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Hirsutismus

Letzte Aktualisierung: 25.11.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Hirsutismus ist definiert als übermäßiges Wachstum von Terminalhaaren bei Frauen in einem männlichen Verteilungsmuster. Dabei handelt es sich um ein Symptom, keine Erkrankung. Ursache ist häufig ein Androgenüberschuss, meist im Rahmen eines polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS). Die Diagnostik umfasst eine klinische Bewertung mittels Ferriman-Gallwey-Score und die Bestimmung des Androgenspiegels. Ist dieser erhöht, sollte auf ein nicht-klassisches adrenogenitales Syndrom gescreent sowie ein androgenproduzierender Tumor ausgeschlossen werden. Eine Therapie des Hirsutismus erfolgt i.d.R. nur bei Leidensdruck der Patientin. Liegt aktuell kein Kinderwunsch vor, wird ein kombiniertes orales Kontrazeptivum empfohlen. Bei unzureichendem Ansprechen nach sechs Monaten kann ein Antiandrogen hinzugefügt werden. Methoden zur physikalischen Haarentfernung wie Fotoepilation oder Elektrolyse können alternativ oder ergänzend eingesetzt werden.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz: 5–15% der geschlechtsreifen Frauen [1]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

In den meisten Fällen liegt dem Hirsutismus eine benigne Erkrankung zugrunde, seltene Ursachen wie ein nicht-klassisches AGS, ein androgenproduzierender Tumor oder eine andere endokrine Erkrankung sollten jedoch nicht übersehen werden!

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Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Physiologische Androgenwirkung: Umwandlung von Vellus- in Terminalhaar
    • Ambisexualhaar: Intim-/Achselbehaarung
      • Entstehung bei allen Geschlechtern in der Pubertät
      • Bereits durch Androgenkonzentrationen, die physiologisch bei der Frau vorkommen
    • Sexualhaar: Barthaar, Brust, Bauch, Rücken
      • Entstehung i.d.R. beim Mann
      • Entwicklung nur bei höheren Androgenkonzentration
  • Pathologische Androgenwirkung bei Frauen durch erhöhte Androgenkonzentrationen
    • Androgene↑ → Entwicklung eines männlichen Behaarungstyps (Terminalhaar im Gesicht, an Brust, Bauch und Rücken)
    • Keine verlässliche Korrelation zwischen Ausmaß des Hirsutismus und Androgenkonzentration
    • Androgenwirkung abhängig von
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Symptomatiktoggle arrow icon

Bei schneller Entwicklung von Hirsutismus und Virilisierung sowie Androgenwerten >2× ULN muss zeitnah ein seltener androgenproduzierender Tumor ausgeschlossen werden!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

Klinische Untersuchung

  • Ferriman-Gallwey-Score : Goldstandard zur Diagnose und Quantifizierung des Hirsutismus
    • Durchführung: Score von 0 (keine Haare) bis 4 (eindeutig viril) für insg. 9 androgenempfindliche Körperregionen vergeben, Maximalscore 36
    • Pathologisch: Score >4–6 [3]
      • Abhängig von ethnischer Zugehörigkeit gelten ggf. andere Grenzwerte , bspw.
        • Frauen aus USA und Großbritannien (alle Hauttypen): ≥8
        • Frauen aus dem Mittelmeerraum, Nahen Osten: ≥9 bis 10
        • Südamerikanische Frauen: ≥6
        • Asiatische Frauen: ≥2 (Han-Chinesinnen) bis ≥7 (südchinesische Frauen)

Laboruntersuchungen

Bildgebung

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

  • Hypertrichose
    • Definition: Generalisierter oder lokalisierter, übermäßiger Haarwuchs in einem nicht-androgenabhängigen Muster (bspw. Unterarme/Unterschenkel, jedoch auch Gesicht oder Stamm möglich)
    • Ursache: Genetisch oder medikamentös (bspw. Streptomycin, Minoxidil, Ciclosporin, Cetuximab)

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Allgemeine Therapiehinweise

Erst bei einem pathologischen Ferriman-Gallwey-Score sollen weitere Untersuchungen zur Klärung der Ursache erfolgen. Eine Therapieindikation kann jedoch bei Leidensdruck der Patientin auch bei einem Ferriman-Gallwey-Score unterhalb der pathologischen Grenzwerte bestehen!

Medikamentöse Therapie

Aufgrund des langsamen Haarwachstums ist ein Therapieerfolg erst nach ca. 6 Monaten beurteilbar - vorher sollte weder eine Dosissteigerung noch ein Präparatwechsel erfolgen!

Haarentfernungsmethoden

Temporäre Methoden

  • Rasur
  • Epilation: Bspw. Wachsen, Zupfen
  • Chemische Depilation: Bspw. Haarentfernungscremes
  • Bleichen (insb. im Gesicht eingesetzt)

Langfristige Methoden

Langfristige Haarentfernung [2][6]

Fotoepilation mittels IPLS oder Laser

Haarentfernung mittels Elektrolyse
Prinzip
  • Absorption von Lichtenergie durch Melanin, durch Umwandlung in Wärme Zerstörung des Haarfollikels
Voraussetzungen
  • Pigmentiertes Terminalhaar und heller Hauttyp (empfehlenswert bei Hauttyp I–III nach Fitzpatrick)
  • Resultat abhängig von Körperregion
    • Gutes bis sehr gutes Ansprechen: Intimbereich, Achselhöhlen, Wangen, Hals, Stamm, Extremitäten
    • Reduziertes Ansprechen: Kinn, perioral
  • Empfohlen für Patientinnen mit hellen/weißen Haaren
Anwendung
  • Eher für kleinere Areale genutzt aufgrund der längeren Behandlungsdauer
  • I.d.R. mehrere Behandlungen notwendig
Unerwünschte Wirkungen
  • Thermische Hautschäden : Häufiger bei dunklen Hauttypen
  • Paradoxes Haarwachstum : Insb. Gesicht und Hals betroffen, häufiger bei Frauen aus dem Mittelmeerraum oder dem Mittleren Osten
  • Schädigung der Augen bei unzureichendem Schutz
  • Schmerzen bei der Anwendung
  • Periinterventionelles Management bei Fotoepilation
    • Direkt davor Glattrasur notwendig, Haarreste entfernen
    • Kein Zupfen/Wachsen vor und zwischen Behandlungen
    • NZN im Behandlungsareal abdecken, nicht über Tätowierungen lasern
    • Ggf. nicht-pigmenthaltige Hautcremes/-lotionen vor Behandlung auftragen
    • Insb. bei dunklen Hauttypen paralleles Kühlen
    • Unmittelbar nach Behandlung Nachkühlen von mind. 15–20 min
    • Bei Herpesanamnese im Behandlungsareal Einleitung einer antiviralen Therapie
    • Schonung des Behandlungsareals in den ersten Tagen
    • UV-Schutz (LSF 50+ 2 Wochen vor und nach Behandlung)

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

  • L68.-: Hypertrichose
    • Inklusive: Verstärkter Haarwuchs
    • Exklusive: Angeborene Hypertrichose (Q84.2), Persistierende Lanugobehaarung (Q84.2)
    • L68.0: Hirsutismus
      • Info: Soll bei Arzneimittelinduktion die Substanz angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer (Kapitel XX) zu benutzen.
    • L68.2: Lokalisierte Hypertrichose
    • L68.8: Sonstige Hypertrichose
    • L68.9: Hypertrichose, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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