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Osteodystrophia deformans

Letzte Aktualisierung: 20.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Osteodystrophia deformans (Morbus Paget, Ostitis deformans) ist eine langsam progrediente, mono- oder polyostotische Skeletterkrankung mit stark gesteigertem Knochenumbau. Es handelt sich um die zweithäufigste Knochenerkrankung nach der Osteoporose. Dabei wird normaler Lamellenknochen durch minderwertigen Geflechtknochen ersetzt. Die Ätiologie ist nicht abschließend geklärt; es werden sowohl genetische als auch Umweltfaktoren diskutiert. Betroffen sind vor allem Personen >55 Jahre.

Die Diagnose erfolgt häufig als Zufallsbefund aufgrund einer isoliert erhöhten alkalischen Phosphatase oder eines auffälligen Röntgenbefundes. Klinisch kann es u.a. zu lokalisierten Knochenschmerzen und Deformitäten kommen (bspw. Verbiegung langer Röhrenknochen, Schädelvergrößerung).

Wesentliche diagnostische Verfahren sind das Röntgen, die Knochenszintigrafie und die alkalische Phosphatase zur Verlaufsbeurteilung. Die Therapie ist symptomatisch und umfasst Bisphosphonate zur Hemmung der Osteoklastenfunktion sowie bei Bedarf Analgetika. Operative Eingriffe können bei Knochendeformitäten oder pathologischen Frakturen indiziert sein.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz: Zweithäufigste Knochenerkrankung nach Osteoporose (bis zu 2% der >55-Jährigen europäischer Abstammung [2])
    • Altersabhängiger Anstieg [3]
    • Insg. rückläufig [1][3]
    • Geografische Unterschiede [4]
  • Geschlechterverteilung: > (ca. 1,5:1) [5]
  • Häufigkeitsgipfel: 70–79 Jahre [4][6]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

  • Nicht abschließend geklärt, a.e. multifaktorielle Genese
  • Genetische Faktoren: Prädisposition in bis zu 40% der Fälle
    • Wichtigster Prädispositionsfaktor: SQSTM1-Mutation
    • Weitere Mutationen: PFN1 und ZNF687 , VCP, OPTN, TNFRSF11A, CSF1
  • Weitere vermutete Risikofaktoren
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Pathophysiologietoggle arrow icon

Genetische Prädisposition ± weitere Risikofaktoren → Osteoklastendysfunktion → Unorganisierter Knochenumbau

Phasen des Knochenumbaus

  • Lytische Phase: Fokale (Riesen‑)Osteoklastenaktivität↑ → Knochenresorption↑ („rasante Osteolyse“)
  • Gemischte (lytisch-sklerotische) Phase : Osteoklastenaktivität↑ → Osteoblasteninfiltration in Lakunen → Knochenbildung mit unorganisierten Kollagenfasern↑ → Minderwertiger hypervaskulärer Geflechtknochen → Charakteristisches Mosaikmuster mit irregulären Zementlinien
  • Sklerotische (auch „ausgebrannte“) Phase : Überwiegen von Osteoblasten → Bildung von dickwandigem hypervaskularisiertem (aber minderwertigem) Knochen
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Klassifikationtoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

Osteodystrophia deformans - Symptome
Betroffenes System Häufig (>10%) Gelegentlich Selten (<1%)
Muskuloskelettal
  • Erwärmung über betroffenen Knochenarealen
Neurologisch
  • Taubheit (häufigste neurologische Komplikation)
  • Tinnitus
Metabolisch
Kardiovaskulär

In 90% der Fälle liegen keine bis wenige Symptome vor – weniger als 10% der Personen mit positivem Röntgenbefund werden überhaupt aufgrund von Symptomen vorstellig!

Bei älteren Personen mit unspezifischen Knochenschmerzen, Hörminderung und erhöhter AP sollte immer auch an eine Osteodystrophia deformans gedacht werden!

