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Parenterale Antikoagulanzien

Letzte Aktualisierung: 12.3.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Parenterale Antikoagulanzien können zur Hemmung der plasmatischen Blutgerinnung sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch eingesetzt werden, z.B. zur Vermeidung und Behandlung von Thrombosen. Am häufigsten werden dabei Heparine eingesetzt, andere Medikamente kommen i.d.R. erst bei Unverträglichkeiten zum Einsatz. Neben vermehrten Blutungskomplikationen ist die gefürchtetste Nebenwirkung die seltene heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT), bei der es Autoantikörper-vermittelt zur Aggregation von Thrombozyten mit bedrohlichen Thromboembolien kommt. Da diese Komplikation an einem starken Abfall der Thrombozyten erkannt werden kann, muss bei der sehr häufigen Verwendung von Heparin im klinischen Alltag eine Überwachung des Blutbildes erfolgen.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS-Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion “Tipps & Links".

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Übersichttoggle arrow icon

Parenterale Antikoagulanzien

Parenterale Antikoagulanzien – Übersicht
Substanzklasse Wirkstoffe Applikation Mittlere Halbwertszeit Therapiemonitoring Antidot Weitere Hinweise zu Wirkstoff und Präparaten
PTT Anti-Faktor-Xa-Aktivität
Unfraktioniertes Heparin 2 h

Protamin (komplett)

Niedermolekulares Heparin 3–4 h

Protamin (partiell)

Heparinoide
  • Fondaparinux
17 h

  • Danaparoid
25 h
Rekombinantes Hirudin 25 min
Synthetisches L-Arginin-Derivat

52 min

Heparine

Vergleich von unfraktioniertem und niedermolekularem Heparin
Unfraktioniertes Heparin (UFH) Niedermolekulares Heparin (NMH)
Pharmakodynamik
  • Langsamerer Wirkeintritt (alleinige Bindung an Antithrombin)
  • Elimination ausschließlich renal: Anwendungsbeschränkung bei eingeschränkter Nierenfunktion
Nebenwirkungen
  • HIT (ca. 10× häufiger als unter NMH)
  • Häufiger schwere Blutungsereignisse
Bevorzugter Einsatz
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Wirkungtoggle arrow icon

Wirkung
UFH

NMH

Fondaparinux und Danaparoid

Argatroban
  • Direkte Thrombinhemmung (Wirkung unabhängig von Antithrombin)
Hirudin

Die Wirkung der meisten parenteralen Antikoagulanzien ist abhängig von Antithrombin. Demnach ist bei Antithrombin-III-Mangel (z.B. aufgrund eines nephrotischen Syndroms) mit einem Wirkverlust zu rechnen!

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Nebenwirkungtoggle arrow icon

  • Unspezifische Nebenwirkung: Deutlich erhöhtes Blutungsrisiko
  • Spezifische Nebenwirkungen: Abhängig von der eingesetzten Substanz

Ein deutlich erhöhtes Blutungsrisiko ist die wichtigste gemeinsame Nebenwirkung aller Antikoagulanzien!

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Thrombozytopenie unter Heparingabetoggle arrow icon

  • Definition: Potenziell lebensgefährliche Komplikation unter Heparingabe mit Thrombozytenabfall und ggf. thromboembolischen Ereignissen
  • Unterscheidung von 2 Typen
    • Heparinassoziierte Thrombozytopenie (HAT; alternativ HIT Typ I): Harmloses, nicht-immunologisches Begleitphänomen einer Heparintherapie durch Interaktion zwischen Thrombozyten und Heparin
    • Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT; alternativ HIT Typ II): Schwerwiegende Komplikation einer Heparintherapie (insb. UFH) durch Antikörperbildung mit Thrombozytenaggregation

Bei einer Therapie mit Heparinen sollte die Thrombozytenzahl regelmäßig sowie einmalig vor Therapiebeginn (Ausgangswert) bestimmt werden!

Thrombozytopenie unter Heparingabe

Heparinassoziierte Thrombozytopenie (HAT)

Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT)

Alternative Bezeichnung HIT Typ I

HIT Typ II

Risiken/Komplikationen Keine bekannt Thromboembolisches Risiko↑↑
Thrombozytopenie Zeitpunkt 1–5 d nach Beginn der Heparingabe I.d.R. 5–10(–14) d nach Beginn der Heparingabe
Ausmaß Abfall meist <30% Massiver Abfall >50%
Häufigkeit Ca. 10% UFH: Ca. 1% NMH: <0,1%
Pathophysiologie Direkte Interaktion (keine Antikörper)

Autoantikörper gegen Komplex aus Heparin und Plättchenfaktor 4

Diagnostik
  • 4T-Score bestimmen (4Ts = Thrombocytopenia, Timing of Onset, Thrombosis, OTher Causes)
Maßnahmen
  • Heparingabe fortführen
  • Keine weiterführende Labordiagnostik

Bei einer HIT muss die Heparintherapie sofort abgesetzt und durch eine Antikoagulation mit Danaparoid oder Argatroban ersetzt werden. Alternativ werden auch Fondaparinux oder DOAK eingesetzt (Off-Label Use)!

Nach einer Heparingabe in der Vergangenheit kann eine HIT bei erneuter Applikation aufgrund bereits vorhandener Antikörper auch innerhalb der ersten Tage auftreten!

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Indikationtoggle arrow icon

Prophylaxe (Low-Dose)

Therapie (High-Dose, „Vollheparinisierung“)

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Besondere Patientengruppentoggle arrow icon

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Studientelegramme zum Thematoggle arrow icon

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Heparin

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