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Geschlechtsinkongruenz

Last updated: 7.5.2020

Abstract

Geschlechtsinkongruenz beschreibt die fehlende Übereinstimmung zwischen erlebtem und aufgrund äußerer Geschlechtsmerkmale zugewiesenem Geschlecht. Im englischen ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems der WHO) wird die Geschlechtsinkongruenz inzwischen unter „Conditions related to sexual health“ aufgeführt. Bis 2022 gilt allerdings noch der ICD-10, dessen Diagnosen in diesem Kapitel ebenfalls aufgeführt sind.

Grund für die Überarbeitung des ICD-10 sind Einwände von Interessensverbänden und eine Studienlage, die deutlich macht, dass die Pathologisierung mit erheblichem Leidensdruck und gesellschaftlicher Stigmatisierung einhergeht. Problematisch ist u.a. die Zuordnung unterschiedlicher Geschlechtsidentitäten zu den „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“.

Diagnosen der Geschlechtsinkongruenz (nach ICD-11)

  • Vorgesehen im ICD-11
    • Geschlechtsinkongruenz im Jugend- und Erwachsenenalter (nach ICD-10: Transsexualismus): Dauerhafte mangelnde Übereinstimmung zwischen der individuellen Geschlechtsidentität und dem aufgrund körperlicher Geschlechtsmerkmale zugewiesenen Geschlecht. Es besteht häufig der Wunsch, durch medizinische Behandlung das Geschlecht zu wechseln.
    • Geschlechtsinkongruenz des Kindesalters (nach ICD-10: Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters): Über zwei Jahre anhaltende mangelnde Übereinstimmung zwischen der individuellen Geschlechtsidentität und dem zugewiesenen Geschlecht bereits vor Eintreten der Pubertät. Es besteht häufig der Wunsch, das Geschlecht zu wechseln.
  • Nach ICD-10
    • Transvestitismus (F64.1 im ICD-10): Beim Transvestitismus besteht der Wunsch, zeitweilig die Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben. Eine operative Geschlechtsumwandlung wird i.d.R. nicht angestrebt. Das Wechseln der geschlechtsüblichen Kleidung ist nicht von sexueller Erregung begleitet.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

F64.-: Störungen der Geschlechtsidentität

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Reed et al.: Disorders related to sexuality and gender identity in the ICD-11: revising the ICD-10 classification based on current scientific evidence, best clinical practices, and human rights considerations In: World Psychiatry. Band: 15, Nummer: 3, 2016, doi: 10.1002/wps.20354 . | Open in Read by QxMD p. 205-221.
  2. ICD-11 Beta Draft. . Abgerufen am: 2. Februar 2018.