotherapie (bestehend aus tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie), systemische Psychotherapie und humanistische Psychotherapie. Die Behandlungsverfahren unterscheiden sich insb. in Bezug auf Krankheitskonzept, therapeutischer Haltung und Behandlungstechniken. Bei der Auswahl eines Behandlungsverfahrens sollten neben dem Erkrankungsbild u.a. auch Ressourcen und Präferenzen der Betroffenen berücksichtigt werden. In der Versorgungspraxis werden primär verhaltenstherapeutische und psychodynamische Verfahren eingesetzt.

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Überblicktoggle arrow icon

Wirksamkeit und Wirkfaktoren [1][2]

  • Wirksamkeit
  • Wirkfaktoren: Allgemeine (unspezifische) und spezifische Wirkfaktoren werden diskutiert
    • Allgemeine Wirkfaktoren von Psychotherapie
      • Ähnlich bei unterschiedlichen Therapieverfahren
      • Schulenübergreifendes Verständnis nach Klaus Grawe
        • Therapeutische Beziehung
        • Ressourcenaktivierung
        • Problemaktualisierung
        • Motivationale Klärung
        • Problembewältigung
    • Spezifische Wirkfaktoren von Psychotherapie

Richtlinienverfahren [3]

In Deutschland gelten vier psychotherapeutische Verfahren als Richtlinienverfahren, die sozialrechtlich und berufsrechtlich anerkannt sind. Die Verfahren besitzen ein umfangreiches Theoriesystem und die Wirksamkeit der spezifischen Therapiemethoden ist belegt. Die Behandlungskosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Anteil psychotherapeutischer Richtlinienverfahren in der ambulanten Versorgung
Anteil in der ambulanten Versorgung (2016) [4]
Verhaltenstherapie Ca. 54%
Psychodynamische Psychotherapie Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie Ca. 42%
Analytische Psychotherapie Ca. 5%
Systemische Psychotherapie Nicht erfasst

Mögliche Settings [1][3]

Psychotherapie findet meist als Einzeltherapie statt. Eine Gruppentherapie kann jedoch viele, nicht nur ökonomische Vorteile bieten .

Gruppentherapie

  • Definition
    • Anwendungsmöglichkeit von Psychotherapie
    • Gruppengröße: 3–9 Patient:innen (gemäß Psychotherapie-Richtlinie)
    • Vergleichbarer Therapieeffekt wie bei Einzeltherapie
  • Anwendungsbereiche
  • Wichtige Wirkfaktoren und Hauptfunktionen von Gruppentherapie
    • Erleben von
      • Kohäsion
      • Universalität des Leidens
    • Nutzen der Gruppe als Übungs-, Erfahrungs- und Reflexionsraum: Durch
  • Ungünstige Teilnahmevoraussetzungen für Psychotherapie im Gruppensetting
    • Unzureichende Motivation
    • Starke interpersonelle Defizite
    • Selbst- oder fremdschädigendes Verhalten
    • Ängste in Gruppensituationen

Negative Therapieeffekte von Psychotherapie [1][5]

Mögliche negative Therapieeffekte

  • Symptomverschlechterung
  • Hinzukommen neuer Symptome
  • Entwicklung unrealistischer Erwartungen an sich und andere
  • Frustration durch zu hohe Therapieziele
  • Destabilisierung des sozialen Umfelds

Risikofaktoren für negative Therapieeffekte

Bei ca. 10–30% der psychotherapeutischen Behandlungen treten (auch) negative Therapieeffekte auf, worüber Patient:innen im Vorfeld aufgeklärt werden sollten!

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Verhaltenstherapeutische Verfahrentoggle arrow icon

Grundlagen [5]

Entwicklung [3][5][6]

Die Entwicklung der Verhaltenstherapie lässt sich grob in drei Wellen beschreiben .

  • Erste Welle (ab ca. 1950): Lerntheoretische Ursprünge (klassische Konditionierung, operante Konditionierung)
    • Annahme: Problematisches Verhalten wurde erlernt und kann auch wieder verlernt werden
    • Exemplarischer Vertreter: Iwan Pawlow (1849–1936)
  • Zweite Welle (ab ca. 1970): Kognitive Wende und Entwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)
    • Annahme: Gedanken und Denkmuster beeinflussen Fühlen und Handeln
    • Exemplarischer Vertreter: Aaron Beck (1921–2021)
  • Dritte Welle (ab ca. 1990): Kontextuelle Verhaltenstherapie

Kernmerkmale

  • Fokus auf Problemverhalten
  • Klare Zielformulierung
  • Transparenz seitens der Therapeut:innen
  • Aktive Rolle der Patient:innen

Verhaltenstherapeutische Modelle der Symptomentstehung

Für vorklinische Inhalte hierzu siehe: Lernen, Kognition und Entwicklung sowie Verhaltens- und psychodynamische Modelle.

Klassische Konditionierung

Die klassische Konditionierung wurde v.a. durch Iwan Pawlow und sein Experiment („Pawlow'scher Hund“) mit der Änderung eines bekannten Reiz-Reaktions-Schemas geprägt.

  • Bekanntes Reiz-Reaktions-Schema: Essensduft → Speichelfluss
  • Kopplung eines neutralen Reizes (Glockenläuten) mit unkonditioniertem Reiz (Essensduft)
  • Reaktionsauslösung durch vormals neutralen Reiz möglich: Glockenläuten (konditionierter Reiz) → Speichelfluss (konditionierte Reaktion)
  • Konditionierte Reaktion kann wieder verlernt werden
Modell der klassischen Konditionierung
Zeitpunkt Stimulus Reaktion
Vor dem Training Neutraler Reiz Unspezifische Reaktion
Unkonditionierter Reiz Unkonditionierte Reaktion
Beim Training Neutraler Reiz + unkonditionierter Reiz Unkonditionierte Reaktion
Nach dem Training Neutraler Reiz → Konditionierter Reiz (bedingter Reiz) Konditionierte Reaktion

Operante Konditionierung

Die operante Konditionierung beruht auf dem Phänomen, dass Belohnungen zur Häufung eines Verhaltens und Bestrafungen zur Reduktion eines Verhaltens führen. Verstärkerpläne beeinflussen den Lernprozess.

Modell der operanten Konditionierung
Kommt hinzu Bleibt aus
Angenehme Konsequenz auf ein Verhalten
  • Positive Verstärkung durch Belohnung (z.B. Lob) → Zunahme des Verhaltens
  • Indirekte Bestrafung durch Wegnahme einer Belohnung (z.B. kein Lob mehr) → Abnahme des Verhaltens
Unangenehme Konsequenz auf ein Verhalten
  • Direkte Bestrafung durch Hinzufügen eines aversiven Reizes (z.B. Strafe, Tadel) → Abnahme des Verhaltens
  • Negative Verstärkung durch Wegnahme eines aversiven Reizes (z.B. Wegfall einer unangenehmen Situation oder Strafe) → Zunahme des Verhaltens

Verstärkerpläne [6]

  • Kontinuierliche Verstärkung
    • Das Verhalten wird jedes Mal verstärkt, wenn es gezeigt wird
    • Führt dazu, dass neues Verhalten besonders schnell erlernt wird
  • Intermittierende Verstärkung
    • Das Verhalten wird nur jedes x-te Mal oder in bestimmten Zeitabständen verstärkt
    • Führt dazu, dass erlerntes Verhalten resistenter gegen Löschung ist

Verhalten, das negativ und/oder intermittierend verstärkt wird, ist besonders löschungsresistent!

