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Kopfschmerzen

Letzte Aktualisierung: 14.1.2021

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Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Schmerzsyndromen, mit denen Mediziner im klinischen Alltag konfrontiert werden. Unterschieden werden vor allem primäre (z.B. Spannungskopfschmerz, Migräne) und sekundäre (z.B. nach Schädel-Hirn-Trauma oder durch Infektionen hervorgerufene) Kopfschmerzen. Weltweit beträgt die Prävalenz von Kopfschmerzerkrankungen >60%, wobei bis zu 4% der Weltbevölkerung Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen pro Monat haben. Laut WHO stellen Kopfschmerzen global eine der zehn häufigsten Erkrankungen dar, die mit funktionellen Behinderungen einhergehen.

Kopfschmerzen können anfallsartig, gelegentlich oder chronisch auftreten. Insbesondere chronische Verläufe bedeuten für den Patienten neben den Schmerzen häufig eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität und einen hohen Leidensdruck, verursachen gleichzeitig jedoch auch hohe sozioökonomische Kosten, so dass einer adäquaten Differentialdiagnostik und Therapie zunehmend mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Obwohl Kopfschmerzen oft passager und harmlos sind, muss im klinischen Alltag zunächst immer an potentiell gefährliche Verläufe (z.B. Subarachnoidalblutung, Meningitis) gedacht werden. Die Erkennung der jeweiligen Kopfschmerzursache gestaltet sich häufig als schwierig und erfordert neben einer ausführlichen Anamnese die genaue körperliche Untersuchung. In den meisten Fällen ist eine weiterführende apparative Diagnostik nicht indiziert, kann jedoch bei auffälligen Befunden (sog. Red Flags) oder persistierenden Beschwerden notwendig werden.

Dieses Kapitel dient der Übersicht über die häufigsten Kopfschmerzformen.

Für das Notfallmanagement siehe: Kopfschmerzen - AMBOSS-SOP

  • Laut der International Headache Society (IHS) erfolgt eine Unterscheidung folgender Kopfschmerzformen:
    • Primäre Kopfschmerzen: Weisen den Schmerz als Hauptsymptom auf, ohne dass eine andere strukturelle Erkrankung vorliegt.
    • Sekundäre Kopfschmerzen: Sind symptomatische Kopfschmerzen, d.h. sie werden durch andere Erkrankungen verursacht, wie z.B. durch ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine intrakranielle Raumforderung. Sie werden kausal behandelt.
    • Kraniale Neuralgien, zentraler und primärer Gesichtsschmerz und andere Kopfschmerzen: Kopf- und Gesichtsschmerzen, die aufgrund von Neuralgien im Gesicht-Hals-Bereich auftreten und im entsprechenden nervalen Versorgungsbereich wahrgenommen werden.

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Red Flags bei Kopfschmerzen

Bei folgenden Warnsymptomen (Red Flags) sollte eine umgehende Diagnostik erfolgen, um abwendbar gefährliche Kopfschmerzverläufe schnellstmöglich behandeln zu können:

Für das Notfallmanagement siehe: Kopfschmerzen - AMBOSS-SOP

Ziele der Diagnostik

  1. Schnellstmögliche Identifikation von Patienten mit sekundären Kopfschmerzen
  2. Erkennen häufiger oder akut behandlungsbedürftiger primärer Kopfschmerzformen

Für das Notfallmanagement siehe: Kopfschmerzen - AMBOSS-SOP

Ausführliche Anamnese

  • Zeit
    • Dauer
    • Häufigkeit pro Monat
    • Verlauf (z.B. chronisch , gelegentlich, attackenartig)
  • Schmerz
    • Lokalisation (z.B. einseitig, beidseitig, orbital)
    • Charakter (z.B. pulsierend, stechend)
    • Intensität (Schmerzskala 0–10)
  • Begleitsymptome, z.B.:
  • Auslöser oder Verstärker, z.B.:
    • Schlaf-Wach-Rhythmus
    • Körperliche Bewegung
    • Nahrungsmittel
    • Hormonschwankungen
  • Allgemeinanamnese

Allgemeine Untersuchung

Zusatzdiagnostik

Apparative Diagnostik ist in den meisten Fällen (insb. bei primären Kopfschmerzerkrankungen) nicht indiziert. Sie dient hauptsächlich der Abklärung sekundärer Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, sowie zur Diagnostik von akuten Kopfschmerzereignissen, die bedrohlich verlaufen können (z.B. Subarachnoidalblutungen, Trauma)!