Bei V.a. Osteodystrophia deformans und neurologischen Symptomen (bspw. Hörverlust, Paraplegie) ist eine sofortige Diagnostik erforderlich!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Allgemeine Herangehensweise

  1. Klinische Hinweise auf eine Osteodystrophia deformans prüfen
  2. Labordiagnostik und Röntgen durchführen (Diagnosesicherung)
  3. Knochenszintigrafie ergänzen (bei gesicherter Diagnose)

Bei älteren Personen mit unspezifischen Knochenschmerzen, Hörminderung und erhöhter AP sollte immer auch an eine Osteodystrophia deformans gedacht werden!

Labordiagnostik [3][15]

Eine normale AP schließt die Osteodystrophia deformans nicht aus!

Bildgebung [1][3][15]

Empfohlener Ablauf

  1. I.d.R. gezieltes Röntgen symptomatischer oder verdächtiger Regionen zur Diagnosesicherung
  2. Knochenszintigrafie (Ganzkörper) zur Bestimmung der Ausdehnung
  3. Gezieltes Nachröntgen aller neu entdeckten asymptomatischen Läsionen zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen (z.B. Metastasen)
  4. Falls Knochenszintigrafie nicht verfügbar: Röntgen von Abdomen, Schädel (inkl. Gesicht) und Tibiae

Konventionelles Röntgen

  • Indikation
    • Jeder V.a. Osteodystrophia deformans (Diagnosesicherung)
    • Plötzliche Symptomverschlechterung unter/nach Therapie
  • Vorteile
    • Hohe Spezifität
    • Kostengünstig und hohe Verfügbarkeit
    • Nachweis auch inaktiver (sklerotischer) Läsionen
    • Hilfreich zur Phasenbestimmung des Knochenumbaus und zum Erkennen von Komplikationen
  • Nachteile
    • Begrenzte Übersicht
    • Geringe Sensitivität, insb. bei frühen Läsionen
  • Typische Befunde bei Osteodystrophia deformans

Knochenszintigrafie (99ᵐTc-MDP) [1][3]

  • Indikation: Jeder V.a. Osteodystrophia deformans
  • Ziel: Beurteilung der metabolischen Aktivität und Ausdehnung
  • Vorteile
  • Nachteile
  • Typische Befunde bei Osteodystrophia deformans
    • Verstärkte Anreicherung in aktiven Läsionen
    • Spezifische Zeichen an Wirbelkörpern: Mickey-Mouse-Zeichen (oder Kleeblatt-Zeichen) und Herz-Zeichen

Die Diagnose der Osteodystrophia deformans wird i.d.R. in Zusammenschau der Befunde von alkalischer Phosphatase, Röntgen und Knochenszintigrafie gestellt!

Die Knochenszintigrafie ist hochsensitiv, aber nicht spezifisch für die Osteodystrophia deformans und sollte daher immer mit einem Röntgen kombiniert werden!

Erweiterte Diagnostik [3]

  • CT/MRT
    • Indikationen
      • Ausschluss neoplastischer Knochenerkrankungen
      • Neurologische Komplikationen (z.B. bei Schädel- oder Wirbelsäulenbefall)
      • Plötzliche Symptomverschlechterung unter/nach Therapie
  • Knochenbiopsie

Screening [3]

  • Indikation
  • Methoden
    • Genetisches Screening auf SQSTM1-, PFN1- und ZNF687-Mutationen
    • Im Rahmen des Verwandtschaftsscreenings
  • Ziel: Frühzeitiges Erkennen von Menschen mit erhöhtem Risiko für Osteodystrophia deformans
  • Konsequenzen bei positivem Screening: Prophylaktische Gabe von Zoledronat

Verlaufskontrollen bei gesicherter Diagnose

Verlaufskontrollen bei Osteodystrophia deformans[3][13][14]
Maßnahmen Zeitpunkt Ziel
Labordiagnostik

