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Herzklappenerkrankungen

Letzte Aktualisierung: 30.3.2021

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Herzklappenerkrankungen können sich in Form einer Stenose, einer Insuffizienz oder eines kombinierten Klappenvitiums äußern. Meistens sind die Klappen des linken Herzens betroffen, da die mechanische Belastung durch den höheren Druck im linken Ventrikel größer ist. Die Art der Herzklappenerkrankung entscheidet über die Art der kardialen Belastung: Stenosen führen zu einer Druckbelastung und einer konzentrischen Hypertrophie, Insuffizienzen dagegen wegen des Pendelvolumens zu einer Volumenbelastung und einer exzentrischen Hypertrophie der vorgeschalteten Herzhöhlen. In diesem Kapitel erfolgt ein Überblick über mögliche Klappenerkrankungen sowie Grundzüge der kardiologischen (körperlichen) Untersuchung und Diagnostik, da insb. die Auskultation Hinweise auf Vitien geben kann. Symptomatik und Therapie der einzelnen Klappenveränderungen werden in den entsprechenden Kapiteln behandelt.

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Allgemein

Spezifisch

Klappenstenose Klappeninsuffizienz
Trikuspidalklappe
Pulmonalklappe
  • Angeboren
  • Relative Pulmonalklappeninsuffizienz

Mitralklappe
Aortenklappe

Die Klappen des rechten Herzens sind aufgrund niedrigerer Drücke mechanisch viel weniger belastet als die Klappen des linken Herzens. Daher sind die erworbenen Vitien des rechten Herzens seltener!

Alle Vitien können im Verlauf durch Belastung der jeweiligen Herzmuskelabschnitte zu einer Herzinsuffizienzsymptomatik führen. In diesem Fall wird ein Vitium als „dekompensiert“ bezeichnet. Für spezifische Symptome siehe auch:

Klinische Untersuchung

Klappenvitien und ihre Auskultationsbefunde Punctum maximum Geräusch Besonderheiten
Aortenstenose
Aortenklappeninsuffizienz
  • Protodiastolikum mit Decrescendo
  • Evtl. zusätzlich leises systolisches Geräusch
Mitralstenose
  • Herzspitze (5. ICR links)
  • Verzögertes Diastolikum mit Decrescendo
  • Evtl. zusätzliches präsystolisches Crescendo
  • "Paukender" 1. HT
  • Mitralöffnungston
Mitralklappenprolaps
  • Herzspitze (5. ICR links)
  • Spätsystolisches Crescendo
  • Hochfrequenter mittelsystolischer Klick
Mitralinsuffizienz
  • Herzspitze (5. ICR links)
  • Axilla links
  • Bandförmig, gießend
  • Fortleitung in die Axilla (Regurgitationsgeräusch)

Pulmonalstenose

Pulmonalinsuffizienz
  • Graham-Steell-Geräusch: Hochfrequentes Decrescendo- Diastolikum
Trikuspidalstenose (sehr selten)
  • Verzögertes Diastolikum mit Decrescendo
  • Ggf. präsystolisches Crescendo
-
Trikuspidalinsuffizienz (sehr selten)

-

→ siehe auch: Auskultationsbefunde nach Lokalisation des Herzgeräusches

Apparative Diagnostik

Alle Herzklappenerkrankungen können zu einer Herzinsuffizienz und deren Komplikationen führen. Dieser Abschnitt gibt einen groben Überblick über mögliche Befunde bei den gängigen apparativ-diagnostischen Verfahren. Die detaillierten diagnostischen Maßnahmen sind bei den einzelnen Erkrankungen abgebildet → siehe: Aortenklappeninsuffizienz, Aortenstenose, Mitralklappenvitien

