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Schlafbezogene Atmungsstörungen

Letzte Aktualisierung: 28.10.2019

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Die häufigste Ursache einer schlafbezogenen Atemstörung ist eine Obstruktion der oberen Atemwege durch Kollaps der Schlundmuskulatur während des Schlafes, das sogenannte Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Die Patienten sind meist adipös und leiden unter starker Tagesmüdigkeit. Fremdanamnestisch geben die Lebenspartner Atempausen und starkes Schnarchen während des Schlafens an. Die Lebenserwartung der Patienten ist durch kardiovaskuläre Folgen einer sekundären Hypertonie eingeschränkt, kann aber durch konsequente Gewichtsreduktion und nächtliche Überdruckbeatmungstherapie (nCPAP) normalisiert werden. Der Therapieerfolg bedarf einer hohen Patientencompliance mit regelmäßiger Therapieüberwachung durch Schlafuntersuchungen.

  • Schlafapnoe-Syndrom: Nächtliche Atmungsstörung mit klinischer Beschwerdesymptomatik und/oder gesundheitlichen Risiken
  • Apnoe: Atempausen von ≥10 Sekunden
  • Hypopnoe: Reduktion des Atemflusses um ≥50% für ≥10 Sekunden kombiniert mit Sauerstoffsättigungsabfall ≥3% oder Arousal
  • Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI): (Hypopnoen + Apnoen)/Stunde Schlafzeit
    • Ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) wird diagnostiziert, wenn ein AHI >15/ Stunde Schlafzeit oder >5/Stunde Schlafzeit in Kombination mit einer typischen klinischen Symptomatik vorliegt
  • Respiratory Effort related Arousal (RERA): Sequenz von Atemzügen (mind. 10sek.), die durch eine erhöhte Atemanstrengung zu einem Arousal führen
  • Respiratory disturbance index (RDI) (Hypopnoen + Apnoen + Respiratory Effort related Arousal)/Stunde Schlafzeit
Schweregrad leichtgradig mittelgradig schwergradig
AHI 5–15 15–30 >30
RDI 15–20 20–40 >40

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Klassifikation des Schlafapnoe-Syndroms

Typische Begleiterkrankungen und begünstigende Faktoren

Die meisten Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom sind adipös!

Allgemeines

  • Anamnese: Standardisierte Fragebögen mit Fremdanamnese (Partner nach Schnarchen und Atemaussetzern fragen)
  • 24-h-RR-Messung

Schlafuntersuchung

Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine sehr häufige Ursache einer sekundären Hypertonie!

Die Dauer und der Anteil der REM-Schlafphasen nimmt im Verlauf der Nacht zu!

Bei Adipösen, Diabetikern, Patienten mit Vorhofflimmern und Patienten mit Hypertonie, die über Schnarchen berichten, soll die Diagnostik zum Ausschluss eines Schlafapnoesyndroms erfolgen. (DGIM - Klug entscheiden in der Pneumologie)

Allgemein

Nächtliche Beatmung

Beim symptomatischen obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ist die Überdruckbehandlung in der Nacht mittels nCPAP-Therapie das Mittel der Wahl. Für den Therapieerfolg bedarf es einer hohen Patientencompliance mit regelmäßiger Therapieüberwachung durch Schlafuntersuchungen!

Operative Verfahren beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom

Die wesentliche Engstelle beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom liegt zwischen Zungengrund und Rachenhinterwand. Bei unzureichendem konservativem Therapieerfolg ist eine operative Erweiterung möglich.

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Unbehandelt haben alle Patienten aufgrund der Hypertonie eine erhöhte Mortalitätsrate an kardiovaskulären Erkrankungen
  • Durch konsequente nCPAP-Beatmung kann das Mortalitätsrisiko bei obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom auf das der Normalbevölkerung gesenkt werden

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

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  3. Schulz et al.: Obstruktive Schlafapnoe – ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor In: Deutsches Ärzteblatt. Band: 12, Nummer: 103, 2006, .
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  11. Herold: Innere Medizin 2019. Herold 2018, ISBN: 978-3-981-46608-9 .
  12. DGSM: S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen“ In: Somnologie. Band: 20, Nummer: S2, 2016, doi: 10.1007/s11818-016-0093-1 . | Open in Read by QxMD p. 97-180.