Modelllernen [5]

  • Definition: Verhalten anderer Menschen wird imitiert, insb. wenn Vorbildfunktion besteht (bspw. Mutter, Vater)
  • Bedeutung
    • Möglicher Einflussfaktor bei Symptomentstehung
    • Möglicher Wirkfaktor in der Therapie

Kognitive Modelle [2][5]

  • Definition: Fühlen und Handeln sind das Ergebnis von Informationsverarbeitung durch
    • Wahrnehmung
    • Denkmuster, automatische Gedanken
    • Bewertung
    • Speicherung
  • Bedeutung
    • Umwelt wird durch einen „Filter“ wahrgenommen, der je nach Person sehr unterschiedlich sein kann
    • Verhalten, Gefühle und Gedanken beeinflussen sich gegenseitig
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Verhaltenstherapeutische Diagnostiktoggle arrow icon

Verhaltensanalyse

Horizontale Verhaltensanalyse (Mikroanalyse) [3][5]

Die horizontale Verhaltensanalyse dient der genauen Betrachtung eines (Problem‑)Verhaltens sowie zugehöriger Bedingungen und schafft die Grundlage für eine verhaltenstherapeutische Behandlung. Typischerweise wird hierfür das SORKC-Modell eingesetzt.

SORKC-Modell nach Kanfer
Beschreibung Leitfrage Beispiel
S Stimulus: Äußere oder innere Reizsituation, die dem Problemverhalten vorausgeht In welcher Situation tritt das Verhalten auf? Eine Person wartet vergebens auf eine Freundin, die eine Verabredung vergessen hat.
O Organismus: Individuelle Ausgangsbedingungen, Persönlichkeitsstrukturen, Grundannahmen, Werte der Person Welche Eigenschaften und Erfahrungen bringt die Person mit? Die Person ist schon oft von Mitmenschen enttäuscht worden.
R Reaktion: Problemverhalten Wie ist die Reaktion auf motorischer, emotionaler, kognitiver und physiologischer Ebene? Die Person fühlt sich hintergangen und wertlos. Sie geht in eine Kneipe und trinkt übermäßig viel Alkohol.
K Kontingenz: Häufigkeit und Muster, mit der eine Konsequenz auf das Verhalten folgt (siehe auch: Verstärkerpläne) Hat die Reaktion stets die gleiche Konsequenz? Alkohol hat bei dieser Person immer verlässlich zu einem Gefühl von Sicherheit geführt.
C Konsequenz: Verstärkung oder Bestrafung als Folge der Reaktion Was sind die (kurzfristigen und langfristigen) Konsequenzen der Reaktion? Kurzfristig gibt der Alkoholkonsum ein Sicherheitsgefühl. Langfristig droht Substanzmissbrauch und -abhängigkeit.

Vertikale Verhaltensanalyse (Makroanalyse) [3][7]

Die vertikale Verhaltensanalyse dient der Untersuchung möglicher Einflussfaktoren, die zur Entwicklung und Aufrechterhaltung eines (Problem‑)Verhaltens führen. Die Organismusvariable (O) der Mikroanalyse ist quasi die Schnittstelle zur Makroanalyse.

  • Prädisponierende Einflussfaktoren: Wie entstand die Disposition für ein Verhalten?
  • Auslösende Einflussfaktoren: Wie und wann hat sich das Problemverhalten erstmals gezeigt?
  • Aufrechterhaltende Einflussfaktoren
    • Welche Faktoren beeinflussen das Problemverhalten aktuell?
    • Erfüllt das Problemverhalten eine gewisse Funktion?
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Klassische verhaltenstherapeutische Verfahrentoggle arrow icon

Expositionstraining (Konfrontationsverfahren) [5]

  • Anwendungsbereiche: Insb. bei Angst- und Zwangsstörungen
  • Theorie: Unerwünschte Reaktionen können verhindert bzw. kontrolliert werden durch
    • Habituation durch wiederholte Reizkonfrontation (Habituationstraining)
    • Inhibitionslernen
      • Korrigierende Erfahrungen bilden neue Gedächtnisspur
      • Neue Gedächtnisspur konkurriert mit der „alten“ (ängstlichen) Gedächtnisspur
      • Intensivierung der neuen Erfahrungen hemmt „alte“ Angstreaktion
  • Technik: Exposition mit Reaktionsverhinderung bzw. -management
  • Ziel: Erleben, dass die Angstreaktion erschöpflich ist
Expositionsverfahren
Graduiert Massiert
Vorgehen
  • Angst- bzw. Zwangshierarchie erstellen
  • Konfrontation mit symptomauslösender Situation
  • Schrittweise Steigerung der Reizkonfrontation
  • Objekte/Situationen mit größter Symptomauslösung definieren
  • Direkte Konfrontation mit maximalem Stimulus
  • Voraussetzungen
    • Ausführliche Information und Vorbereitung
    • Hohe Therapiemotivation
    • Gute therapeutische Bindung
Verfahren
  • Graduierte Exposition [5][6]
    • Anwendungsbereiche: Breiter Einsatz möglich, bspw. Zwangsstörungen
    • Konfrontation: In vivo (in der Realität)
  • Systematische Desensibilisierung [2][5][8]
    • Besonderheit: Antagonisieren des Angstgefühls durch Entspannungsübungen (reziproke Hemmung)
    • Anwendungsbereiche: Insb. bei isolierten Phobien
    • Konfrontation: In sensu (in der gedanklichen Vorstellung)
  • Implosion [6]
    • Anwendungsbereiche: Störungen, bei denen eine Exposition in vivo nicht möglich oder sinnvoll ist (bspw. Angst vor Gewitter)
    • Konfrontation: In sensu (in der gedanklichen Vorstellung)

Kognitive Verfahren [5]

Kognitive Therapie nach Beck [2][5][6]

  • Anwendungsbereiche: Insb. bei Depression
  • Theorie: Typische dysfunktionale Kognitionen führen zu negativen Emotionen (siehe auch: Kognitive Triade)
    • Übergeneralisierung: Einzelne Sachverhalte werden in einen generalisierten Zusammenhang gebracht
    • Selbstattribution: Bezug auf die eigene Person wird (bei negativen Ereignissen) überschätzt
    • Katastrophisierung: Es wird davon ausgegangen, dass immer der schlimmstmögliche Fall eintritt
    • Dichotomes Denken (“Schwarz-Weiß-Denken“): Situationen werden in zwei entgegengesetzten Extremen beurteilt ohne dazwischen liegende Grauzone
    • Willkürliches Schlussfolgern: Es werden alternativlose und inkorrekte Schlussfolgerungen gezogen
  • Technik: Kognitive Umstrukturierung
    • Dysfunktionale Kognitionen identifizieren und durch alternative Gedanken ersetzen (kognitives Neubenennen), bspw. mithilfe von Gedankenprotokollen
    • Neue Gedanken in der Realität prüfen, bspw. durch Beobachtung oder Rollenspiele
  • Ziele
    • Entkatastrophisieren
    • Reattributieren
Beispiel für ein Gedankenprotokoll
Situation Gefühl Automatische Gedanken Alternative Gedanken Neues Gefühl (durch alternative Gedanken)
In der Bahn sitze ich auf einem reservierten Sitzplatz und werde aufgefordert aufzustehen. Ich schäme mich für mein inkorrektes Verhalten. Die Person, die den Sitzplatz reserviert hat, verachtet mich. Ich bin ja auch ein wertloser Mensch. Ich bin sofort aufgestanden und habe den Sitzplatz freigegeben. Die Person, die den Sitzplatz reserviert hat, konnte sich also problemlos setzen. Unbesorgtheit, da durch mein Verhalten niemand zu Schaden gekommen ist

