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Analvenenthrombose

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

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Eine Analvenenthrombose ist eine lokalisierte Thrombose des perianalen Venenplexus und führt zu akut auftretenden analen Schmerzen. In der klinischen Untersuchung zeigt sich perianal ein praller, druckdolenter, livide verfärbter Knoten. Es kann eine konservative Therapie (antiphlogistisch, abschwellend) oder eine chirurgische Entlastung mittels Stichinzision oder Exzision der Thrombose erfolgen.

Plötzlich auftretende, meist schmerzhafte perianale Schwellung durch einen Thrombus[1][2] im subkutan gelegenen Plexus haemorrhoidalis caudalis

  • Häufigkeit: Ca. 5% aller proktologischen Patienten[2]
  • Prädisposition: Möglicherweise vergrößerte Hämorrhoidalpolster mit Verbindung zum Plexus haemorrhoidalis caudalis
  • Auslöser[2]

Die Analvenenthrombose imponiert als schmerzhafter, prall-elastischer Knoten (dunkelrot-livide, druckschmerzhaft) im Analkanal oder am äußeren Analkanalrand. Zum Teil können auch mehrere Knoten perlschnurartig nebeneinander auftreten.

  • Leitsymptom: Perianale Schmerzen
    • Auftreten der Schmerzen: Akut
    • Schmerzverstärkung: Während und nach der Defäkation
    • Schmerzcharakter: Brennend, stechend, Druckgefühl

  • Inspektion (Blickdiagnose)
  • Palpation
  • Ggf. proktoskopische Einstellung

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Konservativ

Operativ

  • Indikation: In Ausnahmefällen bei stark schmerzhafter Analthrombose
  • Maßnahmen[3]
    • Exzision der gesamten Thrombose
      • Indikation: Größere Analvenenthrombosen, die weder konservativ noch per Stichinzision therapierbar sind
      • Vorgehen: Flache, elektrochirurgische Abtragung der Thrombose mit offener Wundheilung
    • Stichinzision
      • Indikation: Kleine, frische Analvenenthrombosen
      • Vorgehen: Stichinzision und schonende Exprimierung (Ausdrücken) des Thrombus [3]
      • Nachteil: Hohes Rezidivrisiko

Praktisches Vorgehen bei Stichinzision

  • Instrumentarium
  • Lagerung des Patienten: Seitlage, angewinkelte Beine, ggf. Patienten bitten, die obere Gesäßhälfte anzuheben
  • Durchführung
    • Desinfektion , ggf. Rasur des Operationsfeldes
    • Setzen der Lokalanästhesie
    • Stichinzision und Exprimierung (Ausdrücken) des Thrombus bzw. Exzision des gesamten Hämorrhoidalknotens
    • Vorlage von Kompressen, ggf. Einlage einer Kompresse in den Analkanal

Handlungsanweisungen für den Patienten nach Stichinzision bzw. Exzision der Thrombose

  • Bei konservativer Therapie: Meist komplikationslose Abheilung innerhalb von Tagen bis Wochen
    • Ggf. spontaner Abgang des Thrombus mit begleitender Blutung
  • Bei chirurgischer Therapie: Meist sofortige Schmerzlinderung nach Beseitigung der Thrombose
    • Residuum: Analmariske (perianale Hautfalte)
  • Rezidivrate: 15%[1]

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Rohde: Lehratlas der Proktologie. Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-40881-5 , p. 237.
  2. S1-Leitlinie Analthrombose. Stand: 1. Dezember 2002. Abgerufen am: 10. August 2016.
  3. Stoll: Repetitorium Proktologie. Springer 2018, ISBN: 978-3-662-57267-2 .
  4. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  5. Siewert: Chirurgie. 8. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-30450-0 .
  6. Greenspon et al.: Thrombosed External Hemorrhoids: Outcome After Conservative or Surgical Management In: Diseases of the Colon & Rectum. Band: 47, Nummer: 9, 2004, doi: 10.1007/s10350-004-0607-y . | Open in Read by QxMD p. 1493-1498.
  7. Schwandner: Proktologische Diagnostik. Springer 2015, ISBN: 978-3-662-47262-0 .