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Chromosomenaberrationen

Letzte Aktualisierung: 5.3.2025

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Strukturelle und numerische Chromosomenaberrationen sind der häufigste Grund für Spontanaborte während der Schwangerschaft. Eine Vielzahl von Aberrationen sind aber überlebensfähig - einige gehen gar mit einer ähnlichen Lebenserwartung einher wie ein „normaler“, diploider Chromosomensatz. Folgende Aberrationen sind dabei vorrangig zu nennen:

  • Beim Pätau-Syndrom liegt eine numerische Chromosomenaberration mit einem zusätzlichen Chromosom 13 vor. Im Phänotyp ist eine typische Symptomtrias (Mikrozephalie, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Hexadaktylie) – eventuell mit weiteren Fehlbildungen – zu erwarten. Die Lebenserwartung ist i.d.R. unter einem Jahr.
  • Beim Edwards-Syndrom liegt eine numerische Chromosomenaberration mit einem zusätzlichen Chromosom 18 vor. Im Phänotyp sind eine typische Handstellung und eine charakteristische Gesichtsmorphologie sowie sog. „Wiegenkufenfüße“ und weitere Fehlbildungen zu erwarten. Die Lebenserwartung ist i.d.R. unter einem Jahr.
  • Bei der Trisomie 21 liegt eine numerische Chromosomenaberration mit einem zusätzlichen Chromosom 21 vor. Im Phänotyp sind eine typische Fazies mit nach außen schräg ansteigenden Lidachsen und Epikanthus zu erwarten. Die Lebenserwartung ist leicht reduziert.
  • Beim Klinefelter-Syndrom liegt eine numerische Chromosomenaberration mit einem zusätzlichen X-Chromosom vor (47,XXY). Bei den betroffenen Männern besteht ein Testosteronmangel, der zum charakteristischen Hochwuchs führt.
  • Beim Ullrich-Turner-Syndrom liegt meist eine numerische Chromosomenaberration mit einem fehlenden X-Chromosom (45,X), manchmal eine strukturelle Veränderung eines X-Chromosoms vor. Das Fehlen bzw. die Veränderung des X-Chromosoms kann zu einer Fehlanlage der weiblichen Geschlechtsorgane und Infertilität führen.
  • Beim Swyer-Syndrom liegt ein Gendefekt in der geschlechtsdeterminierenden Region des Y-Chromosoms (SRY) vor. Dadurch kommt es bei männlichem Genotyp zu einem weiblichen Phänotyp.
  • Bei der reinen Gonadendysgenesie 46,XX liegt ein Gendefekt vor, der zu einer primären Störung der Ovarialfunktion führt. Das äußere Genitale ist bei diesen Patientinnen normal entwickelt, eine Ausreifung der sekundären Geschlechtsmerkmale bleibt jedoch aus und es liegt eine Amenorrhö vor.

Bei der medizinischen Betreuung von Personen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung steht das Selbstbestimmungsrecht im Vordergrund. Unnötige geschlechtsangleichende Eingriffe bei nicht-einwilligungsfähigen Personen sollen nicht durchgeführt werden. Nach der Geburt kann bei Neugeborenen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung der Geschlechtseintrag im Geburtenregister offen gelassen oder als „divers“ eingetragen werden. Diese Angabe kann später entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität auch geändert oder gestrichen werden. Rechtliche Grundlagen sind das Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung und das Personenstandsgesetz! [1][2]

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Allgemeinestoggle arrow icon

Überblick über die lebensfähigen numerischen Chromosomenaberrationen

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Pätau-Syndrom (Trisomie 13)toggle arrow icon

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Edwards-Syndrom (Trisomie 18)toggle arrow icon

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Trisomie 21toggle arrow icon

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Klinefelter-Syndromtoggle arrow icon

  • Karyotyp: 47,XXY ; selten 48,XXXY oder 48,XXYY
  • Häufigkeit: Ca. 1:800 (Korrelation mit dem Alter der Mutter)
  • Klinik: Männlicher Phänotyp, wobei sich im Kindesalter kaum Auffälligkeiten zeigen. Mit Eintritt in die Pubertät kommt es aufgrund des Testosteronmangels zu folgenden Symptomen
    • Unvollständige und verzögert eintretende Pubertät
    • Eunuchoider Hochwuchs
    • Hodenhypoplasie und Hodendysgenesie bei normaler bis verringerter Penisgröße
    • Verminderte Fertilität, häufig Azoospermie
    • Gynäkomastie
    • Gehäufte Osteoporose im Erwachsenenalter durch Testosteronmangel
    • Lernschwierigkeiten
  • Therapie: Lebenslange Testosteronsubstitution (auch als Schutz gegen Osteoporose)

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Weibliche Gonadendysgenesietoggle arrow icon

Ullrich-Turner-Syndrom

Swyer-Syndrom

Reine Gonadendysgenesie

  • Karyotyp: 46,XX
  • Klinik: Weiblicher Phänotyp
    • Bis zur Pubertät: Normale Entwicklung des weiblichen Genitale
    • Ab der Pubertät: Östrogenmangel aufgrund der mangelhaften Entwicklung der Ovarien oder des frühzeitigen Versiegens der Ovarialfunktion
      • Mangelnde Ausreifung der sekundären Geschlechtsmerkmale
      • Primäre (seltener: sekundäre) Amenorrhö
      • Infertilität
  • Pathophysiologie: Verschiedene Mutationen führen zu einer mangelhaften Entwicklung der Ovarien oder einem frühzeitigen Versiegen der Ovarialfunktion → Normale Entwicklung von Uterus und Vagina → Mangelhafte Östrogensekretion → Ausbleiben der Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale und Amenorrhö
  • Therapie: Östrogen- und Gestagensubstitution
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Q91.-: Edwards-Syndrom und Patau-Syndrom

Q92.-: Sonstige Trisomien und partielle Trisomien der Autosomen, anderenorts nicht klassifiziert

Q93.-: Monosomien und Deletionen der Autosomen, anderenorts nicht klassifiziert

Q95.-: Balancierte Chromosomen-Rearrangements und Struktur-Marker, anderenorts nicht klassifiziert

Q96.-: Turner-Syndrom

Q97.-: Sonstige Anomalien der Gonosomen bei weiblichem Phänotyp, anderenorts nicht klassifiziert

Q98.-: Sonstige Anomalien der Gonosomen bei männlichem Phänotyp, anderenorts nicht klassifiziert

Q99.-: Sonstige Chromosomenanomalien, anderenorts nicht klassifiziert

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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