Rational-Emotive-Therapie (RET) [5]

  • Anwendungsbereiche: Insb. bei Depression
  • Theorie: ABC-Modell = Erst durch die kognitive Bewertung einer Ausgangssituation entstehen Konsequenzen im Fühlen und Handeln
    • A = Activating Event (Ausgangssituation)
    • B = Belief System (Bewertungen)
    • C = Consequences (Konsequenzen im Fühlen und Handeln)
  • Technik: Veränderung der B-Variable
  • Ziel: Automatische (dysfunktionale) Bewertungen erkennen und verändern

Operante Verfahren [5]

Für vorklinische Inhalte hierzu siehe: Lernen, Kognition und Entwicklung.

  • Anwendungsbereiche: Breiter Einsatz möglich, bspw. in Suchttherapie
  • Theorie: Operante Konditionierung, Verstärkerpläne
  • Techniken
    • Zum Aufbau von Verhalten: Bspw. Shaping, Chaining, Prompting, Fading
    • Zum Abbau von Verhalten: Bspw. Löschung, Time-out-Verfahren
    • Zum Auf- und Abbau von Verhalten: Stimuluskontrolle [3]
      • Veränderung von Reizbedingungen (bspw. reduzierte Konfrontation mit einem Stimulus)
  • Ziele: Erwünschtes Verhalten erlernen oder fördern, unerwünschtes Verhalten abbauen

Techniken zum Aufbau von Verhalten

Prinzipiell kann sowohl positive als auch negative Verstärkung zum Aufbau von Verhalten führen. Typischerweise werden Techniken positiver Verstärkung genutzt, die im Folgenden dargestellt sind.

  • Shaping
    • Schrittweises Erlernen von Verhaltensweisen durch stufenweise Annäherung
    • Verstärkung von sich dem Zielverhalten annähernden Verhaltensweisen
  • Chaining
    • Stufenweiser Aufbau komplexer Verhaltensweisen durch Verstärkung einzelner Verhaltenselemente
    • Beginn mit der Verstärkung des letzten Elements und Arbeit „nach vorne“
  • Fading
    • Zu Beginn: Einsatz von Hilfestellungen zum Aufbau des gewünschten Verhaltens (bspw. gemeinsame Planung und Ausführung)
    • Im Verlauf: Abbau der Hilfestellungen und Verstärkung bei selbstständiger Ausführung
  • Prompting
    • Einzelne Elemente komplexer Verhaltensweisen werden direkt gefördert
    • Einsatz konkreter Hilfestellungen, bspw.
      • Zeigen/Vorführen von Handlungen
      • Motivierende Worte als verbale Hilfestellung

Techniken zum Abbau von Verhalten

Beim Abbau von Problemverhalten sollte darauf geachtet werden, dass gleichzeitig alternative Verhaltensweisen definiert und aufgebaut werden. Im Folgenden sind Beispieltechniken zum Verhaltensabbau dargestellt.

  • Löschung
    • Wegnahme positiver Konsequenzen auf ein unerwünschtes Verhalten
    • Beispiel: Ein Kind hat gelernt, dass die Eltern sich ihm zuwenden, wenn es die Rassel auf den Boden wirft; bleibt diese Zuwendung nun aus, reduziert sich das Verhalten
  • Time-out-Verfahren
    • Wegnahme aller möglichen Verstärker als Konsequenz auf ein Problemverhalten
    • Beispiel: Eine Person muss sich nach einer aggressiven Handlung für eine gewisse Zeit alleine im Zimmer aufhalten
  • Aversionstherapie: Findet kaum noch Anwendung, da Therapiemethoden ohne bestrafende Elemente bevorzugt werden

Ausgewählte verhaltenstherapeutische Techniken

Diese Techniken können im Rahmen verschiedener Therapiemethoden eingesetzt werden. Für vorklinische Inhalte hierzu siehe: Psychotherapeutische Verfahren (Vorklinik) sowie Untersuchung und Gespräch.

Motivational Interviewing [3]

  • Anwendungsbereiche: Einsatz insb. in der Suchtbehandlung
  • Theorie und Ziel: Mithilfe von Gesprächsführung Veränderungsmotivation fördern
  • Technik
    • Akzeptanz und Empathie für Betroffene ausdrücken
    • Ambivalenzen zwischen eigenem Verhalten und persönlichen Zielen erarbeiten
    • Widerstand bearbeiten
    • Selbstwirksamkeit fördern

Sokratischer Dialog [5][6]

  • Anwendungsbereiche: Breiter Einsatz möglich, bspw. bei Depression
  • Theorie und Ziel: Mithilfe von Gesprächsführung dysfunktionale Kognitionen erkennen, hinterfragen und ggf. verändern
  • Technik
    • Therapeutische Haltung
      • „Unwissend“
      • Wertungsfrei
      • Offene Fragen stellend
      • Unterstützend bei der Erkenntnisfindung
    • Beispielfragen
      • Was ist das – ein guter Sohn sein?
      • Wie kommen Sie darauf – dass Sie ein schlechter Sohn sind?

Stuhldialog (Zwei-Stühle-Technik) [5][7]

  • Anwendungsbereiche: Breiter Einsatz möglich, bspw. bei Zwangsstörung
  • Theorie und Ziel: Separieren unterschiedlicher Perspektiven, um komplexe psychische Prozesse zu veranschaulichen
  • Technik
    • Unterschiedliche Perspektiven werden auf getrennte Stühle „gesetzt“
    • Ermöglicht gewisse Distanz zum eigenen kognitiven und emotionalen Erleben

Gedankenstopp [6]

  • Anwendungsbereiche: Insb. bei Depression
  • Theorie und Ziel: Bewusstes Verhalten nutzen, um unerwünschte Gedanken zu kontrollieren (bspw. Grübeln)
  • Technik
    • Bewusst an unerwünschten Gedanken denken
    • Therapeut:in unterbricht Gedanken erfolgreich durch ein unerwartetes Signal (bspw. Klatschen, lautes ″Stopp″-Rufen)
    • Wiederholung führt zu einer Konditionierung
    • Durch eigenständiges Üben kann Stoppsignal selbstständig gegeben werden
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Verhaltenstherapeutische Verfahren der dritten Welletoggle arrow icon

Neuere verhaltenstherapeutische Behandlungsverfahren werden meist der „dritten Welle“ zugeordnet, in der der Fokus auf Achtsamkeit, Akzeptanz und Fertigkeitendefiziten liegt. Die Einteilung ist in der Literatur nicht einheitlich.

Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) [3][5][9]

  • Anwendungsbereiche: Vielfältig, u.a.
  • Theorie: Psychische Rigidität bedingt Symptomentstehung
  • Technik: Kernkompetenzen fördern, u.a. durch Einsatz von Metaphern und Veranschaulichungen
    • Akzeptanz
    • Achtsamkeit
    • Kognitive Defusion
    • Werteorientiertes Handeln
    • Selbst als Kontext
  • Ziel: Psychische Flexibilität steigern

Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) [2][5][10][11]

  • Allgemeines
    • Begründerin: Marsha Linehan
    • Setting
      • Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie
      • Ursprünglich für ambulantes Setting entwickelt, stationäres Setting auch möglich
  • Anwendungsbereiche
  • Theorie u.a.: Fertigkeitendefizite können durch gezieltes Training verbessert werden
  • Technik
    • Therapeutische Rolle in der DBT
      • Beim Training unterstützen
      • Validieren und motivieren
      • Verantwortungsübernahme für die therapeutische Beziehung
    • Module des Fertigkeitentrainings (Skills-Training)
      • Achtsamkeit
      • Stresstoleranz
      • Umgang mit Gefühlen
      • Zwischenmenschliche Fertigkeiten
      • Selbstwert
      • Körperwahrnehmung
  • Ziele: Unterschiedlich je nach Behandlungsphase
    • Erste Therapiephase: Verhaltenskontrolle verbessern
      1. Lebensbedrohliche Verhaltensweisen behandeln
      2. Therapiecompliance verbessern
      3. Lebensqualität verbessern
      4. Verhaltensfertigkeiten verbessern
    • Zweite Therapiephase: Emotionales Erleben verbessern, u.a. durch Emotionsregulation
    • Dritte Therapiephase: Lebensführung verbessern

Schematherapie [5][6][11]

  • Anwendungsbereiche
    • Für Behandlung von Persönlichkeitsstörungen entwickelt
    • Inzwischen breiter Einsatz, insb. bei angenommener Störungsentstehung in Kindheit und Jugend
  • Theorie
    • Menschen erlernen im Laufe der Entwicklung bestimmte verhaltenssteuernde Schemata
    • Wenn psychische Grundbedürfnisse verletzt werden, können sich dysfunktionale Schemata entwickeln
    • Modus = Schema, das in gewissen Situationen aktiv wird, bspw.
      • Modus des verlassenen Kindes
      • Modus des wütenden Kindes
      • Modus des gesunden Erwachsenen
  • Technik: In der therapeutischen Beziehung
    • Empathische Begegnung erfahren
    • Korrigierende Beziehungserfahrungen sammeln durch
      • Reparenting: Patient:innen wird nachträglich ein Teil der früher mangelnden elterlichen Fürsorge angeboten
  • Ziel: Patient:innen befähigen, Modi wahrzunehmen und Wechsel zu ermöglichen

Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) [1][2][5][6]

  • Anwendungsbereiche: Für Behandlung chronischer Depression entwickelt
  • Theorie: Defizit in zielgerichteter Interaktion, da die Wirkung des eigenen Verhaltens auf andere Personen nicht erkannt wird
    • Betroffene zeigen Denkstil, der dem präoperatorischen Denken ähnelt
      • Aufgrund gestörter Entwicklung kognitiver und emotionaler Funktionen (bei Erkrankungsbeginn vor 21. Lebensjahr)
      • Aufgrund von Regression nach initial normaler Entwicklung (bei Erkrankungsbeginn nach 21. Lebensjahr)
    • Wahrnehmungsentkopplung: Betroffene nehmen Umwelt verändert wahr bzw. fühlen sich von ihr entkoppelt
    • Resultat: Dauerhaftes Gefühl von Hilf- und Hoffnungslosigkeit
  • Technik: Kombination interpersoneller, kognitiver und behavioraler Techniken
    • Erstellen einer Liste prägender Bezugspersonen und Übertragungshypothesen
    • Situationsanalyse
    • Interpersonelle Diskriminationsübungen
    • Bearbeitung von Verhaltensdefiziten
    • Kiesler-Kreis
  • Ziele
    • Folgen des eigenen Handelns erkennen
    • Fertigkeitendefizite bei der Bewältigung sozialer Probleme überwinden
    • Empathieentwicklung
    • Interpersoneller Heilungsprozess zurückliegender Traumatisierungen

Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBCT) [5]

  • Anwendungsbereiche
  • Setting
    • Gruppentherapie
    • Dauer: 8 Wochen
  • Theorie: Empfindungen (insb. Gefühle und Gedanken) führen zu automatisierten Reaktionen (bspw. Grübeln)
  • Technik: Passageren Charakter der Empfindungen erkennen und neuen Umgang mit ihnen erlernen durch
  • Ziel: Empfindungen zulassen und akzeptieren, anstatt auf sie zu reagieren

Behavioral Activation (Verhaltensaktivierung) [5][10]

  • Anwendungsbereich: Depression
  • Theorie: Ungünstige Umweltfaktoren führen zum Abbau werteorientierten Handelns (siehe auch: Operante Konditionierung)
    • Vermeidungsverhalten wird vermehrt verstärkt
    • Hilfreiches Verhalten wird weniger verstärkt
  • Gängige Technik: Entgegengesetztes Handeln
  • Ziel: Aktivitäten aufbauen, die dem eigenen Wertesystem entsprechen

Metakognitive Therapie nach Wells (MCT) [5][8][12]

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Weitere verhaltenstherapeutische Verfahrentoggle arrow icon

Psychoedukation [3][13]

  • Definition: Intervention zur Vermittlung von Informationen zu einer Erkrankung und Kompetenzen im Umgang mit dieser
  • Anwendungsbereiche: Alle Erkrankungen, insb. psychiatrische und chronische körperliche Krankheiten (bspw. Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen)
  • Zeitpunkt
  • Ziel
    • Betroffene (und Angehörige) zu Expert:innen der Erkrankung machen
    • Therapieadhärenz und -motivation optimieren
    • Ängste und Skepsis abbauen, bspw. gegenüber einer Psychopharmakotherapie
    • Selbstverantwortliches Handeln schulen
    • Krankheitsbewältigung fördern
  • Technik
    • Informationsvermittlung durch geschultes Personal, bspw. in Form von Vortrag oder Diskussion
    • Setting
      • Oft im Gruppensetting
      • Einzelsetting möglich
    • Mögliche Materialien
  • Mögliche Komplikation: Symptomverschlechterung

Psychoedukation ist bei allen psychiatrischen Erkrankungen ein wichtiger Bestandteil der Therapie!

Soziales Kompetenztraining (SKT) [3]

  • Anwendungsmöglichkeiten: Bei psychiatrischen Störungen und sozialen Fertigkeitendefiziten
    • Präventiv
    • Therapeutisch
    • Rehabilitativ
  • Setting: I.d.R. im Gruppensetting
  • Anwendungsformen, u.a.
    • Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK): Training erfolgt in drei Situationstypen
      • Durchsetzen von Recht
      • Gestaltung von Beziehungen
      • Erwerb von Sympathie
    • Assertiveness-Training-Programm (ATP): Selbstsicherheitstraining mit den Kernthemen
      • Angst vor Kritik und Versagen
      • Angst vor Kontakt
      • Angst vor Ablehnung bei
        • Äußerung eigener Bedürfnisse
        • Abgrenzen und Nein-Sagen
  • Technik: Analyse (schwieriger) sozialer Situationen und Training von Fertigkeiten, die zur Bewältigung der Situationen nützlich sind, mithilfe von
  • Ziele: In sozialen Situationen
    • Selbstsicher handeln
    • Eigene Bedürfnisse durchsetzen
    • Anpassungsfähig sein

Paradoxe Interventionen [6]

  • Anwendungsbereiche: Oft im Rahmen systemischer Psychotherapie
  • Theorie und Ziel: Festgefahrenen, ungünstigen Strukturen mit Überraschungseffekt begegnen und dadurch neue Blickwinkel schaffen
  • Technik, u.a.
    • Symptomverschreibung: Das Symptom wird bewusst gefördert
    • Reframing: Ein negatives Ereignis/Verhalten wird ins Positive umgedeutet

Apparative Verfahren

Biofeedback [3]

Teilweise wird Biofeedback in der Literatur den Entspannungsverfahren zugeordnet. Das Training hat i.d.R. das Ziel, körperliche Vorgänge in einen Zustand der Entspannung zu bringen.

