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Thyreostatika

Letzte Aktualisierung: 22.2.2021

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Thyreostatika können im Wesentlichen in Thionamide und Perchlorate unterschieden werden. Während Thionamide über eine Hemmung der Thyreoperoxidase die Schilddrüsenhormonsynthese hemmen, inhibieren Perchlorate die Aufnahme von Jod in Thyreozyten. Haupteinsatzgebiet der Thyreostatika ist die Behandlung der Hyperthyreose und thyreotoxischer Krisen, Perchlorate hingegen werden insb. auch in speziellen Situationen mit erhöhter Jodbelastung (z.B. i.v.-Kontrastmittelgabe) protektiv verabreicht. Beide Medikamentengruppen können über die reaktive Erhöhung des TSH-Werts eine diffuse Struma bedingen, wobei Perchlorate allgemein über eine hohe Nebenwirkungsrate verfügen (Gastritis, Allergien).

Thionamide

Der Wirkungseintritt von Thionamiden ist verzögert nach etwa 6–8 Tagen zu erwarten; zur Therapie der Hyperthyreose ist eine begleitende symptomatische Therapie erforderlich!

Therapiemonitoring der Thionamid-Thyreostatika

Gelenkschmerzen bzw. Halsschmerzen und Fieber sind die wichtigsten Warnsignale, auf die Patienten unter Thionamid-Therapie hingewiesen werden müssen!

Natrium-Perchlorat [1]

  • Indikation: Prophylaxe einer Hyperthyreose vor Gabe iodhaltiger Kontrastmittel
  • Dosierungen
  • Perchlorat-Gabe je nach Schilddrüsenfunktion
    • Bei latenter Hyperthyreose (TSH↓, fT3 und fT4↔︎ ): Direkte Perchlorat-Gabe
    • Bei Risikopatienten für eine jodinduzierte Thyreotoxikose : Großzügige Indikationsstellung zur Prophylaxe mit Natrium-Perchlorat[2]
    • Vorgehen bei manifester Hyperthyreose
      • Grundsätzlich Kontraindikation für die Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel, außer in lebensbedrohlichen Notfällen, bei der eine Kontrastmittelgabe für Diagnostik und Therapie erforderlich ist
      • Ggf. muss das Risiko individuell abgewogen und in Kauf genommen werden[2]

Patienten, die trotz einer manifesten Hyperthyreose jodhaltiges Kontrastmittel verabreicht bekommen, müssen engmaschig endokrinologisch überwacht werden!

Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insbesondere aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.

Wirkstoffe Wirkmechanismus
  • Inhibierung der Schilddrüsenhormonsynthese
  • Hemmung der proteolytischen Abspaltung von T3 und T4 von Thyreoglobulin → Freisetzung von T3 und T4

Thionamide

Perchlorate

  • Hemmung der Aufnahme von Jodid in die Schilddrüse (rascher Wirkungseintritt)

Sonstige

  • Lithium: Inhibierung der Freisetzung von Schilddrüsenhormonen
  • Jodid: In hohen Dosen >5 mg/d hemmt Jod die Freisetzung von T3/T4. Es kann daher auch zur präoperativen Behandlung einer Hyperthyreose oder bei der nicht-jodinduzierten thyreotoxischen Krise eingesetzt werden, da es einen raschen Wirkeintritt (24 h) und eine relativ kurze Wirkdauer (1–2 Wochen) zeigt. Eine Jodid oder Lithium-Gabe hemmt die Hormonfreisetzung über die Hemmung der proteolytischen Abspaltung von Thyreoglobulin.

Thionamide

Perchlorate

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Thionamide

Perchlorate

Siehe auch: Thyreostatische Therapie (inkl. Dosierungen und Verordnungshinweisen)

  1. Schönenberger et al.: Komplikationen durch die Kontrastmittelgabe In: Der Internist. Band: 51, Nummer: 12, 2010, doi: 10.1007/s00108-010-2760-9 . | Open in Read by QxMD p. 1516-1524.
  2. Contrast Media Safety Committee of the European Society of Urogenital Radiology. Stand: 12. Mai 2012. Abgerufen am: 11. Dezember 2017.
  3. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2010 .
  4. Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5 .
  5. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .
  6. Herold: Innere Medizin 2017. Herold 2016, ISBN: 3-981-46606-3 .
  7. Leo et al.: Hyperthyroidism In: The Lancet. Band: 388, Nummer: 10047, 2016, doi: 10.1016/s0140-6736(16)00278-6 . | Open in Read by QxMD p. 906-918.
  8. Röntgenkontrastmittel bei Patienten mit Risiko jodindizierter Schilddrüsenfunktionsstörungen. Stand: 1. Mai 2016. Abgerufen am: 11. Dezember 2017.
  9. Dietrich: Thyreotoxische Krise In: Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin. Band: 107, Nummer: 6, 2012, doi: 10.1007/s00063-012-0113-2 . | Open in Read by QxMD p. 448-453.