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Chronischer Pruritus

Letzte Aktualisierung: 6.1.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Pruritus bzw. Juckreiz ist eine unangenehme Empfindung der Haut, die häufig eine Abwehrreaktion (z.B. Kratzen oder Reiben) hervorruft. Bei Chronifizierung (>6 Wochen) erlangt der Pruritus oft einen eigenen Krankheitswert und kann die Lebensqualität erheblich beeinflussen. Als Leitsymptom zahlreicher dermatologischer, aber auch internistischer, neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen stellt er eine besondere diagnostische Herausforderung dar. Neben einer ausführlichen Anamnese steht die Inspektion der gesamten Haut im Vordergrund, wobei auf primäre Hauterscheinungen sowie sekundäre Kratzläsionen geachtet werden sollte. Lässt sich der Pruritus anhand von Anamnese und klinischer Untersuchungen nicht sicher ätiologisch zuordnen, sollten weiterführende Untersuchungen (u.a. Labordiagnostik, Bildgebung) durchgeführt werden. Chronischer Pruritus (CP) ist häufig schwer behandelbar. Therapeutisch stehen neben der Therapie der Grunderkrankung symptomatische Maßnahmen zur Verfügung.

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Definitiontoggle arrow icon

  • Pruritus: Unangenehme Empfindung der Haut (Juckreiz), die lokalisiert oder generalisiert auftreten und zu einer Abwehrreaktion (z.B. Kratzen, Reiben, Kneten) führen kann
  • Chronischer Pruritus: Seit 6 Wochen bestehender Juckreiz

Der chronische Pruritus kann einerseits Symptom, andererseits auch eigenständige Erkrankung sein, da er auch nach Abheilung der ursächlichen Erkrankung weiterhin bestehen kann!

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Epidemiologietoggle arrow icon

Bei Kindern und Jugendlichen ist chronischer Pruritus signifikant mit dem Auftreten maligner Erkrankungen assoziiert!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Ursachen von Pruritus

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Mögliche Ursachen eines CP auf läsionaler Hauttoggle arrow icon

Entzündliche Dermatosen

Entzündliche Dermatosen
Mögliche Ursache Klinisches Bild Weitere diagnostische Besonderheiten

Allergisches Kontaktekzem

Atopische Dermatitis
  • Insb. Beugeekzeme
  • Ggf. weitere atopische Erkrankungen bekannt
  • Ggf. positive Familienanamnese
Makulopapulöses Arzneimittelexanthem
  • Stammbetontes Exanthem
  • Ausbreitung von zentral nach peripher
  • Ggf. Auslöser bekannt
Akutes rezidivierendes vesikuläres Ekzem
Asteatotisches Ekzem / Xerosis cutis
  • Trockene Haut
  • Häufiger Wasserkontakt oder austrocknende Reinigungsmaßnahmen eruierbar
Irritatives Kontaktekzem
  • Ggf. Auslöser bekannt
  • Häufig Brennen oder Schmerzen
Lichen ruber planus
(Extragenitaler) Lichen sclerosus et atrophicus
  • Bei extragenitalem Verlauf: Hypopigmentierte Papeln
Transitorische akantholytische Dermatose
  • Prädilektionsstelle: Rumpf
  • Insb. Männer betroffen
Mastozytose
Nummuläres Ekzem
Persitierende Arthropodenstichreaktion
  • Hinweis auf Insektenstich in der Anamnese
Polymorphe Lichtdermatose
  • UV-Sensibilität
  • Ohne weitere Sonnenexposition rasche Spontanheilung
Psoriasis vulgaris
Seborrhoisches Ekzem
  • I.d.R. typisches klinisches Bild
  • Häufig Kopfhaut betroffen
Urtikaria
  • Flüchtige Hauterscheinungen
  • I.d.R. keine Kratzläsionen vorhanden

Infektiöse Dermatosen

Infektiöse Dermatosen
Mögliche Ursache Klinisches Bild Weitere diagnostische Besonderheiten

Bakterielle Hautinfektionen (z.B. Follikulitis)

Mykosen
  • Nachweis von Pilzen (in Nativpräparat und Kultur)
Lauserkrankungen
Skabies
  • Nachweis von Skabiesmilben an den Prädilektionsstellen
  • Umfeld ebenfalls betroffen
Virale Hautinfektionen (z.B. Herpes zoster)