  • Anwendungsbereiche: Wenn physiologische Vorgänge Einfluss auf die Krankheitssymptomatik haben, bspw.
  • Theorie: Änderung körperlicher Vorgänge ist durch operante Konditionierung möglich
  • Technik
    • Apparative Darstellung (visuell oder akustisch) körperlicher Vorgänge, die i.d.R. nicht bewusst wahrgenommen werden
    • Aufgabe: Zielgerichtete Modulation der körperlichen Vorgänge
  • Ziel
    • Körperwahrnehmung verbessern
    • Körperliche Vorgänge auch ohne apparative Hilfe beeinflussen
    • Erleben von Selbstwirksamkeit
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Psychodynamische Verfahrentoggle arrow icon

Grundlagen

Entwicklung [3]

Merkmale [3]

  • Fokus auf Gefühlen und Beziehungen
  • Identifizieren und Explorieren unbewusster Themen und Konflikte
  • Beschäftigung mit relevanten Erlebnissen aus der Vergangenheit

Grundlegende Theorien

Im Bereich der psychodynamischen Psychotherapie wurden sehr viele Theorien und Modelle entwickelt. Gleichzeitig ist eine wissenschaftliche Überprüfung dieser oft nur schwer möglich. [5]

Für vorklinische Inhalte hierzu siehe: Verhaltens- und psychodynamische Modelle.

Topografisches Modell

Das topografische Modell bezieht sich auf den Ort des psychischen Geschehens und beschreibt drei unterschiedliche Bewusstseinszustände der menschlichen Psyche.

  • Das Bewusste: Unmittelbar zugängliche Inhalte
  • Das Vorbewusste: Leicht abrufbare Inhalte
  • Das Unbewusste: Kaum zugängliche Inhalte

Strukturmodell der Psyche (Instanzenmodell) [2][5]

Das Strukturmodell unterteilt drei Persönlichkeitsinstanzen, die idealerweise in einem dynamischen Gleichgewicht zueinander stehen.

  • Es („die Triebe“)
    • Sitz der unbewussten, primären Triebe
    • Älteste Instanz
    • Funktioniert nach dem Lustprinzip
  • Über-Ich („das Gewissen“)
    • Sitz der Werte, Normen und moralischen Vorstellungen
    • Kann bewusst, unbewusst oder vorbewusst sein
  • Ich („der Vermittler“)
    • Sitz der Realität
    • Meist bewusst
    • Funktioniert als vernunftsorientierter Vermittler zwischen der Realität, Es und Über-Ich
    • Kann psychologische Abwehrmechanismen zur Abwehr negativer Empfindungen einsetzen

Entwicklungspsychologisches Modell [2][5]

Nach Freud durchläuft ein Mensch ab der Geburt 5 Phasen der psychosexuellen Entwicklung, wobei der Sexualtrieb eine zentrale Bedeutung hat. Wenn Bedürfnisse in einer Phase nicht befriedigt werden, kann eine Person ungünstige Charaktereigenschaften entwickeln, die psychische Erkrankungen zur Folge haben können. Dieses Modell ist umstritten. Aktuelleren Ansichten nach wird der Entwicklungsprozess auch durch soziale, intrapsychische und körperliche Aspekte beeinflusst.

Die 5 Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Freud
Phase Alter Wesentliche Themen
Orale Phase 1. Lebensjahr
  • Lustgewinn durch orale Bedürfnisbefriedigung (Nahrungsaufnahme)
  • Unterscheidung zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“
Anale Phase 2.–3. Lebensjahr
  • Lustgewinn durch (Kontrolle von) Defäkation
  • Autonomie vs. Abhängigkeit
  • Struktur des Über-Ichs formt sich
Ödipale Phase 4.–5. Lebensjahr
  • Zugehörigkeit zu einem Geschlecht wird erkannt
  • Identifikation mit gleichgeschlechtlichem Elternteil
Latenzphase 6. Lebensjahr bis Pubertät
  • Sexualtrieb weniger präsent
  • Festigung der Strukturen von Ich und Über-Ich
  • Interesse an der Außenwelt
Genitale Phase ab Pubertät
  • Sexualtrieb reift
  • Triebbefriedigung genital möglich

Bindungstheorie [5][14]

  • Grundannahmen
    • Menschen haben das primäre Motiv, enge Bindungen herzustellen
    • Menschen ist ein Bindungsverhaltenssystem angeboren: Streben nach Nähe zu primären Bezugspersonen („sichere Basis“)
    • In früher Kindheit formt sich ein Bindungsstil, der über die Lebensspanne recht stabil bleibt
  • Bedeutung
    • Sichere Bindung: Protektiver Faktor bzgl. psychischer Störungen
    • Unsichere Bindung bedingt u.a. [15]
      • Verstärkte Stresswahrnehmung und Probleme in der Stressregulation
      • Tendenz zu dysfunktionalem Verhalten (bspw. Substanzmissbrauch)
Verschiedene Bindungsstile/Bindungsrepräsentationen [5][14][15]
Bindungsstil/-repräsentation Verhalten des Kindes im Fremde-Situations-Test Erwachsene
Bei Trennung Bei Wiederannäherung
Sicher
  • Deutliche Ausprägung von Beunruhigung und Kummer
  • Freude
  • Rasche Beruhigung
  • Kohärentes Gesamtbild aus positiven und negativen Erinnerungen aus der Kindheit
  • Wertschätzende Haltung bzgl. eigener Bindungserfahrungen
Unsicher-vermeidend
  • Geringere Ausprägung von Beunruhigung und Kummer
  • Kontaktvermeidung
  • Idealisierung der Kindheit
  • Konkrete Erfahrungen aus der Kindheit werden kaum erinnert
  • Abwertende Haltung bzgl. eigener Bindungserfahrungen und Bagatellisierung deren Bedeutung
Unsicher-ambivalent/verwickelt
  • Heftige emotionale Reaktion
  • Beruhigung kaum möglich
  • Suche nach Körperkontakt und Nähe, aber auch Ablehnung und Aggression
  • Detaillierte und oft inkohärente Schilderungen aus der Kindheit
  • Idealisierung, aber auch Abwertung der Bezugspersonen
  • Konflikthafte Verstrickung zu Bezugspersonen immer noch deutlich

Unsicher-desorganisiert

  • Auffälliges Verhalten, das keinem der anderen Bindungsstile zugeordnet werden kann (bspw. Erstarren, Grimassieren)

Psychodynamische Modelle der Symptomentstehung

Gemeinsame Grundlage der psychodynamischen Modelle ist, dass menschliches Handeln, Denken und Fühlen durch unbewusste innere Konflikte bestimmt werden können.

Für vorklinische Inhalte hierzu siehe: Verhaltens- und psychodynamische Modelle.