Für das Notfallmanagement siehe: Kopfschmerzen - AMBOSS-SOP

Sekundäre Kopfschmerzen (Auszug)

In folgender Tabelle wird v.a. auf sekundäre Kopfschmerzen eingegangen, die angesichts von abwendbar gefährlichen Verläufen möglichst schnell erkannt und therapiert werden sollten. Zum leichteren Erinnern können die Kopfschmerzformen anhand ihrer Genese grob in verschiedene Gruppen zusammengefasst werden.

Bei Kopfschmerzen immer abwendbar gefährliche Verläufe bedenken!

Genese Diagnose Art der Kopfschmerzen Begleitsymptomatik/Charakteristika
Infektiöse Genese Meningitis
Enzephalitis
  • Diffus lokalisierte, akut einsetzende, progrediente Kopfschmerzen
Vaskuläre Genese Intrakranielle Blutungen
  • Erbrechen, rasche Progression der Klinik mit zunehmender Beeinträchtigung der Vigilanz bis hin zum Koma, epileptische Anfälle
  • Fokal-neurologische Ausfälle wie kontralaterale Hemiparese, horizontale Blickparese , Blick- und ggf. auch Kopfwendung zum Herd
Zerebrale Sinus- und Venenthrombose
  • Meist unspezifisch: Subakut; über Stunden bis Tage zunehmende, dumpfe/diffuse Kopfschmerzen
Arteriitis temporalis
  • Pulssynchrone, bohrende Schläfenschmerzen
Hypertensive Krise/ Hypertensiver Notfall
  • Diffuse, bisweilen bifrontale, pulsierende Kopfschmerzen, die durch körperliche Aktivität an Intensität zunehmen
Schlaganfall
Tumoröse Genese Intrakranielle Raumforderung (z.B. Hirntumor)
  • Über Wochen/Monate, dumpf-drückende, progrediente, häufig bifrontale Kopfschmerzen
Traumatische Genese Schädelhirntrauma
Sonstige Genese Glaukomanfall
  • Sehstörungen, vegetative Symptome (Übelkeit, Erbrechen), steinharter Bulbus, Bulbusdruckschmerz

Primäre Kopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen Migräne Clusterkopfschmerz
Dauer
  • Episodisch oder chronisch
  • 4–72 Stunden
  • 30–180 min
Häufigkeit
  • Gelegentlich bis täglich
  • Gelegentlich bis mehrmals pro Monat
  • I.d.R. 1–3 Anfälle/24h
Lokalisation
  • Ca. 60% einseitig
  • Streng einseitig
Charakter
  • Dumpf drückend, ziehend, pressend, nicht pulsierend (Schraubstockgefühl)
  • Pulsierend, bohrend, hämmernd
Intensität
  • Leicht bis mittel
  • Mittel bis stark
  • Stark
Begleitsymptome
  • Keine vegetativen Begleitsymptome
Auslöser/Verstärker
  • Muskuläre Verspannungen, Klimaveränderungen, Schlafmangel, Alkoholabusus, Stress
  • Auslöser: U.a. Stress, Hormonschwankungen, evtl. Nahrungsmittel, Klima
  • Verstärkung durch körperliche Aktivität
  • Möglicher Triggerfaktor: Alkohol

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Evers et al.: Differenzialdiagnose von Kopfschmerzen In: Deutsches Ärzteblatt. Band: 103, Nummer: 45, 2006, .
  2. S1-Leitlinie Diagnostik und apparative Zusatzuntersuchungen bei Kopfschmerzen. Stand: 1. September 2012. Abgerufen am: 26. Oktober 2017.