AP, BSAP oder P1NP

  • 3–6 Monate nach Therapieende mit N-BPs, danach 1–2×/Jahr
  • Bei erneuter Symptomverschlechterung
  • Beurteilung von Krankheitsaktivität und Therapieerfolg
  • Therapiesteuerung
  • Detaillierte Verlaufsbeurteilung, insb. in Studien oder bei komplexem Verlauf
Calcium, Phosphat und Albumin
Kreatinin, GFR
  • Vor Therapiebeginn mit N-BPs, danach mind. 1×/Jahr
  • Ausschluss einer Nierenfunktionseinschränkung bzw. einer N-BP-assoziierten Nephropathie
Vitamin D
  • Vor Therapiebeginn mit N-BPs
Bildgebung Röntgen
  • Bei Schmerzprogression oder V.a. Rezidiv
  • Ggf. 1 Jahr nach Therapieende mit N-BPs
CT/MRT
  • Ausschluss von neurologischen Komplikationen und maligner Entartung
  • Frakturnachweis bei unauffälligem Röntgen
  • Präoperative Planung
  • Biopsieplanung
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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Differenzialdiagnosen der Osteodystrophia deformans

Differenzialdiagnose

Diagnostische Hinweise und Unterschiede

Symptome/Verlauf

Labordiagnostik Röntgen
Osteopetrose
  • Spontanfrakturen
  • Knochenmarkinsuffizienz (Immunsuppression mit Sepsisgefahr)
  • Neurologische Ausfälle
  • Hepatosplenomegalie
  • Frühe Manifestation mit schlechter Prognose assoziiert
  • Homogene, marmorierte Verdichtung der Knochenstrukturen
Fibröse Dysplasie
  • AP ↔︎/(↑)
Osteoporose
  • AP ↔︎/↑

Arthrose

  • (Belastungsabhängige) Gelenkschmerzen, funktionelle Einschränkung des betroffenen Gelenks
  • Im Verlauf: Knorpelabbau, knöcherne Veränderungen, Synovialitis
  • Meist unauffällig, ggf. BSG, CRP
Osteomalazie
Hyperparathyreoidismus
Metastasen oder maligne Knochentumoren
  • AP↑
Multiples Myelom


Bei Schädelläsionen in der Bildgebung müssen Knochenmetastasen und zugrunde liegende Tumoren (insb. Prostata- und Mammakarzinom) ausgeschlossen werden!

Bei plötzlicher Schmerzzunahme, erhöhter alkalischer Phosphatase und radiologischen Veränderungen muss differenzialdiagnostisch an Malignome gedacht werden!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Allgemeine Empfehlungen [1][3][14]

Medikamentös [1][3][14][15]

Bisphosphonate lindern Knochenschmerzen und können die alkalische Phosphatase normalisieren!

Die einmalige Gabe von Amino-Bisphosphonaten reicht häufig aus, um eine Remission für >5 Jahre zu bewirken!

Vor einer Bisphosphonattherapie müssen Vitamin D und Calcium substituiert werden, da sonst eine Hypokalzämie droht!

Operativ [1][17]

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Komplikationentoggle arrow icon

Bei plötzlich einsetzenden Schmerzen sollte bei bekannter Osteodystrophia deformans auch an ein Osteosarkom gedacht werden!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

  • I.d.R. gut, bei maligner Entartung schlecht (Osteosarkom)
  • Kaum eingeschränkte Lebensqualität unter Therapie, früher Beginn vorteilhaft
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Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Osteodystrophia deformans (Morbus Paget des Knochens)

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

  • M88.-: Osteodystrophia deformans [Paget-Krankheit]
    • M88.0: Osteodystrophia deformans der Schädelknochen
    • M88.8-: Osteodystrophia deformans sonstiger Knochen [0–9]
    • M88.9-: Osteodystrophia deformans, nicht näher bezeichnet [0–9]

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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