Autoimmundermatosen

Autoimmundermatosen
Mögliche Ursache Klinisches Bild Weitere diagnostische Besonderheiten

Bullöses Pemphigoid

Lineare IgA-Dermatose
Dermatitis herpetiformis Duhring

Weitere Dermatosen

Genodermatosen, Schwangerschaftsdermatosen und Neoplasien
Mögliche Ursache Klinisches Bild Weitere diagnostische Besonderheiten
Genodermatosen Ichthyosen, z.B.
Neurofibromatosen
Schwangerschaftsdermatosen Atopische Schwangerschaftsdermatose
Pemphigoid gestationis
Polymorphe Schwangerschaftsdermatose
  • Auftreten im 3. Trimenon
  • Initial Hautveränderungen innerhalb der Striae distensae
Neoplasien

Primär kutane T-Zell-Lymphome, insb.

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Mögliche Ursachen eines CP auf nicht-läsionaler Hauttoggle arrow icon

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Pruritusauslösende Medikamentetoggle arrow icon

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Pathophysiologietoggle arrow icon

  • Mögliche Auslöser
    • Mechanische/thermische Einflüsse oder Kontakt mit Mediatoren : Aktivierung freier Nervenenden der polymodalen C-Nervenfasern in der HautJuckreiz
    • Vermehrte Freisetzung von Mediatoren: Bspw. durch
      • Entzündliche Veränderungen der Haut
      • Erhöhten opioidergen Tonus
  • Juck-Kratz-Zirkel: Starkes Kratzen löst Schmerz aus → Kurzfristige Reduktion des Juckempfindens → Kratzen wird aufrechterhalten → Schädigung der Haut und gesteigerte Entzündung → Verstärkter Pruritus
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Klassifikationtoggle arrow icon

Aktuelle Klassifikation (gemäß IFSI) [3]

  • Primär: Klinische Einteilung
  • Sekundär: Einteilung nach Differenzialdiagnosen

Klinische Einteilung

Differenzialdiagnostische Einteilung

Weitere klinisch gebräuchliche Einteilungen

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Chronische Prurigotoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

Klinische Untersuchung

Es sollte immer die gesamte Haut untersucht werden, nicht nur die juckenden Stellen!

Pruritusdokumentation und -messung

Apparative und laborchemische Diagnostik

Chronischer Pruritus auf primär läsionaler Haut (CPL)

Chronischer Pruritus auf primär nicht-läsionaler Haut (CPNL)

Trotz umfassender Diagnostik bleibt die Ursache bei 13–50% der Betroffenen ungeklärt! In diesem Fall werden klinische Verlaufskontrollen und ggf. eine Wiederholung der Diagnostik (z.B. 1×/Jahr) empfohlen.

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Therapietoggle arrow icon

Allgemeines

  • Individualisierter Therapieansatz: Unter Berücksichtigung von
  • Grundsätzliche Therapieprinzipien
Stufentherapie des Pruritus
Maßnahmen
1. Stufe
2. Stufe
  • Zusätzliche symptomatische Therapie entsprechend der Ursache
3. Stufe

Chronischer Pruritus kann auch nach erfolgreicher Therapie der auslösenden Erkrankung persistieren!

Allgemeine Maßnahmen zur Prurituslinderung

  • Hauttrockenheit vermeiden
    • Trockenes Klima, Hitze (inkl. Sauna) und Kälte meiden
    • Möglichst selten und dann nur kurz mit lauwarmem Wasser und rückfettenden Reinigungsmitteln (z.B. Syndets, Öle) baden
    • Geschädigte Haut nach Wasserkontakt vorsichtig abtupfen
    • Luftige Kleidung tragen
  • Meiden/reduzieren von
    • Allergenen (insb. bei Atopie)
    • Irritierenden Substanzen
    • Sehr heißem / stark gewürztem Essen, Alkohol, heißen Getränken
  • Topische Basistherapie: Täglich anwenden
  • Juckreizhemmende Präparate verwenden
  • Lebensstil: Anspannung und Stress meiden
  • Patientenschulungen: Bspw. Neurodermitisschulung

Topische Therapie

Fototherapie

  • Wirkweise [8]
    • Ausschüttung pruritogener Mediatoren ↓
    • Rezeptoren für pruritogene Mediatoren ↓
    • Reduktion der kutanen purizeptiven Nerven
  • Indikation
    • CPL aufgrund inflammatorischer Dermatosen
    • Chronische Prurigo
    • CPNL aufgrund einiger systemischen Erkrankungen
  • Durchführung

Systemische Therapie

Therapie entsprechend der Ursache

Nephrogener Pruritus

Weitere ursachenspezifische Therapien

Pruritus unklarer Genese

Psychosomatische Therapie

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AMBOSS-Pflegewissen: Pruritustoggle arrow icon

Die spezielle Pflege bei Juckreiz richtet sich nach der vorliegenden Grunderkrankung. Insb. die Beratung der Patient:innen und die Überwachung des Verlaufs stehen im Vordergrund.