Klassisches Konfliktmodell [3][6]

  • Grundlage für Symptombildung: Innerpsychische Konflikte
    • Ausgelöst durch
      • Unvereinbare Bedürfnisse, Wünsche etc.
      • Negative Beziehungserfahrungen
      • Zwischenmenschliche Konflikte
      • Frühen (infantilen) Konflikt
    • Häufige Konflikte, u.a.
      • Individuation vs. Abhängigkeit
      • Selbstwertkonflikt
  • Folge bei gescheitertem Lösungsversuch: Symptombildung durch ungünstige Konfliktabwehr

Strukturelles Konfliktmodell [5]

Das strukturelle Konfliktmodell basiert auf dem Strukturmodell der Psyche.

  • Grundlage für Symptombildung: Unlösbarer Instanzenkonflikt bei
    • Starken Impulsen des Es
    • Sehr striktem Über-Ich
    • Schwacher Ich-Struktur
  • Mögliche Folgen bei unlösbarem Instanzkonflikt: Symptombildung durch

Psychologische Abwehrmechanismen [2][3][5]

  • Merkmale
    • Ich-Funktion
    • Einsatz erfolgt unbewusst
    • Primäres Ziel: Negative Empfindungen nicht bewusst erleben müssen
    • Bestandteil normalen Verhaltens als Reaktion auf Konflikte
    • Pathologisch, wenn sie zu häufig oder zu dogmatisch eingesetzt werden
    • Ergebnis meist nicht optimal
  • Unterscheidung [6]
    • Unreife Abwehrmechanismen
      • Meist rigide und mit deutlicher Realitätsverzerrung
      • In der Interaktion einer Person mit seiner Umwelt direkt erkennbar
    • Reife Abwehrmechanismen: Bei gut ausgebildeter Ich-Struktur verfügbar
      • Vergleichsweise flexibel und mit weniger Realitätsverzerrung
      • Werden i.d.R. erst im therapeutischen Kontext deutlich
Psychologische Abwehrmechanismen (Auswahl)
Unreifer Abwehrmechanismus
Verleugnung Ein Nichtwahrhabenwollen einer äußeren Realität
Projektion Eigene Gefühle, Wünsche und Abneigungen werden auf eine andere Person projiziert und dieser zugeschrieben
Spaltung

Unvereinbar erscheinende Inhalte werden auf verschiedene Personen verteilt und auseinandergehalten

Identifikation Eigenschaften, Verhaltensweisen oder Werte einer anderen Person werden übernommen, sodass diese Person nicht mehr als bedrohlich erlebt wird
Reifer Abwehrmechanismus
Verdrängung Unterdrückung eines inneren Triebes, einer Wahrnehmung oder einer Fantasie mit Verlagerung des Bewussten ins Unbewusste
(Affekt‑)Isolierung Emotionale Trennung von einem Ereignis
Rationalisierung Unerwünschten/unangenehmen Triebimpulsen oder daraus folgenden Handlungen wird nachträglich ein rationaler Sinn gegeben
Reaktionsbildung Teils unbewusste Umwandlung/Ersetzung eines sozial nicht akzeptierten Triebes oder Wunsches in das genaue, von der Gesellschaft gewünschte/akzeptierte Gegenteil
Verschiebung Emotionen oder Impulse werden auf ein weniger bedrohliches oder passendes Objekt verschoben
Konversion (Psychologie) Psychische Konflikte werden in körperliche Symptome umgewandelt
Sublimierung Primitive Triebimpulse (psycho-sexuelle Energie) und gesellschaftlich nicht gestattete Triebwünsche werden in "höherwertige" soziale und kulturelle Leistungen umgewandelt
Ungeschehenmachen Neutralisierende Handlung mit Symbolcharakter wird als Gegenpol zu unangenehmen Emotionen oder Impulsen ausgeführt
Intellektualisierung Ein unmittelbarer emotionaler Konflikt wird so weit abstrahiert, dass er nicht mehr so konkret erscheint

Regression

Rückgriff auf frühere Entwicklungsstadien (bspw. kindliches Denken und Handeln)

Primärer und sekundärer Krankheitsgewinn nach Freud

Nach den psychodynamischen Modellen lassen sich Vorteile beschreiben, die mit einer Krankheit einhergehen. Diese können auch zur Erklärung von Symptomentstehung und -aufrechterhaltung dienen.

  • Primärer Krankheitsgewinn: Positive Aspekte der Symptomatik
    • Symptombildung mildert Konflikte und Spannungen des Ichs
    • Symptomatik erlaubt unbewusste Flucht vor einem Konflikt (Scheinlösung)
  • Sekundärer Krankheitsgewinn: Positive Aspekte durch das Aufrechterhalten der Symptomatik
    • Finanzielle Erleichterungen
    • Vermehrte soziale Zuwendung
    • Befreiung von Rollenverpflichtungen
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Psychodynamische Diagnostiktoggle arrow icon

Im Rahmen der psychodynamischen Diagnostik liegt der Fokus auf der Erfassung biografischer Aspekte (bspw. prägende Bezugspersonen, Persönlichkeitsentwicklung) sowie auf Informationen bzgl. möglicher Konflikte und Abwehr. Hierfür ist die OPD entwickelt worden, die weitverbreiteten Einsatz findet.

Operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD-3) [16]
Bezeichnung Kernfragen
Achse I

Psychische Störungen, Krankheitserleben, Behandlungsvoraussetzungen

  • Welche Symptomatik liegt vor?
    • Diagnose(n)
    • Schweregrad
    • Verlauf und Dauer
  • Welche Krankheitskonzepte bestehen?
  • Welche Ressourcen liegen vor?
  • Welche Erwartungen und Ziele bringt eine Person für die Therapie mit?
Achse II Beziehung
  • Wie verhält sich eine Person in der Beziehung zu anderen?
    • Bewertung einzelner Beziehungsthemen
      • Unauffällig / nicht relevant
      • Akzentuiert ausgeprägt
      • Dysfunktional ausgeprägt
Achse III Konflikt
  • Welche Konflikte bestehen bzw. werden abgewehrt?
    • Individuation vs. Abhängigkeit
    • Unterwerfung vs. Kontrolle
    • Versorgung vs. Autarkie
    • Selbstwertkonflikt
    • Schuldkonflikt
    • Ödipaler Konflikt
    • Identitätskonflikt
  • Wo liegt aktuell der Hauptkonflikt?
  • Welcher Verarbeitungsmodus herrscht vor?
Achse IV Struktur
  • Auf welchem Strukturniveau befindet sich die Psyche einer Person?
    • Bewertung einzelner Strukturaspekte
      • Gut integriert
      • Mäßig integriert
      • Gering integriert
      • Desintegriert
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Therapieverfahrentoggle arrow icon

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) fasst die analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie unter dem Begriff „psychodynamische Psychotherapie“ zu einem Verfahren zusammen. In der Literatur ist eine Unterscheidung jedoch geläufig und wird auch hier vorgenommen. [17]