Symptomatische Therapie

Kausale Therapie

Chirurgische Therapie

  • Herzklappen-Rekonstruktion (Anuloplastie): Geringeres Thromboembolierisiko gegenüber dem mechanischen Klappenersatz (insb. in Trikuspidalposition), jedoch hohe Restenoserate
    • Da Herzklappen-Rekonstruktionen häufig eine geringere Letalität als Klappenersätze zeigen, werden sie in vielen Zentren bevorzugt versucht
  • Prothetischer Herzklappenersatz: Hier müssen mechanische von biologischen Klappenprothesen (bovinen oder porcinen Ursprungs) abgegrenzt werden, da sie sich hinsichtlich der Haltbarkeit, hämodynamischer Eigenschaften und Thrombogenität unterscheiden
Herzklappenprothese Mechanische Herzklappenprothese Biologische Herzklappenprothese
Pro
  • Lange Haltbarkeit der Klappe
  • Antikoagulation nur vorübergehend, mind. aber für 3 Monate nach Operation, notwendig
  • Keine Immunsuppression notwendig
Contra
Indikationen
  • Jüngere Patienten
  • Bereits antikoagulierte Patienten (z.B. bei bestehendem Vorhofflimmern)
  • Ältere Patienten
  • Patienten mit hohem Blutungsrisiko
  • Frauen mit Kinderwunsch

Interventionelle Therapie

  • Kathetergestützter Klappenersatz, siehe auch: TAVI (Video: siehe Tipps & Links zum Thema)
  • Valvuloplastie bei Stenosen

Vor dem Klappenersatz sollte immer ein Ausschluss einer KHK erfolgen! Bei Vorhandensein einer KHK kann diese in der selben Operation mittherapiert werden!

Nach dem Klappenersatz sollte die Klappenfunktion regelmäßig überprüft werden!

Private Fahrer Berufskraftfahrer [4]
  • Keine oder geringe Symptomatik: Keine Einschränkung
  • Nach operativer Korrektur: Fahrtauglichkeit nach 2–4 Wochen

Herzklappenerkrankungen – Aortenklappen im Fokus (Februar 2021)

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  • Hinweis: Die Kodierung der einzelnen Erkrankungen wird in den jeweiligen Erkrankungskapiteln aufgelistet.
  • T82.-: Komplikationen durch Prothesen, Implantate oder Transplantate im Herzen und in den Gefäßen
    • Exklusive: Versagen und Abstoßung von transplantierten Organen und Geweben (T86.‑)
    • T82.0: Mechanische Komplikation durch eine Herzklappenprothese
      • Fehllage
      • Leckage
      • Obstruktion, mechanisch Perforation
      • Protrusion
      • Verlagerung
      • Versagen (mechanisch)
  • Z94.-: Zustand nach Organ- oder Gewebetransplantation
    • Inklusive: Organ- oder Gewebeersatz durch heterogenes oder homogenes Transplantat
    • Exklusive: Komplikationen bei transplantiertem Organ oder Gewebe; Vorhandensein: xenogene Herzklappe (Z95.3); vaskuläres Implantat (Z95.‑)
    • Z94.1: Zustand nach Herztransplantation
      • Exklusive: Zustand nach Herzklappenersatz (Z95.2Z95.4)
  • Z95.-: Vorhandensein von kardialen oder vaskulären Implantaten oder Transplantaten
    • Z95.2: Vorhandensein einer künstlichen Herzklappe
    • Z95.3: Vorhandensein einer xenogenen Herzklappe
    • Z95.4: Vorhandensein eines anderen Herzklappenersatzes

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen. Stand: 1. April 2018. Abgerufen am: 30. Mai 2018.
  2. Baumgartner et al.: 2017 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease In: European Heart Journal. 2017, doi: 10.1093/eurheartj/ehx391 . | Open in Read by QxMD .
  3. Nkomo et al.: Burden of valvular heart diseases: a population-based study In: The Lancet. Band: 368, Nummer: 9540, 2006, doi: 10.1016/s0140-6736(06)69208-8 . | Open in Read by QxMD p. 1005-1011.
  4. Iung, Vahanian: Epidemiology of Acquired Valvular Heart Disease In: Canadian Journal of Cardiology. Band: 30, Nummer: 9, 2014, doi: 10.1016/j.cjca.2014.03.022 . | Open in Read by QxMD p. 962-970.
  5. Klinke et al.: Physiologie. 6. Auflage Thieme 2009, ISBN: 978-3-137-96006-5 .
  6. ESC Pocket Guidelines Herzklappenerkrankungen (Version 2012). Stand: 1. Januar 2012. Abgerufen am: 21. März 2017.
  7. Füeßl, Middeke: Anamnese und klinische Untersuchung. 4. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-26884-6 .
  8. Renz-Polster et al.: Basislehrbuch Innere Medizin. Elsevier 2008, ISBN: 978-3-437-41053-6 .
  9. Herold et al.: Innere Medizin 2020. Herold 2020, ISBN: 978-3-981-46609-6 .