Beobachten/Überwachen

Der Verlauf wird systematisch erfasst und dokumentiert. Folgende Leitstruktur eignet sich:

  • Skalen zur Qualifizierung des Juckreizes: Analog zur Schmerzerfassung einsetzbar
  • Haut: Neu aufgetretene oder zu-/abnehmende
    • Rötungen
    • Pusteln, Quaddeln
    • Trockenheit
    • Kratzspuren
  • Auslöser: Gemeinsam mit den Patient:innen besprechen, ob Auslöser bekannt sind bzw. identifiziert werden können, bspw.
    • (Neu angesetzte) Medikamente
    • Nahrungsmittel
    • Stress
    • Schwitzen
    • Kontakt zu allergenen Materialien
    • Trockene Umgebungsluft

Medikamentöse Therapie

  • Siehe auch: Therapie bei Pruritus
  • Topisch und/oder systemisch (p.o. oder seltener i.v.)
  • Aufgaben der Pflegefachkraft
    • Durchführung und Überwachung der medikamentösen Therapie, insb. Beobachtung und Dokumentation des Therapieerfolges
    • Bedarfsmedikation verabreichen
    • Ggf. Unterstützung bei der Applikation von Cremes und Salben , insb. auf schwer zu erreichende Körperstellen

Körperpflege

  • Physiologischen pH-Wert der Haut aufrechterhalten durch
    • Ausgewählte Hautpflegeprodukte (inkl. Handseife)
      • Ohne Duft- und Konservierungsstoffe sowie Alkohol
      • pH-neutral
      • Feuchtigkeitsspendend, rückfettend, beruhigend
    • Händewaschen und -desinfektion nur, wenn tatsächlich nötig
    • Kontakt mit Chemikalien, bspw. in Putzmitteln, vermeiden
  • Fingernägel kurz und sauber halten
  • Nur kurz und lauwarm duschen
  • Beim Abtrocknen der Haut: Tupfen, nicht reiben
  • Raue (bspw. Wolle) und eng anliegende Kleidung vermeiden
  • Atmungsaktive Kleidung aus unbehandelter Naturfaser bevorzugen
  • Waschmittel für empfindliche Haut benutzen, Weichspüler meiden

Ernährung

  • Bekannte Allergene meiden
  • Meiden von Lebensmitteln, die die Durchblutung der Haut fördern

Beratung

  • Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen erläutern
    1. Juckreiz tritt auf.
    2. Die Patient:innen kratzen sich.
    3. Es kommt zu einer kurzfristigen Erleichterung.
    4. Durch das Kratzen wird die Haut weiter gereizt.
    5. Der Juckreiz tritt erneut (und ggf. verstärkt) auf.
  • Alternativstrategien zum Kratzen aufzeigen
    • Juckende Hautareale mit der flachen Hand oder mit Gegenständen, die keine Verletzungen verursachen können, bearbeiten , bspw.
      • Klopfen
      • Drücken
      • Massieren
      • Kneten
    • Ablenkung
    • Entspannungstechniken
    • Kühlen, z.B. mit feuchten Umschlägen oder Kühlpacks
    • Bei starkem Juckreiz nachts ggf.
      • Baumwollhandschuhe tragen
      • Juckende Stellen prophylaktisch verbinden
  • Individuelle Auslöser identifizieren
    • Juckreiztagebuch führen
      • War der Juckreiz immer vorhanden oder nur zeitweise?
      • Wie stark war der Juckreiz?
      • Was wurde gegessen und getrunken?
      • Welche Hautpflegeprodukte wurden verwendet?
      • In welchem Kontext trat der Juckreiz auf?
      • Wie war die Umgebung?
    • Zusammenhänge zwischen möglichen Auslösern und Juckreiz erläutern
    • Strategien entwickeln, die identifizierten Auslöser zu meiden
  • Schulungen zum Umgang mit Juckreiz empfehlen
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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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