  • Anwendungsbereiche: Breites Einsatzgebiet, bspw. affektive Störungen, Persönlichkeitsstörungen
  • Kernelemente der psychodynamischen Psychotherapie [2][3]
    • Therapeutische Beziehung: Als Mittel zur Bearbeitung vergangener Konflikte und zum Sammeln neuer Beziehungserfahrungen
    • Verstehen und Deuten von
      • Übertragung
        • Menschen sind geprägt durch (Beziehungs‑)Erfahrungen aus der Vergangenheit
        • Patient:innen übertragen Erwartungen und Gefühle unbewusst in die therapeutische Beziehung
      • Gegenübertragung
        • Behandelnde reagieren unbewusst auf Handlungen und Äußerungen ihrer Patient:innen infolge von Übertragungsphänomenen
        • Behandelnde entwickeln ihrerseits Gefühle und Gedanken gegenüber den Patient:innen
      • Widerstand (seitens der Patient:innen)
        • Richtet sich gegen das Erkennen unbewusster Konflikte
        • Kann auch „verdeckt“ stattfinden [3]
    • Interventionstechniken [3]
      • Konfrontieren
      • Klarifizieren
      • Deuten

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie [3][5]

  • Rahmenbedingungen
    • Dauer: 1–3 Jahre
    • Frequenz: 1–2 Sitzungen pro Woche
    • Setting: Patient:in und Therapeut:in sitzen sich gegenüber
  • Technik
    • Therapeutische Beziehung als „Arbeitsbündnis“
    • Korrigierende Erfahrungen sammeln
    • Begrenzte Regressionsförderung
  • Ziel
    • Zusammenhang zwischen der aktuellen Konfliktsituation und früheren Erfahrungen verstehen
    • Fokussierung auf aktuelle Symptomatik und deren Lösung

Analytische Psychotherapie [3][5][6]

Hiervon abzugrenzen ist die klassische Psychoanalyse im engeren Sinn (hochfrequent, meist unbegrenzte Dauer). Sie entspricht nicht den Psychotherapie-Richtlinien und ist im Versorgungsalltag kaum noch relevant. Die analytische Psychotherapie grenzt sich primär durch den quantitativen Umfang von ihr ab. Inhaltlich und technisch ist eine Abgrenzung nur schwer möglich.

  • Rahmenbedingungen des klassischen Settings
    • Dauer: 2–3 Jahre
    • Frequenz: 2–3 Sitzungen pro Woche
    • Setting
      • Patient:in liegt i.d.R. auf einer Couch
      • Therapeut:in sitzt nicht im Blickfeld der zu behandelnden Person
  • Technik
    • Freie Assoziation („psychoanalytische Grundregel“): Patient:innen sollen alles aussprechen, was ihnen gerade in den Sinn kommt
    • Gleichschwebende Aufmerksamkeit: Behandelnde sollen ohne Vorerwartungen und Bewertung zuhören
  • Ziel: Förderung von Regression und Übertragung
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Systemische Psychotherapietoggle arrow icon

  • Anwendungsbereiche
  • Theorie: Fokus auf sozialen Kontext innerhalb eines Systems
    • Kommunikation und Interaktion zwischen Mitgliedern eines Systems können
      • Symptomfördernd sein
      • Verändert werden
    • System hat bereits die notwendigen Ressourcen zur Problemlösung
  • Technik: Insb. durch Problemaktualisierung und Handlungsorientiertheit geprägt
    • Therapeutische Interventionen, u.a.
    • Therapeutische Rolle
      • Neutral und „allparteilich“
      • Förderung einer neuen Organisation und Interaktion innerhalb des Systems
  • Ziel: Verständnis für bestimmte Konstellationen in einem System entwickeln, wertschätzender Umgang mit schwierigen Konstellationen
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Humanistische Verfahrentoggle arrow icon

Allgemeines [2][3][20]

  • Theorie: Menschen haben die Möglichkeit
    • Ihr Leben selbst zu steuern
    • Ihre eigene Welt zu konstruieren
  • Techniken
    • Fokus auf Selbstentwicklung
    • Therapeutische Beziehung
    • Fokus auf Klient:in als Individuum
  • Humanistische Verfahren

Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie [2][3][5]

  • Anwendungsbereiche
  • Theorie: Selbstkonzept der Klient:innen passt nicht mit dem Erlebten überein, was zu Inkongruenz führt
    • Selbstkonzept
      • Zusammenschau aller Ansichten und Annahmen bzgl. der eigenen Person
      • Folge von eigenem Erleben in der Interaktion mit der Umwelt
    • Inkongruenz
      • Unvereinbarkeit von Erlebtem mit dem Selbstkonzept
      • Kann zu negativen Gefühlen, Problemverhalten und psychischen Störungen führen
  • Technik: Aktualisierungstendenz der Klient:innen wird durch therapeutische Haltung gefördert
    • Aktualisierungstendenz
      • Annahme, dass Menschen danach streben, sich zu erhalten und zu entfalten
      • Ermöglicht eine andauernde Weiterentwicklung und Anpassung des Selbstkonzepts
    • Therapeutische Haltung
      • Nicht-Direktivität
      • Bedingungslose Wertschätzung
      • Empathie
      • Echtheit, Kongruenz
  • Ziel: Klient:innen werden „voll funktionsfähig“
    • Klient:innen befinden sich in andauerndem Prozess von Selbstverwirklichung und Wandel
    • Klient:innen sind anpassungsfähig hinsichtlich neuer Situationen und Anforderungen
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Weitere Verfahrentoggle arrow icon

Entspannungsverfahren [2][3]

Allgemeines

  • Anwendung
    • Als eigenständige Verfahren oder im Rahmen anderer therapeutischer Verfahren
    • Als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen: PMR und autogenes Training
  • Anwendungsbereiche u.a.
  • Wirkeffekte
    • Körperlich, u.a.
    • Psychisch, u.a.
      • Abbau von (Grund‑)Anspannung
      • Selbstwirksamkeitserleben bei der Stressbewältigung
  • Implementierung
    • Theorievermittlung
    • Erste Durchführungen i.d.R. unter therapeutischer Anleitung
    • Regelmäßiges Üben im häuslichen Umfeld
    • Anwendung im Alltag (insb. in Problemsituationen)

Entspannungsverfahren werden bspw. häufig im Rahmen einer Verhaltenstherapie angewendet!

Progressive Muskelrelaxation (PMR)

  • Allgemeines
  • Theorie
    • Es besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen ZNS-Aktivität und Muskeltonus
    • Über die Entspannung von Muskelgruppen kann eine Entspannung auf kognitiver/emotionaler Ebene erreicht werden
  • Technik: In liegender oder sitzender Position möglich
    • Aufmerksamkeit von außen nach innen lenken
    • Einspüren (ca. 15 s)
    • Anspannung der angesteuerten Muskelgruppe (ca. 5–7 s)
    • Entspannung der angesteuerten Muskelgruppe (ca. 20 s)
    • Nachspüren (ca. 20 s)
  • Ziel: Wahrnehmung von An- und Entspannung und somit Entspannung auf kognitiv/emotionaler Ebene fördern

Autogenes Training

  • Theorie: Basiert auf Hypnose
  • Technik: „Selbsthypnose“ durch inneres Aufsagen von „Formeln“ (Autosuggestionen)
    • Beginn: „Ich bin ganz ruhig und entspannt“
    • Schwere: „Meine Arme und Beine sind ganz schwer“
    • Wärme: „Mir ist ganz warm“
    • Atmung: „Mein Atem ist ruhig“
    • Sonnengeflecht: „Mein Bauch ist warm“
    • Herz: „Mein Herz schlägt ruhig“
    • Stirn: „Meine Stirn ist kühl“
    • Ende: „Ich bin ganz ruhig und entspannt“

Atemtechniken zur Angst- und Anspannungsregulation

Die Atemtechniken werden in der Literatur teilweise nicht zu den klassischen Entspannungsverfahren gezählt. Der Einsatz führt jedoch zu einer Entspannungsreaktion, weshalb sie hier aufgeführt werden.

