Zusammenfassung
Calciumantagonisten lassen sich in drei Gruppen unterscheiden: Während Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ (Dihydropyridine) ihre Wirkung vorwiegend an der glatten Muskulatur von Gefäßen entfalten (Dilatation), haben Calciumantagonisten vom Verapamil-Typ einen Effekt auf das Myokard sowie die Erregungsbildung und -leitung (negativ inotrop, dromotrop und chronotrop). Diltiazem wiederum nimmt zwischen beiden Polen eine Zwischenstellung mit gleichmäßigem Einfluss auf alle relevanten Zielorgane ein. Die Wirkung wird über eine Blockade von L-Typ-Calciumkanälen (gehemmter Ca2+-Einstrom) realisiert. Zentrale Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Flush, periphere Ödeme sowie reflektorische Tachykardien. Calciumantagonisten werden meist in der Therapie der arteriellen Hypertonie, einer stabilen Angina pectoris und des Raynaud-Syndroms (Nifedipin) eingesetzt. Kontraindiziert sind sie hingegen u.a bei schwerer Herzinsuffizienz, Hypotension und schweren stenosierenden Herzvitien. Bei einer kombinierten Gabe mit Nitraten ist außerdem das mögliche Auftreten vital-bedrohlicher Hypotonien zu beachten.
Übersicht
Ca2+-Antagonist | Wirkstoffauswahl | Myokard | Sinusknoten-Wirkung | AV-Überleitung | Gefäßtonus | Weitere Hinweise zu Wirkstoff und Präparaten |
---|---|---|---|---|---|---|
Nifedipin-Typ (Dihydropyridin-Typ) |
| (↓) | ∅ | ∅ | ↓↓ |
|
Diltiazem-Typ | ↓ | ↓ | ↓ | ↓ | ||
Verapamil-Typ |
| ↓–↓↓ | ↓ | ↓↓ | (↓) |
|
Wirkung
Nifedipin-Typ
- Vorwiegend periphere Vasodilatation
Halbwertszeit (≈Wirkdauer): Nifedipin (2 h) → Nitrendipin (8–12 h) → Amlodipin (35–50 h)!
Diltiazem-Typ
- Negativ inotrop, chronotrop, dromotrop sowie periphere Gefäßdilatation, jedoch verhältnismäßig geringerer Effekt als Nifedipin- bzw. Verapamil-Typ
Verapamil-Typ
- Vorwiegend negativ inotrop, chronotrop und dromotrop
Nebenwirkung
Nebenwirkungen von Calciumantagonisten | |
---|---|
Nifedipin-Typ |
|
Diltiazem-Typ |
|
Verapamil-Typ |
|
Verapamil wirkt primär auf die Ca2+-Kanäle im Herzen und ist durch die negative Wirkung auf die Kontraktion des Myokards bei einer Herzinsuffizienz kontraindiziert!
Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Indikation
- Arterielle Hypertonie
- Stabile Angina pectoris
- Herzrhythmusstörungen: Supraventrikuläre Tachykardie
- Raynaud-Syndrom (Nifedipin)
- HOCM (nur Verapamil)
- Prophylaxe bei Clusterkopfschmerz (nur Verapamil)
- Vasospasmusprophylaxe bei Subarachnoidalblutung (nur Nimodipin)
Kontraindikation
- Alle Calciumantagonisten
- Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ
- HOCM
- Schwere stenosierende Herzklappenvitien
- Kurz- und mittellang wirksame Präparate: Myokardinfarkt in den letzten 4 Wochen
- Calciumantagonisten vom Verapamil- und Diltiazem-Typ
- Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion
-
AV-Block (Grad II und III)
- Sehr strenge Indikationsstellung und Überwachung bei vorliegendem AV-Block Grad I
- Kombination mit Betablockern → Gefahr des AV-Blocks
Es werden die wichtigsten Kontraindikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Studientelegramme zum Thema
- Studientelegramm 255-2023-1/3: Verapamil bei neu diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 1?
- Studientelegramm 215-2022-2/2: Angina pectoris ohne KHK - Calciumantagonisten bei mikrovaskulärer Dysfunktion und Vasospasmen
- DGIM-Studientelegramm 2-2020-3/4: Schleifendiuretika zur Behandlung Calciumkanalblocker-induzierter Unterschenkelödeme: Eine häufige und vermeidbare Verschreibungskaskade
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Calciumantagonisten
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