  • Anwendungsbereiche: Breiter Einsatz möglich, bspw. Panikstörung
  • Theorie: Durch bewusstes Wahrnehmen des Atemvorgangs wird Entspannung erreicht
  • Techniken u.a. [8]
    • Lippenbremse
      • Fokus auf Ausatmung
        • Lippen sanft aufeinanderlegen: Luft entweicht beim Ausatmen nur durch winzigen Spalt
        • Während des Ausatmens mitzählen (3→8)
        • Dann wieder mit 3 beginnen und steigern
      • Einatmung: Wird im Laufe der Übung automatisch tiefer
    • Atem zählen
      • Jeweils 3 Sekunden ein- bzw. ausatmen
      • Während des Atmens in Gedanken mitzählen: Einatmen (1, 2, 3) – Ausatmen (1, 2, 3)

Hypnotherapie [2][21]

  • Anwendungsbereiche
    • Behandlung psychischer und sozialer Faktoren bei körperlichen Erkrankungen, bspw. Asthma
    • Nikotinentwöhnung
    • Methadonentzug
  • Setting: Im Einzel- und Gruppensetting möglich
  • Kontraindikationen
  • Theorie
    • Bei hypnotischer Trance werden (sub‑)kortikale Gehirnregionen aktiviert, die auch für Prozesse des impliziten Gedächtnisses wichtig sind
    • Veränderung wird begünstigt, wenn implizite anstatt expliziter Verarbeitung gefördert wird
    • Notwendige Ressourcen zur Veränderung trägt eine Person bereits in sich
  • Technik: Therapeutische Nutzung der gesteigerten Empfänglichkeit für (Fremd‑)Suggestionen unter Hypnose
    • Utilisation bestehender Merkmale
    • Destabilisierung festgefahrener Kognitionen
    • Beiläufige und indirekte Informationsvermittlung
  • Ziele
    • Veränderung unerwünschter Muster im Handeln, Fühlen und Denken
    • Neustrukturierung als belastend erlebter Ereignisse
    • Heilung durch biologische Veränderungen fördern

Hypnotherapie ist nicht geeignet, um verdrängte Traumen aufzuklären. Es besteht die Gefahr von induzierten Verzerrungen und Fehlerinnerungen!

Personen mit traumatischen Erfahrungen sollten während der Behandlung die Kontrolle über den Trancezustand und die darin behandelten Themen behalten!

Interpersonelle Psychotherapie [2][5][22]

  • Allgemeines
    • Für den Einsatz bei Depression entwickelt
    • Kurzzeittherapie
    • Starke Orientierung an Therapiemanual
    • Im Einzel- und Gruppensetting einsetzbar
  • Anwendungsbereiche
  • Theorie
    • Psychische Störungen resultieren aus erfolgloser Anpassung an belastende Umweltbedingungen
    • Bei Depressionen spielen interpersonelle und psychosoziale Probleme eine Schlüsselrolle
    • 5 definierbare Fokusbereiche
      • Interpersonelle Konflikte
      • Interpersonelle Defizite
      • Rollenwechsel
      • Pathologische Trauer
      • Arbeitsbezogener Stress
  • Technik: Durchführung in 3 Phasen, meist angelehnt an KVT, psychodynamische Psychotherapie und systemische Psychotherapie
    • Anfangsphase
      • Ca. 1.–3. Sitzung
      • Schwerpunkt: Entlastung, Psychoedukation, Festlegung des Fokusbereiches
    • Mittlere Phase
      • Ca. 4.–13. Sitzung
      • Schwerpunkt: Erwerb von Strategien zur Problembewältigung
    • Schlussphase
      • Ca. 14.–16. Sitzung
      • Schwerpunkt: Vorbereitung der Zeit nach Therapieende
  • Ziele
    • Symptomverbesserung
    • Interpersonelle und psychosoziale Probleme bewältigen, die mit der Symptombildung assoziiert sind

Internetbasierte Interventionen [3][23]

  • Definition: Über das Internet angebotene Interventionen zur Vermittlung bzw. Kommunikation von therapeutischem Inhalt
  • Anwendungsbereiche
  • Anwendungsmöglichkeiten
    • Stand Alone: Als alleinstehendes Konzept
    • Stepped Care: Als Vor- oder Nachstufe zu anderen Interventionen
    • Blended Care: In Kombination zum klassischen Face-to-Face-Konzept
  • Hauptformen
    • Videosprechstunde
      • Abgewandeltes Face-to-Face-Konzept
      • Intensive therapeutische Begleitung
    • Selbstmanagement Interventionen (SMI)
      • Meist interaktive Apps (bspw. mit psychoedukativen Elementen, Virtual-Reality-Expositionstraining)
      • Inhalte werden von Patient:innen primär selbstständig durchgearbeitet
      • Geringe bzw. keine therapeutische Begleitung
      • Auf der Basis evidenzbasierter Therapiemanuale
      • DiGA-Verzeichnis: Auflistung geprüfter Anwendungen mit Kostenübernahme durch die GKV (siehe auch: Tipps & Links)
Mögliche Vorteile internetbasierter Interventionen Mögliche Nachteile internetbasierter Interventionen
  • Vereinfachter Zugang für Personen
    • Mit Mobilitätseinschränkung
    • In Regionen mit wenig lokalen Versorgungsangeboten
    • Mit wenig zeitlicher Flexibilität (bspw. Vollzeitarbeit)
    • Mit unzureichenden Deutschkenntnissen
  • Diagnostischer Prozess ist verkürzt bzw. erschwert
  • Anonymität
  • Symptomverschlechterung wird evtl. nicht (zeitnah) deutlich
  • Bei Nicht-Ansprechen: Entwicklung einer allgemeinen negativen Grundeinstellung ggü. psychologischer Unterstützung möglich
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Reflexionsmethoden in der Psychotherapietoggle arrow icon

Balint-Gruppen [24][25]

Die Teilnahme an Balint-Gruppen ist vorgeschriebener Weiterbildungsinhalt zum Erwerb einiger Facharztbezeichnungen (bspw. Psychiatrie und Psychotherapie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe).

  • Definition
    • Moderierte Fallbesprechung mit Balint-Gruppenleiter:in
    • Gruppensetting mit 8–12 Ärzt:innen
    • Betrachtung von Konflikten innerhalb einer Arzt-Patient-Beziehung und Aufdeckung zugrunde liegender Ursachen wie Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomenen
  • Orientierung: Psychodynamisch (geht auf den Psychoanalytiker Michael Balint (1896–1970) zurück)
  • Ablauf
    • Zusammenfassung der Behandlungsgeschichte aus der Erinnerung durch die behandelnde Person
    • Gruppenmitglieder diskutieren den Fall
    • Dauer: I.d.R. 90 Minuten pro Fall
  • Ziel: Therapeutischen Prozess und Behandlungserfolg optimieren
    • Verstehen von Dynamiken innerhalb der Arzt-Patient-Beziehung und ihrer Einflüsse auf die Therapie
    • Verbesserung der Beziehung bzw. Interaktion zwischen Ärzt:innen und Patient:innen
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